Top Ten

Teil 6: Kreta

oder Die Woh­nun­gen der Höh­len­men­schen und Hip­pies

Portrait Eberhard FohrerEber­hard Foh­rer gilt als Schöp­fer der »Kreta-Bibel«, wie Leser und Kri­ti­ker sein »Stan­dard­werk« an­er­ken­nend be­zeich­nen: Seit mehr als 30 Jah­ren er­kun­det der Rei­se­jour­na­list die süd­lichs­te Insel Grie­chen­lands. In sei­ner Top Ten geht es um einen Dschun­gel am schöns­ten Ba­de­strand und das größ­te Trau­ma der Kre­ter. Doch auch Kre­tas groß­ar­tigs­te Stadt, eine Oase im Hin­ter­land und den höchs­ten In­sel­berg hat Foh­rer noch ein­mal ge­nau­er an­ge­se­hen.


Kreta – Eber­hard Foh­rers Top Ten

Strand: Pré­ve­li Beach – ein Dschun­gel und ein Pal­men­strand

Ein paradiesisches Naturerlebnis bietet der Palmenstrand von Préveli, der 2010 schwer geschädigt wurde (Foto: Eberhard Fohrer)
Ein pa­ra­die­si­sches Na­tur­er­leb­nis bie­tet der Pal­men­strand von Pré­ve­li, der 2010 schwer ge­schä­digt wurde (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Der Strand von Vái im äu­ßers­ten Osten ist Kre­tas be­rühm­tes­ter Pal­men­strand. Doch außer (ein­ge­zäun­ten) Pal­men, Dut­zen­den von Rei­se­bus­sen und einem recht durch­schnitt­li­chen Sand­strand gibt es dort nicht viel zu sehen.
Ein ganz an­de­res Ka­li­ber ist der Pal­men­strand von Pré­ve­li im Süd­wes­ten Kre­tas. Wer die Stra­ße durch die kar­gen Fel­sen zum Klos­ter Pré­ve­li fährt, ahnt nicht, was sich nur we­ni­ge hun­dert Meter dar­un­ter be­fin­det: ein na­he­zu sub­tro­pisch an­mu­ten­der Dschun­gel, der sich zu bei­den Sei­ten des glas­kla­ren Flus­ses aus­brei­tet. Am Aus­gang zum Meer hat sich ein La­gu­nen­see ge­bil­det, davor liegt ein grau­er Sand­strand.
Wer lie­ber erst mal den Dschun­gel er­kun­den will, kann an der lin­ken Fluss­sei­te auf gut aus­ge­bau­tem Weg zwi­schen Pal­men und üp­pi­gem Ole­an­der etwa 150 m weit bis zu ei­ni­gen Strom­schnel­len und Fels­bro­cken im Was­ser hin­auf­ge­hen, na­tür­lich in­klu­si­ve eines küh­len Fluss­ba­des.
Kein Wun­der also, dass sich der Pal­men­strand von Pré­ve­li zu einem der be­lieb­tes­ten Aus­flugs­zie­le Kre­tas ent­wi­ckelt hat! Im Som­mer stel­len täg­lich Hun­der­te von Ur­lau­bern ihren fahr­ba­ren Un­ter­satz ober­halb vom Tal ab und stei­gen auf stei­lem Weg zum Strand hin­un­ter. Dazu ge­sel­len sich die, die mit dem Ba­de­boot aus Plak­iás her­über­schip­pern.
Viele In­sel­lieb­ha­ber waren des­halb scho­ckiert, als die pa­ra­die­si­sche Oase 2010 durch einen Brand schwer ge­schä­digt wurde. Ein Groß­teil der Pal­men war tief­schwarz ver­kohlt, und man be­fürch­te­te schon das Ende des Na­tur­schau­spiels. Doch die kre­ti­sche Natur ist zäh, glück­li­cher­wei­se über­leb­ten die meis­ten der teils jahr­hun­der­te­al­ten Pal­men und trei­ben seit­her wie­der kräf­tig aus.


