Top Ten

Teil 10: Wachau, Wald- und Weinviertel
oder Ein Weinfest, bei dem der Traubensaft aus dem Stadtbrunnen fließt

Die Wachau, etwa 80 Kilometer entfernt von Wien, ist eine gar nicht so bekannte Gegend, zumindest für deutsche Reisende. Nicht nur deshalb haben unsere zwei Österreich-Experten Barbara Reiter und Michael Wistuba eine Liebeserklärung an die Landschaft im Donautal geschrieben. Wer zunächst einen schnellen Überblick braucht (auch über das angrenzende Wald- und Weinviertel), kann in ihre Top Ten hineinschmökern – und zum Beispiel erfahren, welches Flussbad sich wirklich lohnt und wo die Skulptur einer »regionstypischen« Nase zu bestaunen ist …


Wachau, Wald- und Weinviertel –Barbara Reiters und Michael Wistubas Top Ten

Übernachten: Die »Suite« des Abtes

Vom Mittelalter zur Barockzeit – Erentrudiskapelle und Stiftskirche Göttweig (Foto: Michael Wistuba)
Vom Mittelalter zur Barockzeit – Erentrudiskapelle und Stiftskirche Göttweig (Foto: Michael Wistuba)

Weithin sichtbar thront das Benediktinerstift Göttweig auf einer bewaldeten Bergkuppe am östlichsten Punkt der Wachau, dem berühmten zum Welterbe zählenden Donautal. Neben bescheidenen Gästezimmern im Exerzitienhaus bietet das Stift auch eine exklusive Unterkunft an: Beim 120 Quadratmeter großen Benedikt-Appartement handelt es sich um die frühere Abtwohnung, die zu einer eleganten Suite umgestaltet ist. Die Räume aus der Barockzeit haben hohe Stuckdecken, Parkettböden und Flügeltüren, sind mit Antiquitäten und Ölgemälden ausgestattet und verfügen sogar über eine kleine Bibliothek. Ein geräumiges Badezimmer mit Dusche und Badewanne sowie eine komplett ausgestattete Küche gehören natürlich auch dazu. Die Kosten pro Nacht betragen 175 Euro für zwei Personen, insgesamt können bis zu sechs Personen in der Suite nächtigen. Eine Buchung ist von April bis Oktober möglich.
Das Frühstück, das im Preis inbegriffen ist, genießt man im Stiftsrestaurant, dessen Terrasse einen Traumblick über die Wachau bietet. Der morgendliche Spaziergang dorthin führt über den Stiftshof, wo man mit einem Rundumblick gleich die ganze Geschichte des Klosters erfasst: Da ist an erhöhter Stelle die mittelalterliche Erentrudiskapelle, die noch aus der ersten Bauepoche aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammt. Ihr gegenüber stehen die barocken Klosterbauten mit der Stiftskirche, die nach einem verheerenden Großbrand im 18. Jahrhundert neu errichtet wurden.


Klima: Retz, der regenärmste Ort Österreichs

Ungewöhnlich wolkenverhangen – der Himmel über den Bürgerhäusern am Hauptplatz von Retz (Foto: Michael Wistuba)
Ungewöhnlich wolkenverhangen – der Himmel über den Bürgerhäusern am Hauptplatz von Retz (Foto: Michael Wistuba)

Niederschlagsreiche Wetterlagen erreichen Österreich üblicherweise aus dem Westen und dem Süden. Sie regnen sich in den Alpen und an ihren Rändern mit Niederschlagsmengen bis zu 3000 mm pro Jahr ab. Im Regenschatten befinden sich hingegen die östlichen Landesteile, zu denen auch das Weinviertel zählt. Am trockensten ist es – bei nur 450 mm Regenmenge jährlich! – in der Stadt Retz, die inmitten einer sanftwelligen Hügel- und Weingartenlandschaft im nordwestlichsten Eck des Weinviertels liegt.
Die liebliche Landschaft und das regenarme Klima, das für eine südländische Atmosphäre sorgt, sind mit ein Grund, warum die traditionsreiche Weinstadt zu einem der beliebtesten Orte der Region zählt. Dazu kommen noch ein altehrwürdiger Hauptplatz mit schönen Bürgerhäusern, ein riesiges, unterirdisches Kellerlabyrinth, das als Erlebniskeller besucht werden kann, mittelalterliche Stadtmauerreste, interessante Museen und eine traditionelle Windmühle als Wahrzeichen. Und wie könnte es in der größten Weinbauregion Österreichs anders sein: rauschende Weinfeste, bei denen der vergorene Traubensaft sogar aus dem Stadtbrunnen am Hauptplatz fließt.


