Schrei­ben­de Tra­vel­ler – 1. Platz

Am Start. Eine Re­por­ta­ge von Mo­ritz Baum­stie­ger

»Schwin­ger-Club« und »Hö­hen­psy­cho­lo­gie« haben wir schon ver­öf­fent­licht. Was wir Ihnen noch schul­dig sind: Die mit dem 1. Platz aus­ge­zeich­ne­te Re­por­ta­ge un­se­res Au­to­ren­wett­be­werbs »Schrei­ben­de Tra­vel­ler«. Sie han­delt von einem Ski­ren­nen in Af­gha­nis­tan. Oder wie der Po­li­zei­chef Ali Lakzi wäh­rend der Er­öff­nungs­fei­er des Ren­nens sagte: »Liebe Aus­län­der! Ihr müsst keine Angst haben! Die letz­ten bei­den, die ich aus der Gei­sel­haft be­freit habe, wur­den von den Ent­füh­rern so vor­sich­tig be­han­delt wie zarte Blu­men.«

Meine Ängs­te sahen so aus: Ich renne durch den Schnee, so schnell ich kann. Hin­ter mir eine Horde Af­gha­nen. Sie brül­len, wohl, weil sie nicht so gut fin­den, dass ich mit Ski auf ihrem Hin­du­kusch her­um­rut­sche. Meine Lunge sticht, das Herz ex­plo­diert fast vor Angst und An­stren­gung. Nutzt nichts: Sie kom­men näher. Sie wer­den mich krie­gen.
Ich woll­te nach Af­gha­nis­tan fah­ren, um zu sehen, dass es dort mehr als Krieg und Ter­ror gibt. Trotz­dem bekam ich diese Ge­dan­ken nicht aus dem Kopf. Das Land pro­du­ziert seit 35 Jah­ren Bil­der, die das Ge­gen­teil von Tou­ris­mus­wer­bung sind: die In­va­si­on der Rus­sen, der Bür­ger­krieg, die Ta­li­ban, Sol­da­tens­är­ge mit schwarz-rot-gol­de­nen Fah­nen dar­auf. Ent­führ­te Jour­na­lis­ten, Frau­en in Bur­kas.