Berg­tour: Tí­mi­os Stavrós oder Der Blick auf zwei Meere

Das Psil­orí­tis-Mas­siv (oder Ída-Ge­bir­ge) liegt im geo­gra­phi­schen Zen­trum Kre­tas. Höchs­ter Gip­fel ist mit 2456 m der Tí­mi­os Stavrós. Seine Be­stei­gung ist von der nahen und 1400 m hoch ge­le­ge­nen Nída-Ebene aus in vier­ein­halb St­un­den zu schaf­fen (der Ab­stieg dau­ert etwa drei St­un­den).
Die mit­tel­schwe­re Berg­wan­de­rung führt z. T. über Ge­röll und durch dich­te Di­stel­phry­ga­na, ist aber weit­ge­hend gut mar­kiert und aus­ge­schil­dert. Es gibt kei­ner­lei Schat­ten wäh­rend der gan­zen Stre­cke, dafür pas­siert man noch im Juni aus­ge­dehn­te Schnee­fel­der. Am Gip­fel steht die aus St­ei­nen auf­ge­schich­te­te Ka­pel­le Tí­mi­os Stavrós mit einem klei­nen Ne­ben­bau, der ge­le­gent­lich zum Über­nach­ten ver­wen­det wird. Ein paar Schrit­te ent­fernt gibt es eine Zis­ter­ne mit Schmelz­was­ser. Der Blick und die At­mo­sphä­re sind sehr be­son­ders. Bei guten Sicht­ver­hält­nis­sen sieht man beide Meere, die Nach­bar­gip­fel sind oft in Wol­ken ge­hüllt, kein Laut ist zu hören.
An­fahrt, Auf- und Ab­stieg sind ab Irák­li­on an einem früh be­gon­ne­nen Tag zu be­wäl­ti­gen. Al­ler­dings kann man sich dann auf dem Gip­fel ma­xi­mal eine St­un­de auf­hal­ten, um beim Ab­stieg nicht in die an­bre­chen­de Dun­kel­heit zu kom­men. Man könn­te je­doch die Zeit auf dem Gip­fel aus­deh­nen, indem man bei­spiels­wei­se in Anógia über­nach­tet und kurz vor Son­nen­auf­gang zum Auf­stieg auf­bricht. Die reiz­volls­te Va­ri­an­te ist aber zwei­fel­los die Über­nach­tung (mit Schlaf­sack und Ver­pfle­gung) auf dem Gip­fel selbst.


Mu­se­um und Aus­gra­bung: Archäo­lo­gi­sches Na­tio­nal­mu­se­um in Irák­li­on und Pa­last von Knos­sós