Wandern: Die Naturkunstwerke im Waldviertler Hochland

Der kleine Steinerne Torbogen im Granit-Hochland (Foto: Michael Wistuba)
Der kleine Steinerne Torbogen im Granit-Hochland (Foto: Michael Wistuba)

Südwestlich von Zwettl breitet sich eine der ursprünglichsten Flecken der Region aus: ein stimmungsvolles, bewaldetes Granit-Hochland, übersät von bizarren Steinformationen und haushohen Granitblöcken, die sich bestens als Wanderziele eignen. Ab dem kleinen Dorf Kirchbach lohnt sich besonders der 11 km lange, beschilderte Rundwanderweg Nr. 11: Er führt gleich zu mehreren sehenswerten Steingebilden.
Durch einen bildschönen Fichten- und Kiefernhochwald mit weichem, federndem Boden und Unmengen an Heidelbeerpflanzen gelangt man zum Steinernen Torbogen. Er erhielt seinen Namen wegen der zwei riesigen Granitblöcke, die als eine natürliche Steinbrücke miteinander verbunden sind – üblicherweise kommt so etwas nur im Kalkgebirge vor. Eine Viertelstunde später erreicht man die sogenannte Gletschermühle, ein 12 m hohes turmartiges Felsgebilde mit muldenartigen Vertiefungen, das aber nicht der Gletscher, der in diese Region nie vorstieß, sondern Wind und Wetter geschaffen haben. Kurz darauf folgt die Steinerne Stube, ein von der Natur gebildeter, zimmergroßer Unterstand aus Felsblöcken. Höhepunkt der Runde im wahrsten Sinne des Wortes ist die 844 m hohe Burgleiten, ein steil abfallender Felsgipfel, der eine fabelhafte Aussicht bietet. Diese machten sich schon Burgherren im 12. Jahrhundert zunutze, von ihrer Anlage sind aber nur noch wenige Mauerreste vorhanden.
Vielleicht hat sie einmal so ausgesehen wie die nur 10 km entfernte Burg Rappottenstein, die seit derselben Zeit nahezu unverändert auf einem gewaltigen Felsblock thront. In stündlichen Führungen kann sie von Mai bis September täglich außer Montag besichtigt werden.


Einkaufen: Bummelvergnügen in der Kremser Landstraße

Schöner Bummeln – die Einkaufsmeile von Krems an der Donau (Foto: Michael Wistuba)
Schöner Bummeln – die Einkaufsmeile von Krems an der Donau (Foto: Michael Wistuba)

Die Obere und die anschließende Untere Landstraße sind die Hauptachse des alten Stadtkerns von Krems an der Donau – und zugleich die schönste und längste Einkaufs- und Bummelmeile der Region. Zu beiden Seiten flankiert von herausgeputzten, denkmalgeschützten Bürger- und Handelshäusern aus der Renaissance- und Barockzeit, sorgen rund 180 Geschäfte für ein besonderes Einkaufsvergnügen, zahlreiche Café-Konditoreien und Restaurants laden zum kulinarischen Zwischenstopp ein.
Das westliche Ende der Landstraße begrenzt das monumentale Steiner Tor, das letzte von einst vier Stadttoren. Unweit davon, an der Oberen Landstraße 36 lockt die Traditionsdestillerie Hellerschmid zu einer Kostprobe von der »b’soffenen Marille«, eine in Schnaps und Likör eingelegte Aprikose, die in der Wachau wächst. Der Dürnsteiner Bäcker Schmidl, Erfinder des Wachauer Laberls, des ultimativen Heurigengebäcks, hat eine entzückend auf Nostalgie getrimmte Filiale in der Oberen Landstraße 8. Neben Ablegern internationaler Ketten gibt es auch noch Modegeschäfte einheimischer Betreiber, darunter sportiv (Obere Landstr. 34), Steinecker (Nr. 7) und Leonardo (Nr. 4). Im Hutsalon Marianne, ebenfalls in Nr. 4 werden Kopfbedeckungen noch handgefertigt, etwa der »Original Kremser Hut« aus schwarzem Filz. Gut sortiert ist auch die Buchhandlung Schmidl (Obere Landstr. 5), in ihrem »Wachau-Schaufenster« liegt auch stets – sehr zur Freude der Autoren – das entsprechende Buch aus dem Michael Müller Verlag …


