Top Ten

Teil 15: Lan­za­ro­te

oder Die At­mo­sphä­re einer ur­welt­li­chen Sze­ne­rie

Portrait Eberhard FohrerJetzt, im Ja­nu­ar, kam es neu her­aus: das Rei­se­kom­pen­di­um zur »Insel der Feu­er­ber­ge« von Eber­hard Foh­rer. Wer 2017 dort­hin reist, soll­te auch seine Top Ten zur Ka­na­ren­in­sel ge­le­sen haben. Oder wuss­ten Sie, dass das eu­ro­pa­weit größ­te Un­ter­was­ser­mu­se­um vor Lan­za­ro­te liegt? Oder dass ein Vier­tel des Ei­lan­des eines der größ­ten La­va­fel­der der Welt dar­stellt? Au­ßer­dem baut man auf dem schein­bar so kar­gen Boden tat­säch­lich Wein an – und fin­det gran­dio­se Strän­de im Süd­wes­ten, die sogar für Fisch­stäb­chen-Wer­bung her­hal­ten müs­sen …


Lan­za­ro­te – Eber­hard Foh­rers Top Ten


In­sel­high­light: Na­tio­nal­park Ti­man­fa­ya

Unwirklich, mondartig, faszinierend – eines der größten Lavafelder des Planeten (Foto: Arte de Obra, Haría)
Un­wirk­lich, mon­dar­tig, fas­zi­nie­rend – eines der größ­ten La­va­fel­der des Pla­ne­ten (Foto: Arte de Obra, Haría)
Die Welt­se­hens­wür­dig­keit der Vul­kan­in­sel vor Afri­ka wird wohl kaum je­mand ver­pas­sen wol­len, der auf Lan­za­ro­te Ur­laub macht. Auf 167 qkm er­streckt sich ein ge­wal­ti­ges La­va­feld, das zu den größ­ten des Pla­ne­ten ge­hört. Ent­stan­den ist es 1730-36; mehr als sechs Jahre dau­er­ten die Aus­brü­che, die durch die Auf­zeich­nun­gen des Pfar­rers Don An­drés Lo­ren­zo Cur­be­lo des Dor­fes Yaiza do­ku­men­tiert sind. Eine bi­zar­re Wüste aus be­droh­li­chen Vul­kan­ke­geln, rie­si­gen As­che­fel­dern und er­starr­ter Lava be­deckt seit­dem fast ein Vier­tel der Insel.
Heute kann man auf der Ruta del los Vol­ca­nes eine Bus­tour durch die Feu­er­ber­ge (»Mon­tañas del Fuego«) un­ter­neh­men, Hähn­chen­schle­gel vom glü­hend hei­ßen Vul­kan­grill kos­ten, ein Be­su­cher­zen­trum be­sich­ti­gen, in dem hef­ti­ge Vul­ka­nerup­tio­nen si­mu­liert wer­den und – nicht nur für Kin­der span­nend – sich auf Dro­me­da­ren durch tie­fen, schwarz­ro­ten Asche­sand schau­keln las­sen.


Skur­ril: Ein Mu­se­um unter Was­ser

Das neue Unterwassermuseum mit mehr als 300 lebensgroßen Figuren aus umweltfreundlichem Material (Foto: Jason deCaires Taylor und CACT Lanzarote)
Das neue Un­ter­was­ser­mu­se­um mit mehr als 300 le­bens­gro­ßen Fi­gu­ren aus um­welt­freund­li­chem Ma­te­ri­al (Foto: Jason deCai­res Tay­lor und CACT Lan­za­ro­te)
Das »Museo At­lán­ti­co« ist die neu­es­te At­trak­ti­on im Süden Lan­za­ro­tes. Der bri­ti­sche Un­ter­was­ser­künst­ler Jason de Cai­res Tay­lor hat hier im küs­ten­na­hen Meer vor dem Ur­laubs­zen­trum Playa Blan­ca das eu­ro­pa­weit größ­te Un­ter­was­ser­mu­se­um rea­li­siert. Mehr als 300 le­bens­gro­ße Be­ton­fi­gu­ren, die gro­ßen­teils ab­so­lut de­tail­ge­treu rea­len Ein­woh­nern von Lan­za­ro­te nach­ge­bil­det sind, wur­den hier in zwölf bis 15 Meter Tiefe ver­senkt und ste­hen nun in zehn the­ma­ti­schen Grup­pen auf dem Mee­res­bo­den – al­le­samt mit ver­schlos­se­nen Augen. Das Ma­te­ri­al der Fi­gu­ren be­steht aus um­welt­freund­li­chem, ph-neu­tra­lem Beton, auf dem sich im Lauf der Jahre – wie auf einem künst­li­chen Riff – Koral­len, Mu­scheln und Algen an­sie­deln wer­den.
Die fas­zi­nie­ren­de Un­ter­was­ser­welt kann man in ge­führ­ten Tauch­gän­gen, mit Un­ter­was­sers­coo­tern oder auch schnor­chelnd er­rei­chen, ab Fe­bru­ar 2017 sol­len re­gel­mä­ßi­ge Fahr­ten mit Glas­bo­den­boot ver­an­stal­tet wer­den. Einen Ein­druck von der Viel­falt der Skulp­tu­ren be­kommt man unter www.un­der­wa­ter­sculp­tu­re.com.


