Gast­haus Roter Ochs

Forch­heim

Gasthaus Roter Ochs, Forchheim
Konni und Nelli Schel­ler sind frän­ki­sche Gast­leu­te mit Herz und Seele. (Foto: Mike Wutt­ke)
Führ­te Konni Schel­ler, In­ha­ber und Kü­chen­chef des Gast­hau­ses »Roter Ochs« im Forch­hei­mer Stadt­teil Burk, ein Fa­mi­li­en­wap­pen, dann würde es drei große »F« ent­hal­ten. Für frän­ki­sche Küche, frän­ki­schen Wein und frän­ki­sche Gast­freund­schaft! Er be­treibt das Gast­haus am Kirch­platz, zu­sam­men mit sei­ner Part­ne­rin Nelli, in der fünf­ten Schel­ler-Ge­ne­ra­ti­on. Seit 1861 ist der »Rote Ochs« Bier­wirt­schaft, seit 1881 Gast­haus. Mit holz­ver­tä­fel­tem Gast­zim­mer plus Ka­chel­ofen, wo sich auch die holz­ge­schnitz­ten Hei­li­gen in den Wand­ni­schen wohl füh­len, mit ele­gan­tem Hoch­zeits­saal und Son­nen­ter­ras­se.

Ein Re­stau­rant in Fran­ken zu be­trei­ben ist für den 47-Jäh­ri­gen, der in sei­ner Ju­gend re­nom­mier­te Häu­ser durch­wan­dert hat, immer auch eine Grat­wan­de­rung. Die frän­ki­sche Küche gilt als recht def­tig. »Die gibt es selbst­ver­ständ­lich auch bei uns«, sagt er. Aber neben der »alten« gibt es auch die junge frän­ki­sche Küche, die tra­di­tio­nel­le Re­zep­te ver­schlankt und an mo­der­ne Er­kennt­nis­se an­passt. Dabei ver­ar­bei­tet er be­vor­zugt hei­mi­sche, der Jah­res­zeit ent­spre­chen­de Pro­duk­te und zeigt sich dabei, wie man der Spei­sen­kar­te ent­neh­men kann, recht in­no­va­tiv. Ra­dies­chen­blät­ter­sup­pe mit Kar­tof­feln und Ge­mü­se, pi­kan­tes Meer­ret­tich­schnit­zel mit Kar­tof­fel­sa­lat und Sa­lat­tel­ler, Omas Brat­ap­fel mit Pflau­men­mus ge­füllt, dazu Va­nil­le­sau­ce, sind Bei­spie­le mit Lo­kal­ko­lo­rit. Ve­ge­ta­ri­er brau­chen den »Roten Och­sen« nicht zu fürch­ten. Hier gibt es z. B. haus­ge­mach­ten Buch­wei­zen­ri­sot­to mit Ge­mü­se und Pil­zen, dazu Sa­lat­tel­ler. Vegan, glu­ten- und so­jaf­rei! Zu den Spe­zia­li­tä­ten zäh­len Fisch- und Wild­ge­rich­te, le­cke­res Kree­fleisch und saf­ti­ge Schäu­fe­le. Die Menüs zu vie­ler­lei An­läs­sen wie z. B. Wein, Whis­ky, Jah­res­zei­ten, Li­te­ra­tur und Ita­lie­ni­scher Abend (mit Ge­sang) sind phan­ta­sie­voll zu­sam­men­ge­stellt und spie­geln auch die sai­so­na­len An­ge­bo­te wie Kreen und Spar­gel. Die Kräu­ter dazu kom­men aus dem ei­ge­nen Gar­ten. Und gute Rat­schlä­ge von sei­ner Mut­ter Eli­sa­beth dazu, die ihm in der Küche mit ihrer Er­fah­rung eine große Stüt­ze ist.

