Roadtrip im Norden Thailands
Von Chiang Mai über Chiang Kham und Nan nach Chiang Khan
Sandra Dumur Wohlfart, die Autorin unseres Reiseführers Thailand – der Norden, nimmt Sie mit auf eine Reise durch Nordthailand: Sie führt zu den Highlights der Thai-Lue-Kultur, zum einzigen Tempel, in dem der Buddha auf dem Boden sitzt, über kurvige und bergige Straßen, die sich durch unberührte Natur schlängeln, bis zum Mekong, der Mutter aller Flüsse. Weiter geht es durch die Provinz Loei bis nach Phetchabun und anschließend durch die »Alpen Thailands« nach Phitsanulok und über Lampang zurück nach Chiang Mai.
Unser Roadtrip beginnt in Chiang Mai, von wo wir in die Berge Richtung Phayao fahren. Der gut ausgebaute Highway 118 mündet bei Mae Kachan in die Straße 120. Diese schlängelt sich entlang der Reisfelder bis zum Tad-Mok-Wasserfall, der nur in der Regenzeit wirklich Wasser führt. Dann steigt die Straße in Kurven an. Beim Gips-Dinosaurier auf der linken Seite gibt es Kaffee und eine grandiose Aussicht über Phayao. Anschließend geht es hinunter zum Kwan Phayao, dem viertgrößten Süßwassersee des Königreichs. Hier essen wir gemütlich zu Mittag und machen noch schnell eine Bootsfahrt zum Wat Tilok Aram, einem Schrein mitten auf dem See. Für eine Übernachtung bietet sich das Phuglong Hotel direkt am See an, mit Pool und schöner Aussicht. Gut essen kann man im Aurora Restaurant am Highway 1.
Weiter geht die Fahrt über Chiang Kham, einen unscheinbaren Ort in der Provinz Phayao, in dem der Wat Phra Nang Din liegt. Dieser Tempel ist berühmt für seine sitzende Buddha-Statue. Weil sie so schwer war und man keine Werkzeuge hatte, um sie hochzuheben, blieb die Statue nach ihrer Fertigstellung auf dem Boden sitzen, heißt es. Außerdem lohnt der Phu-Sang-Wasserfall einen Besuch, er wird von zwei heißen Quellen gespeist und lädt zum Baden ein. Übernachten kann man in der Chiang Kham Grand Villa. Gleich dahinter im Reisfeld gibt es ein Restaurant mit Livemusik und sehr gutem Thai Food.
Über die Straße 1148 geht die Fahrt weiter Richtung Nan. Sie führt durch wunderschöne Berglandschaften, und oft hat man das Gefühl, zu fliegen, so hoch ist man hier. Wir legen einen Stopp im Café Magic Mountain ein und genießen den Blick über die Karstlandschaft des Phu-Lanka-Nationalparks.
In Nan angekommen, checken wir ins Pukha Nanfa Hotel ein. Es ist in einem über hundertjährigen Teakholz-Haus untergebracht, hat gemütliche Zimmer und sehr gutes Frühstück. Wir erkunden die Stadt mit ihren schönen Tempeln, allen voran den Wat Phumin aus dem 12. Jh. Die Thai-Lue-Kultur ist in Nan allgegenwärtig, besonders schön sind die Wandmalereien der Tempel, die ein bisschen an naive Malerei erinnern. Die Thai Lue stammen aus der Region Yunnan in China. Sie immigrierten schon vor über 100 Jahren nach Thailand und haben sich überwiegend in der Region Nan niedergelassen und die Provinz maßgeblich mit ihrer Architektur und Kunst geprägt. Ihre Webarbeiten zählen zu den schönsten des Landes. Die traditionellen Häuser der Thai Lue kann man in Nong Bua besichtigen, hier steht auch ein schöner Tempel aus dem 20. Jh. mit eindrucksvollen Wandmalereien.
Am nächsten Tag bleiben wir noch in Nan und besuchen die Nan Riverside Art Gallery, eine sehr schöne Ausstellung ca. 10 km außerhalb. Außerdem lernen wir in der Chocolate Farm, wie man Schokolade macht, und widmen uns weiteren Tempeln der Stadt sowie dem Noble House, einem wunderschönen 150-jährigen Teakholz-Haus, in dem der frühere Herrscher der Provinz lebte.
Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf den Weg und fahren entlang der laotischen Grenze nach Chiang Khan. Wir zweigen südlich von Nan auf die Straße 1243 ab, und nach ein paar Kilometern führt sie durch Niemandsland. Eine Kurve nach der anderen, die Natur unberührt, es gibt keine Dörfer mehr, kein Mobilnetz, keinen Verkehr, nur noch immergrünen Dschungel. Auf einmal weist eine Tafel zu einem »Scenic Point«, wir hauen die Bremse rein und laufen zu einem schönen Aussichtsplateau. Die erste Menschenseele, die wir seit 80 km sehen, mäht hier gerade Rasen. Anschließend geht es die gut ausgebaute Straße wieder hinab, und nach knapp 6 Stunden inklusive Nudelsuppen-Stopp gelangen wir zur Mutter aller Flüsse, dem mächtigen Mekong, und fahren an den Auen entlang bis nach Chiang Khan. Wir übernachten im The Old Chiang Khan, der einstigen Residenz des Gouverneurs. Beim Bummel durch den Ort, der jeden Abend zu einer Walking Street wird und somit autofrei ist, finden wir eine nette Bar mit gutem Essen.