Historisch herausragend und dennoch im Dunkel der Geschichte Was hat es mit Knossós auf sich (Foto: Eberhard Fohrer)
His­to­risch her­aus­ra­gend und den­noch im Dun­kel der Ge­schich­te Was hat es mit Knos­sós auf sich (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Die rät­sel­haf­te mi­noi­sche Kul­tur ist für ar­chäo­lo­gisch In­ter­es­sier­te der ganz große Zug­punkt. Diese erste eu­ro­päi­sche Hoch­zi­vi­li­sa­ti­on taucht auf Kreta ab 2000 v. Chr. aus dem Dun­kel der Ge­schich­te, lange vor der klas­si­schen grie­chi­schen An­ti­ke.
Pa­läs­te der sa­gen­haf­ten mi­noi­schen Kö­ni­ge hat man haupt­säch­lich in Ost­kre­ta ent­deckt, der größ­te von ihnen ist Knos­sós. Er liegt we­ni­ge Ki­lo­me­ter süd­öst­lich von Irák­li­on und ist eines der be­deu­tends­ten Bau­denk­mä­ler der eu­ro­päi­schen Früh­ge­schich­te.
In über drei­ßig Jah­ren wurde das rie­si­ge Areal zu Be­ginn des 20. Jahr­hun­derts müh­sam frei­ge­legt. Es han­del­te sich um eine Trüm­mer­wüs­te mit ver­kohl­ten Grund­mau­ern, zer­stör­ten In­nen­räu­men und lee­ren Säu­len­stümp­fen, aber von un­schätz­ba­rer Be­deu­tung für Archäo­lo­gie und Al­ter­tums­wis­sen­schaft. Trotz­dem weiß man bis heute er­staun­lich wenig über die »Mi­no­er« (die­ser Be­griff wurde vom Knos­sós-Aus­grä­ber Sir Ar­thur Evans ge­prägt) – so ist z. B. nicht ein­mal be­kannt, wie sie sich selbst nann­ten. Warum waren die Pa­läs­te gänz­lich un­be­fes­tigt und waren es über­haupt Pa­läs­te? Was hat es mit den selbst­be­wuss­ten Frau­en auf sich, die mit ent­blöß­ten Busen und bun­ten Prunkrö­cken dar­ge­stellt sind? Gab es die mi­noi­schen Kö­ni­ge wirk­lich? Sie sind nir­gends ab­ge­bil­det, und ihre Exis­tenz ist nur durch den Dich­ter Homer über­lie­fert, der hun­der­te Jahre nach den Mi­no­ern lebte …
Fra­gen über Fra­gen, die auch das große ar­chäo­lo­gi­sche Na­tio­nal­mu­se­um in Irák­li­on nicht be­ant­wor­ten kann. Nach sie­ben­jäh­ri­ger Re­stau­rie­rung prä­sen­tiert es sich seit 2014 im neuen, mo­der­nen Out­fit. Zahl­lo­se mi­noi­sche High­lights wer­den ge­konnt prä­sen­tiert, von einer mit Hie­ro­gly­phen be­deck­ten Ton­schei­be (= Dis­kos) bis zur Schlan­gen­göt­tin, vom Stier­kopf bis zum bunt be­mal­ten Sar­ko­phag, und auch die herr­li­chen Wand­fres­ken aus dem Pa­last von Knos­sós sind hier zu fin­den.
Das Mu­se­um ist von April bis Nov. tägl. 8-20 Uhr ge­öff­net, sonst Di-So 8-15, Mo 11-17 Uhr, der Pa­last von Knos­sós April bis Okt. tägl. 8-20 Uhr, sonst Mo-Fr 8-17, Sa/So 8.30-15 Uhr. Ein­tritt je­weils 6 € (Kom­bi­ti­cket 10 €), über 65 J. und Schül./Stud. aus Nicht-EU-Län­dern ca. 3 € (Kom­bi­ti­cket 5 €), frei unter 18 J. und Schül./Stud. aus EU-Län­dern.


