Top Ten

Teil 22: Tes­sin

oder Ein Kan­ton zwi­schen zwei Wel­ten

Portrait Marcus X. SchmidEine mit Weiß­wein ge­wa­sche­ne Frisch­kä­se­spe­zia­li­tät, ein Sprung, wie ihn James Bond nicht bes­ser hin­be­kommt und eine Kö­nigs­rou­te zwi­schen zwei Gip­feln – all das macht das Tes­sin aus. Doch wo liegt ei­gent­lich die per­fek­te Un­ter­kunft? Was hat es mit einer »Blume aus Stein« auf einem Fels­vor­sprung auf sich und wie genau kann man sich im Dun­keln ther­mal ver­gnü­gen? Mar­cus X. Schmid hat diese und viele an­de­re Dinge sehr lau­nig in sei­nem Rei­se­füh­rer be­schrie­ben – und für diese Top Ten noch ein­mal her­vor­ge­zau­bert.


Tes­sin – Mar­cus X. Schmids Top Ten

Chil­len am See: Porto Ronco Beach

See-Entspannung mit Segelbooten (Foto: Marcus X. Schmid)
See-Ent­span­nung mit Se­gel­boo­ten (Foto: Mar­cus X. Schmid)
Die Schil­der der »Porto Ronco Beach«, am See­ufer zwi­schen Porto Ronco und Bris­sa­go, wei­sen in die Rich­tun­gen Ber­lin, Ibiza, Ka­ri­bik – aber wer will schon in die Ferne schwei­fen, wenn das Gute so nah liegt? Eine Wiese zum See und eine wun­der­ba­re Bar mit Blick auf die nahen Bris­sa­go-In­seln laden zu Drinks und Dolce­far­ni­en­te ein.
Ob in der Chai­se­longue oder auf der Gum­mi­mat­te, ob im Korb­ses­sel oder auf dem Plas­tik­stuhl, ob vor dem Schach­brett oder dem Back­gam­mon: In der »Porto Ronco Beach« fühlt man sich schnell sau­wohl. Kin­der toben sich auf dem Spiel­platz aus oder wagen sich in den See. Zwar ist das Baden ver­bo­ten – an­geb­lich wegen des nahen Elek­tri­zi­täts­werks –, aber darum küm­mert sich kei­ner hier.
Be­son­ders voll ist die Ört­lich­keit am Mitt­woch­abend, dann gibt’s Live-Musik, Rock oder Jazz. Gro­ßes Lob an die junge Crew, die den Laden am Lau­fen hält und auch klei­ne Ge­rich­te ser­viert! Ge­öff­net Mai bis Sep­tem­ber.


Ge­ret­te­te Ku­li­na­rik: Zin­car­lin

Um die Jahr­tau­send­wen­de war der Zin­car­lin, eine Frisch­kä­se­spe­zia­li­tät aus der Valle di Mug­gio, vom Auss­ter­ben be­droht, eine ein­zi­ge Frau stell­te ihn noch her. Dass die Kä­se­rin sich mit dem Prä­si­den­ten von »Slo­wfood Ti­ci­no« traf, der eben­falls im Mug­gio­tal auf­ge­wach­sen war, hat dem Zin­car­lin ver­mut­lich das Leben ge­ret­tet.
Heute be­kommt man ihn in den we­ni­gen Re­stau­rants des Tals wie­der an­ge­bo­ten. Seine Pro­duk­ti­on ist auf­wen­dig: Der ge­sal­ze­ne und leicht ge­pfef­fer­te Frisch­kä­se aus Kuh­milch (mit­un­ter wird etwas Zie­gen­milch bei­ge­mischt) wird zu Zy­lin­dern ge­formt und im Fel­sen­kel­ler ge­la­gert. Dort wäscht man zur Ver­hü­tung von Schim­mel jedes ein­zel­ne Stück re­gel­mä­ßig mit Weiß­wein. Nach zwei Mo­na­ten kommt der Zin­car­lin dann auf den Tisch. Ge­schmack: leicht scharf, sämig. Ein biss­chen Honig dazu stei­gert den Ge­nuss.
Eine si­che­re Adres­se für die Probe aufs Ex­em­pel ist »Ul Fur­mig­hin« im Ört­chen Sagno (Ab­zwei­gung von Mor­bio Su­pe­rio­re) – ein fa­mi­li­en­freund­li­cher Gast­hof, wo man nicht nur her­vor­ra­gend isst, son­dern auch ein Bett an­ge­bo­ten be­kommt. Di­ens­tag Ru­he­tag.


