Chro­nik

Micha­el Mül­ler Ver­lag – Das Beste aus 30 Jah­ren (Peter Rit­ter)

Interrail Reiseführer… sind na­tür­lich die vie­len, vie­len Leser, die mit un­se­ren Bü­chern auf Rei­sen waren, die tol­len Au­to­ren, die un­se­re Bü­cher ge­schrie­ben haben, und all jene, die sie in ihren Buch­hand­lun­gen ver­kauft haben. Herz­li­chen Dank noch ein­mal an alle. Was es sonst noch an High­lights gab, zei­gen die fol­gen­den Sei­ten im Zei­traf­fer. Fehlt noch was? Ja, eines muss un­be­dingt noch er­wähnt wer­den: der Re­gen­bo­gen­rü­cken. Die Ge­schich­te sei­ner Ent­ste­hung ist ei­gent­lich ganz un­spek­ta­ku­lär, sagt man: 1985 war eine Ver­lags­gra­fi­ke­rin un­zu­frie­den mit der eben ge­fer­tig­ten Co­ver­dar­stel­lung einer Eu­ro­pa­kar­te für den In­terRail-Rei­se­füh­rer und hin­ter­leg­te – in­spi­riert von den un­ter­schied­li­chen Tem­pe­ra­turzo­nen – den doch sehr nack­ten alten Kon­ti­nent mit einem Farb­ver­lauf, ge­wis­ser­ma­ßen der »Ur­re­gen­bo­gen« …

Das Ganze wäre damit wahr­schein­lich er­le­digt ge­we­sen, wenn, ja wenn der Ver­lag nicht oh­ne­hin auf der Suche nach einem un­ver­wech­sel­ba­ren Mar­ken­zei­chen ge­we­sen wäre. Und so wan­der­te der Eu­ro­pa­re­gen­bo­gen ein­fach auf den Rü­cken aller Bü­cher, die fort­an den Ver­lag ver­lie­ßen. Das ist bis heute so ge­blie­ben, allen gra­fi­schen Moden zum Trotz. Wenn es also eine Kon­stan­te im Mül­ler-Leben gibt, dann ist es der Re­gen­bo­gen.


1979 One man, one book, one show: 1979 er­scheint mit »Por­tu­gal« der erste Rei­se­füh­rer des Ver­lags. Das Grund­kon­zept lau­tet »Infos von Tra­vel­lern für Tra­vel­ler«. Tra­vel­ler, Autor, Ver­le­ger und Ver­triebs­ma­na­ger in einem ist Micha­el Mül­ler.

1981 Der Ver­lag ent­deckt die Vor­zü­ge der grif­fi­gen Sub­head­line. »To­sca­na« wird un­ter­ti­telt mit »Flo­renz – Elba – Um­bri­en«. Dass es auch Pläne für ein Buch »Schles­wig-Hol­stein: Kiel – Feh­marn – Nie­der­sach­sen« ge­ge­ben hätte, ist nur ein Ge­rücht.

1982 Der Ver­lag ist noch jung und setzt auch auf die Jün­ge­ren. Die rei­sen seit 1972 mit dem In­terRail-Ti­cket für wenig Geld quer durch Eu­ro­pa. Das Buch zum Bahn-An­ge­bot macht das Rei­sen kom­for­ta­bler und be­schert dem Ver­lag sogar seine erste Über­set­zung: Nur ein Jahr nach der Ver­öf­fent­li­chung derdeut­schen Aus­ga­be er­scheint ein schwe­di­sches Pen­dant. Warum schwe­disch? Ja, warum ei­gent­lich?

1984 Erste tech­ni­sche Re­vo­lu­ti­on: Die Texte wer­den ab so­fort mit einer elek­tro­ni­schen Ku­gel­kopf­schreib­ma­schi­ne ge­schrie­ben. Außer dass es keine Ty­pen­he­bel mehr gibt, die sich beim hef­tig­hit­zi­gen Schrei­ben un­schön in­ein­an­der ver­ha­ken könn­ten, bie­tet sie noch einen zwei­ten im­men­sen Vor­teil: Die Adler-Tri­umph kann Texte spei­chern, we­nigs­tens ein biss­chen. Im­mer­hin: Der Weg zur tech­ni­schen Re­vo­lu­ti­on Teil zwei ist damit vor­ge­zeich­net.

1987 Zwei­te tech­ni­sche Re­vo­lu­ti­on: Der Ver­lag stellt auf PC um und be­ginnt eine Li­ai­son mit dem po­pu­lärs­ten PC-Pro­gramm der Welt: Mi­cro­soft Word. Die Be­zie­hung hält bis heute. Ohne Wenn und Aber.

1989 Wäh­rend sich in der Welt epo­cha­le Er­eig­nis­se voll­zie­hen, fei­ert der Ver­lag ver­gleichs­wei­se still sein zehn­jäh­ri­ges Be­ste­hen – und zieht um: aus der kom­bi­nier­ten 5-Zim­mer-Schlaf-Ar­beits-Wohn­ge­mein­schaft in wirk­li­che Bü­ro­räu­me mit wirk­li­chem Fir­men­schild und Ein­trag ins Te­le­fon­buch.

