Top Ten

Teil 20: Oden­wald mit Berg­stra­ße, Darm­stadt, Hei­del­berg

oder Die Schät­ze einer nicht so be­kann­ten Ge­gend

Portrait Stephanie Aurelia RungeOden­wald, was bitte gibt es da? Ei­ni­ges! Denn der Oden­wald und die 68 Ki­lo­me­ter lange Berg­stra­ße sind so etwas wie eine weit­ge­hend un­ent­deck­te Schatz­kis­te der Re­pu­blik. Le­dig­lich Hei­del­berg wird von Tou­ris­ten (teils zu Recht!) über­flu­tet. An­dern­orts trifft man auf ein gran­dio­ses Fel­sen­meer, ein Hotel der his­to­ri­schen Su­per­la­ti­ve sowie das längs­te Bo­den­denk­mal nach der Chi­ne­si­schen Mauer und er­fährt, was »wahn­sin­ni­ge Schöp­fer­kraft« leis­ten kann. Ste­pha­nie Au­re­lia Runge, Au­to­rin un­se­res Oden­wald-Rei­se­buchs, hat eine »Hilfe auch für Ein­hei­mi­sche« (Hes­si­scher Rund­funk) – und diese Top Ten – ge­schrie­ben.


Oden­wald mit Berg­stra­ße, Darm­stadt, Hei­del­berg – Ste­pha­nie Au­re­lia Run­ges Top Ten

Städ­te­tipp für die erste Schnup­per­tour: Bens­heim

In Bensheim geht das Leben eine entspannte Gangart. Idealer Ausgangspunkt für eine erste Schnuppertour (Foto: Stephanie Aurelia Runge)
In Bens­heim geht das Leben eine ent­spann­te Gan­gart. Idea­ler Aus­gangs­punkt für eine erste Schnup­per­tour (Foto: Ste­pha­nie Au­re­lia Runge)
Bens­heim, Hep­pen­heim, Wein­heim oder Schries­heim – ei­gent­lich eig­nen sich alle Städ­te am West­hang des Oden­walds für eine erste Schnup­per­tour. Hier geht das Leben eine ent­spann­te Gan­gart. Es gibt nette Ge­schäf­te zum Shop­pen. Das kul­tu­rel­le An­ge­bot ist groß. Warum also ge­ra­de nach Bens­heim?
Zum Bei­spiel weil der Weg zu ei­ni­gen hoch­ka­rä­ti­gen Se­hens­wür­dig­kei­ten kurz ist: In Bens­heim-Au­er­bach gibt es das Fürs­ten­la­ger, das den frü­he­ren Groß­her­zö­gen von Hes­sen-Darm­stadt und Mit­glie­dern des Za­ren­ho­fes als Som­mer­re­si­denz dien­te. Einen Kat­zen­sprung ent­fernt liegt Schloss Au­er­bach, das zu den schöns­ten Rui­nen Süd­hes­sens zählt. In we­ni­gen Au­to­mi­nu­ten ist das Welt­kul­tur­er­be Klos­ter Lorsch (klos­ter-lorsch.de) er­reicht.
Bens­heim selbst hat eine se­hens­wer­te, his­to­ri­sche Alt­stadt, ge­sel­li­ge Win­zer­stu­ben und eine un­ter­halt­sa­me Kul­tur­sze­ne. All­jähr­lich wird der hoch do­tier­te Ger­trud-Ey­soldt-Ring an her­aus­ra­gen­de Schau­spie­ler ver­lie­hen. Zudem gibt es gut ge­mach­te Wan­der­we­ge: Zwi­schen Bens­heim und Hep­pen­heim liegt ein at­trak­ti­ver Ab­schnitt des 85 km lan­gen Blü­ten­wegs, der an zahl­lo­sen Wein­stö­cken vor­bei­führt.
Ein wei­te­rer Plus­punkt am Schluss: Wer die gro­ßen »Oden­wald­tor­wäch­ter« Darm­stadt und Hei­del­berg be­su­chen mag, kann das Auto ge­trost an der Berg­stra­ße ste­hen las­sen. Die re­gel­mä­ßi­gen Ver­bin­dun­gen von Bus und Bahn ga­ran­tie­ren einen ge­schmei­di­gen Aus­flug ohne hek­ti­sche Park­platz­su­che, teure Park­haus­bil­lets oder »Kn­öll­chen«.