Er­schei­nungs­bild und Image: Der De­si­gner und Um­welt­schüt­zer César Man­ri­que

Das Fenster zur Lava – Blick aus dem letzten Wohnhaus des Inseldesigners César Manrique (Foto: Dr. Walter Welß)
Das Fens­ter zur Lava – Blick aus dem letz­ten Wohn­haus des In­sel­de­si­gners César Man­ri­que (Foto: Dr. Wal­ter Welß)
»Man­ri­que ist Lan­za­ro­te, Lan­za­ro­te ist Man­ri­que« – so heißt es oft, wenn vom be­kann­tes­ten Mann Lan­za­ro­tes die Rede ist. Tat­säch­lich hat der Maler, Ar­chi­tekt, Bild­hau­er, De­si­gner und Um­welt­schüt­zer César Man­ri­que (1919-1992) das Er­schei­nungs­bild und Image der Vul­kan­in­sel ent­schei­dend ge­prägt und viele Denk­an­stö­ße für ihre Ent­wick­lung ge­ge­ben. Auch die Kan­di­da­tur Lan­za­ro­tes zum »Welt­schutz­ge­biet der Bio­sphä­re« ging auf seine Initia­ti­ve zu­rück.
Be­reits An­fang der 1970er-Jahre, als an­de­re In­seln Be­to­nor­gi­en fei­er­ten und ihre Küs­ten mit Hoch­häu­sern zu­pflas­ter­ten, wand­te sich Man­ri­que kon­se­quent der tra­di­tio­nel­len Bau­wei­se zu, ent­warf Fe­ri­en­an­la­gen, die nicht höher als drei oder vier Stock­wer­ke waren und zahl­rei­che Ele­men­te der alten in­su­la­ren Ar­chi­tek­tur ent­hiel­ten. Gleich­zei­tig be­gann er damit, an mar­kan­ten Punk­ten die ein­zig­ar­ti­ge Natur der Vul­kan­in­sel be­hut­sam zu Kunst­wer­ken um­zu­for­men und fas­zi­nie­ren­de Land­mar­ken zu set­zen. Wie kein an­de­rer hat Man­ri­que dazu bei­ge­tra­gen, dass Lan­za­ro­te sei­nen Cha­rak­ter be­wahrt hat.
Von Man­ri­ques Wer­ken soll­te man nicht ver­säu­men: »Ja­me­os del Agua«, ein ein­ge­bro­che­ner La­va­tun­nel im Nor­den Lan­za­ro­tes, den Man­ri­que zur me­di­ta­ti­ven Grot­te mit Höh­len­see, üp­pi­ger sub­tro­pi­scher Ve­ge­ta­ti­on und un­ter­ir­di­schem Kon­zert­saal ver­wan­delt hat. Höchst ein­drucks­voll ist auch der »Mi­ra­dor del Río«, ein spek­ta­ku­lä­rer Aus­sichts­punkt im Steil­hang des Fa­ma­ra-Ge­bir­ges, der vor­bild­lich in die karge Gesteins­welt in­te­griert ist und einen herr­li­chen Blick auf die vor­ge­la­ger­te Insel La Gra­cio­sa bie­tet.
Seit 2013 kann man au­ßer­dem das letz­te Wohn­haus und Ate­lier Man­ri­ques in Haría be­sich­ti­gen, die Casa-Museo César Man­ri­que. Das An­we­sen blieb so er­hal­ten, wie es zu sei­nem Un­fall­tod aus­sah und kann schmu­cker kaum sein. Es ist ein Ge­nuss, in aller Ruhe durch das ge­räu­mi­ge An­we­sen zu strei­fen und die vie­len De­tails in sich auf­zu­neh­men. Das Wohn­zim­mer mit gro­ßem Kamin und schwe­rer Holz­de­cke, das licht­durch­flu­te­te Ess­zim­mer, das Schlaf­zim­mer mit hoher De­ck­en­tä­fe­lung und, wie immer bei Man­ri­que, das ex­tra­va­gan­te Bad, das sich mit Glas­fron­ten zum Au­ßen­be­reich öff­net.


