Top Ten

Teil 21: Prag

oder Eine Mix­tur, von einem be­kiff­ten Städ­te­pla­ner ent­wor­fen

Portrait Gabriele TrögerPortrait Michael BussmannMe­tro­po­len zei­gen die Men­ta­li­tät eines Lan­des oft­mals im Mi­nia­tur­for­mat. Auch Prag ist eine sol­che Stadt und prä­sen­tiert sich – nicht nur wegen eines Künst­lers, der die Po­li­ti­ker pro­vo­ziert – als un­ver­klemmt offen, doch auch ver­gan­gen­heits­si­cher wie im Schwar­zen Och­sen, einer »Bier­stu­ben­di­no­sau­ri­er­knei­pe« mit »Kell­nern, die so char­mant wie der Ei­ser­ne Vor­hang« sind. So zu­min­dest die Ein­schät­zung un­se­rer Prag-Au­to­ren Micha­el Buss­mann und Ga­brie­le Trö­ger, die die Kli­sche­eidyl­le der Alt­stadt ge­nau­so wie die schöns­te Aus­sicht, die läs­sigs­ten Schu­he und das ein­deu­tig beste Bier von ganz Mit­tel­böh­men ge­tes­tet haben.


Prag – Micha­el Buss­manns und Ga­brie­le Trö­gers Top Ten

Kunst­punk: Auf den Spu­ren David Cernýs

David Černýs rotierender Kafka (Foto: Gabriele Tröger)
David Černýs ro­tie­ren­der Kafka (Foto: Ga­brie­le Trö­ger)
Was ist das denn? Zwei schlan­ke Män­ner aus Bron­ze pin­keln vor dem Franz-Kafka-Mu­se­um in ein Be­cken, das der tsche­chi­schen Land­kar­te gleicht – David Cernýs Ant­wort auf den EU-Bei­tritt Tsche­chi­ens im Jahr 2004. David Cerný (Jahr­gang 1967) ist das En­fant ter­ri­ble der tsche­chi­schen Kunst­sze­ne: kein Künst­ler der lei­sen Töne, son­dern einer mit viel schwar­zem Humor und Hau-Drauf-Men­ta­li­tät.
Zu über­se­hen sind seine Werke im Pra­ger Stadt­zen­trum kaum. Schlap­pe 39 Ton­nen wiegt der elf Meter hohe Kafka-Kopf beim Shop­ping­cen­ter Qua­drio in der Neu­stadt. 42 Schich­ten aus Stahl ro­tie­ren un­auf­hör­lich und las­sen Fran­zens Ba­by­face stän­dig zer­flie­ßen und neu ent­ste­hen. »Quo Vadis« heißt Cernýs Trabi auf vier plum­pen Men­schen­bei­nen, der im Gar­ten der Deut­schen Bot­schaft an die Er­eig­nis­se im Spät­som­mer 1989 er­in­nert, als Tau­sen­de von DDR-Bür­gern darin kam­pier­ten. In der Alt­stadt­gas­se Hu­so­va bau­melt – den Kopf im Na­cken – Sig­mund Freud vom Dach. In der Lu­cer­na-Pas­sa­ge in der Neu­stadt sitzt Tsche­chi­ens Na­tio­nal­hei­li­ger Wen­zel auf einem kopf­über hän­gen­den Gaul. Und im Stadt­teil Žižkov lässt Cerný düs­te­re, ge­sichts­lo­se Was­ser­kopf-Me­tall­ba­bys den Fern­seh­turm hin­auf­krab­beln.
Es gibt noch viel mehr von Cerný – was man ne­ben­bei ent­deckt, wenn man durch die Stra­ßen der 1,2-Mil­lio­nen-Me­tro­po­le streift … Nur die wohl gran­dio­ses­te Cerný-Ar­beit ist längs­tens ab­ge­baut: Zur Prä­si­dent­schafts­wahl 2013 ließ er einen neun Meter hohen, li­la­far­be­nen Stin­ke­fin­ger von einem in der Mol­dau schwim­men­den Kahn auf die Pra­ger Burg, den Sitz des Prä­si­den­ten, zei­gen. O-Ton Cerný: »Ein Fuck-Zei­chen für die be­schis­se­nen Kom­mu­nis­ten.«
da­vid­cer­ny.cz.