Wo Rie­sen sich mit gro­ßen St­ei­nen be­war­fen: das Fel­sen­meer

Das Felsenmeer oder die Wollsackverwitterung im Vorderen Odenwald (Foto: Stephanie Aurelia Runge)
Das Fel­sen­meer oder die Woll­sack­ver­wit­te­rung im Vor­de­ren Oden­wald (Foto: Ste­pha­nie Au­re­lia Runge)
Kein »nice to see«, son­dern ein »must see«. An kei­ner Stel­le im Mit­tel­ge­bir­ge tritt der Gra­ni­tun­ter­grund des Vor­de­ren Oden­walds ein­präg­sa­mer ans Ta­ges­licht als hier. Der Sage nach haben sich zwei Rie­sen – der »Fels­ho­cker« und der »St­ein­bei­ßer« – mit ge­wal­ti­gen St­ei­nen be­wor­fen. Letzt­lich wurde der »Fels­ho­cker« im Fel­sen­meer unter der mäch­ti­gen »La­wi­ne« be­gra­ben. Wis­sen­schaft­lich be­trach­tet ent­stand das Na­tur­phä­no­men durch so­ge­nann­te Woll­sack­ver­wit­te­rung. Der Name spielt auf das Aus­se­hen der Gesteins­for­ma­tio­nen an, die an auf­ein­an­der ge­sta­pel­te Kis­sen, Ma­trat­zen und eben Woll­sä­cke er­in­nern.
Das Fel­sen­meer an sich ist schon im­po­sant. Ein­ma­lig wird der Ort, weil die Römer ihn als St­ein­bruch nutz­ten und aus dem ton­nen­schwe­ren Gra­nit bei­spiels­wei­se Säu­len er­schu­fen. An ei­ni­gen Fel­sen sind die Be­ar­bei­tungs­spu­ren noch deut­lich sicht­bar; selbst eine Säule ist zu be­wun­dern.
Das Fel­sen­meer ist je­der­zeit frei zu­gäng­lich. Es stellt au­ßer­dem einen Hö­he­punkt der ers­ten Etap­pe des an­spruchs­vol­len Ni­be­lun­gen­steigs dar. Für mehr Hin­ter­grund­wis­sen emp­fiehlt es sich, das Fel­sen­meer-In­for­ma­ti­ons­zen­trums (fel­sen­meer-zen­trum.de) an­zu­steu­ern: der Be­such lohnt sich, ga­ran­tiert!


