Teil 51: Helsinki
Gemütliche Metropole und Saunaparadies
In der finnischen Hauptstadt Helsinki geht es ziemlich entspannt zu. Kein Wunder, dass die Finnen laut World Happiness Report 2025 das glücklichste Volk der Welt sind. Autor und Reisejournalist Detlef Dreßlein zieht es seit den 90er-Jahren regelmäßig in die Metropole an der Ostsee, ein Reiseführer zu Helsinki war für ihn eine Herzensangelegenheit. Jetzt ist der City-Guide frisch erschienen und bereichert unsere Städteführer-Reihe. Detlef Dreßleins Lieblingsorte in Helsinki finden Sie hier – und natürlich in unserem Reiseführer!
Detlefs Top Ten:
1. Der Dom: Erst Sightseeing, dann Leute gucken mit Meerblick auf der Treppe davor
In strahlendem Weiß erhebt sich der Dom von Helsinki über den Senatsplatz – klassizistisch, zurückhaltend, eher freundlich als monumental. Entworfen vom Berliner Carl Ludwig Engel (der im Übrigen fast die halbe Stadt plante und baute) und 1852 vollendet, prägt er das Stadtbild. Innen herrschen Schlichtheit und Ruhe, weiße Wände, wenig Schmuck. Fast ebenso sehenswert wie der Kirchenraum ist das Davor: Am besten setzt man sich auf die breiten Stufen der Domtreppe mit Blick Richtung Meer und beobachtet das bunte Treiben auf dem Senatsplatz.
2. Oodi: Bibliothek für alle
Oodi heißt offiziell »Helsinki Central Library«, ist aber so viel mehr als eine Bibliothek: Treffpunkt, Wohnzimmer, Kreativzentrum. Seit der Eröffnung 2018 kommen täglich rund 7.000 Menschen hierher – zum Lesen, Arbeiten, Spielen, Musizieren oder einfach zum Dasein. Die spektakuläre Holzarchitektur wirkt offen und umarmend, innen lebendig, aber nie laut. Drei Etagen strukturieren den Alltag: Begegnung unten, Kreativität in der Mitte, Ruhe und Bücher oben, samt Dachterrasse mit Blick auf Parlament und Platz. Man kann Instrumente leihen, drucken, nähen, kochen, Filme schauen – alles kostenlos. Oodi ist das Herz einer Stadt, die Gemeinschaft ernst nimmt.
3. Stockmann: Edel und stressfrei einkaufen
Stockmann ist nicht nur das größte Warenhaus Finnlands, sondern auch eines der größten Europas – und ein Beispiel dafür, wie Kaufhäuser eine Zukunft haben können. Innen ruhig, klar strukturiert und angenehm beleuchtet, bestens geeignet zum Schlendern, Staunen und Essen. Gegründet wurde es vom Lübecker Georg Franz Heinrich Stockmann; das heutige Haupthaus im nordischen Art-déco-Stil entstand 1930 an einer der belebtesten Ecken Helsinkis. Acht Etagen und ein lichtdurchflutetes Atrium machen das Gebäude bis heute zu einem Wahrzeichen, das die Helsinkier liebevoll »Stocka« nennen. Neben internationalen Marken überzeugt vor allem die Kulinarik – allen voran der Delikatessenmarkt Herkku.
4. Löyly: Schwitzen de luxe
Löyly bezeichnet den Dampf, der entsteht, wenn Wasser auf heiße Saunasteine trifft – die gleichnamige Sauna an der Hernesaarenranta steht für genau diesen Moment. Seit 2016 gehört der preisgekrönte Holzbau direkt am Meer zum touristischen Pflichtprogramm. Von den zwei Saunen aus, darunter eine klassische Rauchsauna, hat man direkten Zugang zur Ostsee: erst schwitzen, dann ein paar Schritte und rein ins Wasser. Danach geht es, frisch geduscht, hinauf auf die sonnenbeschienene Dachterrasse der Löyly Bar, einen gepflegten Drink in der Hand, Segelboote und Fähren im Blick. Helsinki at its best.