Sie­ben­ein­halb Se­kun­den im frei­en Fall: Bun­gee-Jum­ping von der Verz­as­ca-Stau­mau­er

Für die einen ist es der ul­ti­ma­ti­ve Kick, für die an­de­ren der pure Hor­ror. Selbst Pier­ce Bros­nan alias Bond, James Bond, scheint beim An­blick der Verz­as­ca-Stau­mau­er (un­ter­halb von Vo­gor­no) das Knie­schlot­tern be­kom­men zu haben. Der eben­so harte wie smar­te Ge­heim­agent im Di­ens­te Ihrer Ma­jes­tät zog es je­den­falls vor, sich durch einen St­unt­man ver­tre­ten zu las­sen … Des­sen Sprung von der 220 Meter hohen Stau­mau­er, zu sehen in »Gol­denEye«, ge­hört zu den gro­ßen St­unts der Film­ge­schich­te.
Nach­ah­mer wen­den sich heute an den Out­door-Spe­zia­lis­ten »Trek­king-Team« [[LINK: www.trek­king.ch]]. Ein Min­dest­ge­wicht von 45 Kilo ge­hört zu den Be­din­gun­gen. Herz­kran­ke, an zu hohem Blut­druck Lei­den­de und Über­ge­wich­ti­ge (mehr als 115 Kilo) wer­den nicht zu­ge­las­sen. Wer über 65 Jahre alt ist, braucht ein ärzt­li­ches Zeug­nis. Ist man schließ­lich als sprung­taug­lich ein­ge­stuft, soll­te nur noch über das nö­ti­ge Klein­geld (255 Schwei­zer Fran­ken) stim­men, dann steht dem »Bun­gee Jump 007« nichts mehr im Wege: kopf­vor­an in die Tiefe, nach sie­ben­ein­halb Se­kun­den ist man unten. Tipp: vor­her die Ho­sen­ta­schen lee­ren, damit der Au­to­schlüs­sel nicht ver­lo­ren­geht!


Die Kö­nigs­rou­te: vom Monte Tama­ro zum Monte Lema

Auf der Königsroute zwischen zwei Gipfeln (Foto: Marcus X. Schmid)
Auf der Kö­nigs­rou­te zwi­schen zwei Gip­feln (Foto: Mar­cus X. Schmid)
Die so­ge­nann­te Tra­ver­sa­ta zwi­schen den Gip­feln des Monte Tama­ro (1961 m) und des Monte Lema (1614 m) ist für Wan­de­rer die Kö­nigs­rou­te des Tess­ins. Eine große Er­leich­te­rung bleibt das Trans­port­sys­tem: von Ri­ve­ra mit der Gon­del auf die Alpe Foppa (un­ter­halb des Tama­ro­gip­fels) hoch, nach einer knapp fünf­stün­di­gen Hö­hen­wan­de­rung un­ter­halb des Le­ma­gip­fels mit der Gon­del hin­un­ter nach Mi­glieg­lia und von da mit dem Spe­zi­al­bus für Wan­de­rer an den Aus­gangs­punkt Ri­ve­ra zu­rück.
Wer sich vor der Tour me­di­ta­tiv vor­be­rei­ten will, be­sucht auf der Alpe Foppa erst die vom Tes­si­ner Star­ar­chi­tek­ten Mario Botta ent­wor­fe­ne Ka­pel­le Santa Maria degli An­ge­li. Spek­ta­ku­lä­rer als das In­ne­re ist die Ar­chi­tek­tur: Über einen 65 Meter lan­gen Steg ge­langt man auf einen Fels­sporn mit einer ein­ma­li­gen Aus­sichts­platt­form, die gleich­zei­tig das Dach der Ka­pel­le ist. Nach der see­li­schen Stär­kung in der Ka­pel­le viel­leicht noch eine kör­per­li­che im Re­stau­rant auf der Alpe Foppa, da­nach geht’s aber los!
Ein­zig der 20-mi­nü­ti­ge Auf­stieg auf den Monte Tama­ro ist etwas steil und müh­sam. Bei nicht kla­rem Wet­ter kann man ihn sich spa­ren und den Gip­fel am Fuß um­ge­hen. Bei schö­nem Wet­ter wird man oben mit einer traum­haf­ten Aus­sicht auf den Lago Mag­gio­re be­lohnt. Er und auch der Lu­ga­ner­see ist im Lauf der Wan­de­rung noch ab und zu zu er­bli­cken. Un­ge­schla­gen ist schließ­lich das Pan­ora­ma vom Monte Lema: der Blick geht auf beide Seen und bei kla­rem Wet­ter bis zur Po­ebe­ne und Mi­la­no, wo oft ein leich­ter Smog der ein­zi­ge Nebel ist …
Tipp: Nebst der ob­li­ga­ten Was­ser­fla­sche auch an eine Kopf­be­de­ckung den­ken – die Kö­nigs­rou­te ist schat­ten­frei!