Back to the 70th: Park­ho­tel in Mi­chel­stadt-Viel­brunn

Mehr Vintage geht nicht. Das 70er-Jahre-Hotel in Michelstadt-Vielbrunn (Foto: Parkhotel 1970)
Mehr Vin­ta­ge geht nicht. Das 70er-Jahre-Hotel in Mi­chel­stadt-Viel­brunn (Foto: Park­ho­tel 1970)
Ohne Über­trei­bung kann man sagen: Das Park­ho­tel 1970 (park­ho­tel-1970.de) ist ein Hotel der his­to­ri­schen Su­per­la­ti­ve. Denn der größ­te Teil des In­te­ri­eurs stammt noch ori­gi­nal aus den 70er-Jah­ren des vo­ri­gen Jahr­hun­derts – von den Ta­pe­ten über die Bet­ten bis hin zum Te­le­fon, alles top er­hal­ten.
Die au­then­ti­sche Ein­rich­tung ist auch der Grund, warum hier so gerne Film­pro­duk­tio­nen oder Fo­to­gra­fen samt Mo­dels an­kom­men. »Etwa 25 Pro­duk­tio­nen sind es über das Jahr ver­teilt«, ver­rät Ann-Ka­trin Thimm. Sie hat die Füh­rung des Ho­tels di­rekt von ihrer Groß­mut­ter über­nom­men, die immer noch im Hotel aktiv ist, so weit es die Kräf­te der über 80-jäh­ri­gen Dame zu­las­sen.
Das Hotel ist bei Er­ho­lungs­su­chen­den, die eine klei­ne Zei­trei­se er­le­ben wol­len, aus­ge­spro­chen be­liebt. An Wo­che­nen­den sind die 16 Zim­mer oft aus­ge­bucht. Unter der Woche ist es leich­ter, in den Ge­nuss des 70er-Vin­ta­ge-Fee­lings zu kom­men. Grup­pen kön­nen sogar ein pas­sen­des Ca­te­ring bu­chen. Dann gibt es Met­ti­gel, Kr­ab­ben­cock­tail, Rus­si­sche Eier und alles, was sonst noch auf das Old­school-Buf­fet ge­hört. Stan­dard ist Über­nach­tung mit Früh­stück. Der Sai­son­be­trieb be­ginnt am 1. April und endet kurz vor Weih­nach­ten.


Hier geht das Brot weg wie warme Sem­meln: Ku­li­na­ri­sche Klas­si­ker im Reb­stock

Hier gibt es nichts weniger als das beste Brot des Odenwalds (neben anderen kulinarischen Klassikern) (Foto: Stephanie Aurelia Runge)
Hier gibt es nichts we­ni­ger als das beste Brot des Oden­walds (neben an­de­ren ku­li­na­ri­schen Klas­si­kern) (Foto: Ste­pha­nie Au­re­lia Runge)
Wer in die­sem Land­strich un­ter­wegs ist, fin­det sie: zahl­rei­che Gast­wirt­schaf­ten, um auf den Oden­wäl­der Ge­schmack zu kom­men. Es gilt fol­gen­der Grund­satz: je re­du­zier­ter die Aus­wahl auf der Karte, umso ur­sprüng­li­cher das ku­li­na­ri­sche Er­leb­nis.
Koch­kä­se, Hand­kä­se, mit oder ohne Musik (= in Essig und Öl an­ge­mach­te Zwie­beln), Schin­ken, Brat­wurst, auch Schnit­zel, Blut- und Le­ber­wurst, als kalte Plat­te oder warm mit Sau­er­kraut ser­viert, zäh­len zu den Klas­si­kern. Nicht immer gibt es Brat­kar­tof­feln als Bei­la­ge. In vie­len Fäl­len wird Brot zum Essen ge­reicht – und das ist im Reb­stock (reb­stock-stein­bach.de) in Fürth-St­ein­bach be­son­ders le­cker und knusp­rig. Denn es ist, wie fast alles, was den Gäs­ten ser­viert wird, selbst her­ge­stellt; Frei­tag bis Mon­tag wird das Rog­gen-Sau­er­teig­brot frisch ge­ba­cken.
Kaum ein Wo­che­nend­gast ver­lässt das Lokal ohne Laib. Im Reb­stock gibt es näm­lich viel von der Karte auch zum Mit­neh­men: Koch­kä­se, Do­sen­wurst, Ap­fel­ge­lee und Lad­we­je (= Zwetsch­gen­mus), Ap­fel­saft, Ap­fel­wein und eben das köst­lich-fri­sche Brot.
Die Gast­stät­te zum Reb­stock liegt üb­ri­gens ruhig am obe­ren Ende von St­ein­bach. Die Ge­schäf­tig­keit des Haupt­or­tes Fürth bleibt hin­ter einem zu­rück. Von der Ter­ras­se aus fällt der Blick auf den Wald. We­ni­ge Schrit­te hin­ter der ru­hi­gen Stra­ße war­tet ein Spiel­platz. Und wer sich sein Essen erst ver­die­nen will, kann von hier aus eine rund 17 km lange, at­trak­ti­ve Rund­wan­de­rung (oden­wald-wan­dern.de/gps-wan­de­run­gen/fu­erth/tromm-we­schnitz­quel­le.php) star­ten, die über die Tromm nach Ham­mel­bach zur We­schnitz­quel­le und wie­der zu­rück führt.