5. Die Sommer-Kioske: Treffpunkte der normalen Leute
Die meist gelb gestrichenen Kioske fallen auf. Die charmanten Holzbuden mit ihrem geschwungenen Dach gehören seit mehr als 80 Jahren zum Stadtbild, aber erst 2015 hauchte man ihnen neues Leben ein, nachdem sie vorher jahrzehntelang vor sich hingegammelt hatten. Fast an jedem lohnt sich ein Stopp für Eis, Wein oder Pizza – hier aber ganz besonders: im »Let Me Wine« (im Karhupuisto in Kallio), im »Jänö« (Museokatu 12) und in der »Bar Jugge« (gegenüber dem Designmuseum).
6. Brunnsparkenstranden: Promenieren zwischen Park und Meer
Am Brunnsparkenstranden zeigt sich Helsinki von seiner entspanntesten Seite. Vom Steg am Ullanlinnalaituri geht es auf einem vom Verkehr getrennten Weg direkt am Meer entlang, begleitet vom Plätschern der Ostsee und dem Kreischen der Möwen. Der Blick schweift über Segelboote und vorgelagerte Schären, dazwischen Bänke in der Sonne, kleine Cafés, Eiskioske. Nur ehrgeizige Jogger kreuzen mitunter den Weg. Ziel ist der Kompassitori, der Kompassplatz, markiert durch ein sternförmiges Mosaik. Ein Spaziergang ohne Eile – und genau deshalb so schön.
7. Festungsinsel Suomenlinna: Abenteuer mit Bootsfahrt innerhalb der Stadtgrenzen
Schon die Anfahrt ist Teil des Erlebnisses: In rund 15 Minuten gleitet die Fähre vom Hafen hinaus in die Schären, vorbei an Inseln, Booten und offener See, und der Blick zurück offenbart ein kleines Helsinki-Panorama vom Wasser aus. Dann liegt Suomenlinna vor einem, die historische Seefestung auf mehreren Inseln. Bastionen, Mauern, Tunnel und alte Kasernen erzählen von schwedischer und russischer Militärgeschichte, heute wirkt alles erstaunlich ruhig und grün. Man spaziert über die gut markierte Sightseeing-Route, blickt aufs Meer, macht Pause im Café Piper oder an einem der vielen Aussichtspunkte.
8. Café Kappeli: Die lebende Legende
Das Kappeli steht seit 1867 am Esplanadi und gehört zu den Konstanten der Stadt. An den hohen Fenstern sitzen ältere Damen beim Blaubeerkuchen mit Vanillesoße, Studenten mit Laptop oder Menschen, die einfach nur schauen wollen. Besonders begehrt sind die kleinen Erker mit ihren runden Tischen: gut abgeschirmt, mit Blick auf den Park und das Vorübergehen draußen. Schon Jean Sibelius war hier Stammgast. Heute ist es etwas touristischer, aber nie unangenehm.
9. Linnanmäki: Der Freizeitpark, den auch Erwachsene lieben
Linnanmäki, von den Helsinkiern schlicht »Lintsi« genannt, ist seit 1950 der wichtigste Freizeitpark des Landes. Ursprünglich als Attraktion für die Olympischen Spiele gedacht, wird er bis heute von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben – sämtliche Gewinne fließen in die finnische Kinderfürsorge. Mehr als 40 Fahrgeschäfte gibt es inzwischen, Herzstück ist die legendäre Holzachterbahn Vuoristorata von 1951. Sie wird noch immer von Bremsmeistern bedient, die im letzten Wagen stehen – eine fast ausgestorbene Technik.
10. Ateneum: Das Kunstmuseum ohne Allüren
Gegenüber dem Hauptbahnhof steht das Ateneum, 1887 erbaut als ehrgeiziges »Haus der Künste«. Lange war es zugleich Museum und Ausbildungsort, heute beherbergt es Finnlands wichtigste Sammlung klassischer Kunst. Über 4.000 Gemälde und Hunderte Skulpturen spannen den Bogen vom 18. Jahrhundert bis zur Moderne. Trotz dieser Bedeutung wirkt es unaufgeregt und zugänglich, die Räume hell und offen. Werke von Edelfelt, Gallen-Kallela, Schjerfbeck oder Simberg stehen neben van Gogh, Gauguin und Munch.