Der Place to be: Ná­plav­ka

Hipstermeile Náplavka (Foto: Michael Bussmann)
Hips­ter­mei­le Ná­plav­ka (Foto: Micha­el Buss­mann)
Wald­schrat­bär­te auf­ge­passt, hier müsst Ihr hin! Am Mol­dau­ufer der süd­li­chen Neu­stadt trifft sich die ur­ba­ne In-Crowd.
Ent­lang der Ufer­pro­me­na­de, der Ná­plav­ka, wurde eine ganze Reihe von aus­ran­gier­ten Schif­fen ver­täut, auf denen man Craft Beer tsche­chi­scher Bier­ma­nu­fak­tu­ren und Ape­rol Spritz trinkt. Oft spie­len klei­ne Com­bos auf, kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen bie­tet die (A)VOID Floa­ting Gal­le­ry nahe der Ei­sen­bahn­brü­cke Želez­nicní most.
Jeden Sams­tag wird zudem ein Bau­ern­markt ab­ge­hal­ten, wo man Bio­steaks, Eier von frei­lau­fen­den Hüh­nern und quiet­sch­mun­te­re Fo­rel­len aus Be­cken kau­fen kann. Un­se­re Ein­schät­zung: immer einen Aus­flug wert, an Som­mer­wo­chen­en­den al­ler­dings pi­cke­pa­cke­voll!
Ná­plav­ka, Rašinovo nábreží.


Die schöns­te Aus­sicht: Pe­trín-Hügel

Im Spiegellabyrinth auf dem Petrín (Foto: Gabriele Tröger)
Im Spie­gel­la­by­rinth auf dem Pe­trín (Foto: Ga­brie­le Trö­ger)
Um eine Stadt zu be­grei­fen, steigt man ihr am bes­ten erst­mal aufs Dach. In Prag geht das ganz be­quem mit der Stand­seil­bahn von der Klein­sei­te aus, dem Stadt­teil unter der Burg.
Die »La­nov­ka«, wie Seil­bahn im Tsche­chi­schen heißt, bringt fuß­fau­le Tou­ris­ten in we­ni­gen Mi­nu­ten auf den mit Apfel- und Zwetsch­gen­bäu­men be­stück­ten Pra­ger Haus­berg. Oben steht ein Eif­fel­turm in Mi­nia­tur­for­mat, von dem man einen Lo­gen­blick über Prag und das ganze Um­land ge­nießt.
Kin­der und Kind­ge­blie­be­ne la­chen sich ne­ben­an im Spie­gel­ka­bi­nett schlapp. Da­nach setzt man sich auf eine der bei­den Re­stau­rant­ter­ras­sen, be­stellt ein küh­les Ge­tränk und schaut sich so rich­tig satt am Mol­dau­pan­ora­ma und den le­gen­dä­ren 100 Pra­ger Tür­men.
pe­trins­ka-rozh­led­na.cz.


Essen: La De­gus­ta­ti­on Bohê­me Bour­goi­se

An sich glaubt man in Tsche­chi­en nicht an klei­ne Por­tio­nen. Ein gro­ßer Tel­ler mit viel drauf zum Dum­ping­preis zeich­net für die meis­ten Tsche­chen bis heute ein gutes Re­stau­rant aus. Zum Glück geht böh­mi­sche Küche auch an­ders.
Old­rich Sa­ha­jdák kocht in sei­nem Re­stau­rant La De­gus­ta­ti­on Bohê­me Bour­goi­se aro­ma­rei­che, raf­fi­niert ab­ge­wan­del­te Klas­si­ker in Tapas-Por­ti­ön­chen – und zwar so gut, dass über dem Re­stau­rant ein Mi­che­lin-Stern strahlt. Das Menü im re­du­zier­ten, aber doch be­hag­li­chen Lokal be­inhal­tet unter an­de­rem Gänge wie »Rote Bete, Wa­chol­der, Zie­gen­ke­fir«, »Süd­böh­mi­scher Kar­pfen, Rogen, Lauch« oder »Kohl­ra­bi, Hefe«. Klingt eher scheuß­lich, aber schmeckt köst­lich! Wird Prag lang­sam zum Pil­ger­ziel für Foo­dies?
La De­gus­ta­ti­on Bohê­me Bour­goi­se, Haštals­ká 18, Jo­se­fov, Tel. 222311234, la­de­gus­ta­ti­on.cz, 11-Gänge-Menü (!) 124 Euro.


