Gast­haus zum Grü­nen Baum

Dormitz

Gasthaus zum Grünen Baum, Dormitz
Schmuck­stück an der Haupt­stra­ße in Dormitz: das Gast­haus zum Grü­nen Baum (Foto: Emil Be­zold).
Dass hier auf der Haupt­stra­ße ein­mal ein frän­ki­sches Mekka für Lieb­ha­ber der krea­ti­ven re­gio­na­len Küche ent­ste­hen würde, das konn­te nie­mand in Dormitz ahnen, noch nicht ein­mal die Be­sit­zer selbst, denn jah­re­lang war das Haus in einen Dorn­rös­chen­schlaf ge­fal­len. Dass es dar­aus wie­der er­wach­te, ist al­lein dem un­er­müd­li­chen En­ga­ge­ment der Fa­mi­lie Kam­mer­may­er zu ver­dan­ken.

Bis ins Jahr 1740 lässt sich die Ge­schich­te des Hau­ses zu­rück­ver­fol­gen. Die Be­sit­zer wech­sel­ten oft, zwei­mal brann­te es ab und ir­gend­wann er­warb die kin­der­lo­se Groß­tan­te Mar­ga­re­te Eck den Hof, um hier ihre Dorf­metz­ge­rei und Gast­wirt­schaft zu be­trei­ben. Nach dem Tod ihres Man­nes ver­pach­te­te sie das Ge­bäu­de, was je­doch dem An­we­sen mehr scha­de­te als nütz­te. Ziem­lich her­un­ter­ge­kom­men war es, als sie es an ihren Nef­fen Ste­fan Kam­mer­may­er ver­erb­te, der schon als Kind davon ge­träumt hatte, Koch zu wer­den. Ein Aus­bil­dungs­platz war ihm schon si­cher in Lauf im Brat­wurst­stüberl, wo er die klas­si­sche frän­ki­sche Koch­kunst er­lern­te. Der Traum vom ei­ge­nen Re­stau­rant be­glei­te­te ihn die ge­sam­te Lehre hin­durch. Ge­mein­sam mit sei­ner Frau, Ma­nue­la Braun, und sei­nen El­tern, Al­fred und Han­ne­lo­re, be­schloss er, das alte Haus wie­der­zu­be­le­ben. Dafür muss­te es grund­le­gend ent­kernt wer­den. »Was dabei auf uns zukam, konn­ten wir uns in un­se­ren kühns­ten Träu­men nicht vor­stel­len.«, re­sü­miert Al­fred Kam­mer­may­er.

Gasthaus zum Grünen Baum, Dormitz
Ste­fan Kam­mer­may­er kocht frän­kisch mit Raf­fi­nes­se (Foto: Emil Be­zold).
Fünf Jahre Bau­zeit ver­gin­gen, immer in enger Ab­stim­mung mit dem Denk­mal­schutz, der mit ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen da­her­kam. »Das Haus be­stand nur noch aus Plas­tik­pla­nen, aber wir haben ver­sucht, was noch brauch­bar war, zu ret­ten.«, er­zählt der Vater, Al­fred Kam­mer­may­er, der im frü­he­ren Beruf ei­gent­lich Feu­er­wehr­mann war und den Bau von An­fang an be­glei­te­te. Am 26. Ok­to­ber 2011 er­folg­te dann end­lich die lang­er­sehn­te Bau­ab­nah­me, drei Tage spä­ter kamen die ers­ten Gäste. Die Ad­vents­zeit ge­riet zum Pro­be­lauf, und der glück­te: Dormitz hatte end­lich wie­der eine Gast­wirt­schaft – und was für eine! Ein wah­res Schmuck­stück ist hier ent­stan­den, be­ste­hend aus zwei far­ben­fro­hen Gast­räu­men, zwei ge­schmack­voll ein­ge­rich­te­ten Sälen, einer mo­der­nen Lounge und, nicht zu ver­ges­sen, dem Juwel des Hau­ses, dem präch­ti­gen Ge­wöl­be­kel­ler. Alles für die Gäste!