Prä­zi­se Flie­ger: Fal­co­ne­ria von Lo­car­no

Der St­ein­ad­ler hat eine Flü­gel­spann­wei­te von 2,20 Meter, der Wan­der­fal­ke fliegt mit 300 km/h durch die Lüfte. Zu be­sich­ti­gen sind Adler, Fal­ken, Geier und Eulen in den Vo­liè­ren der Fal­co­ne­ria von Lo­car­no.
Dabei hat die Falk­ne­rei weit mehr zu bie­ten als die ge­fie­der­te Ab­tei­lung eines zoo­lo­gi­schen Gar­tens. Zwei­mal täg­lich zei­gen vier pro­fes­sio­nel­le Falk­ner und Falk­ne­rin­nen eine spek­ta­ku­lä­re Flug-Show. Dann ist die Tri­bü­ne mit ihren 600 Plät­zen meist bre­chend voll. Zu­erst wird die Ge­schich­te der Falk­ne­rei er­klärt (auch auf Deutsch), die vor über 4000 Jah­ren in der asia­ti­schen Step­pen­land­schaft be­gann und über Per­si­en nach Eu­ro­pa kam. Noch wäh­rend die Be­su­cher den Wor­ten des Falk­ners lau­schen, star­tet von des­sen Arm ein Raub­vo­gel, schwingt sich in die Lüfte und ent­schwin­det den Bli­cken der Zu­schau­er. Er macht wohl einen Be­sich­ti­gungs­flug über den Lago.
Noch ist er nicht zu­rück, fliegt schon eine Eule über die Köpfe des Pu­bli­kums. Die Show stei­gert sich zu prä­zi­sen Ma­nö­vern. Be­glei­tet von einer sich zum Cre­scen­do er­he­ben­den Musik, star­tet ein Adler von der Hand am einen Ende des Parks, braust haar­scharf über die Zu­schau­er hin­weg, die vor Schreck den Kopf ein­zie­hen, und lan­det si­cher auf dem Arm des Falk­ners am an­de­ren Ende des Parks.
Die Cho­reo­gra­phie ist meis­ter­haft, die Vor­füh­rung dau­ert 45 Mi­nu­ten. Mitte März bis Ok­to­ber Di­ens­tag bis Sonn­tag je­weils um 11 und um 15 Uhr, No­vem­ber bis Mitte März Mitt­woch bis Sonn­tag um 14 Uhr.


