Gasthaus Zum Schloss

Kunreuth

Gasthaus Zum Schloss, Kunreuth
Gast­haus Zum Schloss
»Wie man eyn teut­sches Manns­bild bei Kräf­ten hält«, weiß Heidi Matt­ke-Derb­fuß. Für das gscheitgut-Pro­jekt kocht die Wir­tin des Gast­hau­ses Schloss in Kun­reuth ein Ge­richt aus dem Mit­tel­al­ter. Vor ein paar Jah­ren hat sie am Tag des of­fe­nen Denk­mals teil­ge­nom­men und Koch­bü­cher ge­wälzt. Dabei ist sie auf ein alt­deut­sches Buch ge­sto­ßen, aus dem sie ihre »Lamm­schäu­fe­le in Milch­knob­lauchso­ße mit Sem­mel­knö­del« kocht. Weil das bei ihren Gäs­ten so gut ankam, ser­viert sie es nun auch im Rah­men der gschei­gut-Ak­ti­on. Die zarte Lamm­schul­ter brät sie dabei mit Salz und Pfef­fer an und ver­fei­nert sie mit Ing­wer und fri­schem Sal­bei, Thy­mi­an und Es­tra­gon aus dem Gar­ten. »Im Mit­tel­al­ter hat man nicht an Ge­wür­zen ge­spart«, er­zählt Heidi Matt­ke-Derb­fuß. An den da­ma­li­gen Höfen und in den mit­tel­al­ter­li­chen Klös­tern haben die Köche be­reits Ge­wür­ze aus frem­den Län­dern ver­wen­det. »So neu ist un­se­re Küche also gar nicht«, sagt die Wir­tin.

Neben den Kräu­tern kom­men zur Lamm­schul­ter noch Knob­lauch­ze­hen, Ge­mü­se und Zwie­beln aus ei­ge­nem Anbau. Für die Milch­knob­lauchso­ße gibt die Kö­chin Milch, Knob­lauch, Sal­bei und wei­te­re Ge­wür­ze in die Mehl­schwit­ze. Sem­mel­knö­del macht sie, weil es im Mit­tel­al­ter noch gar keine Kar­tof­feln gab. Rund sind die Klöße aber nicht. Heidi Matt­ke-Derb­fuß kocht sie wie Ser­vi­ett­klö­ße in Beu­teln. Die Masse dafür be­steht aus ge­misch­ten Bröt­chen, zu denen in But­ter an­ge­rös­te­te Zwie­beln, Milch, Salz, Pfef­fer und Pe­ter­si­lie kom­men. Als Bei­la­ge reicht sie Speck­boh­nen. Damit kom­bi­niert sie neue­re Zu­ta­ten, wie die Boh­nen, mit dem alten Ge­richt.

Zum Ape­ri­tif emp­fiehlt sie einen selbst­ge­mach­ten Ros­ma­rin­wein aus einem Wein­buch von 1580. »Der wirkt wun­der­bar­lich zu vie­len Krank­hei­ten, er­weckt die Lust, zu essen und kräf­tigt das Herz­chen«, liest sie dar­aus vor. Den Fran­ken­wein ver­setzt sie mit einem Zweig Ros­ma­rin und lässt das zie­hen. Die äthe­ri­schen Öle des Ge­wür­zes ver­lei­hen dem Wein dann den Ros­ma­rin­ge­schmack. Als Vor­spei­se passt eine frän­ki­sche Le­ber­knö­del­sup­pe, meint die Gast­wir­tin. »Und selbst die stammt aus dem Mit­tel­al­ter.«

Frei­zeit-Tipp

Heidi Matt­ke-Derb­fuß gibt re­gel­mä­ßig ihren »Wirts­haus­an­zei­ger« her­aus. Den gibt es bei ihr im Gast­haus. Darin be­schreibt sie für ihre Gäste Wan­der­we­ge, gibt Ver­an­stal­tungs­tipps und er­läu­tert zum Bei­spiel auch Bau­ern­re­geln.

Ein in­ter­es­san­ter Spa­zier­gang führt Sie auf die »Spu­ren­su­che Kun­reuth«, einem Rund­weg, der die Ge­schich­te des Ortes ver­an­schau­licht. Unter dem Aspekt »Man sieht nur, was man weiß« sol­len dem Spa­zier­gän­ger die Augen auch für schein­bar Un­schein­ba­res ge­öff­net wer­den. Der Weg ent­stand im Rah­men eines Pro­jekt­se­mi­nars unter Lei­tung des Geo­gra­phie Pro­fes­sors Wer­ner Bät­zing.

Au­ßer­dem emp­feh­lens­wert: Fach­werk­tou­ren rund ums Wal­ber­la und den Hetz­le­ser Berg zu Fuß oder mit dem Rad. Drei ab­wechs­lungs­rei­che Tou­ren füh­ren durch idyl­li­sche Dör­fer mit einer viel­fäl­ti­gen Fach­werk­ar­chi­tek­tur. Das Heft dazu gibt’s eben­falls im Gast­hof.

Wan­der-Tipp

Auf der Pan­ora­ma­run­de
Der knapp 15 km lange, gut aus­ge­bau­te Rund­weg von und nach Kun­reuth kann in fünf St­un­den gut ge­meis­tert wer­den. Mitt­le­rer An­spruch.

Durch den Obst­gar­ten des Forch­hei­mer Lan­des
Mit 31 km einer der längs­ten Wan­der­we­ge von Pinz­berg nach Wie­sent­hau, über Kun­reuth nach Ef­felt­rich und wie­der zu­rück nach Pinz­berg. Dauer etwa zehn St­un­den, Ni­veau sehr an­spruchs­voll.

Längs des Eh­ren­bach
Von Kun­reuth führt der 8 km lange Weg par­al­lel zum Eh­ren­bach in etwa drei St­un­den nach Kir­cheh­ren­bach. Mitt­le­rer An­spruch.

Von der frei­en Ge­mein­de bis zum Dorf des Mein­ger
Süd­lich von Kun­reuth dreht der 7 km lange Rund­wan­der­weg über Wein­garts und Erm­reus seine Runde. Gute zwei St­un­den Geh­zeit bei ge­rin­gem An­spruch.