Baden im Grü­nen: Mar­bach-Stau­see

Schon bei den ers­ten Früh­lings­tem­pe­ra­tu­ren wan­delt sich der Mar­bach-Stau­see in ein Nah­er­ho­lungs­ge­biet. Spa­zier­gän­ger und Rad­fah­rer dre­hen hier ihre Run­den. Auf den Wie­sen wer­den De­cken aus­ge­brei­tet, Pick­nick­kör­be aus­ge­packt. Ei­gent­lich wurde der rund 2 km lange Stau­see zum Hoch­was­ser­schutz er­baut. Der Platz im Wald ist aber so lau­schig, dass er bei zu­neh­men­der Wärme und frei­em Ein­tritt von Ang­lern, Sur­fern, Seg­lern, Schwim­mern oder Son­nen­an­be­tern er­obert wird.
Von Mitte Mai bis Mitte Sep­tem­ber sorgt ein Team vom DLRG Oden­wald (oden­wald.dlrg.de/mar­bachs­tau­see.html) für si­che­res Schwimm­ver­gnü­gen. Ei­ni­ge Be­rei­che des Sees sind der Natur vor­be­hal­ten und ste­hen des­halb unter Schutz. An­fang Au­gust muss die Ba­deidyl­le al­ler­dings ein Wo­che­nen­de lang dem Mu­sik­fes­ti­val »Sound of the Fo­rest« (sound-of-the-fo­rest.de) Platz ma­chen. Dann geben sich jede Menge junge Bands und Fans ein be­rau­schen­des Stell­dich­ein.
Wer trotz­dem nicht auf sei­nen Ba­de­spaß ver­zich­ten will, kann zum Bei­spiel ins nahe ge­le­ge­ne Beer­fel­de­ner Wald­see­bad (wald­see­bad-beer­fel­den.de) aus­wei­chen. Das schö­ne Frei­bad wird immer noch als Ge­heim­tipp im Oden­wald ge­han­delt.


Som­mer­ro­del­bahn in Wald-Mi­chel­bach: der Oden­wald­bob

Mit 40 Stundenkilometern 1.000 Meter schussabwärts – der Odenwaldbob in Wald-Michelbach (Foto: Rüdiger Reeg)
Mit 40 St­un­den­ki­lo­me­tern 1.000 Meter schuss­ab­wärts – der Oden­wald­bob in Wald-Mi­chel­bach (Foto: Rü­di­ger Reeg)
Für ak­ti­ve Fe­ri­en mit Kin­dern gibt es im Oden­wal ein brei­tes Frei­zeit­an­ge­bot: An ers­ter Stel­le ste­hen selbst­ver­ständ­lich der Ur­laub auf dem Bau­ern­hof und die Rei­ter­fe­ri­en. Für Ta­ges­aus­flü­ge loh­nen sich Rit­ter­spie­le oder, ganz be­son­ders, der kurz­wei­li­ge Oden­wald­bob.
Die Som­mer­ro­del­bahn (som­mer­ro­del­bahn-wald-mi­chel­bach.de) in Wald-Mi­chel­bach ist bei Kids und Er­wach­se­nen glei­cher­ma­ßen be­liebt. Es geht mit rund 40 km/h gut 1.000 m schuss­ab­wärts, teils in einer Höhe von 6 m über eine Land­stra­ße und Fel­der. Wer dabei noch ein Auge für die Land­schaft haben soll­te, kann schö­ne Aus­bli­cke in den Über­wald ge­nie­ßen. Ein au­to­ma­ti­sches Lift­sys­tem bringt die Rod­ler wie­der be­quem nach oben zur Berg­sta­ti­on.
Der Ro­del­spaß ist von April bis Ok­to­ber täg­lich 10 bis 17 Uhr und in den Som­mer­fe­ri­en bis 18 Uhr mög­lich. In den üb­ri­gen Mo­na­ten öff­net die Bahn nur an Wo­che­nen­den.