Ei­gent­lich müss­te Konni Schel­ler sei­nen drei »F« noch ein »B« hinzu fügen. »B« für Bier. Der Gast hat die Wahl unter 22 lo­ka­len und re­gio­na­len Bier­sor­ten, die er auf Bier­ex­kur­sio­nen (auch mit sei­nen Gäs­ten) alle ver­kos­tet hat. Er kann Mal­za­ro­men, Bit­ter­ge­halt, Voll­mun­dig­keit und Ab­gang eben­so exakt be­schrei­ben wie den Cha­rak­ter eines Wei­nes. Der Wirt ist näm­lich an­er­kann­ter Wein­be­ra­ter für deut­schen Wein. Er be­zieht sei­nen Fran­ken­wein aus dem staat­li­chen Hof­kel­ler Würz­burg. Und wenn wir schon bei re­gio­na­len Pre­mium­mar­ken sind: Seine Schnäp­se und Geis­ter kom­men von der Edel­bren­ne­rei Jo­han­nes Haas aus Pretz­feld, seine Obst­säf­te vom Obst­groß­markt aus dem glei­chen Ort.

Es gibt Gäste, die blei­ben gerne län­ger sit­zen und war­ten dar­auf, dass der Chef seine Küche ver­las­sen kann und sich zu ihnen setzt. Da er­weist sich Konni Schel­ler als sehr be­le­se­ner Lo­kal­pa­tri­ot, wenn er be­grün­det, dass die Sied­lung Burk älter ist als die Stadt Forch­heim und dort, wo Kir­che und Gast­haus auf der An­hö­he ste­hen, ver­mut­lich schon im 6. Jahr­hun­dert eine Be­fes­ti­gungs­an­la­ge den Han­dels­weg Reg­nitz schütz­te. In kla­ren Näch­ten lädt er dazu ein, durch sein Te­le­skop in den Ster­nen­him­mel zu bli­cken. Ge­le­gen­heit, auf die Drei­kö­nigs­kir­che in Burk und die sie um­ge­ben­den Le­gen­den zu ver­wei­sen. Warum be­glei­tet ein Hund im De­cken­fres­ko die drei Wei­sen auf den Weg nach Beth­le­hem? Der Wirt vom »Roten Ochs« zeigt auf einen Stern im Stern­bild »Gro­ßer Hund«. Zieht man von hier aus eine Linie durch die drei Ster­ne im Mit­tel­teil des Orion ge­langt man zum Si­ri­us-Stern im Osten, und wenn man die Linie wei­ter­zieht geht hier am 25. De­zem­ber die Sonne auf. »Das Licht kommt in die Welt« er­klärt Konni Schel­ler. Aus die­ser as­tro­no­mi­schen Kon­stel­la­ti­on sei die Le­gen­de der Hl. Drei Kö­ni­ge ent­stan­den. Wer ihm fach­lich zu wi­der­spre­chen ver­mag, hat das Au­gen­zwin­kern beim Wirt nicht ge­se­hen ...

Ser­vice wird »beim Och­sen«, wie die Bur­ker sagen, groß­ge­schrie­ben. Dafür sorgt Nelli mit ihrer an­ste­cken­den Fröh­lich­keit in der Gast­stu­be. Ser­vice bie­tet Konni Schel­ler auch auf sei­ner Web­site. Mit sei­nen »ku­li­na­ri­schen Mo­no­lo­gen«, z. B. über die Wie­der­ent­de­ckung alter frän­ki­scher Haus­manns­kost wie Pfot­schen­ge­mü­se (kommt auf die Spei­sen­kar­te) und neue Ar­ran­ge­ments für den Haupt­gang Spar­gel, mit Re­zep­ter­läu­te­run­gen und hei­te­ren Bei­trä­gen rund um Essen, Trin­ken und Leben aus dem me­dia­len Pa­pier­korb. Er be­rich­tet über die Pi­ra­ten-Par­tei (die bei sei­nem Bü­fett mal den Lap­top weg­ge­stellt haben, hört man) und über sein Be­mü­hen, Rog­gen-Brot selbst zu ba­cken und in der Ku­chen-Theke immer ein Ei­gen­pro­dukt dabei zu haben.

Wan­der-Tipp

Kar­pfen und an­de­re große Fi­sche
Von Hal­lern­dorf führt der fast 25 km lange Weg durch Fel­der, Forst und Wie­sen bis ins Herz von Forch­heim. Dauer: gut sie­ben St­un­den, an­spruchs­voll.

Vom neuen Main-Donau- zum alten Lud­wigs­ka­nal
Wo Main-Donau-Kanal und Reg­nitz zu­sam­men­lau­fen, be­ginnt der fast 18 km lange, meist asphal­tier­te Wan­der­weg von Forch­heim über Eg­gols­heim nach Wei­lers­bach. Geh­zeit rund fünf St­un­den, An­spruch mit­tel.