Top Ten

Teil 17: Thüringen

oder "Indian Summer" made in Germany

Natürlich, Luther! Vor 500 Jahren haben seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel die Weltgeschichte verändert und die Reformation angestoßen. Klar, dass der Mann hinter dieser Tat gerade 2017 die Hauptfigur schlechthin ist, allen voran in Thüringen. Was das vielleicht unterschätzte Bundesland sonst zu bieten hat – darunter ein deutscher Urwald im Spätsommer, gaumenselige Klöße, eine Bobbahn für Adrenalin-Junkies und eine Wellnessoase für schwerelosen Badegenuss mit Walgesängen –, stellt Heidi Schmitt, Autorin unserer Erstauflage »Thüringen«, spannend und unterhaltsam vor.


Thüringen – Heidi Schmitts Top Ten

Auf Luthers Spuren: Von der Wartburg bis nach Altenburg

Hinter den Mauern der Wartburg bei Eisenach übersetzte Martin Luther das Neue Testament (Foto: Heidi Schmitt)
Hinter den Mauern der Wartburg bei Eisenach übersetzte Martin Luther das Neue Testament (Foto: Heidi Schmitt)

Ein Gewitter in der Nähe von Erfurt ist an allem schuld: Als ihn ein Blitz knapp verfehlte, schwor der junge Erfurter Jurastudent Martin Luther, Mönch zu werden. Ein Granitblock markiert heute den legendären Ort bei Stotternheim. Den Gedenkstein muss man nicht unbedingt gesehen haben, wohl aber die Stadt Erfurt. Dort im Augustinerkloster erhielt Luther das Rüstzeug, das ihn für eine Erneuerung der Kirche eintreten ließ. Zu sehen sind Luthers Kloster-Zelle und der Kapitelsaal, wo seine Aufnahme in den Orden gefeiert wurde.
Apropos: Thüringen ist reich an Lutherstätten und diese haben sich für das Lutherjahr 2017 zum 500-jährigen Reformationsjubiläum herausgeputzt. Im frisch renovierten Lutherhaus in Eisenach geht man durch Räume, in denen Luther als Kind wohnte. Die interaktive Ausstellung befasst sich mit der Bibelübersetzung, die Luther mit der Übertragung des Neuen Testaments ins Deutsche auf der Wartburg in Angriff nahm. Auf die berühmte Burg ließ sein Schutzherr Kurfürst Friedrich der Weise den mit päpstlichem Bann und kaiserlicher Reichsacht belegten Luther 1521 zum Schein entführen. Ein Bild von Lucas Cranach d. Ä. in der Lutherstube zeigt den Reformator als »Junker Jörg«: Wallendes Haupthaar und Bart hatte sich der Mönch wachsen lassen, und er übte sich im Reiten und Fechten, um sein Inkognito hieb- und stichfest zu machen.
Das romantische Fachwerkstädtchen Schmalkalden rückte auf die politische Weltbühne der Renaissance, als sich dort der Schmalkaldische Bund gründete. Luther veröffentlichte dort seine »Schmalkaldischen Artikel«, und er predigte in der Stadtkirche St. Georg. Das Lutherhaus in Schmalkalden trägt eine Stucktafel mit dem Schwan, Sinnbild für Martin Luther, der über die rote Teufelsfratze siegt.
Luther reiste damals nicht so bequem wie wir heute. Oft wanderte er zu Fuß durchs Thüringer Land. Der Lutherwanderweg mit seinen unzähligen Verästelungen führt ganz entschleunigt zu den Lutherstätten wie Altenburg, wo er seinen Wegbegleiter Spalatin besuchte, nach Gotha, wo Luther sein erstes Testament diktierte, oder Jena, wo in den Zeitwirren die originale Grabplatte des Reformators »hängengeblieben« ist.
Das Bild, das wir von Luther haben, wurde entscheidend geprägt von dem Wittenberger Maler Lucas Cranach d. Ä. und seiner Werkstatt. Deshalb sollten Luther-Reisende auf keinen Fall versäumen, sich die hochkarätige Cranach-Sammlung im Weimarer Stadtschloss anzuschauen oder einen Moment vor den Cranach-Altären in der Weimarer Herderkirche und der Stadtkirche in Neustadt an der Orla zu verweilen.
Informationen gibt es unter anderem unter www.lutherland-thueringen.de und www.lutherweg.de.


