Reiseführer Gardasee

Eberhard Fohrer

Unterwegs mit Eberhard Fohrer

Portrait Eberhard FohrerAls klei­ner Junge ver­reis­te ich jeden Som­mer mit mei­nen El­tern – jedes Jahr zum sel­ben Ziel, einem klei­nen See in Kärn­ten. Acht Jahre hin­ter­ein­an­der in die­sel­be Pen­si­on, jedes Jahr die­sel­ben Un­ter­neh­mun­gen, die­sel­ben Re­stau­rants, das­sel­be höl­zer­ne Ba­de­haus am Ost­ufer. Schön war’s trotz­dem jedes Mal und ich konn­te mir nichts an­de­res vor­stel­len. Dann im neun­ten Jahr ge­schah es – wir fuh­ren zum Gar­da­see! Der See war rie­sig, die Men­schen re­de­ten un­ver­ständ­lich, Bur­gen stan­den am Ufer, man konn­te mit dem Schiff fah­ren, pral­le Zi­tro­nen wur­den ver­kauft, es gab Pizza und Spa­ghet­ti.
Als Kind wurde der Gar­da­see so für mich zum In­be­griff des Neuen und An­ders­ar­ti­gen. Heute kann ich dar­über schmun­zeln und si­cher­lich hat der Süden sei­nen exo­ti­schen Reiz ein­ge­büßt, der in den sech­zi­ger und sieb­zi­ger Jah­ren die Deut­schen in Scha­ren zum »Lago« trieb. Und doch ist es für mich immer noch jedes Jahr aufs Neue groß­ar­tig, den fros­ti­gen Bren­ner­pass zu über­win­den, die wun­der­ba­re Ve­ge­ta­ti­on des Sü­dens zu er­le­ben, die silb­rig-grü­nen Oli­ven­bäu­me, die pral­len Wein­re­ben, die an­mu­tig-schlan­ken Zy­pres­sen und die üp­pi­gen Pal­men, dazu die ers­ten ita­lie­ni­schen Laute zu hören und die Wärme zu spü­ren – und dann end­lich ober­halb von Tor­bo­le das un­ver­gleich­li­che See­pan­ora­ma ge­nie­ßen zu kön­nen. Viele emp­fin­den so – und fah­ren des­halb Jahr für Jahr an »ihren« Gar­da­see, wo ihre klei­nen und gro­ßen Bam­bi­ni den schöns­ten See Ita­li­ens so gut ken­nen und lie­ben ler­nen kön­nen wie ich einst den klei­nen Kärnt­ner See. Ben­venu­ti al lago di Garda: Will­kom­men am Gar­da­see!