Land­mi­nen sind bei Schnee keine Ge­fahr

Das Sportgerät im Schnee des Hindukusch (Foto: Moritz Baumstieger)
Das Sport­ge­rät im Schnee des Hin­du­kusch (Foto: Mo­ritz Baum­stie­ger)
Die Rea­li­tät sieht dann so aus: Ich renne durch den Schnee, so schnell ich kann. Vor mir her eine Horde Af­gha­nen, der lang­sams­te hat mich vor Mi­nu­ten über­holt. In Gum­mi­stie­feln. Am Fuß des Ber­ges brül­len 600 wei­te­re Af­gha­nen. Vor Freu­de, weil ich und 35 an­de­re auf ihrem Hin­du­kusch Ski fah­ren und dabei so lus­tig hin­fal­len. Meine Lunge sticht, mein Herz ex­plo­diert fast vor An­stren­gung. Nutzt nichts: Es wird schwer, die an­de­ren ein­zu­ho­len.
Das Jahr 2014 wird Af­gha­nis­tan ver­än­dern. Ob zum Guten oder zum Schlech­ten, weiß nie­mand. Die in­ter­na­tio­na­le Schutz­trup­pe zieht ab, Frie­den herrscht aber noch nicht. 2013 star­ben fast 3000 Zi­vi­lis­ten bei An­schlä­gen und Kämp­fen, die Ent­füh­run­gen von Ein­hei­mi­schen und Aus­län­dern wer­den erst gar nicht ge­zählt. Eine ab­sur­de Vor­stel­lung, dass hier ein Ski­ren­nen statt­fin­det. An­de­rer­seits ein tröst­li­cher Ge­dan­ke: Selbst hier hat eine Zu­kunft be­gon­nen, in der Sport und Tou­ris­mus mög­lich sind. In Ba­miyan, einem Tal 170 Ki­lo­me­ter west­lich von Kabul.
Die »Af­ghan Ski Chal­len­ge« ist kein of­fi­zi­el­ler Ver­bands­wett­be­werb. Weil sie hier aber das ein­zi­ge Ren­nen ist, ist der Ge­win­ner au­to­ma­tisch so etwas wie der Lan­des­meis­ter. Ich habe auf mei­ner Vi­si­ten­kar­te noch eine Zeile frei. Und ich stehe auf Ski, seit ich vier Jahre alt bin. Die er­fah­rens­ten Af­gha­nen seit ge­ra­de mal vier Jah­ren. Ein­fa­cher, dach­te ich, kann man so einen Titel nicht er­rin­gen.
Die Ge­fahr, dass etwas pas­siert, sei ge­ring, ver­si­chert Ba­miyans Po­li­zei­chef Ali Lakzi wäh­rend der Er­öff­nungs­fei­er des Ren­nens. »Liebe Aus­län­der!« ruft er, »ihr müsst keine Angst haben! Die letz­ten bei­den, die ich aus der Gei­sel­haft be­freit habe, wur­den von den Ent­füh­rern so vor­sich­tig be­han­delt wie zarte Blu­men.« »Sweet«, brummt Sam neben mir, ein Snow­boar­der aus den USA. »Und Land­mi­nen sind bei Schnee auch keine Ge­fahr. Da fah­ren wir ein­fach drü­ber.« Sam hat in den letz­ten Jah­ren aus Kampf­flug­zeu­gen Aus­schau nach Ta­li­ban ge­hal­ten. Er kennt sich aus mit sol­chen Din­gen.
Wei­ter hin­ten im Saal amü­siert sich ein Mann über das, was er hier an­ge­rich­tet hat. Chris­toph Zürcher ist 48 Jahre alt und Schwei­zer, vor fünf Jah­ren stran­de­te er in Ba­miyan, das Tal ist für af­gha­ni­sche Ver­hält­nis­se si­cher: Die Min­der­heit der Ha­za­ra, die hier wohnt, lässt keine Ta­li­ban hin­ein, unter ihnen haben sie furcht­bar ge­lit­ten. So konn­te Ba­miyan zu einer af­gha­ni­schen Mus­ter­pro­vinz wer­den. Der Islam wird mo­de­rat aus­ge­legt, die Män­ner haben ihre Waf­fen ab­ge­ge­ben, Aus­län­der kön­nen sich frei be­we­gen. Zürcher be­staun­te die Berge und dach­te sich, was sich Schwei­zer so den­ken, wenn sie zu lange Schnee und Gip­fel an­gu­cken: Hier könn­te man doch Ski fah­ren. Er trieb Aus­rüs­tung und Spon­so­ren auf, or­ga­ni­sier­te ein Ren­nen. Aus ihm ist ein na­tio­na­les Er­eig­nis ge­wor­den, Fern­seh­sen­der be­rich­ten, dem Ge­win­ner winkt eine Ein­la­dung in eine Talk­show.
Dass Ba­miyan gro­tesk schön sein kann, ver­steckt das Tal gut, als ich aus dem Pro­pel­ler­flug­zeug stei­ge. Alles ist mit Staub über­zo­gen, die Luft ist grau vom Rauch der vie­len Feuer. Das No­or­band-Qala-Hotel ist mit Sand­sä­cken und St­achel­draht ge­si­chert. Die Wäch­ter am Tor fil­zen das Ge­päck auf Waf­fen, Bom­ben und Al­ko­hol. Nur mei­nes nicht, das ist ver­lo­ren ge­gan­gen. Wie ich so af­gha­ni­scher Ski­meis­ter wer­den soll, weiß ich nicht.