Baden: Das idyllische Strandbad am Kamp

Nichts weniger als Österreichs schönstes Flussbad (Foto: Michael Wistuba)
Nichts weniger als Österreichs schönstes Flussbad (Foto: Michael Wistuba)

Wird es im Sommer drückend heiß, hilft am besten der Sprung ins kühle Nass eines Flusses, und einer der schönsten Orte Österreichs, um genau das zu tun, ist das Strandbad von Plank am Kamp, 13 km nördlich der Weinstadt Langenlois. Von der Kamptalstraße aus sieht man schon das hölzerne, rot-weiß gestreifte Badehaus auf seinem steinernen Sockel, das vor rund 100 Jahren errichtet wurde. Mit seinen beiden L-förmigen Trakten – sie beherbergen Umkleidekabinen, Duschen und das Badkiosk – umschließt es eine Liegewiese, große alte Bäume bieten Schatten.
Eine steingemauerte Treppe führt zum Ufer des Kamp hinab, der hier von einer Felswand eingezwängt, eine ideale Schwimmtiefe bietet. Über eine Leiter taucht man in das bis zu 23° C warme Wasser ein, das recht gemächlich dahinplätschert. Seine rostbraune Farbe darf einen nicht abschrecken, sie stammt vom hohen Eisengehalt und macht es besonders samtig. Um die malerische Szenerie zu vervollständigen, thront ein rot-weißer sechseckiger Holzpavillon in sonniger Lage über dem Flussufer. Er wurde erst vor rund zehn Jahren errichtet und erinnert daran, dass das Jahrhunderthochwasser des Kamp im August 2002 das Flussbad verwüstet hat. Viele fleißige Hände setzten es danach wieder instand, und ja, es wurde schöner als je zuvor.
Das Strandbad ist von Mitte Juni bis Ende August täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 2 €.


Essen und Trinken: Der Perzy, Österreichs nördlichstes Gasthaus

Das Obere Waldviertel ist Österreichs nördlichste Region. Ganz oben links buchtet es sich nochmals ein wenig in Richtung Südböhmen aus, und da mittendrin liegt der Perzy ein Gasthaus wie aus dem Bilderbuch, am Rand des Rottaler Forsts, vorne raus Felder, Wiesen und Fischteiche, ein paar versprengte Häuser. Die Inneneinrichtung ist noch aus den 1920ern: eine geräumige Schank, wo Schremser Bier gezapft wird, rustikale Tische und Stühle, rundum eine hölzerne Wandvertäfelung. Aus der Küche kommt solide Hausmannskost, belegte Brote zur Jause (ca. 3,50 €), Milchrahmsuppe (3,50 €), »handgewutzelte« Mohnnudeln (4 €). Weithin bekannt ist der Perzy aber für den ofenfrischen Schweinsbraten mit Waldviertler Erdäpfelknödel und Sauerkraut (10,90 €).
1828 gab es hier in Rottal 22 erstmals eine Schankwirtschaft, Bier und Schnaps kamen damals aus Südböhmen, ab 1948 war die nur 1 km entfernte Grenze dann für über 40 Jahre dicht. So knapp am Eisernen Vorhang wurde beim Perzy nicht viel modernisiert, ein Glück, so blieb die historische Ausstattung erhalten. Heute gehört das Wirtshaus zum nahen Golfclub Haugschlag, was ihm das Fortbestehen sichert. Aber nicht nur Golfspieler sind hier zu Gast, der Perzy lockt Ausflügler aus weiter Ferne an, weshalb man unbedingt reservieren sollte!
Geöffnet ist zur Golfsaison von April bis Oktober und zwar: Donnerstag und Freitag ab 17 Uhr sowie Samstag und Sonntag ab 11.30 Uhr. Rottal 22, 3874 Litschau, Tel. +43/2865-8433.