Ent­de­ckun­gen: Má­ta­la – von Höh­len und Hip­pies

In der Nordwand von Mátala lebten einst Höhlenmenschen und Hippies (Foto: Eberhard Fohrer)
In der Nord­wand von Má­ta­la leb­ten einst Höh­len­men­schen und Hip­pies (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Das eins­ti­ge Fi­scher­dorf Má­ta­la liegt an der zen­tra­len Süd­küs­te am Aus­gang eines lan­gen Tals, das sich zwi­schen zwei mäch­ti­gen Sand­stein­schol­len nach Wes­ten öff­net und eine hüb­sche Sand­bucht bil­det – mit per­fek­tem Son­nen­un­ter­gangs­blick. Die mäch­ti­ge Nord­wand ist mit Höh­len­woh­nun­gen aus der Jungstein­zeit (min­des­tens 8000 Jahre alt) durch­lö­chert; da­durch sieht sie aus wie ein rie­si­ger Ter­mi­ten­bau. Das wei­che Ma­te­ri­al muss sich den St­ein­zeit­men­schen wohl förm­lich auf­ge­drängt haben. Mit St­ein­bet­ten, Feu­er­stel­len und Durch­stö­ßen zu an­de­ren Höh­len er­schu­fen sie eine per­fek­te Wohn­kul­tur …
Mit ein paar Schrit­ten steigt man heute vom Strand in das um­zäun­te Ge­län­de hin­auf und kann in dem fas­zi­nie­ren­den Höh­len­ter­rain her­um­klet­tern (tägl. 10-19 Uhr, Ne­ben­sai­son bis 17 Uhr, Ein­tritt ca. 3 €, unter 18 J. frei). Abends ist die ge­sam­te Fel­sen­front stim­mungs­voll be­leuch­tet.
In den 1960er-Jah­ren waren es Hip­pies, die die Wohn­höh­len von Má­ta­la neu ent­deck­ten. Aus aller Welt kamen sie an­ge­reist, dar­un­ter viele junge Ame­ri­ka­ner, die ihre Teil­nah­me am Viet­nam­krieg ver­wei­ger­ten. Wäh­rend der Som­mer­mo­na­te leb­ten sie hier fern der Zi­vi­li­sa­ti­on und nah der Natur, von der Hand­voll Ein­woh­ner be­staunt, aber ge­dul­det. Mit Me­di­ta­ti­on, Musik und Dro­gen ent­war­fen sie ein Ge­gen­mo­dell zur bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft. Cat Ste­vens war da­mals hier, auch Bob Dylan, Joni Mit­chell mach­te sogar ei­ni­ge Lie­der über diese Zeit.
Dann kamen die Ruck­sack­tou­ris­ten. Der Ruf Má­talas als »Sze­ne­platz« Kre­tas schwapp­te durch ganz Eu­ro­pa. Man schlief in den Höh­len oder gleich am Strand. Die ers­ten Ta­ver­nen­wir­te wit­ter­ten ihr Ge­schäft. Mit dem be­gin­nen­den Ur­laubs­ge­schäft schau­ten die Be­hör­den dem Trei­ben in den Höh­len nicht mehr be­däch­tig zu. Statt­des­sen stell­ten sie die jahr­tau­sen­de­al­ten Fels­lö­cher unter Denk­mal­schutz, Über­nach­ten ver­bo­ten!
Seit­dem hat sich die Schön­heit der Bucht weit her­um­ge­spro­chen – und Má­ta­la steht im Ka­ta­log jedes Rei­se­ver­an­stal­ters. Trotz­dem ist Má­ta­la nach wie vor ein Er­leb­nis, und sei es, um ein wenig die alten Hip­pie­zei­ten nach­zu­emp­fin­den … Als be­son­de­re Re­mi­nis­zenz fin­det seit 2011 all­jähr­lich im Juni das »Ma­ta­la Beach Fes­ti­val« statt, das mit zahl­rei­chen Band­auf­trit­ten stets große Re­so­nanz fin­det.
Üb­ri­gens haben auch die mitt­ler­wei­le hoch­be­tag­ten Hip­pies ihr Má­ta­la nicht ver­ges­sen. In ver­steck­ten Höh­len leben nach wie vor ei­ni­ge von ihnen, und sogar neue sind da­zu­ge­kom­men.


