MM-Au­to­ren

»Der Köl­ner Dom ist die Blau­pau­se für den Ber­li­ner Flug­ha­fen.«

5 Fra­gen an Ro­bert Griess

»Wer Spaß ver­steht«, schrieb un­längst der Köl­ner Stadt-An­zei­ger, »kann das Buch auch als erst­klas­si­ges Stadt­mar­ke­ting sehen«. Ein Stadt­mar­ke­ting je­doch, das es noch nicht gibt. Denn Ka­ba­ret­tist Ro­bert Griess nimmt kein Blatt vor dem Mund und er­zählt, was Köln und die Köl­ner aus­macht. In un­se­rem News­let­ter ver­rät er, wo »seine« Stadt am meis­ten schil­lert, wel­che drei Stadt­tei­le man sehen soll­te, was Köln ohne den Dom wäre und für wen das sa­ti­ri­sche Hand­ge­päck ei­gent­lich ge­schrie­ben ist.


1. Der Köl­ner Stadt-An­zei­ger hat Sie ein­mal als »einen der schil­lernds­ten Cha­rak­te­re der deut­schen Ka­ba­rett-Szene« be­schrie­ben. Was schil­lert denn an Köln – außer dem Kar­ne­val und dem Dom?

Portrait Robert GriessAlles na­tür­lich! In Köln gibt es nur hopp oder topp – kein Mit­tel­maß, auch nicht im Ver­sa­gen. Der Dom mit sei­ner jahr­hun­der­te­lan­gen Bau­zeit ist die Blau­pau­se für alle Groß­bau­pro­jek­te der Neu­zeit: vom Ber­li­ner Flug­ha­fen bis Stutt­gart 21. 600 Jahre Ver­zö­ge­rung wer­den die nie hin­be­kom­men.
Au­ßer­dem wurde Köln von den Rö­mern ge­grün­det, als die Ger­ma­nen noch auf den Bäu­men hock­ten; ita­lie­ni­sche Sorg­lo­sig­keit ver­misch­te sich mit rhei­ni­scher In­kom­pe­tenz. Des­halb ist der Köl­ner so welt­of­fen, denn er weiß: Jeder Fort­schritt kam stets von Frem­den. Und Köln ist damit sehr gut ge­fah­ren. Heute ist Köln das Crys­tal Meth unter den Städ­ten – jeder, der mal da war, kommt nicht mehr von der Stadt los.


2. Sie haben einen sa­ti­ri­schen Rei­se­füh­rer über Köln ge­schrie­ben. Gibt es denn darin auch ganz hand­fes­te Tipps für Rei­sen­de – oder ist es eher ein Buch von einem Köl­ner für Köl­ner?

Die Sa­ti­re ist für Ein­hei­mi­sche, Neu-Köl­ner und Rei­sen­de glei­cher­ma­ßen ge­dacht. Warum? Das Herz­stück des Buchs be­schreibt eine Tour de Co­lo­gne, einen Zug durch die Ge­mein­de unter dem Motto »Wo ist Köln am Köl­sches­ten?«.
Gleich­zei­tig ist der Band aber auch eine Ein­füh­rung in die köl­sche Seele. Wo und wie lernt man am bes­ten Ein­hei­mi­sche ken­nen? Wel­che Lie­der muss man mit­sin­gen kön­nen? Was hat es mit dem un­kom­pli­zier­ten Sex an Kar­ne­val auf sich?
Zu­sätz­lich lie­fe­re ich einen köl­schen Kar­rie­re­be­ra­ter: den Crash-Kurs »Klün­geln für An­fän­ger« und »Klün­geln für Fort­ge­schrit­te­ne«. Und für alle Alt-Ein­ge­ses­se­nen kom­men­tiert Herr Stap­per seine Er­fah­run­gen, sei­nes Zei­chens ech­ter köl­scher Asi-Adel in 12. Ge­ne­ra­ti­on.
Egal also, ob Immi oder Ur-Köl­ner, ob Rei­sen­der oder Aus­tausch-Stu­dent: Jeder lernt hier die Stadt aus un­ge­wohn­ter Per­spek­ti­ve noch mal ganz neu ken­nen.