Die glanz­volls­te Kir­che: Sankt-Ni­ko­laus-Kir­che

Für diese Kirche sollte man sich Zeit nehmen – St. Nikolaus auf der Kleinseite (Foto: Michael Bussmann und Gabriele Tröger)
Für diese Kir­che soll­te man sich Zeit neh­men – St. Ni­ko­laus auf der Klein­sei­te (Foto: Micha­el Buss­mann und Ga­brie­le Trö­ger)
Gott hat in Tsche­chi­en zwar viele Häu­ser, aber nur wenig Zu­lauf – ge­ra­de 20 Pro­zent der Be­völ­ke­rung be­kennt sich zu einer Kon­fes­si­on. Man­che Kir­che dient mitt­ler­wei­le gar als Mu­se­um, für das Ein­tritts­geld zu ent­rich­ten ist, so die Sankt-Ni­ko­laus-Kir­che auf der Pra­ger Klein­sei­te. Macht nichts. Wer sich wäh­rend sei­nes Prag­trips für nur eine Kir­che Zeit neh­men will, soll­te diese aus­wäh­len.
Wie die ge­sam­te Klein­sei­te prä­sen­tiert auch sie Ba­rock total: keine Ecke ohne Putte – und dar­über ein bom­bas­ti­sches De­cken­ge­mäl­de von 1500 m² Größe, das die Apo­theo­se des Hei­li­gen Ni­ko­laus zeigt. Wer mag, kann im An­schluss den Kirch­turm be­stei­gen und von oben einen Blick über das Zie­gel­tep­pich­me­er der Klein­sei­te wer­fen.
Kos­tel sva­té­ho Mi­ku­láše, Ma­los­trans­ké ná­mes­tí, Malá Stra­na, tägl. 9-17 Uhr, Ein­tritt 2,60 Euro.


Ein­kau­fen: Schu­he von Botas 66

Wer in Tschechien etwas auf sich hält, trägt sie – Botas-Sneakers (Foto: Michael Bussmann)
Wer in Tsche­chi­en etwas auf sich hält, trägt sie – Botas-Snea­kers (Foto: Micha­el Buss­mann)
Hell­blau, erd­beer­rot, weiß-grau-schwarz oder auch mal braun: keine Prag­re­cher­che ohne neue Botas-Schu­he. Die bun­ten Re­tros­nea­kers sind hübsch an­zu­se­hen und der­art ro­bust, dass sie uns nicht nur durch Böh­men, son­dern auch schon durch halb Afri­ka und In­di­en ge­tra­gen haben.
Ge­bo­ren wurde die Marke in den 1960er-Jah­ren als Turn­schuh für die Ham­mer-und-Si­chel-Sport­ler der da­ma­li­gen Tsche­cho­slo­wa­kei. Der »Botas 66« ge­nann­te Re­launch fand im Jahr 2008 statt. Seit­dem trägt alles, was in Sa­chen Mode etwas auf sich hält im klei­nen Land, Botas an den Füßen. Wit­zig: Zu jedem Paar Schu­he gibt es zwei Paar ver­schie­den­far­bi­ge Schnür­sen­kel.
Botas 66, Sko­rep­ka 4, Staré Mesto, das Paar kos­tet zwi­schen 65 und 80 Euro, bo­tas66.com.