Natur pur: Nationalpark Hainich – einer der letzten Urwälder Deutschlands

Auf dem Baumkronenpfad kann man dem Nationalpark Hainich »aufs Dach steigen« (Foto: Heidi Schmitt)
Auf dem Baumkronenpfad kann man dem Nationalpark Hainich »aufs Dach steigen« (Foto: Heidi Schmitt)

Das »grüne Herz Deutschlands« wird Thüringen genannt. Und in der Tat ist grün die vorherrschende Farbe. Einen der letzten zusammenhängenden Buchenurwälder Deutschlands kann man im Nationalpark Hainich kennenlernen. Der urwüchsigen Natur kam der Umstand zugute, dass große Bereiche des Waldes jahrzehntelang militärisches Sperrgebiet waren und kaum betreten wurden.
Seit 1997 ist der Hainich Nationalpark und seit 2011 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Wildnis ist ein Rückzugsraum vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Unter anderem konnte hier die scheue Wildkatze wieder heimisch werden, aber auch Feuersalamander, Gelbbauchunke und Fledermäuse finden geeignete Lebensräume. In einem naturnahen Gehege im Wildkatzendorf Hütscheroda kann man einige dieser Tiere beobachten. Das lohnt sich besonders bei den von Rangern moderierten Schaufütterungen. Sobald es etwas zu fressen gibt, werden die Katzen nämlich putzmunter, schleichen sich an und machen meterhohe Luftsprünge, um ihre Beute zu erhaschen.
Eine besondere Attraktion im Hainich ist der Baumkronenpfad. Ein Aussichtsturm und ein barrierefrei zugänglicher, 530 Meter langer Steg führen die Besucher in luftiger Höhe an das Ökosystem der Baumkronen heran. Hier kann man dem Urwald im wahrsten Sinn des Wortes »aufs Dach steigen«.
Zuletzt: Herrliche Wander- und Fahrradwege erschließen den Hainich, der historische Sehenswürdigkeiten wie die mindestens 800 Jahre alte Betteleiche beherbergt. Besonders schön ist der Hainich zudem im Frühjahr und Herbst: Im März und April marschiert man durch weiße Frühblüherteppiche, ab September erlebt man unter dem goldenen Blätterdach einen »Indian Summer« made in Thüringen.


Shows aus Feuer und Musik

Im Theater- und Musikland Thüringen ziehen auch regelmäßige Festivals ihr Publikum an. Ein faszinierendes Feuerschauspiel findet 2017 wieder in der Drei-Gleichen-Region statt. Drei Landgrafenburgen aus dem 8. und 11. Jahrhundert, die auf drei Bergkegeln thronen, prägen die Landschaft südöstlich von Gotha. Das Festival »Drei(n)schlag« erinnert an den sagenhaften Einschlag eines Kugelblitzes, der im Jahr 1231 die Drei Gleichen unter Feuer gesetzt haben soll.
Am Samstag, 19. August 2017, um 19.30 Uhr spielt die Thüringen Philharmonie zum Auftakt des Festivals auf der Bühne des Guts Ringhofen Klassiker der internationalen Filmmusik. Anschließend erhalten die Besucher mittelalterliches Geleit, um zum Aussichtsplatz »Brunnquell« zu gelangen. Ab etwa 22.15 Uhr startet das große, halbstündige Burgenfeuerwerk »Drei(n)schlag«, bei dem die Drei Gleichen in einer pyrotechnischen Show erstrahlen.
Ein ebenfalls sehr beliebter Event, diesmal am Hohenwartestausee der Saalekaskade, ist die Veranstaltung »Stausee in Flammen«. Besonders schön, aber auch heiß begehrt ist es, das musikalisch untermalte Feuerwerksspektakel vom Schiff aus zu beobachten. (Termin 2017: 22. Juli.)
www.dreinschlag-drei-gleichen.de, www.fahrgastschiffahrt-hohenwarte.de.