Wahn­sin­ni­ge Schöp­fer­kraft: Samm­lung Prinz­horn

Sammlung Prinzhorn. Ein Museum, deren Figuren an frühere Kulturen und den Expressionismus erinnern (Foto: Stephanie Aurelia Runge)
Samm­lung Prinz­horn. Ein Mu­se­um, deren Fi­gu­ren an frü­he­re Kul­tu­ren und den Ex­pres­sio­nis­mus er­in­nern (Foto: Ste­pha­nie Au­re­lia Runge)
Ein Mu­se­um der be­son­de­ren Art zeigt, wie nah Genie und Wahn­sinn tat­säch­lich bei­ein­an­der lie­gen kön­nen: Die Samm­lung Prinz­horn (prinz­horn.ukl-hd.de) in Hei­del­berg um­fasst fast 6.000 Bil­der, Skulp­tu­ren und Texte psy­chisch kran­ker Men­schen. Sie ist nach dem deut­schen Psych­ia­ter und Kunst­his­to­ri­ker Hans Prinz­horn be­nannt, der die Werke zu Be­ginn der 1920er-Jahre im Auf­trag der Psych­ia­tri­schen Uni­ver­si­täts­kli­nik Hei­del­berg zu­sam­men­trug.
Motor der Samm­lung war kein Kunst­ge­dan­ke, son­dern viel­mehr ein in­no­va­ti­ver, the­ra­peu­ti­scher An­satz, der Prinz­horn damit zum Weg­be­rei­ter der mo­der­nen Kunst­the­ra­pie mach­te. Re­vo­lu­tio­när zum da­ma­li­gen Zeit­punkt, denn da­mals waren in Psych­ia­tri­en Schlä­ge, eis­kal­te Wa­schun­gen und das Fi­xie­ren der Pa­ti­en­ten be­vor­zug­te »The­ra­pie­me­tho­den«. Viele Werke wer­den in dem ehe­ma­li­gen Hör­saal der Neu­ro­lo­gi­schen Kli­nik, dem heu­ti­gen Mu­se­um, in wech­seln­den Aus­stel­lun­gen prä­sen­tiert.
Zu den fes­ten Ex­po­si­tio­nen zäh­len die Holz­skulp­tu­ren von Jo­hann Karl Gen­zel, die ei­ner­seits wie Fi­gu­ren frü­her Kul­tu­ren, an­de­rer­seits ex­pres­sio­nis­tisch wir­ken. An­de­re Werke zeich­nen sich durch die Liebe zum De­tail oder Sym­bol­haf­tig­keit aus. Wäh­rend die Kol­le­gen aus der Me­di­zin von Prinz­horns An­satz un­be­ein­druckt blie­ben, stie­ßen die Werke der Psych­ia­trie­pa­ti­en­ten bei Künst­lern der Mo­der­ne wie Max Ernst oder Paul Klee auf gro­ßes In­ter­es­se. Die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten nutz­ten da­ge­gen Werke der Samm­lung für ihre Wan­der­aus­stel­lung »Entar­te­te Kunst«. Viele Künst­ler der Samm­lung Prinz­horn wur­den als »un­wer­tes Leben« stig­ma­ti­siert und schließ­lich unter dem Nazi-Re­gime grau­sam er­mor­det.