Der Klas­si­ker: Alt­stadt mit Karls­brü­cke

Der Blick über die (Klischee-)Idylle der Altstadt (Foto: Michael Bussmann)
Der Blick über die (Kli­schee-)Idyl­le der Alt­stadt (Foto: Micha­el Buss­mann)
Ganz klar, in Staré Mesto, der Pra­ger Alt­stadt, lebt man un­ge­niert und aus­schließ­lich vom Tou­ris­mus. Böh­mi­sches Glas made in China und rus­si­sche Kunst­fell­müt­zen wer­den in wie ge­klont wir­ken­den Ge­schäf­ten ver­kauft. Be­trun­ke­ne ita­lie­ni­sche Schul­klas­sen tor­keln durch über­füll­te Gas­sen mit Re­stau­rants, in denen man sich schnell eine tou­ris­ti­sche Er­käl­tung holen kann. Die ganze Kli­scheesup­pe also.
Doch Staré Mesto ist gleich­zei­tig ein Stadt­teil von sol­cher Post­kar­ten­herr­lich­keit, dass es schon fast weh­tut. Die eng­gas­sig-ver­wor­re­ne Mix­tur aus mit­tel­al­ter­li­chen Ar­ka­den, Durch­läs­sen und Bo­gen­gän­gen wirkt wie von einem be­kiff­ten Städ­te­pla­ner im Mär­chen­rausch ent­wor­fen. St­un­den­lang kann man sich hier trei­ben las­sen. Kann in ver­bor­ge­ne Hin­ter­hö­fe spit­zen, in Kaf­fee­oa­sen ein Stück Ho­nig­ku­chen essen und am Alt­städ­ter Ring, einem Platz von voll­ende­ter Gran­dez­za, stau­nend vor der meis­ter­haf­ten As­tro­no­mi­schen Uhr ste­hen. Zur Blau­en St­un­de soll­te man sich die von Ba­rock­sta­tu­en ge­säum­te Karls­brü­cke vor­neh­men.
Von der Brü­cke zeigt sich die il­lu­mi­nier­te Pra­ger Burg, das klo­big-ge­drun­ge­ne Wahr­zei­chen der Stadt, von ihrer Scho­ko­la­den­sei­te. Eine Kitsch­ku­lis­se vom Feins­ten! Ja­pa­ni­sche Braut­paa­re las­sen sich hier ab­lich­ten und wer­fen an­schlie­ßend eine Münze in die Mol­dau – das näm­lich be­sie­gelt die ewige Liebe.


Ai Wei Wei und tsche­chi­scher Ku­bis­mus: Kun­st­rei­gen im Mes­se­pa­last

Der Messepalast und seine wie schwebenden Galerien … (Foto: Gabriele Tröger)
Der Mes­se­pa­last und seine wie schwe­ben­den Ga­le­ri­en … (Foto: Ga­brie­le Trö­ger)
Was darf es sein? Schie­le, Klimt oder Beuys? Sur­rea­lis­mus, Ku­bis­mus oder so­zia­lis­ti­scher Rea­lis­mus? Ma­tis­se oder Pi­cas­so? Al­lein die stän­di­gen Aus­stel­lun­gen des Mu­se­ums für mo­der­ne und zeit­ge­nös­si­sche Kunst im rie­si­gen Ve­letržní palác kön­nen über­for­dern. Bis Ja­nu­ar 2018 mischt zudem der chi­ne­si­sche Künst­ler Ai Wei Wei die­sen groß­ar­ti­gen Kunst­tem­pel auf.
Dass von den Wän­den Seuf­zer der Be­wun­de­rung wi­der­hal­len, liegt aber nicht nur an den Ex­po­na­ten, son­dern auch an der Ar­chi­tek­tur. Der Mes­se­pa­last wurde 1928 als größ­tes funk­tio­na­lis­ti­sches Ge­bäu­de Eu­ro­pas er­öff­net: um eine ele­gan­te Halle mit ver­glas­tem Dach schmie­gen sich Ga­le­ri­en von sol­cher Leich­tig­keit, dass Le Cor­bu­si­er sich beim An­blick des Ge­bäu­des wie ein Di­let­tant vor­ge­kom­men sein soll.
Ve­letržní palác, Du­kel­ských hr­di­nu, Holešovice, ng­pra­gue.cz, tägl. (außer Mo) 10-18 Uhr, Ein­tritt ca. 9 Euro.


