Städteführer Rom MM-City

Sabine Becht

Unterwegs mit Sabine Becht

Portrait Sabine BechtLiebe Le­se­rin, lie­ber Leser! Die meis­ten Schu­he, die ich be­sit­ze, habe ich in Rom ge­kauft. Nicht aus Ei­tel­keit oder weil es sich in Rom so super ein­kau­fen lässt (und zwei­fels­oh­ne, es lässt sich her­vor­ra­gend shop­pen in der Ewi­gen Stadt), son­dern aus purem Schmerz. Ein be­rufs­be­ding­ter Schmerz, der sich nach spä­tes­tens zwei Tagen stän­di­gen Her­um­lau­fens auf rö­mi­schem Kopf­stein­pflas­ter ein­stellt. Ich habe Espadril­les mit ro­bus­ter Sohle und Bal­le­ri­nas, Turn­schu­he und Ba­de­schlap­pen, Stie­fe­let­ten und sogar Stie­fel, alle aus Rom, alle ge­kauft in der Hoff­nung, am nächs­ten Abend viel­leicht we­ni­ger zu lei­den. Rö­mern wie Tou­ris­ten schaue ich immer zu­erst auf die Füße. Und nicht sel­ten wird bei Letz­te­ren der Schmerz eben­falls sicht­bar – Schwel­lun­gen und Bla­sen, dazu die er­schöpf­ten Ge­sich­ter.
Auf Rö­me­rin­nen da­ge­gen, die mit un­glaub­li­cher Ele­ganz auf me­ter­ho­hen Sti­let­tos über das krum­me, löch­ri­ge Pflas­ter schrei­ten, trifft das nicht zu (dass sie das nur die we­ni­gen Meter vom Taxi zum Re­stau­rant und am Arm eines wahn­sin­nig coo­len Rö­mers tun – ge­schenkt). Oder auf die vie­len Mi­nis­te­ri­ums-Damen der In­nen­stadt, die wür­de­voll in ihren Pumps zur nächs­ten Bar stö­ckeln, ohne dabei je eine Miene zu ver­zie­hen.
Die Rö­me­rin­nen haben Recht! Einen Ort, der my­tho­lo­gisch nach­weis­bar min­des­tens 2770 Jahre alt ist, soll­te man er­schrei­ten, bes­ser noch »er­schlen­dern«, am bes­ten mit viel Zeit und viel­leicht lie­ber in fla­chen Schu­hen. Denn um diese wun­der­vol­le Stadt ge­büh­rend ge­nie­ßen zu kön­nen, soll­ten Ihnen auf gar kei­nen Fall die Füße weh­tun. Letz­tens habe ich üb­ri­gens wie­der zu­ge­schla­gen: Es wur­den ein paar sau­mä­ßig be­que­me Rö­mer­san­da­len.