»Frau­en ach­ten wir aus­drück­lich auch!«

Ein Ziel vor Augen – Moritz Baumstieger vor dem Skirennen (Foto: Moritz Baumstieger)
Ein Ziel vor Augen – Mo­ritz Baum­stie­ger vor dem Ski­ren­nen (Foto: Mo­ritz Baum­stie­ger)
Bis zum Ren­nen sind es noch zwei Tage. Ich fahre zu dem Hof, an dem sich meine af­gha­ni­schen Kon­kur­ren­ten tref­fen. Wirk­lich ein­schüch­ternd wirkt die an­ge­hen­de Ski-Elite nicht, die Jungs um die zwan­zig sehen aus, als hät­ten sie sich auf einem Win­ter­ba­sar der Nach­bar­schafts­hil­fe ein­ge­klei­det. Als wir im »Pri­son Val­ley« aus einem Mi­ni­bus stei­gen, lau­fen sie sehr lang­sam los. Pis­ten oder Lifte gibt es nicht, wer af­gha­ni­scher Meis­ter wer­den will, muss den Berg nicht nur schnell run­ter­fah­ren, son­dern ihn davor auch schnell hoch­lau­fen.
Yahya – 19 Jahre alt und fin­ger­dick ein­ge­cremt – mag bald nicht mehr. Er fährt in einer Mi­schung aus Pflug und Schuss, lan­det auf dem Rü­cken. Trotz­dem rech­net er sich Chan­cen aus: »Ich habe meine Face­book-Freun­de auf­ge­for­dert, für mei­nen Sieg zu beten«, sagt er. Selt­sa­me Stra­te­gi­en pflegt auch Sa­jjad Hu­sai­ni, der Ge­win­ner von 2013. Den Sieg habe ihm seine Er­näh­rung ge­bracht: »Ich habe Pis­ta­zi­en ge­ges­sen«, sagt er. »Viele Pis­ta­zi­en.«
Am Nach­mit­tag fah­ren wir zu den Fels­ni­schen hin­ter der Stadt. Im sechs­ten Jahr­hun­dert mei­ßel­ten Mön­che hier die größ­ten Bud­dha­sta­tu­en der Welt in den Stein, 35 Meter und 53 Meter hoch, 2001 spreng­ten die Ta­li­ban das Welt­kul­tur­er­be. Bei der klei­ne­ren Ni­sche öff­net ein Mann eine Luke, da­hin­ter führt eine in Stein ge­haue­ne Trep­pe ins Dunk­le. »Boro, boro«, ruft er: Komm, komm! Dass Ba­miyan 2500 Meter über dem Meer liegt, habe ich bis­her nicht be­merkt. Als ich die Trep­pen nach oben sprin­te, merke ich es umso stär­ker. Und zwei­fe­le, ob meine Vi­si­ten­kar­te bald eine Zeile län­ger wird.
Abends son­die­re ich die Teil­neh­mer aus dem Wes­ten. Schwei­zer, Bri­ten, Ame­ri­ka­ner. Rei­che Rent­ner, die in den 70ern auf dem Hip­pie­trail nach In­di­en schon mal hier waren, junge Hips­ter, die mit Ge­fah­ren prah­len wol­len. Um die muss ich mir keine Sor­gen ma­chen, eher um die Mit­glie­der der Ex­trem­spor­teli­te, die auch da sind.
Am nächs­ten Tag ist mein Ge­päck immer noch nicht ge­kom­men. Die Renn­stre­cke zu be­gut­ach­ten, ist das Ein­zi­ge, was als Vor­be­rei­tung bleibt.
Das Dorf Sare Qole, bei dem das Ren­nen star­ten wird, be­steht aus fla­chen Lehm­häu­sern; hin­ter dem von Dorf­vor­ste­her Abul Has­san er­he­ben sich mäch­ti­ge Berge, fast 5000 Meter hoch. Das Ren­nen führt nur auf einen klei­nen Gip­fel (und wie­der hin­un­ter), der aber im­mer­hin 3600 Meter misst, die Luft wird dort dün­ner sein als bei den Bud­dhas. Auf den Hän­gen rut­schen Kin­der mit selbst ge­bau­ten Holz­ski herum. Bevor ich gehe, will der Dorf­vor­ste­her noch etwas sagen. »Wir re­spek­tie­ren die Ski­fah­rer«, ruft er, »und Frau­en ach­ten wir hier aus­drück­lich auch!«


