Reiseführer Lesbos

Thomas Schröder

Unterwegs mit Thomas Schröder

Portrait Thomas SchröderZu­erst war es nur eine klei­ne Wolke im Wes­ten. Kein Grund zur Panik, auch wenn wir mit Mo­tor­rä­dern un­ter­wegs waren und an­ge­sichts des strah­len­den Sep­tem­ber­wet­ters beim Auf­bruch auf Re­gen­klei­dung ver­zich­ten hat­ten – der erste Feh­ler. Als dann der Him­mel immer schwär­zer wurde, be­schlos­sen wir, doch lie­ber auf di­rek­tem Wege zur Un­ter­kunft zu­rück­zu­keh­ren. »Di­rekt« be­deu­te­te in die­sem Fall eine uns bis­lang un­be­kann­te Erd­pis­te – der zwei­te Feh­ler. Zehn Mi­nu­ten spä­ter brach das Ge­wit­ter los. Blit­ze zuck­ten, Don­ner krach­te, es goss in Strö­men. In Win­des­ei­le ver­wan­del­te sich die an­fangs so harm­los er­schei­nen­de Piste in roten Schlamm, glit­schig wie Schmier­sei­fe. In jeder Kurve, an jeder win­zi­gen An­hö­he rutsch­ten die Hin­ter­rä­der weg. Ob­wohl noch früh am Nach­mit­tag, war es fast stock­dun­kel ge­wor­den. Ab­zwei­gung folg­te auf Ab­zwei­gung, na­tür­lich kein Schild weit und breit, also immer der Haupt­rich­tung nach und das Beste hof­fen. Nach einer ge­fühl­ten Ewig­keit (tat­säch­lich war es wohl kaum eine St­un­de) er­reich­ten wir bei Agía Pa­ras­ke­ví wie­der ret­ten­den As­phalt. Patsch­nass und vor Kälte zit­ternd, hat­ten wir jetzt noch 30 Ki­lo­me­ter über die Berge vor uns. End­lich in der Ho­tel­lob­by an­ge­langt, hin­ter­ließ jeder Schritt eine Pfüt­ze. Eine heiße Du­sche spä­ter waren wir wie­der an­sprech­bar – und uns einig: Lés­bos kann ganz schön wild sein …