Am nächsten Morgen erkunden wir den gemütlichen Ort mit seinen gut erhaltenen Holzhäusern und Tempeln und fahren dann weiter durch die Provinz Loei. Sanft windet sich die Straße 21 durch die hügelige Landschaft. Wir fahren durch kleine Dörfer und kommen an einem riesigen Thermometer vorbei, ein Selfie-Hotspot für Thais, denn hier im Distrikt Phu Rua fallen und steigen die Temperaturen ins Extreme, und so wurden hier schon manche Kälte- und Hitzerekorde bei unter Null und weit über 40 Grad gemessen. Unser nächster Stopp ist der Wat Somdet Phu Ruea, ein buddhistischer Tempel mit wunderschönen Teakholz-Gebäuden, der auf einem kleinen Hügel am Anfang der Straße liegt, die zum Phu-Ruea-Nationalpark hinaufführt. Hier werden bedeutende Buddha-Figuren aufbewahrt, darunter auch ein liegender Buddha aus Jade. Von hier oben hat man außerdem einen schönen Ausblick in die Umgebung.
Weiter geht es zum Phu-Ruea-Nationalpark. Der Berg, der dem Nationalpark seinen Namen gibt, ist 1365 m hoch und gehört zu den kältesten Orten Thailands. Im Dezember und Januar können die Temperaturen hier unter den Gefrierpunkt fallen. Vom Gipfel aus hat man eine schöne Aussicht auf den Mekong und Laos. Im Nationalpark liegen zahlreiche Wasserfälle, von denen der Huai Phai mit 30 m der höchste ist.
Unser nächstes Ziel ist Phetchabun, die Tamarinden-Stadt. Die süßsauren Früchte sind hier allgegenwärtig. Abgepackt salzig und sauer, als Soße und Paste und in der Saison natürlich auch frisch. Wir übernachten im neuesten Hotel der Stadt, dem Livist Resort. Das fünfstöckige Gebäude hat ein vorzügliches Restaurant auf dem Dach. Die Deluxe-Zimmer haben eine Badewanne auf dem Balkon – perfekt zum Ausspannen.
Am nächsten Morgen schauen wir den Buddhist Park an. Hier steht die große Replik der hochverehrten Statue Phra Phuttha Maha Thammaracha. Sie ist aus reinem Messing gegossen, wiegt über 45 Tonnen, ist knapp 12 m breit und 16,5 m hoch. Sie wurde zu Ehren von König Bhumibol Adulyadej an seinem 84. Geburtstag am 5. Dezember 2011 aufgestellt.
Dann fahren wir weiter auf dem gut ausgebauten Highway Richtung Phitsanulok, wollen aber vorher im Khao-Kho-Nationalpark übernachten. Wir fahren die Straße 12 hoch durch die Berge und sehen auf der rechten Seite schon den Tempel Wat Phra Sorn Kaew mit seinen fünf miteinander verschmelzenden Buddha-Figuren. Die Pagode und der angrenzende Viharn sind mit über 5 Mio. Mosaikteilchen geschmückt. Es glitzert und glänzt überall, und irgendwie erinnert uns das Kunstwerk an eines von Salvador Dalí.
Hungrig geworden, kehren wir ein in das Fondue House an der Straße 12. Bei Daniel gibt es nicht nur Käsefondue, sondern auch Raclette und Olma-Bratwurst mit Rösti und vieles mehr. Anschließend geht es ins The Sense Resort, wunderschöne Bungalows mit Holzschindeln gedeckt und einer traumhaften Aussicht. Das Restaurant und die Bar sind perfekt ausgerichtet für einen Sundowner, und wir genießen Cocktails zur Happy Hour.
Am nächsten Morgen fahren wir nach dem sehr guten Frühstück weiter durch die sog. Alpen Thailands, sehen den Windpark und entdecken ein paar schöne Coffee Shops entlang der Straße. Dann führt unser Weg zurück auf den Highway 12, und wir fahren nach Phitsanulok, die geschäftige Provinzhauptstadt.
Die Innenstadt lassen wir heute mal an uns vorbeiziehen und checken ins Shinnabhura Historic Hotel ein. Die Zimmer sind im Lanna-Stil eingerichtet und mit Badewannen auf Metallfüßen ausgestattet. Das Restaurant bietet gutes Essen an, wir entschließen uns aber, heute Abend die kleine Jazzbar vor dem Hotel auszuprobieren: sehr gutes Thai-Essen und eine geniale Band – ein paar Tänzchen später gehen wir zufrieden ins Bett.
Am nächsten Tag geht es weiter nach Lampang, unserem letzten Etappenziel. Dort beziehen wir ein Zimmer bei Lorenza im Riverside Guesthouse mitten in der Altstadt. Heute ist Samstag, und wir laufen abends über die Walking Street und genießen die Atmosphäre, bewundern die Häuser im Kolonialstil, schnabulieren hier und da ein bisschen Streetfood und kaufen ein paar außergewöhnliche Dinge.
Nach dem exzellenten Frühstück im Riverside absolvieren wir noch das Pflichtprogramm, diesmal in der Droschke. Wir traben zum Baan Louis, dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus des Sohnes von Anna Leonowens (Autorin der Romanvorlage für den Film »The King and I«), und zu den umliegenden Tempeln, essen zu Mittag bei Madame Musur und verlassen dann Lampang, um wieder zurück Richtung Chiang Mai zu fahren.