Echte Pro­fis geben In­ter­views nach dem Ren­nen

Hier standen die größten Buddhastatuen der Welt (Foto: Moritz Baumstieger)
Hier stan­den die größ­ten Bud­dha­sta­tu­en der Welt (Foto: Mo­ritz Baum­stie­ger)
Am Abend wer­den zur Er­öff­nungs­fei­er Ham­mel­spie­ße, Ham­mel­gu­lasch und Ham­melin­ne­rei­en ser­viert. Neben mir sitzt Alis­hah Far­hang, ein trai­nier­ter 22-Jäh­ri­ger. Er ist der ein­zi­ge junge Af­gha­ne, den ich tref­fe, der keine Flücht­lings­ge­schich­te hin­ter sich hat oder ge­ra­de eine plant. Viele sei­ner Freun­de ver­su­chen, il­le­gal nach Eu­ro­pa zu kom­men, an Frie­den glaubt nie­mand. Auch Alis­hah nicht, trotz­dem will er blei­ben. »Die ein­zi­ge Chan­ce, hier etwas auf­zu­bau­en, ist Tou­ris­mus. Uns in Ba­miyan wird es gut gehen. Den Rest des Lan­des kannst du ver­ges­sen.«
Am Tag des Ren­nens zeigt sich, dass die Frau­en in Sare Qole ihre Rech­te wohl in­ner­halb der Häu­ser aus­le­ben müs­sen. Im Dorf lau­fen alle und jeder herum, nur sie nicht. Auf den Dä­chern lau­ern Ka­me­ra­teams, Fo­to­gra­fen ste­hen sich ge­gen­sei­tig im Bild. Ich trage die Start­num­mer zehn auf dem Rü­cken und meine Ski an den Füßen, mein Ge­päck ist an­ge­kom­men. Ich gebe dem af­gha­ni­schen Radio ein In­ter­view und eines fürs Fern­se­hen, lobe die Schön­heit der Berge und die Gast­freund­schaft der Men­schen. Sage aber auch, dass es schwie­rig wer­den könn­te, meine Lands­leu­te zum Ski­ur­laub her­zu­lo­cken.
Feh­ler. Echte Pro­fis geben In­ter­views nach dem Ren­nen, nicht davor. Wäh­rend der Fern­seh­mann wei­ter fragt, stel­len sich meine Kon­kur­ren­ten zum Start auf. Die Pole­po­si­tion ist weg, mir bleibt ein Platz hin­ten.
Die Menge be­ginnt, rück­wärts zu zäh­len. »Three, two, one – go!« Ich renne los, in mei­nen Vor­der­mann hin­ein. In der Spur herrscht Stau, Über­ho­len ist schwie­rig. Man müss­te in den Tief­schnee aus­wei­chen, in dem ver­sinkt aber ge­ra­de Yahya. Vorne stürzt Sa­jjad, ich stei­ge über ihn. Abul Hass­ans Sohn tritt mit sei­nen Gum­mi­stie­feln auf meine Ski.
Ich blei­be ste­hen, gehe dann lang­sa­mer. Muss bald wie­der ste­hen blei­ben und gehe noch lang­sa­mer. Die Af­gha­nen sind nicht die bes­ten Ski­fah­rer. Wer aber auf 3000 Me­tern Höhe auf­wuchs und täg­lich eine St­un­de in die Schu­le lau­fen muss­te, hat wohl die bes­se­re Gr­und­fit­ness.
Als ich mei­nen Rhyth­mus finde, liege ich im Mit­tel­feld. Die meis­ten Af­gha­nen sind weg, nur einer schmiss eben wü­tend die Ski ins Tal. Ich fi­xie­re das Fähn­chen, das den höchs­ten Punkt der Stre­cke mar­kiert. Dort an­ge­kom­men, habe ich zu wenig Sau­er­stoff im Hirn, um die Land­schaft zu ge­nie­ßen. Und keine Zeit: Ich muss Plät­ze gut­ma­chen.
Der erste Schwung geht da­ne­ben. Die linke Bin­dung öff­net sich, ich stehe bis zur Brust im Tief­schnee und sto­che­re nach dem Ski. Ein Schwei­zer rauscht an mir vor­bei, ich brül­le ihm un­schö­ne Dinge hin­ter­her.
Dann fahre ich so, wie es die Lo­cals tun: breit­bei­nig, ohne Kurve. Kurz vor dem Ziel über­ho­le ich einen Af­gha­nen, ich schmei­ße mich über die Zi­el­li­nie. Als ich den Schnee aus mei­nen Ohren ge­pult habe, lacht das Pu­bli­kum immer noch.
Oben auf dem Sie­ger­trepp­chen stehe nicht ich, son­dern Alis­hah Far­hang. Für Sa­jjad blieb Bron­ze, er hatte wohl zu wenig Pis­ta­zi­en ge­ges­sen. Bei der Sie­ger­eh­rung hat die Po­li­zei Mühe, die Zu­schau­er zu­rück­zu­hal­ten.


