»Die Reise am Lap­top pla­nen.«

Ein Ge­spräch mit Micha­el Mül­ler zu den neuen Web-Apps

Das war uns schon immer wich­tig: Rei­se­füh­rer zu schrei­ben, die mehr bie­ten als an­de­re – mehr Hin­ter­grün­de, mehr un­ge­wöhn­li­che Tipps, mehr Un­ter­neh­mun­gen ab­seits der Kli­schee­pa­ra­den. Dazu ge­hö­ren auch die Vor­tei­le der neuen Me­di­en. Des­halb gibt es un­se­re Web-Apps. Eine Web-App – was ist das ei­gent­lich? 5 Fra­gen und 5 Ant­wor­ten zum Thema.


1. Herr Mül­ler, die neuen City-Rei­se­füh­rer sind seit 2017 mit einer so­ge­nann­ten »Web-App« aus­ge­stat­tet. Was heißt das genau?

Portrait Michael MüllerWeb-Apps sind klei­ne On­li­ne-Rei­se­füh­rer, wel­che die ers­ten Pla­nun­gen für einen Städ­te­trip zu Hause am Bild­schirm er­mög­li­chen. Sämt­li­che rei­se­prak­ti­schen Adres­sen aus den ge­druck­ten Bü­chern sind darin er­hal­ten, sämt­li­che Stadt­tou­ren mit exakt ge­bau­ten Kar­ten wer­den ab­ge­bil­det. Au­ßer­dem haben wir un­se­re neuen The­men­sei­ten zur Ori­en­tie­rung in die Web-Apps ein­ge­bun­den. 17 Web-Apps kön­nen unter mmtra­vel.com di­rekt an­ge­klickt wer­den, kom­plett ohne Re­gis­trie­rung.


2. Wie un­ter­schei­det sich die Web-App von der kos­ten­pflich­ti­gen App eines Städ­te­füh­rers?

In ihrer Zu­ge­spitzt­heit. Wäh­rend die kos­ten­pflich­ti­ge App den kom­plet­ten Buch­text in all sei­ner De­tail­ver­liebt­heit bie­tet, ist die Web-App eine ge­kürz­te Va­ri­an­te. Warum? Weil ja alles im sie flan­kie­ren­den Buch steht. Mei­nes Erach­tens er­gän­zen sich die zwei In­stru­men­te au­ßer­ge­wöhn­lich gut – zu­min­dest so lange, bis sich reine Rei­se­füh­rer-Apps durch­set­zen. Zu­sätz­lich kann man sich mit der Web-App sehr gut in der Stadt zu­recht­fin­den. Via Smart­pho­ne weiß man immer genau, wo man ge­ra­de steht.
Der zwei­te und ent­schei­den­de Un­ter­schied: Die Voll-App läuft kom­plett off­line, das be­trifft selbst die Kar­ten.


3. Ihre An­stren­gun­gen in der Di­gi­ta­li­sie­rung von Rei­se­füh­rern sind groß. Glau­ben Sie wirk­lich, dass ge­druck­te Rei­se­füh­rer aus­ster­ben?

Der ge­druck­te Rei­se­füh­rer wird de­fi­ni­tiv nicht aus­ster­ben, er wird al­ler­dings in den nächs­ten Jah­ren Fe­dern las­sen. Be­son­ders die junge Ge­ne­ra­ti­on, die mit dem Smart­pho­ne auf­wächst, wird haupt­säch­lich di­gi­tal un­ter­wegs sein.


4. Das führt uns zur nächs­ten Fra­gen: Den­ken Sie, dass es ge­nü­gend Rei­sen­de geben wird, denen di­gi­ta­le In­hal­te etwas wert sind?

Das ist noch immer die große Un­be­kann­te. Al­lein mit Af­fi­lia­te-Pro­gram­men, durch die man etwa eine Pro­vi­si­on von Boo­king.com für eine Ho­tel­ver­mitt­lung er­hält, wer­den wir nie­mals genug ver­die­nen, um un­se­re Mit­ar­bei­ter und Au­to­ren an­ge­mes­sen zu be­zah­len. Zumal wir jour­na­lis­tisch un­ab­hän­gig blei­ben – und nur aus­ge­wähl­te Ho­tels auf­neh­men.


5. Stich­wort Me­di­en­kri­se: Viele Ta­ges­zei­tun­gen spü­ren den Rück­gang der Auf­la­gen­hö­hen. Bei ge­druck­ten Rei­se­füh­rern ist das bis­lang noch nicht der Fall. Warum ei­gent­lich?

Bei Zei­tun­gen und Ma­ga­zi­nen war es we­ni­ger der Ver­lust der Auf­la­ge, der die Krise ver­ur­sacht hat: viel schlim­mer schlu­gen die Ver­lus­te im An­zei­gen­ge­schäft zu Buche. Sie wur­den von den On­li­ne-Por­ta­len der ent­spre­chen­den Me­di­en nur be­dingt auf­ge­fan­gen.
Er­staun­li­cher­wei­se hal­ten sich die Rei­se­buch­auf­la­gen auch in­ter­na­tio­nal re­la­tiv gut. Ich denke, das liegt am Rei­se­boom, der durch Bil­lig­flü­ge an­ge­feu­ert wird. Al­ler­dings haben die Ter­ror­an­schlä­ge im letz­ten Jahr im ge­sam­ten deut­schen Rei­se­füh­rer­markt zu cirka zwei Pro­zent Rück­gang ge­führt.