Rei­se­re­por­ta­ge

Völ­ker­wan­de­rung in die Dör­fer
oder Das grie­chi­sche Os­ter­fest

Ein Ar­ti­kel un­se­rer Casa-Feria-Mit­ar­bei­te­rin Luisa Schu­sch­nigg.


In der Tos­ka­na sind neben un­se­rem bis­he­ri­gen Kern­ge­biet an der etrus­ki­schen Küste wei­te­re Un­ter­künf­te in der Ver­si­lia sowie in der Ma­rem­ma hin­zu­ge­kom­men. Auch auf Kreta kön­nen wir, dank un­se­rer neuen Mit­ar­bei­te­rin Luisa Schu­sch­nigg, ei­ni­ge reiz­vol­le Un­ter­künf­te im Süden der Insel an­bie­ten. In Bälde wer­den au­ßer­dem die ers­ten Ob­jek­te auf Sar­di­ni­en on­line ge­stellt wer­den. Wenn Sie also für die Os­ter­fe­ri­en noch ein ro­man­ti­sches Häu­schen oder ein stil­vol­les Land­gut su­chen, soll­ten Sie mög­lichst bald bei Casa Feria vor­bei­schau­en. Noch gibt es freie Un­ter­künf­te! Möch­ten Sie al­ler­dings auf Kreta das grie­chi­sche Os­ter­fest er­le­ben, so kön­nen Sie sich noch ei­ni­ge Wo­chen län­ger Zeit las­sen. Warum das so ist und wie in einem kre­ti­schen Dorf das Os­ter­fest ge­fei­ert wird, das er­klärt Ihnen un­se­re neue Mit­ar­bei­te­rin Luisa Schu­sch­nigg.

Bald läu­ten auch heuer die Os­ter­glo­cken, vom Lärm der gleich­zei­tig ex­plo­die­ren­den Knall­kör­per und Pis­to­len­schüs­se be­glei­tet, un­über­hör­bar laut für alle, denn Os­tern ist den or­tho­do­xen Chris­ten das »Fest der Feste«, das wich­tigs­te Fest des Jah­res. Doch Glo­cken­ge­läu­te und Ge­knal­le ver­kün­den in der Os­ter­nacht nicht allen gläu­bi­gen Chris­ten der West- und Ost­kir­che die Au­fer­ste­hung Chris­ti. Manch­mal ist der Ter­min des Os­ter­fes­tes bei den Or­tho­do­xen erst eine Woche spä­ter, der längs­te Ab­stand be­trägt sogar fünf Wo­chen (das ge­schieht etwa alle drei bis vier Jahre). Die­ses Jahr fei­ern die Ka­tho­li­ken das Os­ter­fest be­reits we­ni­ge Tage nach der Tag­und­nacht­glei­che Ende März, wäh­rend in Grie­chen­land der Os­ter­sonn­tag auf den 1. Mai fällt. So man­cher Ur­lau­ber, der das Land des Lich­tes und der vie­len In­seln in sei­ner schöns­ten Jah­res­zeit, im Früh­ling, be­sucht, fühlt sich ver­wirrt. Warum die­ser zeit­li­che Un­ter­schied für das wich­tigs­te Fest des Jah­res, fra­gen sich alle. Um diese Frage zu be­ant­wor­ten, muss man weit zu­rück­grei­fen in die Ge­schich­te …
… und zu­rück­ge­hen bis zu Kai­ser Kon­stan­tin I., der 325 n. Chr. das Kon­zil von Nicäa ein­be­rief, wo fest­ge­legt wurde, dass Os­tern am ers­ten Sonn­tag nach dem Voll­mond ge­fei­ert wer­den soll­te, der auf die Früh­lings-Tag­und­nacht­glei­che folgt. Der Kon­zils­be­schluss legte gro­ßen Wert auf eine völ­li­ge Tren­nung des christ­li­chen Os­ter­fes­tes von der jü­di­schen Pas­sah­fei­er, die genau zum ers­ten Früh­lings­voll­mond be­ginnt. Fällt nun aber der erste Früh­lings­voll­mond auf einen Sonn­tag, so ist Os­tern erst am dar­auf­fol­gen­dem Sonn­tag zu fei­ern. Da Alex­an­dria da­mals das wich­tigs­te Zen­trum für As­tro­no­mie, also Him­mels­be­ob­ach­tun­gen war, wurde be­schlos­sen, dass der Ka­len­der­ter­min des Os­ter­fes­tes dort fest­ge­setzt wer­den soll­te. Diese Über­le­gung war aber mit dem da­ma­li­gen Wis­sens­stand bei­na­he un­mög­lich, denn das ent­schei­den­de damit ver­bun­de­ne as­tro­no­mi­sche Pro­blem war der Un­ter­schied zwi­schen dem Son­nen­jahr und dem Mond­jahr. Und das größ­te Pro­blem der Fest­le­gung war die Ab­wei­chung zwi­schen dem as­tro­no­mi­schen Jahr und dem da­mals ge­bräuch­li­chen ju­lia­ni­schen Ka­len­der, nach dem sich die or­tho­do­xen Grie­chen heute noch rich­ten. Die West­chris­ten al­ler­dings haben 1582 den gre­go­ria­ni­schen Ka­len­der an­ge­nom­men. Somit sind Sonne, Mond, Ju­li­us Ca­esar, Kai­ser Kon­stan­tin sowie die or­tho­do­xen Grie­chen ver­ant­wort­lich dafür, dass die Os­ter­glo­cken manch­mal für West- und Ost­chris­ten ge­mein­sam läu­ten und manch­mal nicht. Unter www.ka­len­der­le­xi­kon.de kön­nen Sie die kom­pli­zier­ten Zu­sam­men­hän­ge ge­nau­er nach­le­sen.

