Forsthaus Schweigelberg

Gößweinstein

Forsthaus Schweigelberg, Gößweinstein
Weckt Er­in­ne­run­gen an glück­li­che Kind­heits­ta­ge: das Forst­haus Schwei­gel­berg (Foto: Lars Sch­noor).
Wer den Auf­stieg scheut oder vor dem Ziel um­kehrt, dem kann man nicht hel­fen, der hat wirk­lich etwas ver­passt. Wer die Ver­bots­schil­der igno­riert und mit dem Auto durch das Staats­wald­ge­biet zum Forst­haus Schwei­gel­berg an­reist, ver­passt üb­ri­gens auch etwas, denn er wird von der en­er­gi­schen Gast­wir­tin Marga Lin­hard post­wen­dend zu­rück­ge­schickt.
Hält man je­doch zu Fuß auf dem alten Wald­weg durch und be­sucht Marga Lin­hard in ihrem Forst­haus, fin­det man sich wie­der in einem klei­nen Pa­ra­dies auf einer lau­schi­gen Lich­tung. Der idyl­li­sche Ort weckt Er­in­ne­run­gen an glück­li­che Kind­heits­ta­ge, als man auf einer bun­ten Blu­men­wie­se her­um­toll­te, Brot im his­to­ri­schen Back­ofen back­te und unter der 300 Jahre alten Linde in Bü­chern schmö­kern durf­te. Kein Lärm stört diese un­ge­wohn­te Stil­le – Han­dy­netz? Fehl­an­zei­ge.

Forsthaus Schweigelberg, Gößweinstein
Marga Lin­hard ver­wen­det beim Ko­chen nur feins­te Zu­ta­ten in Bio-Qua­li­tät (Foto: Emil Be­zold).
»Ich habe eine Gast­stät­te ge­schaf­fen, so wie ich sie immer woll­te, wo ich mich wohl­füh­le.«, er­klärt Marga Lin­hard. Die ur­sprüng­lich aus dem Ba­di­schen stam­men­de Gast­ge­be­rin such­te einen Ort, der sie an ihre Hei­mat er­in­nert. Nürn­berg war ihr schlicht zu flach. Da ent­führ­te ihr Mann sie in die »Frän­ki­sche«, die Ruine Schwei­gel­berg war bald ge­fun­den und »sah furcht­bar aus«. Dies ge­schah 1970. Dank der Lin­hards wurde das bau­fäl­li­ge Forst­haus in lie­be­vol­ler Klein­ar­beit wie­der­her­ge­stellt. Die Lo­kal­pres­se ti­tel­te »Frau pach­tet Jagd in der Frän­ki­schen Schweiz«, und Schwei­gel­berg wurde zu ihrem Fe­ri­en­haus. Seit­dem ver­brach­te die Fa­mi­lie hier viele Som­mer, be­glei­tet von Pferd Welle, das vom Stall di­rekt in die Küche schau­en konn­te.

Forsthaus Schweigelberg, Gößweinstein
Eine Spe­zia­li­tät des Hau­ses: ge­deck­ter Ap­fel­ku­chen mit La­ven­del­blü­ten ver­fei­nert (Foto: Emil Be­zold).
Heute sind die Kin­der längst aus dem Haus, der Mann ist lei­der viel zu früh ver­stor­ben, aber die­ser be­son­de­re Ort, der ist ge­blie­ben. In dem vor bald zwei Jahr­zehn­ten zur weiß ver­putz­ten Gast­stu­be um­ge­stal­te­ten Raum hän­gen Hirsch­ge­weih-Lam­pen von der Decke, an der Wand steht ein moos­grü­nes Buf­fet und er­in­nert an frü­he­re Zei­ten, in denen Marga Lin­hard und ihr Mann als be­geis­ter­te Jäger durch die Wäl­der streif­ten. Vier Ti­sche bie­ten Platz für 26 Per­so­nen. Eine Her­aus­for­de­rung ist es schon, hier zu ko­chen: In der klei­nen Küche ste­hen ein Gas­herd und ein alt­ehr­wür­di­ger Holz­ofen. Marga Lin­hard zau­bert hier, un­ter­stützt von ihren Freun­den, feins­te frän­ki­sche und in­ter­na­tio­na­le Küche. In­spi­rie­ren lässt sie sich dabei von der Natur. Dafür braucht sie nur vor die Tür zu tre­ten und mit ihrem Hund Tosca ein paar Schrit­te in den Wald zu gehen, schon kom­men ihr die Ideen. Etwa wenn sie Ho­lun­der­blü­ten pflückt, um damit ein Des­sert zu ver­fei­nern, oder Äpfel vom alten Obst­baum mit La­ven­del­blü­ten aus dem Gar­ten in einem Ku­chen zu­sam­men­bringt.