Gasthaus zum Grünen Baum, Dormitz
Eine Spe­zia­li­tät des Hau­ses: Mi­ni­schäu­fer­la an Dun­kel­bier­sau­ce (Foto: Emil Be­zold).
»Wenn die Fa­mi­lie nicht zu­sam­men­ge­hol­fen hätte, wären wir nicht da, wo wir heute ste­hen.«, re­sü­miert Al­fred Kam­mer­may­er. »Wir haben als Fa­mi­lie alles ge­mein­sam ge­macht, die Ka­mi­ne ab­ge­tra­gen, den Schutt raus­ge­schüt­tet, die alten Holz­de­cken ver­klei­det und das Fach­werk frei­ge­legt.« Und auch heute hilft noch jeder mit, be­son­ders wenn am Wo­che­nen­de die Gäste Schlan­ge ste­hen. Ohne Re­ser­vie­rung ist sonn­tags ein Platz nur noch mit Glück zu er­gat­tern.


Gasthaus zum Grünen Baum, Dormitz
Eine feine Krea­ti­on des Kü­chen­chefs: Wei­ßes Zimt­mous­se auf Rum­früch­ten (Foto: Emil Be­zold).
Kein Wun­der, Ste­fan Kam­mer­may­er kocht eine au­then­ti­sche frän­ki­sche Küche mit al­ler­lei Raf­fi­nes­sen. Seine Wan­der­jah­re, die ihn in die Schweiz, nach Co­lo­ra­do (USA) und an den Te­gern­see ge­führt hat­ten, hal­fen ihm, sei­nen ei­ge­nen Stil zu ent­wi­ckeln, denn er muss­te Ge­rich­te aus der Haute Cui­sine ge­nau­so wie rus­ti­ka­le Spei­sen ko­chen und ver­bin­det heute wohl ge­ra­de des­halb Ele­men­te bei­der Rich­tun­gen. So lau­tet sein Motto: »Auch ein Schäu­fer­la kann man schön an­rich­ten.«


Gasthaus zum Grünen Baum, Dormitz
Ste­fan Kam­mer­may­er und Ma­nue­la Braun füh­ren ihr Haus mit Krea­ti­vi­tät und Herz­lich­keit (Foto: Emil Be­zold).
Ste­fan Kam­mer­may­er ver­wen­det aus­schließ­lich re­gio­na­le Pro­duk­te. Mi­ni­schäu­fer­la und ge­schmor­te Och­sen­bäck­chen sind seine Spe­zia­li­tät. Des­serts ver­fei­nert er gerne mit dem Honig, den sein Vater Al­fred noch tra­di­tio­nell her­stellt. Wich­tig ist ihm, dass die Qua­li­tät sei­ner Zu­ta­ten stimmt. Umso ge­nau­er ach­tet er daher auf ein gutes Ver­hält­nis zu sei­nen Lie­fe­ran­ten: »Ich kenne jeden mei­ner Zu­lie­fe­rer per­sön­lich.« Zum Bei­spiel Fa­mi­lie Höf­ler aus Ca­dolz­burg, die ein köst­li­ches Bau­ern­hof­eis her­stellt. Ste­fan Kam­mer­may­er hat es auf seine Kin­der­kar­te ge­setzt, und das zu einem fai­ren Preis. »Wir wol­len den Fa­mi­li­en nicht das Geld aus der Ta­sche zie­hen, son­dern wir ver­su­chen un­se­re Prei­se fa­mi­li­en­freund­lich zu ge­stal­ten.« Und auch sonst ist der zwei­fa­che Fa­mi­li­en­va­ter sehr en­ga­giert: Auf sei­nem Rad be­lie­fert er täg­lich den ört­li­chen Kin­der­gar­ten. Hier gibt’s dann beste frän­ki­sche Küche. »Wir schau­en auf eine ge­sun­de Mi­schung aus Fleisch, Nu­deln und Ge­mü­se. Wenn es Kai­ser­schmarrn gibt, dann aber zum Nach­tisch Roh­kost­ge­mü­se.«

Dass der Er­folg Fa­mi­lie Kam­mer­may­er quasi über­roll­te, ist wohl kein Zu­fall. Die Herz­lich­keit, mit der jeder Gast emp­fan­gen wird, und der Ein­falls­reich­tum aus der Küche sor­gen dafür, dass die­ser ku­li­na­ri­sche Hort noch lange be­ste­hen wird.

Wan­der-Tipp

Ge­gen­über vom Gast­hof führt eine klei­ne Gasse hin­aus aus Dormitz. Über eine klei­ne Brü­cke und vor­bei an der Schu­le ge­langt man auf einen Feld­weg auf dem man bis zum Klein­sen­del­ba­cher Wei­her lau­fen kann.