Eine der schöns­ten Aus­stel­lun­gen der Re­pu­blik: Hes­si­sches Lan­des­mu­se­um Darm­stadt

Es wird von der Pres­se als eines der schöns­ten Mu­se­en Deutsch­lands ge­rühmt. Und es stimmt: Das Hes­si­sche Lan­des­mu­se­um in Darm­stadt (hlmd.de) ist eine echte Perle – dank sei­ner Ar­chi­tek­tur, aber auch wegen der en­zy­klo­pä­di­schen Samm­lung.
Das Mu­se­um wurde 1906 ein­ge­weiht, wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges be­schä­digt, durch den Mo­der­ni­sie­rungstick der 1970er-Jahre ver­baut und 2014 nach sie­ben­jäh­ri­ger, um­fas­sen­der Sa­nie­rung wie­der­er­öff­net. Seit­her er­strahlt das Haus er­neut im Sinne des Ar­chi­tek­ten: Al­fred Mes­sel, der kurz vor sei­nem frü­hen Tod vom Kai­ser zum Ge­ne­ral­pla­ner der Ber­li­ner Mu­se­ums­in­sel be­ru­fen wurde, und aus des­sen Feder auch der Ent­wurf des Per­ga­mon­mu­se­ums stammt. Die vie­len un­ter­schied­li­chen Aus­stel­lungs­stü­cke – dar­un­ter Ge­mäl­de, sa­kra­le und mit­tel­al­ter­li­che Kunst, an­ti­ke Mo­sai­ken oder na­tur­wis­sen­schaft­li­che Stü­cke wie das rie­si­ge Ske­lett eines Mas­to­dons (= nord­ame­ri­ka­ni­sches Mam­mut) – er­hiel­ten einen sti­lis­ti­schen, at­mo­sphä­ri­schen Rah­men. Ins­ge­samt be­sitzt die­ses Uni­ver­sal­mu­se­um 13 Ab­tei­lun­gen, von Archäo­lo­gie bis Zoo­lo­gie, von einer an­schau­li­chen Mi­ne­ral­samm­lung bis zu Jo­seph Beuys. Hinzu kom­men wech­seln­de Aus­stel­lun­gen.
Wer das Hes­si­sche Lan­des­mu­se­um Darm­stadt be­sucht, soll­te also un­be­dingt Zeit mit­brin­gen. Sehr emp­feh­lens­wert sind Füh­run­gen, die Er­wach­se­nen und Kin­dern ziel­grup­pen­ori­en­tier­te High­lights prä­sen­tie­ren.


Wenn die Oden­wäl­der Wein­in­sel bebt: Um­städ­ter Win­zer­fest

Berauschende vier Tage im September. Auf dem Winzerfest in Umstädt (Foto: Rui Fotografie)
Be­rau­schen­de vier Tage im Sep­tem­ber. Auf dem Win­zer­fest in Um­städt (Foto: Rui Fo­to­gra­fie)
Der Wein­bau in Groß-Um­stadt hat seit der rö­mi­schen Be­sied­lung Tra­di­ti­on und wird be­reits in einer Ur­kun­de der Abtei Fulda aus dem Jahre 985 er­wähnt. Auf ins­ge­samt drei Wein­la­gen wer­den elf weiße und acht rote Rebs­or­ten an­ge­baut. Schwer­punk­te lie­gen auf kräf­ti­gen bis sprit­zig-fri­schen Weiß­wei­nen. Pro­bie­ren kann man den Wein das ganze Jahr über: zum Bei­spiel bei Wein­pro­ben und Kel­ler­füh­run­gen, die von der Oden­wäl­der Win­zer­ge­nos­sen­schaft »vinum aut­mun­dis« (vinum-aut­mun­dis.de) or­ga­ni­siert wer­den.
Ein­mal im Jahr wird der Wein sogar ek­sta­tisch ge­fei­ert. Das Um­städ­ter Win­zer­fest (um­sta­ed­ter-win­zer­fest.de) ist der Wein­in­sel liebs­tes Spek­ta­kel, zu dem selbst lang­jäh­ri­ge Exil-Um­städ­ter wie­der zu­rück­kom­men. Es fin­det immer am Wo­che­nen­de um den 15. Sep­tem­ber statt und dau­ert be­rau­schen­de vier Tage – von Frei­tag bis Mon­tag. Hö­he­punk­te sind die Krö­nung der Wein­ho­hei­ten für das neue Wein­jahr und der große Fest­zug. Auch Wein­kö­ni­gin­nen eu­ro­päi­scher Part­ner­städ­te samt Ge­folg­schaft zäh­len zu den Gäs­ten. Auf dem schö­nen, his­to­ri­schen Markt wird an zahl­rei­chen Stän­den Wein aus­ge­schenkt, be­glei­tet von Live-Musik, die von den Büh­nen schallt.
Als Vor­ge­schmack gibt es am Wo­che­nen­de vor dem Win­zer­fest einen Bau­ern­markt. Dann stel­len Land­wir­te, Win­zer und Di­rekt­ver­mark­ter aus dem Vor­de­ren Oden­wald ihre Pro­duk­te vor und geben einen Ein­blick, wie die Le­bens­mit­tel er­zeugt wur­den.