Wenn Sie die Os­ter­zeit in Grie­chen­land ver­brin­gen, soll­ten Sie un­be­dingt mit­er­le­ben, wie die Grie­chen ihr wich­tigs­tes re­li­giö­ses Fest be­ge­hen. Fah­ren Sie übers Land, in die Dör­fer zum Schau­en, Rie­chen und Schme­cken: Be­stimmt wird man Ihnen über­all rote Eier, Os­ter­brot und Os­ter­ge­bäck schen­ken. In den Dör­fern wer­den die Häu­ser in der Kar­wo­che mit Kalk blen­dend weiß ge­tüncht, und alles riecht da­nach, auch die Kü­chen und die sal?nia (die »gute Stube«). Os­ter­bro­te und Os­ter­ge­bäck wer­den ge­ba­cken (pro­bie­ren Sie mal kou­loú­ria, ein Ge­bäck mit köst­li­chem Frisch­kä­se vom Schaf). Am Kar­don­ners­tag wer­den die 12 Evan­ge­li­en in der Kir­che ge­le­sen; am Kar­frei­tag wer­den Blu­men ge­sam­melt, um an­schlie­ßend den Sarg Chris­ti damit zu schmü­cken (Epitá­fios), der nach der Haupt­li­tur­gie durch das ganze Dorf ge­tra­gen wird. Set­zen Sie sich ein­fach in die Kir­che und ver­fol­gen Sie die Li­tur­gie – man darf je­der­zeit auf­ste­hen und wie­der gehen. Alle ma­chen das so: Es herrscht ein stän­di­ges Kom­men und Gehen.
Am Kar­sams­tag wird ge­schlach­tet, denn kein Fest ohne Fleisch­ver­zehr. Das Blut rinnt auf die Gas­sen, Läm­mer und Kitze hän­gen an Ha­cken und wer­den aus­ge­nom­men. Auch die­ses Schau­spiel soll­ten Sie sich nicht ent­ge­hen las­sen, es ge­hört ein­fach dazu. Die Os­ter­sup­pe wird ge­kocht, die Tier­mä­gen wer­den sau­ber ge­wa­schen und mit Darm um­wi­ckelt, das nennt sich dann gar­do­um?kia und gilt als ab­so­lu­te Spe­zia­li­tät. Am Os­ter­sonn­tag wird dann mit der gan­zen Fa­mi­lie ge­fei­ert. Na­tür­lich gibt es, was das Essen be­trifft, re­gio­na­le Un­ter­schie­de, wird Lamm oder Kitz zu­be­rei­tet, wird das Fleisch am Spieß oder im Holz­back­ofen ge­bra­ten; ganz si­cher ist je­doch: es wird immer köst­lich schme­cken.
Bei uns im Dorf wird das Fleisch im teps? (Back­blech) im Holz­back­ofen ge­bra­ten, mit Reis und sau­rem Rahm von der Schafs­milch. Am spä­ten Nach­mit­tag des Kar­sams­ta­ges wird es in den Ofen ge­scho­ben, wo zuvor das Os­ter­brot ge­ba­cken wurde. Nach der Au­fer­ste­hungs­mes­se, so un­ge­fähr um Mit­ter­nacht, wer­den die ers­ten Öfen ge­öff­net, und der Fest­schmaus be­ginnt. Oder man war­tet bis zum Os­ter­sonn­tag­vor­mit­tag, denn der Holz­back­ofen spei­chert wun­der­bar die Wärme und hält das köst­li­che Mahl warm, bis die ganze Ver­wandt­schaft zum Fest ver­sam­melt ist.

Os­tern ist das »Fest der Fa­mi­lie« in Grie­chen­land. Jeder, dem es ir­gend mög­lich ist, kehrt für ein paar Tage in die Hei­mat zu­rück. Die Völ­ker­wan­de­rung in die Dör­fer be­ginnt be­reits am Kar­frei­tag. Fäh­ren, Flug­zeu­ge, alles ist aus­ge­bucht. Dies ist der per­fek­te Zeit­punkt für einen Städ­te­trip, denn bis zum Di­ens­tag­mor­gen nach Os­tern sind die Städ­te wie leer ge­fegt: kein Stau, kein Gestank, kein Lärm!
Üb­ri­gens: Auch der 1. Mai wird ge­fei­ert! Das ist der »Aus­flugs-Pick­nick-Tag« der Grie­chen. An die­sem Tag fah­ren sie raus ins Grüne, um Blu­men zu pflü­cken, die sie dann zu Mai­en­krän­zen win­den, um sie spä­ter an ihre Haus­tü­ren zu hän­gen. Doch wäh­rend der Heim­fahrt schmü­cken sie erst mal das Auto, da hän­gen sie dann an den Sei­ten­spie­geln oder am In­nen­spie­gel als Zei­chen der all­ge­mei­nen Fröh­lich­keit und Fei­er­lau­ne. Fällt der 1. Mai auf die Os­ter­fei­er­ta­ge, wie es bei­spiels­wei­se 2002 der Fall war, als der Kar­frei­tag auf den 1. Mai fiel, so wird er am Di­ens­tag nach Os­tern nach­ge­fei­ert. So sind die Grie­chen: Sie las­sen sich wirk­lich kei­nen Fei­er­tag ent­ge­hen!


KAKAΛΟ ΠΑΣΧΑ – Frohe Os­tern!


In­for­ma­tio­nen:

Die Ter­mi­ne für die kom­men­den Os­ter­fes­te: 01.05.2005, 23.04.2006, 08.04.2007, 27.04.2008, 19.04.2009 (je­weils Os­ter­sonn­tag).


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