Äl­tes­te Ka­na­ren­stadt: Te­gui­se und sein Sonn­tags­markt

Teguise. Im spanischen Kolonialstil erbaut, ist die einstige Inselhauptstadt eine der besterhaltenen Siedlungskerne der Kanaren (Foto: Eberhard Fohrer)
Te­gui­se. Im spa­ni­schen Ko­lo­ni­al­stil er­baut, ist die eins­ti­ge In­sel­haupt­stadt eine der best­er­hal­te­nen Sied­lungs­ker­ne der Ka­na­ren (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Wie kein an­de­rer Ort der Insel hat die eins­ti­ge Haupt­stadt Lan­za­ro­tes ihr his­to­ri­sches Er­schei­nungs­bild be­wahrt. Im spa­ni­schen Ko­lo­ni­al­stil er­baut, prä­sen­tiert sich ein groß­ar­ti­ges En­sem­ble aus stil­vol­len Kir­chen und Klös­tern, har­mo­ni­schen Plät­zen, präch­ti­gen alten Häu­sern und ru­hi­gen Stra­ßen. Die Alt­stadt steht seit über zwan­zig Jah­ren kom­plett unter Denk­mal­schutz und gilt als einer der best­er­hal­te­nen Sied­lungs­ker­ne der Ka­na­ren.
Wäh­rend der Woche ist Te­gui­se ein stil­ler Ort, ideal für einen be­schau­li­chen Streif­zug durch die Gas­sen. Ganz an­ders der Sonn­tag: Er steht ganz im Zei­chen des rie­si­gen folk­lo­ris­ti­schen Markts, der hier all­wö­chent­lich statt­fin­det. Von 9 bis 14 Uhr ver­wan­delt sich die Stadt in einen rie­si­gen Trö­del- und Kunst­hand­werks­markt mit Hun­der­ten von Stän­den, er­gänzt durch Stra­ßen­mu­si­ker an jeder Ecke. Ganze Bus­ka­ra­wa­nen und zahl­lo­se Miet­wa­gen aus allen Tou­ris­ten­or­ten über­schwem­men dann die Stadt. Der größ­te Markt Lan­za­ro­tes ist ein Er­leb­nis, das kaum ein Ur­lau­ber aus­lässt – und das durch­aus zu Recht, denn das Spek­ta­kel ist ein an­re­gen­des und far­ben­präch­ti­ges Schau­spiel.


Un­ter­wegs: Die Zwei-Vul­ka­ne-Wan­de­rung

Nach einer Vulkaneruption im 18. Jahrhundert liegen geblieben, die Bomba volcanica (Foto: Eberhard Fohrer)
Nach einer Vul­ka­nerup­ti­on im 18. Jahr­hun­dert lie­gen ge­blie­ben, die Bomba vol­ca­ni­ca (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Die Welt der Vul­ka­ne haut­nah er­le­ben – das kann man am bes­ten im Rah­men einer Wan­de­rung um die mar­kan­te Mon­taña del Cu­er­vo und die na­he­ge­le­ge­ne Cal­de­ra Co­lo­ra­da, viel­leicht die schöns­te aller Vul­kan­wan­de­run­gen auf Lan­za­ro­te.
Höchs­tens 3 St­un­den dau­ert die er­freu­lich leich­te Tour, wobei man beide Vul­ka­ne um­run­det und spek­ta­ku­lä­re Im­pres­sio­nen von der viel­ge­stal­ti­gen La­va­land­schaft er­lebt. In den seit­lich auf­ge­ris­se­nen Kra­ter­kes­sel der Mon­taña del Cu­er­vo kann man sogar hin­ein­stei­gen, wäh­rend am Fuß der röt­lich schim­mern­den Cal­de­ra Co­lo­ra­da die wohl größ­te »Bomba vol­ca­ni­ca« von Lan­za­ro­te weit­hin sicht­bar ist. Dabei han­delt es sich um mas­si­ve, meh­re­re Meter hohe Rund­bro­cken, die bei den Vul­ka­nerup­tio­nen des 18. Jahr­hun­derts mit un­vor­stell­ba­ren Kräf­ten ki­lo­me­ter­weit her­aus­ge­schleu­dert wur­den und heute völ­lig frei in der Asche- und La­pil­li­wüs­te ste­hen.