Cha­niá: Kre­tas schöns­te Stadt

Die autofreien Gassen der Altstadt von Chaniá (Foto: Eberhard Fohrer)
Die au­to­frei­en Gas­sen der Alt­stadt von Cha­niá (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Mit etwa 55.000 Ein­woh­nern ist Cha­niá Kre­tas zweit­größ­te Stadt – und nach Mei­nung der al­ler­meis­ten Be­su­cher die schöns­te.
Hat man die lär­men­de Neu­stadt hin­ter sich ge­las­sen, taucht man in die au­to­frei­en Gas­sen der Alt­stadt ein und kann die un­ver­gleich­li­che At­mo­sphä­re rund um den ve­ne­zia­ni­schen Hafen ge­nie­ßen. Auf Schritt und Tritt trifft man hier auf Ge­schich­te: An der run­den Ha­fen­mo­le drän­gen sich his­to­ri­sche Haus­fas­sa­den. Gleich da­hin­ter klet­tern ver­win­kel­te Trep­pen­we­ge mit Tor­bö­gen hü­ge­lan. Teil­wei­se sind die Häu­ser über­ein­an­der ge­schach­telt auf an­ti­ke Ge­mäu­er ge­baut – Stü­cke der ve­ne­zia­ni­schen Stadt­mau­er sind eben­so ein­be­zo­gen wie tür­ki­sche Mi­na­ret­te, Reste der alten Ha­fen­be­fes­ti­gun­gen und die mäch­ti­gen Ar­sena­le.
Ob­wohl deut­sche Bom­ben 1941 fast die Hälf­te aller Ge­bäu­de in der Alt­stadt in Schutt und Asche leg­ten, ist Cha­niá das be­deu­tends­te bau­his­to­ri­sche En­sem­ble Kre­tas. In den jahr­hun­der­te­al­ten ve­ne­zia­ni­schen Pa­laz­zi um das stim­mungs­vol­le Ha­fen­be­cken haben sich stil­vol­le Pen­sio­nen eta­bliert, und jedes Jahr ent­ste­hen neue, auf­wän­dig kon­zi­pier­te Re­stau­rants.
Trotz­dem fin­det man noch immer ru­hi­ge, ver­steck­te Win­kel, wenn man nur ein paar Schrit­te von den gän­gi­gen Tou­ris­ten­pfa­den ab­weicht. Dazu bil­den die Wei­ßen Berge an kla­ren Tagen ein herr­li­ches Hin­ter­grund­pan­ora­ma, wo es viel zu ent­de­cken gibt, z. B. die be­rühm­te Sa­ma­riá-Schlucht (siehe unten). Über­nach­tungs­tipp: Pa­laz­zo Duca, ein denk­mal­ge­schütz­ter ve­ne­zia­ni­scher Pa­laz­zo in­mit­ten der Alt­stadt (www.pa­laz­zo­du­ca.gr).


Essen & Trin­ken: Die Qual der Wahl

At­hi­vo­les tou Kara ist eine neue Ta­ver­ne an der zen­tra­len Pla­tia vom Ka­lamáki (siehe Über­nach­ten). Fa­mi­lie Mav­ro­gena­kis hat 20 Jahre in Nürn­berg Gas­tro­no­mie be­trie­ben. Papa Lef­te­ris steht am Holz­koh­len­grill. Mama Maria meis­tert un­er­müd­lich und gut ge­launt die Küche. Sohn Gior­gos be­dient. Alle drei spre­chen per­fekt Deutsch. Die Qua­li­tät ist aus­ge­zeich­net, jeden Abend gibt es fri­schen Fisch und Fleisch vom Grill, auch der Haus­wein ist aus­ge­zeich­net. Wenn Zeit ist, spielt Gior­gos kre­ti­sche Musik auf der Man­do­li­ne oder Laute und singt dazu. Tel. 28920-45745.
Das klei­ne Lokal Log­gia wurde kürz­lich im Orts­kern von Ka­milá­ri er­öff­net, einer der be­lieb­tes­ten Orte für aus­län­di­sche Re­si­den­ten. Kostas Spi­ri­da­kis sorgt mit sei­ner Frau Alex­an­dra aus Mün­chen für das nette Am­bi­en­te und die sehr le­cke­re, täg­lich wech­seln­de Küche, z. T. wird nach alten kre­ti­schen Re­zep­ten ge­kocht, oft mit Ge­mü­se und Fleisch aus ei­ge­ner Her­stel­lung bzw. Hal­tung. Dazu kann man ei­ge­ne Pro­duk­te wie Wein, Rakí und Oli­ven­öl er­wer­ben. Tel. 28920-42878.
Die Ta­ver­ne Elia an der Pla­tia des Berg­dorfs Sel­liá bei Plak­iás (siehe Über­nach­ten) wird von Nina und Nikos ge­führt. Den bei­den ge­lingt es wun­der­bar, die tra­di­tio­nel­le kre­ti­sche Küche mit ku­li­na­ri­schen Va­ri­an­ten an­de­rer grie­chi­scher und me­di­ter­ra­ner Re­gio­nen zu ver­bin­den. Dazu gibt es einen tol­len Meer­blick und rich­tig net­ten Ser­vice. Tel. 28320-36002.


