Rei­se­re­por­ta­ge

Der South West Coast Path.
Ein Klas­si­ker in Sü­deng­land

Was heute 500.000 Men­schen all­jähr­lich an­steu­ern, war frü­her ein Pa­trouil­len­weg der Coast Guards. Die Rede ist vom längs­ten Fern­wan­der­weg En­glands: dem South West Coast Path. Wäh­rend der 1000 Ki­lo­me­ter lan­gen Stre­cke über­win­det man mehr Hö­hen­me­ter als zur Be­stei­gung des Mount Eve­rest – und er­lebt Corn­wall von sei­ner schöns­ten Seite. Wor­auf man bei der Tour ach­ten soll­te und wel­ches die schöns­ten Ab­schnit­te sind, ver­rät Ralf Nest­mey­er in die­sem News­let­ter. 2017 sind seine zwei Rei­se­füh­rer »Corn­wall & Devon« sowie »Sü­deng­land« neu er­schie­nen.


Portrait Ralf NestmeyerEs gibt viele Grün­de, nach Corn­wall zu rei­sen: Cream Tea trin­ken, sich an pracht­vol­len Gär­ten er­freu­en, ver­träum­te Fi­scher­dör­fer ent­de­cken oder ein­mal auf dem South West Coast Path rund um die Halb­in­sel wan­dern.
Eng­land ist so­wie­so ein Wan­der­pa­ra­dies, denn das ur­al­te, un­ver­brief­te »Right of Way« er­laubt dem Wan­de­rer, dass er sich auch auf pri­va­tem Grund und Boden frei be­we­gen darf – so­fern er sich an die aus­ge­schil­der­ten Fuß­pfa­de (Pu­blic Foot­path) hält. Wobei der Weg schon ein­mal durch eine um­zäun­te Weide füh­ren kann und man durch­aus mit Angst­ge­füh­len kämpft, wenn die ge­sam­te Kuh­her­de just genau in jener Ecke steht, an der eine klei­ne Trep­pe für die Wan­de­rer an­ge­bracht ist, um das ein­ge­zäun­te Ge­län­de auf der an­de­ren Seite zu ver­las­sen …


Ein Pa­trouil­len­weg der Coast Guards

Ein Symbol für den längsten Fernwanderweg Englands, die Plastik von Owen Cunningham (Foto: Ralf Nestmeyer)
Ein Sym­bol für den längs­ten Fern­wan­der­weg En­glands, die Plas­tik von Owen Cun­ningham (Foto: Ralf Nest­mey­er)
Der South West Coast Path ist der längs­te aus­ge­schil­der­te Fern­wan­der­weg En­glands. Er be­ginnt in So­mer­set und führt über mehr als 1000 Ki­lo­me­ter bis nach Poole in Dor­set. Dabei um­run­det er ganz Corn­wall in­klu­si­ve Land’s End! Es gibt keine bes­se­re und in­ten­si­ve­re Mög­lich­keit, um Corn­wall von sei­ner schöns­ten Seite zu er­le­ben. In Mi­nehead, wo der South West Coast Path be­ginnt, steht di­rekt an der Küs­ten­pro­me­na­de eine Bron­ze­skulp­tur des bri­ti­schen Bild­hau­ers Owen Cun­ningham: zwei rie­si­ge Hände hal­ten eine an­ge­deu­te­te Land­kar­te.
Der South West Coast Path, auf dem jähr­lich rund eine halbe Mil­lio­nen Wan­de­rer un­ter­wegs sind, wurde üb­ri­gens nicht aus tou­ris­ti­schen Grün­den an­ge­legt, ob­wohl ihm heute rund 7500 Men­schen ihren Ar­beits­platz ver­dan­ken. Er dien­te einst den Coast Guards dazu, zwi­schen den Leucht­tür­men zu pa­trouil­lie­ren und so die Schmugg­le­rei zu un­ter­bin­den. Damit die Küs­ten­wa­che jede Bucht ein­se­hen konn­te, ver­läuft der Weg immer in un­mit­tel­ba­rer Mee­res­nä­he.


