ENIT-Preis für Abruz­zen

oder Ein tou­ris­tisch wei­ßer Fleck in Ita­li­en

ENIT - Bester Italien-Reiseführer 2015Die grie­chi­sche Staats­plei­te Gibt es das noch? Tou­ris­tisch weiße Fle­cken in Eu­ro­pa, oder nein, in Ita­li­en? »Bei un­se­ren vie­len Rei­sen nach Mit­tel­ita­li­en hat es uns auch in die Abruz­zen ver­schla­gen«, ver­rie­ten die bei­den Au­to­ren des 2015 von der ENIT prä­mier­ten Rei­se­füh­rers in einem In­ter­view mit dem fach­buch­jour­nal, »und wir haben uns ge­wun­dert, dass diese herr­li­che Ge­gend so un­be­kannt ist mit­ten im bes­tens er­schlos­se­nen Ita­li­en.«
2004, als die erste Idee für ein Abruz­zen-Pro­jekt ent­stand, war der Markt (und viel­leicht auch der Mut) noch nicht groß genug für ein Buch, das sich nur um sie dreht: die Abruz­zen, wo noch Wölfe und Bären hei­misch sind … Die zwei Rei­se­jour­na­lis­ten gin­gen das Thema in einem Samp­ler an, im Rei­se­hand­buch zu »Mit­tel­ita­li­en«. 2006 er­schien der von Sa­bi­ne Becht und Sven Tala­ron er­sehn­te Band dann doch – als Erst­auf­la­ge.


Ein Wag­nis und ganz viel Ent­de­cker­freu­de

Portrait Sabine BechtPortrait Sven Talaron»Wir su­chen immer wie­der nach The­men, die noch nicht oder noch nicht so oft be­ackert sind«, er­klärt Kars­ten Luzay, lang­jäh­ri­ger Re­dak­ti­ons­lei­ter des Micha­el Mül­ler Ver­lags. »Auch der Mar­ken-Rei­se­füh­rer von Sa­bi­ne Becht war ein Wag­nis. 2016 dru­cken wir ihn in 5. Auf­la­ge.« Micha­el Mül­ler weiß aus ei­ge­ner Er­fah­rung, dass oft­mals die Bü­cher die bes­ten wer­den, die die Au­to­ren un­be­dingt schrei­ben wol­len. Zumal ein guter Rei­se­füh­rer vor allem eines braucht: Aus­dau­er. »Man ist vor Ort oft 12 bis 14 St­un­den am Tag un­ter­wegs«, so Becht.
Dass diese Ent­de­cker­freu­de aber auch be­lohnt wird, davon er­zählt Sven Tala­ron. Er mag be­son­ders klei­ne Städ­te wie Sul­mo­na und Orte wie Guar­dia­gre­le, die in sehr schö­ner Berg­la­ge lie­gen. »Ganz zu schwei­gen vom Campo Im­pe­ra­to­re am Gran Sasso und den Berg­dör­fern rund­um.« Des­halb seien die Abruz­zen auch wie ge­schaf­fen für eine Rund­tour mit dem Auto oder dem Mo­tor­rad, ja, selbst mit dem Wohn­mo­bil. Le­dig­lich von einem Wohn­wa­gen raten die er­fah­re­nen Ita­li­en-Ex­per­ten ab. »Es gibt viele schma­le und kur­vi­ge Berg­sträß­chen.«


Das wilde Herz für Aben­teu­er­lus­ti­ge

Wes­halb die Abruz­zen eine ita­lie­ni­sche Re­gi­on sind, »die von deut­schen Rei­sen­den noch ent­deckt wer­den will«, wie auch die ENIT an­führt, ist Sa­bi­ne Becht und Sven Tala­ron ein Rät­sel. »Vi­el­leicht, weil die ganz gro­ßen, welt­be­kann­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten feh­len«, über­legt Becht. Tala­rons Fazit: »Die Ge­gend ist und bleibt etwas für Ent­de­cker mit Aben­teu­er­lust.«
Umso mu­ti­ger die Ent­schei­dung der Ita­lie­ni­schen Zen­tra­le für Tou­ris­mus ge­ra­de die­ses Buch zu einem tou­ris­tisch noch weit­ge­hend wei­ßen Fle­cken als »Bes­ten deutsch­spra­chi­gen Rei­se­füh­rer für Ita­li­en« aus­zu­zeich­nen. Oder wie es in der Be­grün­dung der Jury heißt: »Die Re­cher­che der bei­den Au­to­ren ist sehr tief­grün­dig und ver­mit­telt dem Leser auch bis­her un­be­kann­te­re Aspek­te der Abruz­zen, ge­ra­de auch vom Lan­des­in­ne­ren und den Na­tio­nal- und Na­tur­parks.«
Dass die in­di­vi­du­el­le­ren Rei­sen­den den Band (und »das wilde Herz Ita­li­ens«) schon etwas län­ger ken­nen, zei­gen die eu­pho­ri­schen Le­ser­brie­fe, die Sa­bi­ne Becht und Sven Tala­ron seit knapp zehn Jah­ren be­kom­men. Manch­mal sind es eben die ab­ge­le­ge­ne­ren Ziele, die einem im Herz her­um­spu­ken.