Wan­de­rung: Ma­ra­thon­marsch oder Lazy Way – die Sa­ma­riá-Schlucht

Europas angeblich längste Schlucht, die Samariá-Schlucht auf Westkreta (Foto: Eberhard Fohrer)
Eu­ro­pas an­geb­lich längs­te Schlucht, die Sa­ma­riá-Schlucht auf West­kre­ta (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Die Sa­ma­riá-Schlucht ist für Erst­wan­de­rer auf Kreta die Kö­nigs­tour – aus über 1200 m Höhe in den Wei­ßen Ber­gen (Lefká Óri) steigt man hin­un­ter bis zum Li­by­schen Meer. Aus fast al­pi­ner Hoch­ge­birgs­land­schaft mit dich­tem Baum­be­stand, senk­recht an­stei­gen­den Fels­wän­den und turm­ho­hen Fels­bro­cken win­det sich der tiefe Ein­schnitt dem Blau des Mee­res zu: 16 km Stra­pa­ze und Ma­ra­thon­marsch gegen die Uhr, um noch das letz­te Schiff in Agía Ro­umé­li zu er­rei­chen, das einen zum Rück­bus an die Nord­küs­te bringt.
Kaum ein wan­der­freu­di­ger Ur­lau­ber im Wes­ten Kre­tas lässt es sich ent­ge­hen, Eu­ro­pas an­geb­lich längs­te Schlucht in einer 5- bis 6-stün­di­gen Wan­de­rung zu Fuß zu durch­mes­sen. Im Som­mer wird es des­halb ziem­lich voll – den Mas­sen kann man mit stra­te­gi­schem Ge­schick al­ler­dings gut ent­ge­hen (mehr dazu in mei­nem Rei­se­füh­rer). Fuß­fau­le kön­nen die Schlucht üb­ri­gens vom Meer aus ein Stück an­wan­dern, »The Lazy Way« nennt sich das, denn die Schlucht bleibt bis zur 3 m brei­ten Eng­stel­le, der sog. Si­der­opór­ta (Ei­ser­ne Pfor­te), fast eben.
Ge­öff­net ist die Schlucht je nach Wit­te­rungs­ver­hält­nis­sen etwa An­fang Mai bis Ende Ok­to­ber tägl. 6 Uhr bis Son­nen­un­ter­gang. Falls nicht zu­viel Was­ser in der Schlucht steht, ist sie auch schon vor dem 1. Mai offen – aber auch das Ge­gen­teil kann der Fall sein, d. h. Öff­nung erst Mitte Mai. Das­sel­be gilt für die zwei­te Ok­to­ber­hälf­te. Selbst wenn der obere Ein­gang ge­schlos­sen ist, kann es sein, dass man be­reits von unten in die Schlucht hin­ein­lau­fen kann. Nach 16 Uhr bis Son­nen­un­ter­gang darf die Schlucht je­doch nur noch 2 km weit be­gan­gen wer­den. Der Ein­tritt be­trägt 5 €, Be­hin­der­te und Kin­der unter 15 J. (Zu­tritt nur in Be­glei­tung eines Er­wach­se­nen) dür­fen um­sonst hin­ein.