Sta­tis­ti­ken zum be­lieb­tes­ten Fern­wan­der­weg der Insel

Auch wenn es dieses Foto nur andeutet – die komplette Strecke bietet mehr Höhenmeter als der Mount Everest (Foto: Ralf Nestmeyer)
Auch wenn es die­ses Foto nur an­deu­tet – die kom­plet­te Stre­cke bie­tet mehr Hö­hen­me­ter als der Mount Eve­rest (Foto: Ralf Nest­mey­er)
Für eine Wan­de­rung ent­lang des ge­sam­ten South West Coast Path (kurz SWCP) würde man rund acht Wo­chen be­nö­ti­gen. Selbst wenn man nur Corn­walls Küste um­run­den will, muss man etwa drei Wo­chen ein­pla­nen. Da die we­nigs­ten so lange Zeit haben, soll­te man sich auf Teil­stre­cken be­schrän­ken oder die schöns­ten Ta­ges­etap­pen aus­su­chen.
Dabei muss man wis­sen: Eine Wan­de­rung auf dem Küs­ten­pfad ist alles an­de­re als ein Spa­zier­gang, son­dern teil­wei­se auch sehr an­stren­gend. Gera­de in den Fluss­mün­dun­gen gilt es, immer wie­der von den Klip­pen hinab- und hin­auf­zu­stei­gen … An­geb­lich über­win­det man al­lein ent­lang Corn­walls Küs­ten mehr Hö­hen­me­ter als bei einer Be­stei­gung des Mount Eve­rest! Auf dem ge­sam­ten South West Coast Path sind es sage und schrei­be 35.000 Hö­hen­me­ter.
Dafür kann man sich nur sehr schwer ver­lau­fen, denn der Weg bleibt, wie ge­sagt, stets in Küs­ten­nä­he; zudem fin­den sich zahl­rei­che Weg­mar­kie­run­gen in Form einer Ei­chel, dem Sym­bol der Na­tio­nal Trails in Groß­bri­tan­ni­en. Genau ge­nom­men gibt es 2473 sol­cher Weg­wei­ser. Und noch etwas für Sta­tis­ti­ker: Der SWCP führt über 302 Brü­cken, 921 Zäune und 26.719 Trep­pen­stu­fen. Hinzu kom­men 18 Flüs­se, die mit einer Fähre über­wun­den wer­den müs­sen.


Die schöns­ten Ab­schnit­te und die rich­ti­ge Aus­rüs­tung

Der Weg verläuft, historisch begründet, stets unmittelbar an der See entlang (Foto: Ralf Nestmeyer)
Der Weg ver­läuft, his­to­risch be­grün­det, stets un­mit­tel­bar an der See ent­lang (Foto: Ralf Nest­mey­er)
Statt zu zäh­len, soll­te man aber lie­ber die Land­schaft ge­nie­ßen: Der South West Coast Path ist her­vor­ra­gend ge­eig­net, um Corn­walls Küs­ten zu er­kun­den, egal, ob ent­lang fla­cher Strän­de oder über hohe Klip­pen. Be­son­ders reiz­voll sind die Ab­schnit­te rund um die Li­zard Pen­in­su­la oder am St Ant­ho­nys Head. Sehr loh­nend ist auch eine Tour west­lich von Por­th­cour­na nach Land’s End. Vor­bei am in den Fels ge­schla­ge­nen Min­ack Thea­tre – ein Frei­licht­thea­ter an einem Fels­ab­hang – ge­langt man zu meh­re­ren gold­gel­ben Strän­den, die mit ihrem glas­kla­ren tür­kis­far­be­nen Was­ser die Be­zeich­nung »Traum­stand« zu Recht ver­die­nen. Bis zum tru­be­li­gen Land’s End be­nö­tigt man von Por­th­cour­na aus einen hal­ben Tag.

Verlaufen quasi unmöglich, die sehr gut beschilderte Tour rund um Cornwall (Foto: Ralf Nestmeyer)
Ver­lau­fen quasi un­mög­lich, die sehr gut be­schil­der­te Tour rund um Corn­wall (Foto: Ralf Nest­mey­er)
Egal, wie viel man wan­dert: Wert soll­te vor allem auf die rich­ti­ge Aus­rüs­tung ge­legt wer­den. Hier­zu zäh­len feste Wan­der­schu­he mit grif­fi­gem Pro­fil ge­nau­so wie Regen- und Son­nen­schutz, ge­ge­be­nen­falls auch Wan­der­stö­cke. Bei Wan­de­run­gen durch das Marsch­land kön­nen sich »Wel­ling­ton Boots« (= Gum­mi­stie­fel) als nütz­lich er­wei­sen. Für mehr­tä­gi­ge Tou­ren emp­fiehlt sich ein gutes Kar­ten­ma­te­ri­al, ins­be­son­de­re die Ord­nan­ce Sur­vey Maps; die Lan­dran­ger-Serie im Maß­stab 1:50.000 leis­tet eben­falls gute Di­ens­te. In schwie­ri­gem Ge­län­de zeig­te sich je­doch eine Karte der Ex­plo­rer-Serie oder Out­door-Lei­su­re-Serie (Maß­stab je­weils 1:25.000) als prak­ti­scher.
Wer die ge­sam­te Stre­cke er­wan­dern möch­te, kann sich neben einer guten Karte auch In­for­ma­tio­nen bei der South West Coast Path As­so­cia­ti­on mit Fahr­plä­nen und Ge­zei­ten­ta­bel­le be­sor­gen: www.sou­thwest­co­ast­path.org.uk.