Bier­chen zi­schen wie anno da­zu­mal: Im Schwar­zen Och­sen auf dem Hradschin

Ganz ehr­lich: Gut rie­chen tut’s hier nicht, auch wenn in Tsche­chi­en seit Juni 2017 ein um­fas­sen­des Rauch­ver­bot gilt und damit auch im U Cer­né­ho vola, dem »Schwar­zen Och­sen«, nicht mehr ge­qualmt wer­den darf. Doch die 40.000 vor­her darin ge­rauch­ten Kip­pen haben sich fest­ge­setzt in jeder Ritze der schwe­ren, alten Holz­bän­ke und an den spe­cki­gen, spär­lich de­ko­rier­ten Wän­den. Glei­ches gilt für die Ge­rü­che aus der Küche nach frit­tier­ten Speck­würs­ten, nach in Schmalz ge­bra­te­nen Knö­deln mit Ei, nach To­pin­ka, dem mit viel Knob­lauch be­stri­che­nen Fett­brot, und nach Her­melín, einem in Wür­zöl und Zwie­beln ein­ge­leg­tem Weich­kä­se.
Der Schwar­ze Ochse, das ist ein Stück altes Prag in Rein­form, einer jener lau­ten Bier­stu­ben­di­no­sau­ri­er, die man noch auf­su­chen soll­te, bevor sie die Gen­tri­fi­zie­rung ver­schluckt hat. Wer Glück hat, darf sich als Tou­rist zwi­schen die wi­der­wil­lig zur Seite rü­cken­den Stamm­gäs­te quet­schen, deren Bier­strich­zet­tel zu­wei­len Gar­ten­zaun­cha­rak­ter haben. Und wer noch mehr Glück hat, darf auch ein Bier be­stel­len – die Kel­ler sind zu­wei­len char­mant wie der Ei­ser­ne Vor­hang. Doch dann, wenn alles gut geht, kommt man nach ein paar Hum­pen bes­tens ge­zapf­tem Vel­ko­po­po­vický kozel auch mit den größ­ten Stink­stie­feln ins Ge­spräch und will gar nicht mehr gehen. Ver­spro­chen!
U cer­né­ho vola, Lo­re­táns­ké ná­mes­tí 1, tägl. 10-22 Uhr.


Aus­flug nach Mit­tel­böh­men: UNESCO-Wel­ter­be Kutná Hora

Nicht nur bei St.-Pauli- und Ed-Hardy-Fans sehr beliebt – die Knochenkirche in Kutná Hora (Foto: Michael Bussmann)
Nicht nur bei St.-Pauli- und Ed-Hardy-Fans sehr be­liebt – die Kno­chen­kir­che in Kutná Hora (Foto: Micha­el Buss­mann)
Die kö­nig­li­che Berg­bau­stadt Kut­ten­berg 60 km öst­lich von Prag war im Mit­tel­al­ter stein­reich. Von jener Zeit zeugt eine Reihe präch­ti­ger go­ti­scher Kir­chen, so wert- und be­deu­tungs­voll, dass sie es auf die UNESCO-Wel­ter­be­lis­te ge­schafft haben.
Heute ist Kutná Hora ein Pro­vinz­städt­chen mit rund 20.400 Ein­woh­nern, das sich trotz nicht we­ni­ger Tou­ris­ten­grup­pen eine an­ge­neh­me, bis­wei­len etwas ver­staub­te Bo­den­stän­dig­keit be­wahrt hat. Eine Gas­sen­tour führt vor­bei an opu­len­ten Pa­tri­zi­er­häu­sern, auch kann man ein mit­tel­al­ter­li­ches Sil­ber­berg­werk be­sich­ti­gen. Größ­ter An­zie­hungs­punkt ist je­doch das im Vo­rort Sed­lec ge­le­ge­ne Bein­haus, eine mit gro­tes­ken Kunst­wer­ken aus den Kno­chen Zehn­tau­sen­der Pestop­fer de­ko­rier­te Ka­pel­le. Da ein Kron­leuch­ter aus Ober­schen­kel­kno­chen und Rip­pen, dort Schä­del­ket­ten – St.-Pauli- und Ed-Hardy-Fans wer­den sich im Pa­ra­dies wäh­nen.
Üb­ri­gens ist trotz der Nähe zu Prag eine Über­nach­tung keine schlech­te Idee – es gibt zahl­rei­che Un­ter­künf­te. Am Abend, wenn die Tou­ren­bus­se ab­ge­fah­ren sind, legt sich Ruhe übers Städt­chen. Nicht ganz: In der uri­gen Da­ci­cký piv­nice (da­ci­cky.com), wo das beste Bier Mit­tel­böh­mens ge­braut und aus­ge­schenkt wird, klir­ren noch bis gegen Mit­ter­nacht die Glä­ser.
kut­naho­ra.cz.