Kun­sträu­me – Kunst­träu­me: das LAC

Architektonisch beeindruckend, der neue Leuchtturm der Tessiner Kultur (Foto: Marcus X. Schmid)
Ar­chi­tek­to­nisch be­ein­dru­ckend, der neue Leucht­turm der Tes­si­ner Kul­tur (Foto: Mar­cus X. Schmid)
Nach­dem Hans-Hein­rich Thys­sen-Bor­nemis­za de Kás­zon 1993 seine welt­be­rühm­te Kunst­samm­lung aus der Villa Fa­vo­ri­ta ab­ge­zo­gen und an den spa­ni­schen Staat ver­kauft hatte, war Lu­ga­no in Sa­chen Kunst und Kul­tur ins Hin­ter­tref­fen ge­ra­ten. Etwas nei­disch schau­te man nach Lo­car­no, wo sich all­jähr­lich die Mas­sen zum in­ter­na­tio­na­len Film­fes­ti­val ein­fin­den.
Mit dem 2015 er­öff­ne­ten LAC (Lu­ga­no Arte e Cul­tu­ra) will nun das rei­che Lu­ga­no auf­ho­len. Die Stadt ließ sich wahr­lich nicht lum­pen und er­rich­te­te in zen­tra­ler Lage am See­ufer einen Kul­tur­kom­plex, in dem so­wohl die bil­den­den als auch die dar­stel­len­den Küns­te, Opern und Kon­zer­te ihren Platz haben sol­len, die Pres­se schrieb vom »faro della cul­tu­ra ti­ci­ne­se« (»Leucht­turm der Tes­si­ner Kul­tur«).
Die Ar­chi­tek­tur ist tat­säch­lich be­ein­dru­ckend kühn – ein rie­si­ger Platz zur See­sei­te, ein Bau aus viel Glas und grü­nem Mar­mor, ein licht­durch­flu­te­tes In­ne­res, Räume, die von vorn­her­ein als Mu­se­en oder für Thea­ter­auf­füh­run­gen kon­zi­piert sind. Die ar­chi­tek­to­ni­schen Be­din­gun­gen für einen kul­tu­rel­len Leucht­turm sind somit ge­schaf­fen, und mit einem Jah­res­bud­get von rund 27 Mil­lio­nen Fran­ken dürf­te auch die fi­nan­zi­el­le Grund­la­ge solid sein. Die kul­tu­rel­len In­hal­te wer­den schon auch noch kom­men …
Das Pro­gramm fin­det man unter www.lu­ga­no­lac.ch.


Woh­nen im Dorf: Intra-Stu­dio

»Intra-Stu­dio wird von ein paar lei­den­schaft­li­che Schau­spie­ler lau­fen«, ver­rät die Home­page – und ver­rät damit auch gleich, dass hier Deutsch noch eine Fremd­spra­che ist … Was die un­be­hol­fe­ne Goog­le-Über­set­zung meint: Intra-Stu­dio wird von einem lei­den­schaft­li­chen Schau­spie­ler­paar ge­führt.
Die Lei­den­schaft von Clau­de und Sissy Mor­da­si­ni gilt dem Thea­ter, dem Ge­sang, dem guten Essen und ihrer Gast­ge­ber­rol­le. Die bei­den sind aus der fran­zö­si­schen Schweiz ins Cen­to­val­li ge­zo­gen, haben im Orts­kern von In­tragna den Anbau des Dorf­ho­tels ge­kauft, die­sen erst ein­mal kräf­tig durch­ge­lüf­tet, dann be­hut­sam re­no­viert und bie­ten nun drei preis­wer­te Stu­di­os an. Ein aus­ge­dehn­ter Gar­ten mit gro­ßem Swim­ming­pool kommt hinzu.
Als Ur­laubs­ort ist In­tragna aus­ge­zeich­net ge­le­gen: Baden unten in der Me­lez­za, Wan­dern nach einer Fahrt mit der Gon­del oben in den Ber­gen, Kul­tur gibt’s im nahen Di­mi­tri-Thea­ter in Ver­scio oder – gleich neben Intra-Stu­dio – im Re­gio­nal­mu­se­um mit einer Son­der­ab­tei­lung über die »Spaz­za­ca­mitt«, die Kin­der, die als Ka­min­fe­ger bis nach Ita­li­en ver­schickt wur­den. Die »Cen­to­val­li­na« fährt auf schma­ler Schie­nen­spur bis ins mon­dä­ne Lo­car­no hin­un­ter oder hin­auf ins ita­lie­ni­sche Do­mo­dos­so­la, und schließ­lich ist In­tragna auch der Aus­gangs­punkt für eine Tour in die Valle On­ser­no­ne, die »schöns­te Sack­gas­se der Schweiz«.
Clau­de und Sissy ken­nen alle Re­stau­rants und Grot­ti in In­tragna und Um­ge­bung und be­ra­ten ihre Gäste gerne: in per­fek­tem Fran­zö­sisch, pas­sa­blem Ita­lie­nisch (schließ­lich stam­men die Mor­da­si­ni aus dem nahen Co­mo­lo­gno) – und mitt­ler­wei­le auch auf Deutsch. www.intra-stu­dio.ch.