Wandern: Unterwegs auf dem Rennsteig

»Stiefeldenkmal« am Rennsteig (Foto: Heidi Schmitt)
»Stiefeldenkmal« am Rennsteig (Foto: Heidi Schmitt)

Das Rennsteiglied von Herbert Roth ist nicht nur unter Wanderfreunden ein bekannter Ohrwurm. Es wurde so populär, dass es zu Thüringens heimlicher Hymne avancierte und bei vielen Anlässen gesungen wird. Was ist also dran am Rennsteig, dem historischen Kammweg auf den Höhen von Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald?
Nun, etwa 100.000 Wanderer zieht es alljährlich auf die 169,3 km lange Strecke. Doch, keine Angst: Trotz seiner Beliebtheit findet man noch Bergeinsamkeit und Ruhe, vor allem aber einzigartige Natur. Wer auf der Spur des weißen »R« von Hörschel bei Eisenach bis Blankenstein an der Saale wandert, muss mindestens 44 Stunden reine Gehzeit einplanen, die traditionell in sechs Etappen eingeteilt werden. Dazwischen liegen endlose Misch- und Nadelwälder, blühende Bergwiesen, farnbestandene tiefe Schluchten und großartige Ausblicke. Und sportliche Herausforderungen: Die höchsten Erhebungen, die der Rennsteig überschreitet, sind der Große Inselsberg (916 m), der Große Beerberg (983 m) und der Schneekopf (978 m). Etwa 4500 zu steigende Höhenmeter kommen da zusammen. Besonders sehenswert sind die Drachenschlucht bei Eisenach, der felsengesäumte Bergsee Ebertswiese bei Floh-Seligenthal und der Rennsteiggarten in Oberhof.
Natürlich muss man den Rennsteig nicht in voller Länge abwandern, auch auf Einzelabschnitten spürt man den Mythos. Der Geschichte des 1330 erstmals erwähnten Amtsbotenweges auf der Spur ist man zum Beispiel auf dem »Schönwappenweg« zwischen Lehesten (Thüringen) und Steinbach am Wald (Bayern). Hier sind die historischen Grenzsteine, die einst die herzoglichen Territorien markierten, besonders zahlreich.
Der Rennsteig bietet hervorragende Infrastruktur mit bester Markierung, Schutzhütten, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten. Im Volksmund wird die faszinierende Wegstrecke deshalb »Kümmeläquator« genannt: nördlich davon wird die Thüringer Bratwurst nämlich mit Kümmel gewürzt, südlich des Rennsteigs verwendet man diese Zutat nicht. Gutes Schuhwerk ist beim Wandern über Stock und Stein jedenfalls geboten. Und wetterfeste Bekleidung, denn auf dem Mittelgebirgskamm sind Wind, Regen und Nebel sowie kühle Temperaturen keine Seltenheit. Na denn: »Gut Runst!« – wie sich die Wanderer am Rennsteig grüßen.
(Drei Wanderungen auf dem Rennsteig sind im »Kleinen Wanderführer« des Thüringen-Bandes von Heidi Schmitt zu finden.)
www.rennsteig.de, www.thueringer-wald.com.


Übernachten: Im schwimmenden »Dorf« an der alten Ölmühle

Im schwimmenden Hüttendorf an der Ölmühle Eberstedt wird man sanft in den Schlaf geschaukelt (Foto: Heidi Schmitt)
Im schwimmenden Hüttendorf an der Ölmühle Eberstedt wird man sanft in den Schlaf geschaukelt (Foto: Heidi Schmitt)

