Lesezeit: 1 minAbseits der Routen

Teil 51: Tschechien
Brünn, die Schöne im Schatten Prags

Diesmal geht es mit Gabriele Tröger und Michael Bussmann nach Brünn, in die zweitgrößte Stadt Tschechiens, in die es internationale Besucher eher selten verschlägt. Zu Unrecht, wie die beiden finden, denn die südmährische Metropole hat viel zu bieten: herausragende Architektur und spannende Museen, Kunst und Lokale für jeden Geschmack. Auch die Umgebung ist äußerst reizvoll, denn im Mährischen Karst verstecken sich spektakuläre Tropfsteinhöhlen, die besichtigt werden können. Wer nach der Lektüre Lust auf einen Urlaub in Südmähren bekommen hat, dem sei unser neu aufgelegter Tschechien-Reiseführer wärmstens empfohlen ...

Eine Frau mit kurzen, dunklen Haaren und roten Lippen lächelt in die Kamera. Sie trägt eine schwarze Trägertop und Sonnenbrille, die auf ihrem Kopf liegt. Im Hintergrund ist blaues Meer und ein Berg zu sehen, was auf einen Urlaub am Wasser hindeutet. Das Bild wirkt sonnig und fröhlich.
Autorin Gabriele Tröger
Ein Mann mittleren Alters mit brauner Haut trägt eine beige Mütze und blickt in die Kamera. Er befindet sich anscheinend auf einem Boot, wie der Teil des Schiffes im Vordergrund zeigt. Im Hintergrund ist ein tiefblaues Meer unter strahlendem blauem Himmel zu sehen. Das Bild vermittelt einen Eindruck von Urlaub und Entspannung.
Autor Michael Bussmann

Brno bzw. Brünn, die tschechische Second City, haben wir Freunden schon oft als Ziel für einen Städtetrip empfohlen. Und es gab keinen, der nicht begeistert zurückkam aus der südmährischen Metropole. Anders als Prag ist Brünn eine bis heute vom internationalen Tourismus wenig beachtete Perle. Verdammt attraktiv, aber im Abseits gelegen. Flüge aus Deutschland gibt es nicht, und die Anreise mit dem Zug hat es in sich – von Berlin beispielsweise ist man mindestens sieben Stunden unterwegs.

Brünner Altstadt – Foto: Gabriele Tröger
Brünner Altstadt – Foto: Gabriele Tröger

Wer es erstmal hin geschafft hat, erlebt eine entspannte Stadt ohne großes Touristengedöns, aber mit durchaus kosmopolitischem Antlitz. Denn Brünn gilt als Hightech-Herz des Landes und zieht auch viele internationale Unternehmen und Expats an. 396.000 Menschen leben mittlerweile in der Stadt, die vieles bietet. Schicke Weinbars (das mährische Weinanbaugebiet liegt vor der Tür) genauso wie Edellokale, rustikale Studentenkneipen und Craftbier-Schenken, in denen Hipster ihre Schnauzer im Gerstensaft baden – mit Preisen, von denen man in Berlin und anderswo nur träumen kann.

Das Alte Rathaus ist ein Hingucker in der Altstadt – Foto: Michael Bussmann
Das Alte Rathaus ist ein Hingucker in der Altstadt – Foto: Michael Bussmann

Was kann man angucken in Brno? Viel zu viel für ein Wochenende. Die eiförmige Altstadt ist von Prachtbauten und eindrucksvollen Kirchen durchsetzt, dazu gibt es spannende Museen und Sehenswürdigkeiten. Der Schatz des Mährischen Landesmuseum ist die „Venus von Věstonice“, eine handgroße Keramikfigur mit Hängebrüsten und ausladendem Hinterteil, die schon 25.000 Jahre auf dem Buckel hat. In der Kapuzinergruft begegnet man mumifizierten Mönchen mit aufgerissenen Mündern – ein Erlebnis mit Gruselfaktor. Auf einem Hügel thront die Burg Špilberk, deren Kasematten ein berüchtigtes Gefängnis waren. Tief darunter befindet sich ein Atomschutzbunker, in dem man heute übernachten kann. Dazu überraschen diverse Kunstmuseen und Galerien mit außergewöhnlichen Ausstellungen.

Die Jakobskirche ist eine von vielen schönen Kirchen im Zentrum Brnos – Foto: Gabriele Tröger
Die Jakobskirche ist eine von vielen schönen Kirchen im Zentrum Brnos – Foto: Gabriele Tröger

Außerhalb der Altstadt ist noch lange nicht Schluss. Dort steht die funktionalistische Villa Tugendhat, die auf den großen Mies van der Rohe zurückgeht und zwischen 1928 und 1930 entstand. So mancher Brünn-Besucher reist nur wegen diesem Gebäude an. Das Wohnzimmer, über 200 Quadratmeter groß und von einer Onyxwand unterteilt, rückt die eigenen Wohnverhältnisse in ein höchst bescheidenes Licht. Die Führungen durch das UNESCO-Welterbe sollten Sie Wochen bis Monate im Voraus buchen! In Brünn aber gibt es noch mehr architektonische Quertreiber, die die mutigen Ideen der Bauhausgeneration widerspiegeln, insbesondere auf dem Ausstellungsgelände, in den südlichen Vororten und auch im Stadtteil Černá Pole. Dort beweist die Kavárna Éra, dass die Funktionalisten auch Farben kannten – in dem Café mit seinem herausragenden Design kann man zudem hervorragend essen.

Highlight für Architekturfans: Kavárna Éra – Foto: Michael Bussmann
Highlight für Architekturfans: Kavárna Éra – Foto: Michael Bussmann

Jüngste Sehenswürdigkeit der Stadt und dazu ein echtes Spektakel für Architektur-Aficionados sind die restaurierten Wasserreservoirs auf dem Hügel Žlutý kopec. Sie wurden erst 2024 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die drei riesigen Reservoirs aus dem späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhundert haben etwas von Kathedralen im Untergrund: über sechs Meter hoch, mindestens 35 Meter breit und bis zu 55 Meter lang. Jeder Laut hallt über eine Minute nach.

Must-see: Die Wasserreservoirs auf dem Žlutý kopec – Foto: Gabriele Tröger
Must-see: Die Wasserreservoirs auf dem Žlutý kopec – Foto: Gabriele Tröger

Sie wollen auch mal raus aus der Stadt? Kein Problem, Brünn ist umgeben von reizvollen Ausflugszielen, die meisten davon sind leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Etwas über eine Stunde braucht der Bus ins 50 Kilometer südlich gelegene Kleinstädtchen Mikulov an der Grenze zu Österreich. Mikulov, das alte Nikolsburg, ist das Herz des mährischen Weinanbaugebiets, eine Puppenstube mit krummbuckeligen Gässchen, die sich um ein erhabenes Barockschloss schlängeln. Hier kann man sich durch die mährische Weinlandschaft trinken, die Qualität ist mittlerweile ausgesprochen gut.

Mikulov ist das Zentrum des mährischen Weinanbaugebiets – Foto: Gabriele Tröger
Mikulov ist das Zentrum des mährischen Weinanbaugebiets – Foto: Gabriele Tröger

Nördlich von Brünn erstreckt sich der Mährische Karst, der mit einigen spektakulären Tropfsteinhöhlen gesegnet ist. Größter Publikumsmagnet: die Punkva-Höhle, durch die Motorkähne auf einem unterirdischen Fluss fahren.

Tour durch die Punkva-Höhle – Foto: Michael Bussmann
Tour durch die Punkva-Höhle – Foto: Michael Bussmann

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