Das Mu­se­um der Eid­ge­nös­si­schen Zoll­ver­wal­tung: Can­ti­ne di Gan­dria

Der Weg ist das Ziel oder Zum Zollmuseum am Seeufer entlang (Foto: Marcus X. Schmid)
Der Weg ist das Ziel oder Zum Zoll­mu­se­um am See­ufer ent­lang (Foto: Mar­cus X. Schmid)
Ein traum­haf­ter Spa­zier­gang, eine schö­ne See­fahrt und ein amü­san­tes Ziel! In Cas­ta­gno­la, Lu­ga­nos Stadt­teil im Süden, be­ginnt der »Sen­tie­ro di Gan­dria«, ein über­aus ro­man­ti­scher Weg, der am See­ufer ent­lang – teils an Oli­ven-, teils an Kas­ta­ni­en­hai­nen vor­bei – zum eins­ti­gen Fi­scher- und Schmugg­ler­dörf­chen Gan­dria führt. Von dort setzt man mit dem Schiff ans an­de­re Ufer über, zum Wei­ler Can­ti­ne di Gan­dria, wo die Schwei­ze­ri­sche Eid­ge­nos­sen­schaft noch bis 1921 einen Grenz­wacht- und Zoll­pos­ten un­ter­hielt.
Heute hat die Zoll­ver­wal­tung hier ein Mu­se­um un­ter­ge­bracht, in dem sie mit al­ler­hand Ku­rio­si­tä­ten für ihre Ar­beit wirbt. Eine kun­ter­bun­te Wa­ren­ab­tei­lung zeigt, was alles kon­fis­ziert wurde: Pelze, ein Nas­horn­schä­del, ge­fälsch­te Mar­ken­uh­ren und mehr. Ein Ex­po­nat de­mons­triert den »Schuh­soh­lentrick«, bei dem Ju­we­len im halb­ho­hen Ab­satz ver­steckt wer­den. Der aus­ge­stell­te Schuh ist al­ler­dings kein Ori­gi­nal. Die­ses wurde of­fen­bar von einem Mu­se­ums­be­su­cher ent­wen­det, der den Trick sel­ber aus­pro­bie­ren woll­te.
Eine an­de­re Ab­tei­lung ist mo­der­nen Fahn­dungs­me­tho­den ge­wid­met, bei denen LKW-Scan­ner und Dro­gen­test­ge­rä­te zum Ein­satz kom­men. Und schließ­lich darf man auch Ein­blick neh­men ins Schlaf­zim­mer des ein­sa­men Grenz­wäch­ters. Als Bett­vor­le­ger dient das Fell eines Deut­schen Schä­fer­hunds, der einst er­folg­reich Hüh­ner­die­be stell­te.
Mitte April bis Mitte Ok­to­ber, 13.30-17.30 Uhr. Ein­tritt frei.


