Rei­se­re­por­ta­ge

Re­vo­lu­ti­on am Ko­chel­see. Auf den Spu­ren der welt­be­kann­ten Ex­pres­sio­nis­ten­ban­de »Der blaue Rei­ter«

Chris­ti­an Gehl, Co-Autor der Neu­auf­la­ge »Ober­baye­ri­sche Seen« (2. Auf­la­ge 2006), hat sich der ent­span­nen­den Fünf-Seen-Land­schaft auf be­son­de­re Weise ge­nä­hert. Oder wuss­ten Sie, dass Franz Marc, Ga­brie­le Mün­ter und ihr Le­bens­ge­fähr­te Was­si­ly Kand­ins­ky zur glei­chen Zeit un­weit des Ko­chel­sees wohn­ten und von dort aus die Kunst­welt re­vo­lu­tio­nier­ten? Ab dem 1. Sep­tem­ber kann man für 155 Euro ein »Ku­lTour«-Wo­che­nen­de mit zwei Über­nach­tun­gen und jeder Menge erst­klas­si­ger Füh­run­gen ge­nie­ßen.


Portrait Christian Gehl»In un­se­rer Epo­che des gro­ßen Kamp­fes um die neue Kunst strei­ten wir als 'Wilde‹, nicht Or­ga­ni­sier­te gegen eine alte, or­ga­ni­sier­te Macht.« Tat­säch­lich, so re­de­te man als Künst­ler zu Be­ginn des 20. Jh’s – die Klin­ge Pa­thos stets ge­zückt, kämpf­te die Avant­gar­de für eine Ma­le­rei ohne Gren­zen und Ge­set­ze. Franz Marc (1880-1916), von dem das Zitat stammt, über­nahm – neben Was­si­ly Kand­ins­ky – die Rolle des in­tel­lek­tu­el­len Vor­red­ners in der Grup­pe der Münch­ner Ex­pres­sio­nis­ten, die 1911/12 mit nur zwei Aus­stel­lun­gen die Kunst­welt ver­än­der­ten. Denn an­ders als ihre an­ge­streng­ten Theo­rie-Trak­ta­te strah­len die Ge­mäl­de des »Blau­en Rei­ters« bis heute eine un­ge­bro­che­ne Fas­zi­na­ti­on aus. Erst ver­gan­ge­nen Win­ter lock­te eine Ge­samt­schau der Werke von Franz Marc über 300.000 Men­schen ins Münch­ner Len­bach­haus.


Auf der Suche nach neuen For­men in einer idyl­li­schen Land­schaft

Seine ei­gent­li­che Wir­kungs­stät­te hatte der Maler je­doch im Voral­pen­land. Als 29-Jäh­ri­ger zog Marc an den Ko­chel­see, zu­erst nach Sin­dels­dorf, dann nach Ried in Ko­chel. Die idyl­li­sche Land­schaft, ihre in­ten­si­ven Far­ben, wirk­ten in­spi­rie­rend auf den Münch­ner, der mit 260 Ar­bei­ten ein rei­ches Erbe hin­ter­las­sen hat.
Un­weit des Ko­chel­sees, in Murnau, lebte zur glei­chen Zeit Ga­brie­le Mün­ter mit ihrem Le­bens­ge­fähr­ten Was­si­ly Kand­ins­ky in einem Haus, das bald als Ver­samm­lungs­stät­te jener Maler dien­te, die durch den Al­ma­nach »Der Blaue Rei­ter« in ganz Eu­ro­pa be­rühmt wur­den: Franz Marc, Au­gust Macke, Ale­xei Yav­lens­ky, Paul Klee und Al­fred Kubin. Der »of­fi­zi­el­le« Ex­pres­sio­nis­mus in Mün­chen war nicht ihre Welt, sie such­ten eine an­de­re Form des Aus­drucks, die sich bei den meis­ten immer wei­ter von einer ge­gen­ständ­li­chen Darstel­lung ent­fer­nen soll­te. Die Land­schaft am Staf­fel- und Ko­chel­see spiel­te dabei für alle eine ent­schei­den­de Rolle.


Die Be­sich­ti­gung aller Sta­tio­nen der »Blau­en Rei­ter«

Auf einer zwei­tä­gi­gen Füh­rung des Tou­ris­mus­am­tes Ko­chel lässt sich jetzt die Ent­ste­hungs­ge­schich­te vie­ler be­rühm­ter Bil­der des »Blau­en Rei­ters« auf ein­drucks­vol­le Weise nach­voll­zie­hen. Neben der Be­sich­ti­gung ein­schlä­gi­ger Ziele wie der Wohn­häu­ser von Franz Marc und Ga­brie­le Mün­ter sowie des auf einer Wald­lich­tung ge­le­ge­nen, von einer rus­si­schen Dat­scha in­spi­rier­ten Franz-Marc-Mu­se­ums in Murnau bie­tet der Ex­kur­si­ons­lei­ter Fritz Wal­ter Schmidt einen er­hel­len­den Ver­gleich vie­ler Ge­mäl­de mit ihren Ori­gi­nal-Vor­la­gen aus der Natur. Au­ßer­dem führt er die Teil­neh­mer zu den Gr­ab­stät­ten von Franz Marc in Ko­chel und von Ga­brie­le Mün­ter in Murnau. Im dor­ti­gen Schloss­mu­se­um – für sich schon eine Se­hens­wür­dig­keit ers­ten Ran­ges – fin­det die »Ku­lTour« ihren Ab­schluss. In sechs Räu­men hän­gen dort Werke des »Blau­en Rei­ters«, dar­un­ter be­son­ders viele von Ga­brie­le Mün­ter, die stets im Zu­sam­men­hang mit ihren »na­tür­li­chen« Vor-Bil­dern prä­sen­tiert wer­den.


In­for­ma­tio­nen zur Füh­rung

Ter­mi­ne: Die Füh­rung »Auf den Spu­ren des Blau­en Rei­ters« fin­det an vier Wo­che­nen­den ab dem 1. Sep­tem­ber statt (1.-3.9; 15.-17.9.; 6.-8.10; 20.-22.10). In dem Preis von 155 Euro sind – neben der kunst­his­to­ri­schen Füh­rung inkl. Ein­füh­rungs­vor­trag – zwei Über­nach­tun­gen mit Früh­stück in einem Mit­tel­klas­se­ho­tel (Fr/Sa und Sa/So), die Mu­se­um­sein­trit­te und zwei Mit­tag­es­sen ent­hal­ten. An- und Abrei­se wer­den ei­gen­stän­dig or­ga­ni­siert.

Lei­tung: Fritz Wal­ter Schmidt
Bu­chung: Tou­rist Info Ko­chel am See
Tel. 08851/338, Fax 08851/5588, E-Mail info@ko­chel.de

Franz-Marc-Mu­se­um: www.franz-marc-mu­se­um.de