»Lau­fen und Schie­ßen, das klingt doch nach einem sehr af­gha­ni­schen Sport.«

Bester, weil einziger Deutscher. Passt gerade noch in eine Visitenkartenzeile (Foto: Moritz Baumstieger)
Bes­ter, weil ein­zi­ger Deut­scher. Passt ge­ra­de noch in eine Vi­si­ten­kar­ten­zei­le (Foto: Mo­ritz Baum­stie­ger)
Das ist am nächs­ten Tag beim Ren­nen der Frau­en an­ders. Dass es über­haupt statt­fin­det, zeigt, wie viel sich hier ver­än­dert hat. Dass es zur Si­cher­heit in einem ver­steck­ten Sei­ten­tal aus­ge­tra­gen wird, zeigt, wie viel sich noch tun müss­te. »Ich will zei­gen, was wir Frau­en kön­nen«, sagt Zahra Ibra­hi­mi. Damit meint die 18-Jäh­ri­ge eher ihren Mut als die tech­ni­schen Fer­tig­kei­ten: »Un­se­re Ski haben wir noch nicht wirk­lich unter Kon­trol­le.« Das ist keine Be­schei­den­heit, son­dern eine nüch­ter­ne Um­schrei­bung der Amok­fahrt, die nach dem Start­zei­chen be­ginnt.
Die acht Frau­en nie­ten sich ge­gen­sei­tig, die Zu­schau­er und alle Stre­cken­fah­nen um. Zahra wird Zwei­te, ihr Papa ist stolz. Mit sei­nem mäch­ti­gen Bart sieht er nicht aus wie ein Frau­en­recht­ler, er ist Imam. Kör­per­li­che Be­tä­ti­gung sei aber wich­tig, do­ziert er, »auch für weib­li­che Hälf­te der Welt­be­völ­ke­rung.« In vier Jah­ren will Zahra zu Olym­pia, viel­leicht als Bi­ath­le­tin. »Lau­fen und Schie­ßen, das klingt doch nach einem sehr af­gha­ni­schen Sport.«
Meine ei­ge­ne Plat­zie­rung er­fah­re ich erst am nächs­ten Mor­gen am Flug­platz. Die Ma­schi­ne nach Kabul hat Ver­spä­tung, der Renn­lei­ter end­lich Zeit, die chao­ti­schen Lis­ten vom Ziel­ein­lauf aus­zu­wer­ten. »Du bist Zehn­ter ge­wor­den. Toll!«, sagt er. Na ja: Zehn­ter wurde ich auch nur, weil die Ein­hei­mi­schen, die vor einer Woche zum ers­ten Mal auf den Bret­tern stan­den, in einer extra Ka­te­go­rie ge­zählt wur­den. Der Lei­ter sieht es trotz­dem po­si­tiv. »Im­mer­hin bes­ter Deut­scher!«, ruft er und grinst. Bes­ter, weil ein­zi­ger Deut­scher beim Ski­ren­nen in Af­gha­nis­tan – passt ge­ra­de noch in eine Vi­si­ten­kar­ten­zei­le.