Strand­pa­ra­die­se: Pa­pa­gayo-Strän­de oder Playa de Fa­ma­ra

Einer der Papagayo-Strände – so schön, dass selbst Fischstäbchen-Webefilme hier gedreht werden … (Foto: Eberhard Fohrer)
Einer der Pa­pa­gayo-Strän­de – so schön, dass selbst Fisch­stäb­chen-We­be­fil­me hier ge­dreht wer­den … (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Das große High­light im Süden Lan­za­ro­tes sind die be­rühm­ten Pa­pa­gayo-Strän­de (im deut­schen TV wur­den sie kürz­lich durch die Wer­bung eines Fisch­stäb­chen­pro­du­zen­ten ge­wür­digt). Wie Per­len an der Kette rei­hen sich die sechs Strän­de der Spit­zen­klas­se im fel­si­gen Küs­ten­strei­fen. Un­ver­bau­te Natur, fast wei­ßer Sand, grüne Algen auf schwar­zen Fel­sen, leuch­tend tür­ki­ses Was­ser, fla­cher Ein­stieg, wind­ge­schütz­te Buch­ten – ver­füh­re­ri­scher kann die Natur ihre Qua­li­tä­ten kaum dar­bie­ten. Die An­rei­se per Miet­wa­gen führt über lange holp­ri­ge Pis­ten, die ein paar Euro Maut ver­an­schla­gen; zu Fuß kann man von der letz­ten Bus­sta­ti­on im Osten Playa Blan­cas aus in etwa 30 Mi­nu­ten kos­ten­los ent­lang die­ser Küste wan­dern.
Ein Kon­trast­pro­gramm zum son­ni­gen Süden bie­tet die Playa de Fa­ma­ra an der rauen Nord­west­küs­te: Der mit 5 km längs­te Strand Lan­za­ro­tes be­grenzt mit sei­nen end­lo­sen Dü­nen­hü­geln die im­po­san­te Bucht von Fa­ma­ra. Die Sze­ne­rie vor der mäch­ti­gen Ku­lis­se des steil auf­ra­gen­den Fa­ma­ra-Mas­sivs zeigt sich wild und land­schaft­lich gran­di­os, fast immer herrscht hef­ti­ge Bran­dung. Ba­de­aus­flüg­ler, Wel­len­rei­ter und Wind­sur­fer ge­nie­ßen die un­ge­bän­dig­te Natur. Wer al­ler­dings zum Schwim­men kommt, soll­te ex­trem vor­sich­tig sein, denn Fa­ma­ra ist be­rüch­tigt für seine tü­cki­schen Un­ter­strö­mun­gen. Im uri­gen Fi­scher­ort La Ca­leta de Fa­ma­ra gibt es ein­fa­che Fisch­lo­ka­le und Apart­ments wer­den ver­mie­tet; ein län­ge­rer Auf­ent­halt ist aber nur ro­bus­ten Na­tu­ren zu emp­feh­len.


