| Das Leben in Christchurch hat sich normalisiert aber die Innenstadt bleibt weiterhin abgesperrt. Ein Zeitrahmen ist noch nicht einmal für den Abriss von Gebäuden vorgesehen: derzeit sind 307 Gebäude zum Abriss freigegeben, vor allem in den östlichen und südlichen Außenbezirken. Diese Zahl wird sich jedoch voraussichtlich um hunderte erhöhen, wenn Entscheidungen für die »rote Zone« getroffen werden, wie sich jetzt der Innenstadtbereich zwischen den vier Avenues nennt. Dass im Parlament das Budget für den Wiederaufbau beschlossen wurde (8,5 Milliarden NZ$) gibt einige Hoffnung für rasche Entscheidungen darüber, was mit der Innenstadt geschehen soll, diesbezüglich ist bis dato noch nichts entschieden und die Meinungen sind sehr divergent. Außerhalb des abgesperrten Gebietes abseits der vier Avenues gibt es immer noch einige Widrigkeiten, vor allem in den östlichen Vororten, die vom Beben am schwersten betroffen waren. Wasser muss immer noch abgekocht werden, »Portaloos« sind nach wie vor an öffentlichen Plätzen zu sehen und dienen in privaten Haushalten statt der Kanalisation, für deren komplette Wiederherstellung weitere zwei Jahre benötigt werden. Strom und Telefon funktionieren, im Osten ist das Netz jedoch noch so schwach, dass die Bevölkerung gebeten werden musste, möglichst wenig und kurz zu telefonieren. Es gibt immer noch leichte Nachbeben, die aber in den letzten Wochen die 3,3 nicht überschritten haben (was der Autor dieser Zeilen beim Christchurch-Besuch nach dem Beben vom Februar als spürbar aber nicht Besorgnis erregend empfunden hat). Die Einkaufszentren (Malls) im Westen, allen voran die Riccarton Mall, machen ein gutes Geschäft, da im Osten und Süden viele Unternehmen ausgefallen sind und die Bewohner die Fahrt durch die Stadt auf sich nehmen, um das große Angebot der Malls wahrnehmen zu können. Das gibt jedoch auf den Durchgangsstraßen immer wieder Staus. Hotels, Motels und Backpacker-Hostels vor allem in Riccarton machen ein gutes Geschäft, mit Schnäppchen und last-minute-Preisen sollte man derzeit nicht rechnen. Am Wochenende (15.-17.April) findet in Auckland die internationale »Pacific Conference on Earthquake Engineering« statt, in deren Vorfeld einige veröffentlichte bzw. im Rundfunk/TV übertragene Interviews einen deutlichen Trend zeigen: In Zukunft soll – nicht nur in Christchurch – nicht nur gebaut werden, um den Einsturz von Gebäuden zu verhüten sondern, mit den modernsten technischen Mitteln, die Infrastrukturen unbeschädigt zu erhalten. Christchurchs Bürgermeister Bob Parker meldete sich ebenfalls zu Wort. In seinem offenen Brief an die Konferenzmitglieder betont er: »We must be the safest city in the world« – Wir müssen die sicherste Stadt der Welt sein. (Dietrich Höllhuber, 14.04.2011) |