3. Was ist die her­vor­ste­chends­te Cha­rak­ter­ei­gen­schaft der Köl­ner?

Groß­zü­gig­keit. Es gibt kaum ein groß­zü­gi­ge­res Völk­chen als die Je­cken vom Rhein. Vor allem groß­zü­gig gegen sich selbst, so­wohl was Selbst­be­die­nung als auch den Um­gang mit der Wahr­heit an­geht. So be­singt sich keine an­de­re Stadt so oft und so groß­zü­gig selbst. Ge­fühlt zwei Mil­lio­nen Lie­der exis­tie­ren über Köln. Zum Ver­gleich: Bochum hat nur eines.
Doch Köl­ner sind auch groß­zü­gig ge­gen­über dem Rest der Welt. Sie tei­len alles mit den Zu­ge­reis­ten: Kar­ne­val, den Dom, sogar ihre Ge­dan­ken tei­len die Köl­ner be­reits im Mo­ment des Ent­ste­hens ihren Mit­men­schen mit, manch­mal sogar noch frü­her. Dabei lie­ben die Köl­ner die Frem­den wirk­lich. Denn jeder Zu­ge­reis­te ist ihnen Be­weis dafür, dass sie tat­säch­lich in der schöns­ten Stadt der Welt leben.


4. Wel­che drei Köl­ner Stadt­tei­le ge­fal­len Ihnen per­sön­lich am bes­ten? Sind das auch Stadt­tei­le, in die man als Rei­sen­der gehen soll­te?

Sülz. Be­ver­ly Sülz. Hier leben die glück­lichs­ten Men­schen der Welt. Nir­gends gibt es so viele Psy­cho­lo­gen, Power-Pi­la­tes-Zen­tren und Yoga-Schu­len wie hier. Der FC hat hier sein Trai­nings­zen­trum, und es gibt sogar einen Wald­kin­der­gar­ten. Wal­dorf kann jeder, aber ein Wald­kin­der­gar­ten in der Stadt, hey! Der Prenz­lau­er Berg von Köln.
Dann Eh­ren­feld. Der Stadt­teil des gro­ßen Ne­ben­ein­an­ders: alte In­dus­trie und neue Wohn­ge­bie­te, in­ter­na­tio­na­les Flair-, Ar­bei­ter- und Stu­den­ten­stadt­teil mit un­zäh­li­gen Clubs, Thea­tern, Kn­ei­pen …
Meine Num­mer drei ist Mül­heim. Hier wird ge­ra­de un­heim­lich gen­tri­fi­ziert: Schau­spiel­haus, Radio- und TV-Stu­di­os, Kon­zert­hal­len, Klet­ter­hal­len, Er­leb­nis­gas­tro­no­mie – alles in ehe­ma­li­gen Fa­brik­hal­len. Dazu viele Hips­ter, die nach Mül­heim zie­hen, weil es noch be­zahl­bar ist. Dann die tür­ki­sche Com­mu­ni­ty in der Keup­st­ra­ße und die ein­sturz­ge­fähr­de­te Mül­hei­mer Brü­cke: Jeder soll­te diese Orte be­su­chen, so­lan­ge es noch geht … Zumal die Le­ver­ku­se­ner Brü­cke auch ma­ro­de ist. Die Deut­zer Brü­cke wird dem­nächst eben­falls ge­prüft. Vi­el­leicht gibt es bald nur noch Fähr­ver­kehr über den Rhein.


5. Letz­te Frage: Stel­len Sie sich vor, der Dom wäre weg. Wäre dann Köln noch Köln?

Klar, wir haben ja noch den FC!

Gibt es eine Frage, die Sie einem (be­stimm­ten) Rei­se­buch­au­tor schon immer stel­len woll­ten? Dann schrei­ben Sie doch eine kurze Nach­richt an (Be­treff: 5 Fra­gen, 5 Ant­wor­ten)! Wir be­rück­sich­ti­gen Ihre Vor­schlä­ge gerne!