Kul­tur­land­schaft: La Geria, Wein­bau ohne Grund­was­ser

La Geria, Weinanbau in kargem Grund (Foto: Eberhard Fohrer)
La Geria, Wein­an­bau in kar­gem Grund (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Das auf den Ka­na­ren ein­zig­ar­ti­ge Wein­bau­ge­biet La Geria liegt in den Hü­geln ober­halb der Ba­de­stadt Pu­er­to del Car­men. Eine lange, schma­le Stra­ße führt quer durch die fas­zi­nie­ren­de Kul­tur­land­schaft, die so völ­lig an­ders aus­sieht, als man sich üb­li­cher­wei­se eine Wein­re­gi­on vor­stellt: Dicke, schwar­ze La­pil­li­schich­ten be­de­cken im Um­kreis von vie­len Ki­lo­me­tern alle Hügel. Zig­tau­sen­de von Wein­stö­cken zie­hen sich die Hänge hin­auf, die meis­ten von ihnen sind ein­zeln zum Schutz gegen die aus­trock­nen­den Pas­sat­win­de von einer halb­kreis­för­mi­gen Mauer um­ge­ben.
Ge­schaf­fen wurde das groß­ar­ti­ge Ge­samt­kunst­werk in mü­he­vol­ler Ar­beit durch Ge­ne­ra­tio­nen von Wein­bau­ern, die hier nach den ver­hee­ren­den Erup­tio­nen im Ti­man­fa­ya-Ge­biet (1730-36) das ge­nia­le Sys­tem des Tro­cken­feld­baus »Ena­re­na­do« ent­wi­ckel­ten: Für jeden Reb­stock, den sie an­pflanz­ten, gru­ben sie einen Trich­ter in die La­pil­li­schicht, bis die Wur­zeln das dar­un­ter lie­gen­de Erd­reich er­reich­ten. Da es kein Grund­was­ser auf Lan­za­ro­te gibt, sorgt das po­rö­se La­va­gra­nu­lat für die Be­wäs­se­rung. Es ist näm­lich ein her­vor­ra­gen­der Spei­cher für das all­nächt­li­che Kon­dens­was­ser (Tau), das wegen der star­ken Ka­pil­lar­wir­kung nur nach und nach in den Boden ab­ge­ge­ben wird und so die Erde den gan­zen Tag über gut an­feuch­tet. Das äu­ßerst wohl­schme­cken­de Er­geb­nis der Mühen kann man in mehr als einem Dut­zend gro­ßer und klei­ner Bo­de­gas ver­kos­ten und er­wer­ben – ein Spaß, den man gerne auch wie­der­holt …


Essen & Trin­ken: Die Fisch­ge­rich­te in El Golfo

Ein Verdauungsspaziergang zum smaragdgrünen Lagunensee Charco de los Clicos ist ein Erlebnis (Foto: Armin Tima)
Ein Ver­dau­ungs­spa­zier­gang zum sma­ragd­grü­nen La­gu­nen­see Ch­ar­co de los Cli­cos ist ein Er­leb­nis (Foto: Armin Tima)
Fisch essen auf Lan­za­ro­te – das kann man über­all auf der Insel im At­lan­tik, aber am stim­mungs­volls­ten geht es si­cher­lich im klei­nen, wind­ge­duck­ten Dorf El Golfo an der rauen West­küs­te. Di­rekt am Strand aus Kies und grau­en Fels­bro­cken sitzt man dort in uri­gen Re­stau­rants und Pin­ten, or­dert mäch­ti­ge Fisch­plat­ten a la plan­cha (ge­grillt) und ge­nießt den Son­nen­un­ter­gang über dem oft auf­ge­wühl­ten Meer.
Höchst ein­drucks­voll ist auch der Spa­zier­gang zum sma­ragd­grü­nen La­gu­nen­see Ch­ar­co de los Cli­cos, der sich ma­le­risch in einem zur Hälf­te im Meer ver­sun­ke­nen Kra­ter­kes­sel er­streckt.