Forsthaus Schweigelberg, Gößweinstein
Wild­ge­rich­te, wie der Reh­rü­cken vom Mai­bock, ste­hen bei der pas­sio­nier­ten Jä­ge­rin Marga Lin­hard jede Woche auf der Karte (Foto: Emil Be­zold).
Mehr­mals im Jahr zau­bert Marga Lin­hard vier­gän­gi­ge Menüs, die sich hin­ter den Er­geb­nis­sen der Koch-Avant­gar­de nicht zu ver­ste­cken brau­chen und Namen tra­gen wie »Himm­li­sche Küche«, »Über­sinn­li­cher Kü­chen­zau­ber«, »Aphro­di­sia­ka für Liebe und Ge­nuss« oder »Rotes Menü«. Für letz­te­re Spei­sen­fol­ge ver­ar­bei­tet sie z. B. Ro­sen­blät­ter, To­ma­ten, rote Nu­deln sowie Erd­bee­ren und un­ter­malt den roten Gau­men­schmaus mit pas­sen­den Wei­nen und ku­li­na­ri­schen An­ek­do­ten. Ihre Gäste sol­len sich im Forst­haus Schwei­gel­berg wohl­füh­len und einen Abend lang ver­wei­len, ohne Hek­tik und Stress. Das be­wuss­te Ge­nie­ßen ist der Wir­tin ein be­son­de­res An­lie­gen, des­halb hat sie sich be­reits vor lan­ger Zeit der Slow-Food-Be­we­gung ver­schrie­ben. »Wir wol­len dem Fast Food etwas ent­ge­gen­set­zen. Das ist nur mög­lich mit Qua­li­tät und Fri­sche und unter Ein­be­zie­hung der Natur.«, er­läu­tert Marga Lin­hard ihre Phi­lo­so­phie. Viele Pro­duk­te, die sie ver­wen­det, haben Bi­oqua­li­tät. »Man kann nur mit Ge­nuss leben« ist ihre Ma­xi­me.

Forsthaus Schweigelberg, Gößweinstein
Wer zum Forst­haus will, geht zu Fuß (Foto: Lars Sch­noor).
Um ihren Gäs­ten den Biorhyth­mus der Natur zu ver­mit­teln, bie­tet Marga Lin­hard in Zu­sam­men­ar­beit mit Kräu­ter­päd­ago­gin Rosa Schmidt Kräu­ter­se­mi­na­re an. Auch Back­ofen­fes­te wer­den ab und zu ge­fei­ert, dann gibt es Flamm­ku­chen, Lamm­keu­le und Ra­ta­touille auf der Wald­lich­tung. Wäh­rend sich aus dem Ofen eine woh­li­ge Wärme ver­brei­tet, liegt der Ge­ruch von Brot und Bra­ten in der Luft. Wer meh­re­re Tage in Beh­rin­gers­müh­le lo­giert, wird gerne jeden Abend wie­der­kom­men. Es könn­te nur sein, dass man vor ver­schlos­se­ner Tür steht, denn das Reich von Marga Lin­hard ist nur am Wo­che­nen­de (Fr-So) ge­öff­net, und zwar von März bis No­vem­ber. Auf An­fra­ge macht sie al­ler­dings auch Aus­nah­men. Wird ihr die Ar­beit hier im Wald nicht manch­mal zu müh­sam? »Nein«, sagt sie, »in einer Kloß­wirt­schaft würde ich mich nur lang­wei­len!«

Wan­der-Tipp

Die ku­li­na­ri­sche Som­mer­tour im und über dem Ails­bach­tal: Von Beh­rin­gers­müh­le geht es schön schat­tig ins Bier­dorf Obe­rails­feld. Der Rück­weg der knapp 13 km lan­gen Tour kon­tert mit son­nen­ge­flu­te­ter Flur und Wald­idyl­le samt Gour­met-Forst­haus.