Gast­haus Lin­den­hof

He­rolds­bach

Gasthaus Lindenhof, Heroldsbach
Ein ech­ter Fa­mi­li­en­be­trieb: Fa­mi­lie Murk-Lin­den­ber­ger hält zu­sam­men und führt heute in vier­ter Ge­ne­ra­ti­on das Un­ter­neh­men.
Schon die jung­fräu­li­che Maria wuss­te He­rolds­bach auf­grund sei­ner idyl­li­schen Lage in­mit­ten von grü­nen Wäl­dern und hü­ge­li­gen Wie­sen als Rast­platz zu schät­zen. In den 1950er-Jah­ren wurde sie daher mehr­fach von Orts­be­woh­nern auf ihren aus­gie­bi­gen Wan­der­tou­ren ge­sich­tet. Auch wenn die ka­tho­li­sche Kir­che die Be­su­che der Got­tes­mut­ter ve­he­ment be­zwei­felt, so pil­gern bis heute jähr­lich Tau­sen­de Gläu­bi­ge in den 5.000-Ein­woh­ner-Ort, um Maria mit ihren Ge­be­ten zu be­den­ken. Man­che kom­men aber viel­leicht nur, um sich im Gast­haus Lin­den­hof ku­li­na­risch ver­wöh­nen zu las­sen.
Unter drei gro­ßen Lin­den ver­steckt liegt die schat­ti­ge Ter­ras­se, die der Be­su­cher erst sieht, wenn er die Trep­pen zum er­ha­ben ge­le­ge­nen Gast­hof über­wun­den hat. Schon über 100 Jahre zählt der Lin­den­hof in He­rolds­bach zu den gas­tro­no­mi­schen In­sti­tu­tio­nen des Orts. Seit 2011 lenkt das In­ha­ber-Ehe­paar Jutta und Rai­ner Murk in vier­ter Ge­ne­ra­ti­on die Ge­schi­cke des Fa­mi­li­en­be­triebs. Vor allem Kü­chen­chef Rai­ner hat seit­her sicht­lich Freu­de daran, seine hung­ri­gen Gäste immer wie­der mit krea­ti­ven Ei­gen­kom­po­si­tio­nen ab­seits der klas­sisch-frän­ki­schen Küche zu »scho­ckie­ren«.

Gasthaus Lindenhof, Heroldsbach
»Wir wol­len mit der Zeit gehen und die frän­ki­sche Küche neu in­ter­pre­tie­ren und das mit purem Ge­schmack, ohne Che­mie« lau­tet das Credo des Kü­chen­chefs Rai­ner Murk.
»Die Fran­ken von etwas Neuem zu über­zeu­gen, sie aus dem Ge­wohn­ten und All­täg­li­chen her­aus­zu­rei­ßen, ist nicht immer ein­fach«, meint Rai­ner Murk. Den­noch geht der End­vier­zi­ger un­be­irrt sei­nen Weg als Exot unter den frän­ki­schen Gas­tro­no­men. Seine mäch­ti­ge Gestalt ließe ihn pro­blem­los als ka­na­di­schen Holz­fäl­ler durch­ge­hen, das lei­den­schaft­li­che Fun­keln in sei­nen Augen, wenn er über neue Kü­chen­krea­tio­nen phi­lo­so­phiert, ver­rät aber seine wahre Iden­ti­tät als Koch.
»Fran­ken­bruschet­ta«, ge­folgt von »Schäu­fe­le und Ja­kobs­mu­scheln«, zum Ab­schluss ein »Honig-Ros­ma­rin-Par­fait«: So ähn­lich könn­te eine frän­kisch-me­di­ter­ra­ne Me­nü­emp­feh­lung des Kü­chen­meis­ters lau­ten. Etwas trau­rig muss er aber zu­ge­ben, dass die meis­ten Gäste (bis dato) eher wegen der bo­den­stän­di­gen Sch­man­kerln ihren Weg in seine Gast­stät­te fin­den.

Gasthaus Lindenhof, Heroldsbach
Kar­pfen – wie hier in Fi­let­form – sind eine Spe­zia­li­tät des Gast­ho­fes.
Tra­di­tio­nel­le frän­ki­sche Küche in Ko­exis­tenz mit me­di­ter­ra­nen Spe­zia­li­tä­ten, so lau­tet also das Kon­zept von Jutta und Rai­ner Murk. Mög­lich wurde die Um­set­zung erst, als Schwie­ger­va­ter Micha­el Lin­den­ber­ger vor zwei Jah­ren die Ho­heit über den Be­trieb an Toch­ter und Schwie­ger­sohn über­gab. Etwas skep­tisch schaut der 76-Jäh­ri­ge schon drein, wenn er heute die Spei­se­kar­te mus­tert, aber rein­re­den will er den »Kin­dern« nicht ins Ge­schäft. Er hat »die ›Pro­ble­me‹ ja selbst ins Haus ge­holt«, wie er sich schmun­zelnd er­in­nert. Als näm­lich vor 20 Jah­ren der ge­lern­te Au­to­me­cha­ni­ker Rai­ner um die Hand sei­ner Toch­ter Jutta an­hielt, knüpf­te Micha­el Lin­den­ber­ger sein Ein­ver­ständ­nis zur Ehe­schlie­ßung an eine ent­schei­den­de Be­din­gung: »Rai­ner, ent­we­der du lernst jetzt Koch und steigst in den Be­trieb ein – oder das wird nix mit mei­ner Toch­ter!« Da die Liebe zu Jutta dann doch grö­ßer war als die Lei­den­schaft für Mo­to­ren, wagte Rai­ner mit 26 Jah­ren den be­ruf­li­chen Neu­an­fang und muss­te dies bis heute nicht be­reu­en.

Gasthaus Lindenhof, Heroldsbach
Rai­ner Murk auf sei­ner Ter­ras­se, auf der er Som­mer auch Grill­aben­de an­bie­tet.
Am ur­frän­ki­schen Gas­tro­no­mie­kon­zept der Schwie­ger­el­tern hat sich ei­ni­ges ver­än­dert, vie­les ist aber auch gleich ge­blie­ben. So fin­det man ab Sep­tem­ber wei­ter­hin Kar­pfen aus Opa Lin­den­ber­gers Wei­hern auf der Karte, die von Oma Marga immer noch frisch zu­be­rei­tet wer­den. Auch wenn diese ein­mal klei­ner aus­fal­len, »schme­cken tun sie ge­nau­so gut«, denn ihre Fi­sche seien stets frisch und »zu 90 % Bio«, weil sie mit ein­hei­mi­schem Ge­trei­de ge­füt­tert wer­den.
Mit ihrer frän­kisch-me­di­ter­ra­nen Küche haben die Murks mutig eine ku­li­na­ri­sche Neu­jus­tie­rung der tra­di­ti­ons­rei­chen Gast­stät­te ge­wagt. Und Toch­ter Tina soll in ihre Fuß­stap­fen tre­ten. Der­zeit ab­sol­viert die 18-Jäh­ri­ge noch eine Aus­bil­dung zur Kö­chin im nahen Bam­berg. Bevor sie hof­fent­lich ein­mal in den el­ter­li­chen Be­trieb zu­rück­kehrt, »muss sie sich aber erst ein­mal in der wei­ten Welt die Hör­ner ab­sto­ßen«, mahnt Papa Murk und über­sieht ge­konnt das Au­gen­rol­len sei­ner Toch­ter.