Auf der Suche nach außergewöhnlichen Unterkünften bin ich in der historischen Mühle in Eberstedt bei Bad Sulza gelandet. Die alte Ölmühle von 1906 an der Ilm ist nach umfassender Sanierung ein feines, kleines Landhotel geworden, das – eingebettet in ein wunderbares Naturambiente – nicht nur Radler und Wanderer schätzen. Das Wasserrad produziert heute Strom, treibt aber auch die Mühle an, in der hochwertige Speise- und Kosmetiköle hergestellt werden. Übernachten kann man in liebevoll dekorierten Zimmern wie »Müllers Ruh« oder »Zwickmühle« oder in einer der vier gemütlichen Ferienwohnungen.
Für Gruppen und Familien gibt es am Mühlenteich etwas Besonderes: das schwimmende Hüttendorf. In den sechs mit einem Steg verbundenen Häuschen schläft man in Stockbetten, während das Wasser gluckst und die Hütten sanft schaukeln. Enten entbieten ihren schnatternden Morgengruß, bevor man im Sanitärgebäude »an Land« wieder festen Boden unter die Füße bekommt. Hier putzt man die Zähne neben den Gästen der ebenfalls zu mietenden Schäferwagen oder den Wohnmobilisten, die nebenan auf einer großen Wiese campieren.
Beim umfangreichen Büfett im schönen Frühstücksraum treffen sich Hotelgäste und Hüttendorfbewohner. Tagsüber und abends gibt es in der urigen Mühlenschänke leckere Thüringer Spezialitäten. Im Biergarten mit Grillhütte werden Bratwürste, Rostbrätel und Forellen gebrutzelt.
DZ ab 80 € inkl. Frühstück, Hüttendorf ab 38 € inkl. Frühstück, Dorfstraße 28-29, 99518 Eberstedt, Tel. 036461/87463, www.oelmuehle-eberstedt.de.


Essen: Thüringer Klöße – am besten handgemacht

Handgemacht ein Traum – Thüringer Klöße (Foto: Heidi Schmitt)
Handgemacht ein Traum – Thüringer Klöße (Foto: Heidi Schmitt)

Sie sind rund, dampfen vor Glück und haben geröstete Semmelbröckchen dort, wo andere das Herz haben. An Thüringer Klößen kommt in Thüringen keiner vorbei, und das ist auch gut so!
Obwohl ich ja aus Coburg komme (das 1919 aus dem Herzogtum Coburg-Sachsen-Gotha nach Bayern wechselte), bin ich mit Thüringer Klößen aufgewachsen. Das hieß: Sonntag war Kloßtag; das forderte die Mitarbeit der ganzen Familie. Kartoffeln reiben, das Wasser aus dem rohen Mus pressen und dann mit heißem Kartoffelbrei überbrühen (Verhältnis 2 zu 1), schließlich die Finger verbrennen beim Klöße-Formen und heißhungrig zuschauen, wie die Klöße in leise köchelndem Wasser ziehen.
Auch in Thüringen schwimmen sonntags Legionen der Kartoffel-Rundlinge in den Töpfen, getreu dem hier geprägten Sprichwort: »Ein Sonntag ohne Klöße verlöre sehr an seiner Größe«. Dank vorgefertigtem Kloßteig unter anderem aus der Kloßwelt in Heichelheim gibt’s heute tagtäglich in eigentlich jeder Gaststätte die kugeligen Beilagen. Es liegt mir fern, das zu kritisieren, denn Kloß› mit Soß‹ oder mit Rouladen und Braten schmeckt einfach immer.
Besonders löblich und geschmacklich eine Offenbarung sind aber die ganz traditionell hergestellten Klöße, wie sie zum Beispiel im Gasthaus Rodelklause in Ilmenau auf den Tisch kommen. Sie sind so zart, dass sie sich ohne Probleme bei der Fahrt auf der neben dem Restaurant gelegenen Ganzjahres-Rodelbahn mit in die Kurve legen würden – wenn man denn nach dem Mittagsmahl noch auf das Rodelgerät passt.
Gasthaus Rodelklause: Mi-So ab 11 Uhr, Steinstr. 61, Tel. 03677/884057, www.rodelklause.de.
Freizeit- und Rennschlittenbahn, Di-Do 9-12.30 Uhr und 14-17 Uhr, Fr 9-12.30 Uhr, Sa/So 14-17 Uhr, Steinstr. 61, 1 € pro Fahrt, www.ilmenau.de.