Klos­ter: Ar­ká­di oder Die tür­ki­sche Be­set­zung Kre­tas

Arkadi Märtyrerort Arkádi (Foto: Eberhard Fohrer)
Ar­ka­di Mär­ty­rer­ort Ar­ká­di (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Jedes Kind auf Kreta kennt Klos­ter Ar­ká­di. Es er­in­nert an das große Trau­ma Kre­tas, die jahr­hun­dert­lan­ge tür­ki­sche Be­set­zung.
Das fes­tungs­ar­ti­ge Klos­ter in den Ber­gen hin­ter Rét­him­non ist ein Sym­bol für den un­be­ding­ten kre­ti­schen Frei­heits­wil­len sowie eine stän­di­ge Mah­nung und Er­in­ne­rung an die Zeit der Tür­ken­herr­schaft. Am 9. No­vem­ber 1866 hat sich hier eine der gro­ßen Tra­gö­di­en des kre­tisch-grie­chi­schen Frei­heits­kampfs ab­ge­spielt. Hun­der­te von Män­nern, Frau­en und Kin­dern be­gin­gen ge­mein­sam Selbst­mord, um nicht den an­stür­men­den tür­ki­schen Trup­pen in die Hände zu fal­len, die seit zwei Tagen das Klos­ter um­zin­gel­ten … Als die Lage aus­sichts­los wird, ver­sam­meln sich alle in einem Ar­senal, in dem Pul­ver­fäs­ser ge­la­gert sind. Kós­tas Giam­pou­dákis, der Bür­ger­meis­ter des nahen Ört­chens Ádele, lädt mit einer der letz­ten Pa­tro­nen seine Pis­to­le. Man hört die Tür­ken vor dem ver­schlos­se­nen Tor des Waf­fen­la­gers brül­len, sie drin­gen ein – und im sel­ben Mo­ment schießt Giam­pou­dákis mit­ten zwi­schen die Fäs­ser. In einer un­ge­heu­ren Stich­flam­me fliegt das Ar­senal in die Luft und reißt die ver­zwei­fel­te Schar der Ver­tei­di­ger in den Tod, mit ihnen Dut­zen­de von Tür­ken. Am Abend des Tages sind 750 Kre­ter tot. Die Nach­richt von dem schreck­li­chen Er­eig­nis rüt­telt viele Men­schen in aller Welt auf. Es soll aber noch über 30 Jahre dau­ern, bis die Insel mit Hilfe der Groß­mäch­te vom tür­ki­schen Joch be­freit wird.
Das Ge­wöl­be der Waf­fen­kam­mer wurde bei der ge­wal­ti­gen Ex­plo­si­on völ­lig zer­fetzt. Noch heute gähnt der lang ge­streck­te Raum ohne Decke in den frei­en Him­mel. Eine Ge­denk­ta­fel be­sagt auf Grie­chisch: »Die Flam­men, die in die­ser Kryp­ta ent­zün­det wur­den und wel­che mit ihrem Feu­er­schein das ganze glor­rei­che Kreta er­leuch­te­ten, waren die Flam­men Got­tes, in denen die Kre­ter für ihre Frei­heit star­ben.«
Ein Bus fährt von Rét­him­non Mo-Fr 3 x tägl. (Sa/So 2 x) zum Klos­ter und zu­rück. Ge­öff­net ist tägl. 9-19 Uhr, Ein­tritt ca. 2,50 €, EU-Stud. zah­len die Hälf­te.


Hin­ter­land: Ar­gi­roú­po­lis – eine Oase aus klei­nen Was­ser­fäl­len

Tro­cken, step­pen­ar­tig-karg, aus­ge­dörr­te Mac­chia auf kars­ti­gen Fel­sen – es gibt viele sol­cher Stel­len auf der süd­lichs­ten Insel Grie­chen­lands. Den­noch, Kreta ist auch ganz an­ders.
Ein Bild davon kann man sich ma­chen bei einem Be­such von Ar­gi­roú­po­lis im Hin­ter­land der Nord­küs­ten­stadt Rét­him­non. Dort ent­sprin­gen unter turm­ho­hen Pla­ta­nen eine Viel­zahl von kräf­ti­gen Qu­el­len, die das Tal in eine plät­schern­de, üppig-grüne Oase ver­wan­deln. Als klei­ne Was­ser­fäl­le strö­men sie über die Fel­sen; au­ßer­dem sieht man alte Aquä­duk­te und Was­ser­müh­len. Über we­ni­ge Stu­fen geht es von der Stra­ße zur klei­nen Höh­len­ka­pel­le Ágias Dí­na­mis (Hei­li­ge Kraft) hin­auf, durch die sich ein stark strö­men­der Was­ser­lauf sei­nen Weg bahnt.
Wie eine ein­zi­ge große Kli­ma­an­la­ge wirkt das Bio­top. An son­nen­durch­glüh­ten Som­mer­ta­gen ist eine ge­müt­li­che Rast in einer der schat­ti­gen Ta­ver­nen ein un­be­ding­tes Muss. Sie bie­ten wegen der ste­ti­gen Was­ser­strö­mung sehr gute Fo­rel­len aus ei­ge­ner Zucht an.
Im Orts­kern von Ar­gi­roú­po­lis sind Reste der an­ti­ken Stadt Lappa er­hal­ten. Sie wurde be­reits von den Do­rern ge­grün­det, ent­wi­ckel­te sich in hel­le­nis­ti­scher Zeit zu einem der be­deu­tends­ten Stadt­staa­ten Kre­tas und hatte in rö­mi­scher Zeit mehr als 10.000 Ein­woh­ner. Da man Schiffs­an­ker­plät­ze ge­fun­den hat, wird ver­mu­tet, dass Lappa über Fluss­läu­fe so­wohl mit der Nord- als auch mit der Süd­küs­te Kre­tas ver­bun­den war.
Wer die Idyl­le mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln er­rei­chen will, kann von Rét­him­non aus den Über­land­bus neh­men oder vom Ba­de­ort Ge­or­gióu­po­lis mit dem Sight­see­ing-Züg­lein »Talos Ex­press« hin­auf­fah­ren.