Skulptur: Die idealtypische Wachauer Nase

Zunächst kritisch beschnuppert, dann eine Touristenattraktion – die Wachauer Nase der Künstlergruppe gelitin (Foto: Michael Wistuba)
Zunächst kritisch beschnuppert, dann eine Touristenattraktion – die Wachauer Nase der Künstlergruppe gelitin (Foto: Michael Wistuba)

Fährt man im Herzen der Welterberegion Wachau mit der Rollfähre vom Weinort Weißenkirchen ans andere Donauufer, liegt dort, gleich neben der Fährstation St. Lorenz, eine vier Meter hohe und zehn Meter lange Nase aus fein gearbeitetem Beton. Es sieht aus, als wäre hier ein Riese begraben, dessen Riechkolben aus der Wiese ragt. Die Nasenlöcher sind groß genug, damit man aufrecht hindurchgehen kann; wer sich traut, kraxelt über den Nasenrücken auf die Spitze.
Für ihre Nasenskulptur hat die Wiener Künstlergruppe gelitin 70 Wachauer Nasen vermessen und in Gips gegossen, um daraus eine »regionstypische« Nase zu kreieren. Die Skulptur wurde anschließend tief im Boden verankert, um dem hier häufig auftretenden Donauhochwasser zu trotzen. Dass die Nasenlöcher dabei in den Fluten versinken und aufgrund des abgelagerten Donauschlamms zu stinken beginnen, ist von der Künstlergruppe gewollt. Ebenso, dass der Nase einmal in Form von kleinen Gräsern und Büschen Nasenhaare wachsen werden. Dazu passt auch, dass gelitin bei der Eröffnungsfeier im Juli 2014 in einer Performance einen riesigen Nasenpopel, der aus ekliger Substanz bestand, aus der Höhle zogen.
Erwartungsgemäß sorgte die Wachauer Nase zu Beginn für große Aufregung – von »Abnormem Kunstgeschmack« und »Werteverfall« war die Rede … Ebenso erwartungsgemäß ist sie mittlerweile Touristenattraktion und ein neues Wahrzeichen der Wachau geworden.


Mit Kindern: Elf Verstecke für Wildkatzen

Auf den Spuren der Wildkatze im Nationalpark Thayatal (Foto: Michael Wistuba)
Auf den Spuren der Wildkatze im Nationalpark Thayatal (Foto: Michael Wistuba)

Der Nationalpark Thayatal direkt an der österreichisch-tschechischen Grenze bietet ein faszinierendes Durchbruchstal mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. 2007 konnte in seinen naturnahen Wäldern die in Österreich als ausgestorben geltende Wildkatze erstmals wieder gesichtet werden. Auf dem Wildkatzenwanderweg kann man sich auf die Spuren dieses scheuen Tieres begeben, das man in natura eigentlich nie zu Gesicht bekommt. Stattdessen gilt es, die im Gebüsch, auf Bäumen oder in Wurzelstöcken versteckten eisernen Wildkatzensilhouetten aufzuspüren. Was manchmal gar nicht so einfach ist, weshalb Hinweistafeln beim Auffinden der insgesamt elf Verstecke helfen.
Der Wildkatzenwanderweg startet am Nationalparkhaus Hardegg und endet nach rund 2 km auf einer Wiese am Thayaufer, die sich nach etwa 90-minütiger Gehzeit gut als Rastplatz und Spielwiese eignet. Dort ist auch ein Schleichparcours eingerichtet, wo Kinder versuchen können, sich wie eine Wildkatze zu bewegen.
Kleiner Tipp: Wer vor 15.30 Uhr wieder beim Nationalparkhaus eintrifft, kann bei der Schaufütterung von Frieda und Carlo zusehen, die in einem großen Gehege gehalten werden. So könnte man als Höhepunkt des Tages auch noch »echte« Wildkatzen beobachten …


Alte Mauern: Zwei Superlative im Zisterzienserkloster Zwettl

Der frühgotische Kreuzgang des superlativen Zisterzienserstifts Zwettl (Foto: Michael Wistuba)
Der frühgotische Kreuzgang des superlativen Zisterzienserstifts Zwettl (Foto: Michael Wistuba)