Einkaufen: Kunst und feine Leckereien auf der Erfurter Krämerbrücke

Einkaufen und Genießen auf der mittelalterlichen Krämerbrücke in Erfurt (Foto: Heidi Schmitt)
Einkaufen und Genießen auf der mittelalterlichen Krämerbrücke in Erfurt (Foto: Heidi Schmitt)

Was Florenz sein Ponte Vecchio ist Erfurt seine Krämerbrücke. Seit dem Mittelalter spannt sich die Krämerbrücke über den Breitstrom, einen Seitenarm der Gera. Die Händler nutzten den regen Handelsverkehr auf der Via Regia und bauten ihre Häuser direkt auf die Brücke. Heute schieben sich die Touristenströme über die wie eine schmale Gasse wirkende Brücke zwischen Benediktsplatz und Wenigmarkt. Nicht selten liegt ein wenig Straßenmusik in der Luft.
Wer das Getümmel nicht scheut, kann sich auf feine Leckereien und hübsches Kunsthandwerk freuen. Lauschaer Glas kann man ebenso erstehen wie handgefertigte Goldschmiedearbeiten und Produkte für Linkshänder. Die Buchhandlung Tintenherz bietet ein breites Sortiment an Kinderbüchern, während Hobbykünstler bei Apis Colori das berühmte Erfurter Blau, den Naturfarbstoff aus der Waidpflanze, sowie andere Pigmente finden. Bunt geht es zu in den verspielten Bildern der Künstlerin Beate Kister, deren Atelier Kleinformat ein sehenswerter Winzling ist. Erfurter Spezialitäten von Senf bis Kräuterlikör bietet der Thüringer Spezialitätenmarkt.
Wer das lebhafte Treiben genüsslich beobachten will, erobert sich einen der begehrten Außenplätze im Bistro Mundlandung. Wer einfach nur eine kleine Erfrischung braucht, dem sei ein Eis beim Chocolatier Goldhelm empfohlen. Und für zuhause findet sich in der gut sortierten Weinhandlung L’Escargot noch ein feines Tröpfchen aus den Saale-Unstrut-Anbaugebieten.
Last, not least lockt das Krämerbrückenfest, ein wimmeliges Mittelalter-Spektakel, im Juni tausende Besucher an.


Pures Adrenalin: Durch die Eisröhre in Oberhof

Vergnügen für Mutige – im Sommerbob durch die Bobbahn in Oberhof (Foto: Oberhof Sportstätten GmbH)
Vergnügen für Mutige – im Sommerbob durch die Bobbahn in Oberhof (Foto: Oberhof Sportstätten GmbH)

Von wegen beschaulich! Thüringen hat auch für Adrenalin-Junkies Atemberaubendes zu bieten. In Oberhof im Thüringer Wald trainiert und fightet nicht nur die Weltelite des Wintersports, hier dürfen auch Gäste an ihre Grenzen gehen.
In der winterlichen Eiszeit kann man sich im Schlauchboot in 14 Kurven der Rennschlitten- und Bobbahn stürzen und dabei Fliehkräfte von 1 bis 2 G erleben. Beim »Bobfahren mit Weltmeistern« kann es schon mal sein, dass Weltmeister Maximilian Arndt oder ein anderer Top-Athlet den Viererbob steuert. Auch der Sommerbob mit Rädern bietet Nervenkitzel pur. Bis zu 75 km/h und ein Gefälle von maximal 9,2 Prozent sind nichts für Weicheier.
Alle Termine und Voranmeldung unter: www.bob-icerafting.de.


