Seit fast 14 Jahren arbeitet Thomas Schröder (42) für den Michael Müller Verlag und hat in dieser Zeit 14 Reiseführer recherchiert und geschrieben. Ein Buch pro Jahr – das klingt auf den ersten Blick überschaubar. Doch weil unsere Reisehandbücher in festem Turnus aktualisiert werden, ist er rund ums Jahr damit beschäftigt, Informationen zu sammeln, neuen Entwicklungen nachzuspüren, Hotels und Restaurants zu überprüfen und die Bücher stets up to date zu halten. Bei insgesamt über 5000 Seiten und zahllosen praktischen Tipps und Infos sind dabei nicht nur vor Ort Organisationstalent und Überblick gefragt. Wie lange arbeitest du an einem neuen Reiseführer?
Das richtet sich nach dem Ziel und dem geplanten Umfang des Buches. Mit meinem allerersten Reiseführer über Sizilien war ich rund ein Jahr beschäftigt, davon drei Monate vor Ort, den Rest der Zeit am Schreibtisch. Dieses Jahr werde ich das Buch wieder aktualisieren und rechne mit sechs Wochen auf der Insel und zwei Monaten vor dem Computer. Wie bist du dabei eigentlich unterwegs?
Sizilien und die Liparischen Inseln bereise ich immer mit dem Motorrad – das ist eine private Tradition, weil ich mit meiner SR-500 schon als Student kreuz und quer durch Sizilien gefahren bin. Das spanische Festland mit seinen großen Entfernungen mache ich mit dem eigenen Auto, auf Mallorca nehme ich mir einen Leihwagen, auf Ibiza, Lesbos und Samos miete ich mir ein kleines Geländemotorrad. Wann und wieso hast du dich für diesen Beruf entschieden?
Schon als Kind haben mich Atlanten und Reisebücher à la »Mit der Vespa durch den Hindukusch« fasziniert, während meiner Schulzeit ging's per Fahrrad an den Gardasee, per Anhalter an die französische Riviera und per Interrail durch Spanien. In München studierte ich Touristik und lernte im Abschlussjahr auf der Reisemesse ITB in Berlin Michael Müller kennen, der gerade Autoren für seinen expandierenden Verlag suchte. Als »Test« schickte er mich als Co-Autor ins jugoslawische Inland – eine Gegend, um die sich keiner gerissen hatte. Mir machte die Recherche aber so viel Spaß, dass ich danach gleich Sizilien in Angriff nahm. Welche Aspekte deiner Arbeit magst du am liebsten?
Das Beste ist es immer, endlich loszufahren. Fast jeden Abend an einem anderen Ort zu sein. Und auch an bekannten Zielen immer wieder etwas Neues zu entdecken. Welche Fähigkeiten braucht man deiner Ansicht nach als Reiseführer-Autor?
Eisernen Willen: zum Beispiel einem verlockenden Strand nach der Besichtigung gleich wieder den Rücken zu kehren. Selbstgenügsamkeit: Meist ist man allein unterwegs, weil das verschärfte Reisetempo kaum einem Begleiter zuzumuten ist. Reichlich Geduld: Wenn mal wieder der frisch angelernte Mitarbeiter einer Tourist-Info eine halbe Stunde braucht, um die eigene Telefonnummer herauszufinden. Natürlich auch ein gutes Orientierungsvermögen, Affinität zu Fremdsprachen, Interesse am Fotografieren, Sorgfalt bei der Recherche und die Fähigkeit, Informationen sachlich und gleichzeitig möglichst unterhaltsam zu vermitteln. Nicht zuletzt auch eine gewisse Fitness: Wenn ich Hotels und Restaurants in einer Großstadt wie Sevilla abklappere, kommen leicht 15 Kilometer Fußmarsch pro Tag zusammen. Der Schwerpunkt deiner Arbeit liegt auf Spanien – wie kam es dazu?
Neben Sizilien hatte ich Spanien schon früh als persönliches Reiseziel entdeckt. Ich mag die Sprache und die Vielfältigkeit des Landes – die sagenhafte Küstenlinie der Costa Brava, die vibrierenden Städte Andalusiens, das Flair von Ibiza, die Kontraste von Mallorca, die grandiosen Weiten des spanischen Inlands und die ganz eigene Atmosphäre Nordspaniens. Für meine Freundin und mich ist Spanien zur zweiten Heimat geworden, ganz besonders die andalusische Costa de la Luz. Wie wichtig ist für dich das Feedback der Leser?
Extrem wichtig: Unsere Leser bestätigen, motivieren und kritisieren konstruktiv. Toll ist es natürlich, auf frisch eröffnete Hotels aufmerksam gemacht zu werden oder von einer urigen Bar in einem eher abgelegenen, kleineren Ort zu erfahren. Aus den Leserbriefen (von denen übrigens der Großteil per E-Mail ankommt) erfahre ich mehr darüber, wie das jeweilige Buch genutzt wird und bekomme wichtige Hinweise, ob sich z. B. in einem Hotel der Service verschlechtert oder sich eine Wanderung durch neu geschobene Wege verändert hat. Diese aktuellen Änderungen werden dann ja auch auf der Verlags-Homepage sofort veröffentlicht. Ärgerst du dich über Kritik?
Das kommt drauf an. Wenn zum Beispiel ein Hundebesitzer bemängelt, dass nicht alle hundefreundlichen Campingplätze in Spanien extra benannt sind, muss ich eher schmunzeln. Wenn ein Hotel, das bei der letzten Recherche noch ausgesprochen günstig war, plötzlich die Preise kräftig erhöht hat und Leser das ausbaden müssen, ärgere ich mich für sie, bin gleichzeitig aber auch dankbar für den Hinweis. Über die allermeisten Zuschriften freue ich mich einfach – wenn jemand aufgrund der Tipps im Buch gut gegessen, einen interessanten Ausflug gemacht oder ein süßes kleines Provinzmuseum entdeckt hat, dann ist das schon wieder ein Ansporn für die nächste Recherche. Machst du eigentlich auch selbst noch Ferienreisen?
Ja natürlich, z.B. nach Australien, Mexiko und immer wieder gern ans Mittelmeer. Nur nicht in die Zielgebiete meiner Bücher – dort würde ich ganz automatisch doch wieder anfangen zu recherchieren, könnte nicht wirklich ausspannen und würde nur meine Freundin nerven. Gibt es etwas, das dich an deinem Job stört?
Nur die Frage, die ich nach einer anstrengenden Recherche-Reise immer wieder von Freunden oder Bekannten höre: »Na, war's schön im Urlaub?« |