Das Zisterzienserstift Zwettl liegt 3 km außerhalb der gleichnamigen Stadt in der Mitte des Waldviertels. 1138 wurde es hier in tiefer Waldeinsamkeit am Ufer des Kampflusses gegründet. Die ersten Klosterbauten waren bis ins frühe 13. Jahrhundert fertig gestellt und haben sich bis heute erhalten. Im Rahmen einer Audioguidetour, die von mittelalterlicher Lautenmusik untermalt wird, können sie besichtigt werden.
Diese führt zunächst zum Kampufer hinunter und von dort in die ältesten, im Untergeschoss gelegenen Räume. Sie stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, etwa das Dormitorium, der Schlafsaal der Mönche, der sogar über eine Toilettenanlage mit natürlicher »Wasserspülung« verfügte. Dieses Necessarium (der Name kommt vom lateinischen »necesse est« für »es ist notwendig«) war ein über dem Kamp gelegener und nach unten offener Raum, von dem die Mönche ihre Notdurft in den Fluss plumpsen ließen. Dieses simple System wurde in vielen Klöstern angewandt, bestaunen kann man es nur noch hier, weshalb es – ein klein wenig loriothaft – als »älteste erhaltene Latrinenlage Mitteleuropas« bezeichnet wird.
Danach steigt man hinauf in den eindrucksvollen Kreuzgang, der bis 1240 entstand. Er ist eines der ersten Werke der Frühgotik in Österreich. An den Ostflügel des Kreuzgangs schließt der Kapitelsaal an, der Versammlungsraum der Klosterbrüder. Eine einzige Granitsäule in der Mitte trägt sein Gewölbe. Er wurde vor 1180 erbaut, und auch er kann mit einem Superlativ glänzen, handelt es sich schließlich um das älteste noch erhaltene Kapitelhaus des gesamten Zisterzienserordens.
Die Audioguideführungen können für 10,50 € von Palmsonntag bis Ende Oktober täglich zwischen 10 und 17 Uhr unternommen werden.


Skurril: Das Nonseum im »verruckten« Dorf

Eine von vielen Skurrilitäten im verruckten Dorf … (Foto: Michael Wistuba)
Eine von vielen Skurrilitäten im verruckten Dorf … (Foto: Michael Wistuba)

Schon bei der Ortseinfahrt merkt man, dass in Herrnbaumgarten, einem kleinen Weinbauort in der hügeligen Landschaft des nordöstlichen Weinviertels, der (schräge) Humor zu Hause ist. Ortstafeln in sechs verschiedenen Sprachen – von Isländisch bis Chinesisch – verkünden, wo man sich befindet: Welcome in Master’s Tree Garden. In ähnlicher Tonart geht es weiter, man trifft auf ein »Denkmal für den Vogel Strauß«, das selbstredend kopfüber im Sandboden steckt, vor dem Gemeindeamt steht eine Telefonzelle für Handygespräche und vor dem Schreiberhaus die »Letzte Ruhestätte für den Wackelstein«.
In geballter Ladung findet sich der skurrile Humor im »Nonseum« in der Ortsmitte, wo der »Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen« seit 1994 vollkommen nutzlose Alltagserfindungen präsentiert, u. a. einen FKK-Koffer, einen Zebrastreifen zum Ausrollen, eingelegte Glühbirnen, eine Sitzungsbrille, einen schalldicht verpackten Wecker oder historische Knopflöcher, etwa jenes von Napoleon.
Aufgrund des großen Erfolges wurde ein Zubau nötig, der seit 2012 eröffnet ist. Heute sind in beiden Gebäuden insgesamt »487,3 Erfindungen, die wir auch nicht brauchen« zu sehen. Sie locken jährlich rund 11.000 Besucher an, unter ihnen auch Journalisten aus aller Welt: Die Washington Post, Le Figaro und ein Fernsehteam aus Südkorea waren schon da. 2015 hatte Nonseum-Leiter Fritz Gall sogar einen Auftritt bei Stefan Raab in TV Total, wo er eine Auswahl der Exponate vorstellte.
Das Nonseum ist von Palmsonntag bis Allerheiligen an Donnerstagen und Freitagen von 13 bis 18 Uhr geöffnet, samstags, sonntags und feiertags ist ab 10 Uhr offen. Der Eintritt beträgt 8,50 €.

Passend dazu