Na­tur­er­leb­nis: Im La­va­tun­nel

In die Unterwelt – der Einstieg des bislang längsten bekannten Lavatunnels der Welt (Foto: Lucie Büchert-Fohrer)
In die Un­ter­welt – der Ein­stieg des bis­lang längs­ten be­kann­ten La­va­tun­nels der Welt (Foto: Lucie Bü­chert-Foh­rer)
Vor etwa 3000 Jah­ren brach der Monte Co­ro­na im Nor­den Lan­za­ro­tes aus. Ge­wal­ti­ge La­va­strö­me (Ríos de Lava) er­gos­sen sich hin­un­ter zur 6 km ent­fern­ten Ost­küs­te und bil­de­ten ein rie­si­ges La­va­meer, den Mal­país de la Co­ro­na. Unter der Ober­flä­che ent­stan­den dabei aus­ge­dehn­te un­ter­ir­di­sche Höh­len­sys­te­me: Wäh­rend die obe­ren La­va­schich­ten durch Luft­be­rüh­rung schnell er­kal­te­ten, flos­sen die Glut­strö­me dar­un­ter wei­ter und form­ten ki­lo­me­ter­lan­ge Röh­ren (Tubos vol­cá­ni­cos), die schließ­lich ins Meer mün­de­ten. Dies war die Ge­burts­stun­de der Cueva de los Ver­des, Teil des bis­lang längs­ten be­kann­ten La­va­tun­nels der Welt.
Der »Túnel de la At­lán­ti­da« zieht sich vom Monte Co­ro­na bis zur Küste und ver­läuft noch etwa 1,6 km wei­ter unter dem Mee­res­bo­den. Auch die von Man­ri­que aus­ge­stal­te­ten Ja­me­os del Agua ge­hö­ren zu die­sem La­by­rinth. Von den ins­ge­samt fast 8 km, die der Tun­nel lang ist, sind 2 km für die Öf­fent­lich­keit frei­ge­ge­ben und aus­ge­baut wor­den. Man be­sich­tigt sie am bes­ten gleich im An­schluss an Ja­me­os del Agua, die bei­den Se­hens­wür­dig­kei­ten lie­gen nur wenig mehr als 1 km von­ein­an­der ent­fernt. Aus der Son­nen­wär­me und Ta­ges­hel­le Lan­za­ro­tes steigt man 50 m tief unter die Erd­ober­flä­che und be­wegt sich in dem bi­zarr ver­form­ten Tun­nel des La­va­stroms vor­wärts. Mit bis zu vier Stock­wer­ken, so ge­nann­ten Ga­le­rías, über­ein­an­der ist er fast 40 m hoch. Die Tem­pe­ra­tur be­trägt hier unten kon­stant 18 Grad Cel­si­us, kei­ner­lei Kli­ma­ein­flüs­se oder Ge­räu­sche der Ober­welt drin­gen in die Tiefe – eine dich­te At­mo­sphä­re des Schwei­gens hängt über der ur­welt­li­chen Sze­ne­rie, nur un­ter­bro­chen durch leise, sphä­ren­haf­te Musik, die aus Laut­spre­chern er­klingt.
Der Be­such ist aus­schließ­lich im Rah­men einer Füh­rung mög­lich und dau­ert etwa 45 Mi­nu­ten.


Nach­bar­in­sel: La Gra­cio­sa oder Am Ende der Welt

Die faszinierenden Ausblicke vom kahlen Wüsteneiland der Nachbarinsel La Graciosa (Foto: Eberhard Fohrer)
Die fas­zi­nie­ren­den Aus­bli­cke vom kah­len Wüs­te­nei­land der Nach­bar­in­sel La Gra­cio­sa (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Die Sand- und Step­pen­in­sel La Gra­cio­sa liegt nörd­lich von Lan­za­ro­te, Boote fah­ren täg­lich mehr­mals von Or­zo­la aus hin­über. La Gra­cio­sa be­deu­tet die »An­mu­ti­ge« – kann ein Name ir­re­füh­ren­der sein? Ein kah­les Wüs­te­nei­land am Ende der Welt, kein Trop­fen Was­ser im Boden, ver­trock­ne­te Step­pe mit höchs­tens knie­ho­hen Ge­wäch­sen, sand­be­deck­te Vul­kan­ke­gel, Staub und Treib­sand, wohin man blickt … Doch fah­ren Sie ein­mal zum Aus­sichts­punkt Mi­ra­dor del Río im Fa­ma­ra-Kliff hin­auf: La Gra­cio­sa liegt dort un­mit­tel­bar vor der Küste Lan­za­ro­tes im Meer und der An­blick ist ein­fach mär­chen­haft schön. Vi­el­leicht stand der nor­man­ni­sche Ero­be­rer Jean de Bé­then­court ge­ra­de hier oben, als er 1402 der bis dahin na­men­lo­sen Insel ihren Namen gab.
Der Ha­fen­ort Ca­leta del Sebo wirkt heute wie ein Dorf aus einer an­de­ren Epo­che. Mit sei­nen flach ge­duck­ten, wei­ßen Häu­sern und brei­ten, san­di­gen Pis­ten scheint er einem Wild­west­film ent­sprun­gen zu sein. Kein Stück­chen As­phalt ver­un­stal­tet den Ort, über­all läuft man auf Sand. Immer aufs Neue traum­haft stellt sich das groß­ar­ti­ge Pan­ora­ma der Fa­ma­ra-Steil­wand genau ge­gen­über dar, jen­seits vom nur 1 km brei­ten Río, der Mee­resen­ge zwi­schen La Gra­cio­sa und Lan­za­ro­te.
Was die Nach­bar­in­sel also bie­tet? Ein paar er­hol­sa­me Tage ab­seits vom Tru­bel, Wan­dern, Baden – La Gra­cio­sa ist ein Ziel für In­di­vi­dua­lis­ten, die mit ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen zu­frie­den sind.