Über­nach­ten: Ba­de­ur­laub bei Má­ta­la oder Pan­ora­ma­blick auf Plak­iás

Ein Panoramablick auf die Bucht von Plakiás (Foto: Eberhard Fohrer)
Ein Pan­ora­ma­blick auf die Bucht von Plak­iás (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Das Haus Ar­si­noi steht im Ba­de­ört­chen Ka­lamáki an der zen­tra­len Süd­küs­te Kre­tas. Da­durch ist der ört­li­che Dü­nen­strand nur we­ni­ge Meter ent­fernt und der be­rühm­te Kómo Beach in we­ni­gen Au­to­mi­nu­ten zu er­rei­chen, eben­so die eins­ti­ge Hip­pie­hoch­burg Má­ta­la.
Ver­mie­tet wer­den 18 blitz­sau­be­re und mo­der­ne Stu­di­os und Apart­ments, die dank der Lage in zwei­ter Reihe ideal für Ruhe lie­ben­de Gäste sind. In der ers­ten Etage nach vorne hat man Meer­blick, nach hin­ten Sicht in die Berge. Ge­führt wird die Pen­si­on von der herz­li­chen Ar­si­noi (kurz »Noi« ge­nannt) Pa­pa­do­spi­ri­da­ki mit Fa­mi­lie, die stets für ihre Gäste da ist und wun­der­bar kocht. Alle Pro­duk­te stam­men aus der haus­ei­ge­nen Bio-Land­wirt­schaft – Fleisch, Honig, Wein, Oli­ven­öl und Rakí. Ein Hö­he­punkt ist das lie­be­voll zu­be­rei­te­te Früh­stück. Stu­dio ca. 35-55 €, Apt. 40-60 €. Tel. 28920-45475, www.ar­si­noi-stu­di­os.gr.
Die Villa Stel­la wird von Stel­la Ve­lona­ki mit Fa­mi­lie auf­merk­sam ge­führt. Die kom­for­ta­ble, sehr sau­be­re und ru­hi­ge An­la­ge mit sechs Apart­ments (je nach Größe bis 4 oder 5 Per­so­nen) be­sticht durch ihre herr­li­che Pan­ora­ma­lage im Dorf Mírthi­os, hoch über der gro­ßen Bucht von Plak­iás. Pro Woh­nung gibt es eine kom­plett ein­ge­rich­te­te Küche, ein Wohn­zim­mer mit Sat-TV, ein oder zwei Schlaf­zim­mer und ein schö­nes Bad, dazu je­weils eine Ter­ras­se/Bal­kon mit traum­haf­tem Blick auf die Bucht von Plak­iás. Preis für ein 2-Pers.-Apt. ca. 65 €, mit zwei Schlaf­zim­mern ca. 85 €. Tel. 28320-31821, 6977-089724, www.vil­las­tel­la-plaki­as.com.