1991 Farbe! Exakt 24 Jahre nach der Ein­füh­rung des Farb­fern­se­hens in Deutsch­land pu­bli­ziert der Ver­lag sei­nen ers­ten durch­ge­hend far­bi­gen Rei­se­füh­rer. Damit sind die Schwarz-Weiß-Bü­cher nicht aus dem Ren­nen. Es bil­den sich die fol­gen­den For­ma­te her­aus: Die gro­ßen kom­pen­di­en­ähn­li­chen Rei­se­füh­rer zu Län­dern und tou­ris­ti­schen »Schwer­ge­wichts­re­gio­nen« mit bis zu 800 Sei­ten Um­fang blei­ben im alten Ge­wand, die schma­le­ren 256-Sei­ten-Re­gio­nal­rei­se­füh­rer glit­zern fort­an bunt und far­big und er­schlie­ßen so of­fen­kun­dig auch neue Käu­fer­schich­ten.

1997 Der Ver­lag geht ins Netz und schafft sich und sei­nen Le­sern damit zu­sätz­li­che Hand­lungs­fel­der. Im Laufe der fol­gen­den Jahre wer­den meh­re­re In­ter­net­fo­ren ein­ge­rich­tet, in denen Leser mit Le­sern und/oder Au­to­ren in Kon­takt tre­ten kön­nen. Ein re­gel­mä­ßig er­schei­nen­der, per Mail zu­ge­sand­ter News­let­ter hält die Leser über Neu­ent­wick­lun­gen im Ver­lag auf dem Lau­fen­den. Re­gel­mä­ßi­ge Up­dates zu den Rei­se­zie­len schlie­ßen die Ak­tua­li­täts­lü­cken der Print­pro­duk­te.

1998 Der Sprung über den gro­ßen Teich: Mit »Ecua­dor« er­scheint der erste Titel zu einem (süd)ame­ri­ka­ni­schen Rei­se­ziel. Spä­ter wer­den suk­zes­si­ve an­de­re aus­ge­wähl­te Ziele au­ßer­halb Eu­ro­pas er­schlos­sen. Den­noch kon­zen­triert sich der Ver­lag wei­ter vor­ran­gig auf sein Haupt­be­tä­ti­gungs­feld Eu­ro­pa und wird im Laufe der nächs­ten Jahre zum Markt­füh­rer in Sa­chen »In­di­vi­du­al­rei­se­füh­rer zu eu­ro­päi­schen Rei­se­zie­len«.

2000 Eine neue Reihe wird ge­bo­ren: MM-City, in pro­fa­nem Deutsch: »Städ­te­rei­se­füh­rer aus dem Micha­el Mül­ler Ver­lag«. Aber wer möch­te schon so um Kun­den wer­ben? Im ers­ten Durch­lauf pur­zeln in ra­scher Folge die eu­ro­päi­schen (Kul­tur-) Haupt­städ­te, spä­ter geht’s über den At­lan­tik nach New York und Ha­van­na.

2001 Der Ver­lag wird »glo­bal po­si­tio­niert«, d. h., er be­dient sich fort­an der Mög­lich­kei­ten, die das Glo­bal Po­si­tio­ning Sys­tem (GPS) bie­tet: Wan­de­run­gen – mitt­ler­wei­le fes­ter Be­stand­teil der Rei­se­füh­rer – wer­den mit GPS-Ge­rä­ten auf­ge­zeich­net und ent­spre­chend auf­be­rei­te­tem Kar­ten­ma­te­ri­al aus­ge­stat­tet. Ver­lau­fen, Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit, »Wo war noch­mal …?« – alles nur noch Schat­ten einer düs­te­ren Ver­gan­gen­heit.

2002 Warum nicht auch über Flops spre­chen? Der Ver­lag be­gibt sich hoff­nungs­froh auf art­frem­des Ter­rain und setzt auf Wein­füh­rer. Zu­nächst er­schei­nen vier Titel zu An­bau­ge­bie­ten in Deutsch­land. Und dann … hat das Pro­jekt seine Zu­kunft be­reits hin­ter sich.

2006 Pa­pier ist out, je­den­falls für die neue Ver­lags­spar­te »E-Books«. Die di­gi­ta­le Schwes­ter der Print­pro­duk­te lässt sich be­quem aufs Smart­pho­ne laden, ist mit kom­for­ta­blen Such­funk­tio­nen aus­ge­stat­tet und bie­tet die Mög­lich­keit, In­ter­net­adres­sen un­mit­tel­bar zu öff­nen, Te­le­fon­num­mern di­rekt an­zu­wäh­len und sich den Stand­ort von Se­hens­wür­dig­kei­ten so­fort auf einer Karte an­zei­gen zu las­sen. High­tech ohne Ende also. Und das Buch? … wird auch diese Re­vo­lu­ti­on über­ste­hen.

2009 Jetzt wird’s ernst: Wan­dern ex­klu­siv in einem ei­ge­nen For­mat mit min­des­tens 35 Tou­ren pro Titel, GPS-ba­sier­ten Ein­zel­kar­ten, einem Über­sichts­plan, Weg-Zeit-Höhen-Dia­gram­men und vie­len In­for­ma­tio­nen rund um die Wan­der­ge­bie­te. Sons­ti­ge Merk­ma­le: super-fle­xi­bel ge­bun­den und ex­trem ho­sen­ta­schen­taug­lich.