Ein bisschen DDR: Kalter Krieg, Ostalgie und Plattenbau

»Little Berlin« – Mauer und Sperranlagen teilten das Dorf Mödlareuth in zwei Hälften (Foto: Heidi Schmitt)
»Little Berlin« – Mauer und Sperranlagen teilten das Dorf Mödlareuth in zwei Hälften (Foto: Heidi Schmitt)

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der deutschen Wiedervereinigung erinnert im modernen Thüringen nicht mehr allzu viel daran, dass das Land einmal zur DDR gehörte. Riesige Plattenbausiedlungen wie in Jena-Lobeda, manche Industriebrache auf dem flachen Land oder stillgelegte und monotone Landwirtschaftsflächen sind übrig geblieben. Wer die Zeit nicht selbst miterlebt hat, muss schon die Gedenkstätten besuchen, um sich die Drastik der Teilung wieder ins Bewusstsein zu rufen.
In Mödlareuth sind die Betonmauer und die Sperranlagen heute ein deutsch-deutsches Museum. So wird anschaulich, wie brutal das Dorf mit dem Spitznamen »Little Berlin« geteilt wurde und die Staatsmacht ganze Familien auseinanderriss. In der Gedenkstätte »Point Alpha« bei Geisa bekommt man noch heute Gänsehaut, wenn man versteht, wie hoch das Risiko des heißen Krieges hier am sogenannten »Fulda Gap« eine Zeit lang gewesen ist. An der Grenze zwischen Thüringen und Hessen lagen sich US-amerikanische GIs und DDR-Grenzsoldaten Aug' in Auge gegenüber. Wo einst Schießbefehl herrschte und sogar Splitterminen und Selbstschussanlagen die »Republikflucht« der DDR-Bürger verhindern sollten, kann man heute auf dem »Grünen Band« spazieren gehen.
Bei all dem Leid, das die DDR-Diktatur über die Bevölkerung gebracht hat, darf trotzdem auch ein bisschen Ostalgie ihren Raum haben. In Apolda zeigt die »Museumsbaracke Olle DDR« Erinnerungsstücke aus dem DDR-Alltag wie Sandmännchen und Trabbi, Honecker-Portrait und Wimpel. Eine Stippvisite in die Vergangenheit zum Schmunzeln und Nachdenken.
www.moedlareuth.de, www.pointalpha.com, www.olle-ddr.de.


Wellness: Schweben lernen mit Walgesängen im Ohr

Spektakulärer Dreiklang aus Wasser, Licht und Musik beim Liquid-Sound-Festival in der Toskana Therme Bad Sulza (Foto: Ortwin Klipp)
Spektakulärer Dreiklang aus Wasser, Licht und Musik beim Liquid-Sound-Festival in der Toskana Therme Bad Sulza (Foto: Ortwin Klipp)

Reisende auf dem Wellness-Trip finden in Thüringen zahlreiche schöne (Thermal-)Bäder, wo man gerne die Seele baumeln lässt und sich auf heiße und eiskalte Überraschungen freuen darf.
Fernweh wird in der mallorquinischen Sauna der Avenida-Therme Hohenfelden entspannt bekämpft. In Bad Klosterlausnitz regen farbig illuminierte Natron-Becken den Stoffwechsel an, wobei Badetextilien ohnehin meist in der Tasche bleiben können, denn hier wird im Regelfall hüllenlos gebadet. In der Friederiken-Therme Bad Langensalza lässt der Aufenthalt in der Kältekammer bei minus 110 Grad Celsius (!) Schmerzen vergessen; ein Vergnügen, das freilich nur 2 bis 3 Minuten dauern sollte …
Was mich wirklich beeindruckt hat, war der Besuch der Toskana Therme in Bad Sulza. Unter den Kuppeldächern wird Baden zum Erlebnis, bei Dunkelheit entfaltet sich ihr besonderer Charme. Farbe, Licht und Klang sorgen für sinnlichen Badegenuss. Im runden Pool des »Liquid Sound Tempels« können die Gäste bei klassischer Musik schweben lernen und erfahren, wie sich Walgesänge unter Wasser anhören. Oder man bleibt beim »Liquid-Sound-Festival« (nächster Termin: 3. und 4. November 2017) die ganze Nacht in der Therme, bis die Finger runzlig werden. Dafür erlebt man schwerelos vom Wasser aus eine Inszenierung aus elektronischer Musik und Feuer.
www.toskanaworld.net, liquidsound.com

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