Ther­ma­les Ver­gnü­gen im Dun­keln: Bagni di Cra­veg­gia

Die verlassenen Bäder von Craveggia (Foto: Marcus X. Schmid)
Die ver­las­se­nen Bäder von Cra­veg­gia (Foto: Mar­cus X. Schmid)
Wer die Valle On­ser­no­ne hoch­fährt, lan­det schließ­lich im Wei­ler Spru­ga. Hier endet die »schöns­te Sack­gas­se der Schweiz« – zu­min­dest für den Au­to­fah­rer. Fuß­gän­ger fin­den am Ende des Orts ein As­phaltsträß­chen, das in drei­ßig Mi­nu­ten hin­un­ter zum Isor­no führt, der dort die Gren­ze zu Ita­li­en bil­det.
Am an­de­ren Ufer des Bachs – er lässt sich mit Schu­hen in den Hän­den pro­blem­los durch­schrei­ten – lie­gen die Bäder von Cra­veg­gia. Sie ge­hö­ren zum gleich­na­mi­gen ita­lie­ni­schen Ort, der al­ler­dings fünf Fuß­stun­den ent­fernt hin­ter den Ber­gen liegt! Im 19. Jahr­hun­dert stand hier noch ein stol­zes, vier­stö­cki­ges Kur­ho­tel, das nach einem Brand 1881 wie­der auf­ge­baut wurde und 1951 schließ­lich einer La­wi­ne zum Opfer fiel: Dem heu­ti­gen Be­su­cher zei­gen sich zwei vor die Ruine hin­ge­stell­te, neue Be­ton­wan­nen, sogar Hand­bürs­ten sind da, die Was­ser­häh­ne al­ler­dings sind de­mon­tiert und die schö­nen Ba­de­wan­nen leer.
Wer aber die Ruine durch­streift, ent­deckt hin­ter einem meist of­fe­nen Tür­git­ter im Dun­keln ein Ther­mal­be­cken von 4 mal 2 Meter, in das die Qu­el­le 10 Liter war­mes Was­ser (28 Grad) pro Mi­nu­te speist. Mehr als vier Per­so­nen haben im Be­cken kaum Platz, und man muss sich arg bü­cken, um hin­ein­zu­krie­chen und das in­ti­me Ver­gnü­gen zu ge­nie­ßen.


Und ganz oben die St­ein­blu­me: Monte Ge­ne­ro­so

Eine der ältesten Bergbahnen der Schweiz (Foto: Marcus X. Schmid)
Eine der äl­tes­ten Berg­bah­nen der Schweiz (Foto: Mar­cus X. Schmid)
Die Zahn­rad­bahn auf den Monte Ge­ne­ro­so (1704 m) be­steht seit 1890 und ge­hört damit zu den äl­tes­ten Berg­bah­nen der Schweiz. Von Ca­po­la­go am Ufer des Lu­ga­ner­sees fährt sie in 35 Mi­nu­ten auf den ma­jes­tä­ti­schen Gip­fel, den sich die Schwei­zer mit den Ita­lie­nern tei­len und von dem aus der Blick bis in die Po­ebe­ne und zur Smog­wol­ke über der Groß­stadt Mai­land reicht.
In den Jah­ren 2015/2016 wurde der Bahn­be­trieb vor­über­ge­hend ein­ge­stellt, der Grund war eine Bau­stel­le neben der Berg­sta­ti­on. Über dem steil ab­fal­len­den Fel­sen ver­wirk­lich­te der schon er­wähn­te Star­ar­chi­tekt Mario Botta eines sei­ner spek­ta­ku­lärs­ten Pro­jek­te, die »Fiore di pie­tra« (St­ein­blu­me). Tat­säch­lich ragt das im April 2017 er­öff­ne­te Pan­ora­ma­re­stau­rant wie eine Blume in den Him­mel: fünf Türme bil­den in einer stren­gen Geo­me­trie die Blü­ten­blät­ter um das Re­stau­rant, das Wan­de­rer und Aus­flüg­ler ver­kös­tigt – ob im Self-Ser­vice (»Ge­ne­ro­so«) oder à la carte (»Fior di pie­tra«) – und von sei­ner Dach­ter­ras­se aus ein 360-Grad-Pan­ora­ma bie­tet.
Der heute 74-jäh­ri­ge Ar­chi­tekt wuchs im nahen Men­dri­siot­to auf, der Monte Ge­ne­ro­so ist ihm seit sei­ner Kind­heit ver­traut. In einem Alter, in dem an­de­re schon längst in Rente sind, hat Botta mit sei­ner ge­wag­ten Ar­chi­tek­tur, einem Spiel aus Ma­te­rie und Licht, »sei­nem« Berg eine neue Krone auf­ge­setzt, eine Blume aus Stein.