Die Ge­gen­wart der Ver­gan­gen­heit: Auf den Spu­ren der Römer

Römische Limesreste mitten in Deutschland (Foto: Stephanie Aurelia Runge)
Rö­mi­sche Li­mes­res­te mit­ten in Deutsch­land (Foto: Ste­pha­nie Au­re­lia Runge)
Wach­tür­me, Grenz­be­fes­ti­gun­gen, Ju­pi­ter­säu­len, Mi­thras-Kult­stei­ne, all­täg­li­che Ge­brauchs­ge­gen­stän­de – die alten Römer haben Ein­drucks­vol­les im und rund um den Oden­wald hin­ter­las­sen. Kein Wun­der, denn die heu­ti­gen Städ­te Die­burg und La­den­burg waren in der An­ti­ke be­deu­ten­de rö­mi­sche Sied­lun­gen, und im öst­li­chen Teil des Mit­tel­ge­bir­ges ver­lief der Limes.
Den Grenz­wall er­rich­te­ten die rö­mi­schen Macht­ha­ber zum Schutz gegen die Ale­man­nen. Im Oden­wald gibt es ihn in zwei­fa­cher Aus­füh­rung: Der Oden­waldli­mes aus dem 1. Jahr­hun­dert führ­te von Obern­burg oder Wörth am Main (ganz klar sind sich die For­scher in die­sem Punkt nicht) nach Bad Wimp­fen. Im 2. Jahr­hun­dert wurde er 30 Ki­lo­me­ter wei­ter nach Osten ver­legt. Ins­ge­samt ist der Limes 550 km lang und führt nörd­lich von Ko­blenz bis kurz vor Re­gens­burg. Es wird als längs­tes Bo­den­denk­mal nach der Chi­ne­si­schen Mauer ge­han­delt und trägt einen UNESCO-Wel­ter­be­ti­tel. Im Oden­wald füh­ren viele Wan­der­we­ge an der his­to­ri­schen Gren­ze ent­lang. Neben der lieb­li­chen Land­schaft gibt es ver­wit­ter­te Über­res­te von Wach­tür­men, der Grenz­be­fes­ti­gung oder Ka­stel­len zu sehen.
Ein be­son­de­res High­light sind die Rui­nen eines Marstem­pels samt Göt­ter­fi­gu­ren in der Nähe von Schloßau. Die Ori­gi­nal­fi­gu­ren ste­hen im Rö­mer­mu­se­um (ro­emer­mu­se­um-os­ter­bur­ken.de) in Os­ter­bur­ken. Für eine Reise in die Rö­mer­zeit sind au­ßer­dem der Be­such der Villa Ha­sel­burg (ha­sel­burg.de) bei Höchst oder des Mu­se­ums Schloss Fe­chen­bach (mu­se­um-schloss-fe­chen­bach.de) in Die­burg emp­feh­lens­wert, wo die rö­mi­sche Ge­schich­te im Oden­wald se­hens­wert auf­be­rei­tet ist.