Abseits der Routen

Teil 14: Azoren

oder Der einsame Osten von São Miguel

São Miguel, die größte Azoreninsel, ist bekannt wie ein bunter Hund. Doch Michael Bussmann und Gabriele Tröger sind berüchtigt als Geheimtippsucher. Sie haben sich in den einsamen Osten aufgemacht – und den »Strand der fetten Lende« sowie zwei Aussichtspunkte entdeckt, von denen man mit Glück sogar eine Walfontäne sehen kann …

Paradiesgrün. Smaragdgrün. Froschgrün. Flaschengrün. Die Azoren sind ein grüner Salon mal neun. Viel Blau gibt es aber auch – Kaspers Frau würde sich hier so richtig wohlfühlen. Azurblau. Kobaltblau. Cyanblau. Aquamarin. Grün und Blau wirken beruhigend, ohne zu ermüden, haben wir mal irgendwo gelesen. Im Falle der Azoren können wir nur sagen: Das stimmt!
São Miguel, die größte Insel der Azoren, ist mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund. Wie ein grüner oder blauer Hund sozusagen. An den grandiosen Aussichtspunkten über den Kraterkesseln im Inselinnern staut sich schon mal der Verkehr. Und bei manchen Restaurants der Inselhauptstadt Ponta Delgada mag man im Sommer ohne Reservierung gar nicht mehr antanzen. Anders der einsame Osten. Der hält immer noch Schönheitsschlaf. Ein »Geheimtipp« also, den man schleunigst aufsuchen sollte, bevor all die anderen Geheimtippsucher einfallen.


Die sanfteste Welle São Miguels

Am nicht gerade appetitlich klingenden Strand der fetten Lende ist man meist angenehm alleine (Foto: Michael Bussmann und Gabriele Tröger)
Am nicht gerade appetitlich klingenden Strand der fetten Lende ist man meist angenehm alleine (Foto: Michael Bussmann und Gabriele Tröger)

Es gibt nur einen Strand dort, der den Namen auch verdient. Es ist die Praia Lombo Gordo, der »Strand der fetten Lende«. Kein besonders appetitlicher Name für so ein hübsches Fleckchen Erde. Als wir zuletzt dort vorbeischauten, gab es in der idyllischen Sandbucht nur zwei fette Lenden, nämlich unsere. Das ist kein Wunder. Die Anfahrt ist abenteuerlich und zum Schluss muss man noch ein ganzes Stück laufen. Es geht über ein Brückchen und dann viele Stufen hinab und später wieder hinauf – nichts, was dem Durchschnittsazoreaner Spaß macht … Und unten? Erwartet Sie die sanfteste Welle São Miguels! Ein Träumchen.
Ein Träumchen, das auch auf Alptraum machen kann. In manchen Jahren nämlich besteht der Strand aus nichts anderem als kindskopfgroßen Steinen – soweit draußen im Atlantik kann das passieren. Vor etwa 15 Jahren verschwand der Strand und der Sand quasi über Nacht. Und kam rund zehn Jahre nicht mehr zurück! Dann, mehr oder weniger ebenfalls über Nacht, gab es wieder Sand. Diese wundersame Naturerscheinung hat mit den Strömungen zu tun. Erklären kann sich dies aber niemand vor Ort so richtig.


Walfontäne bei Inselkäse

Ein Geheimtipp für alle, die gut motorisierte Leihwägen haben – der traumhaft gelegene Leuchtturm an der Ponta do Arnel (Foto: Michael Bussmann und Gabriele Tröger)
Ein Geheimtipp für alle, die gut motorisierte Leihwägen haben – der traumhaft gelegene Leuchtturm an der Ponta do Arnel (Foto: Michael Bussmann und Gabriele Tröger)

Sollten Sie extra zum Baden angereist sein und der Sandstrand ist mal wieder weg, braucht niemand traurig sein. Denn der äußerste Osten São Miguels hat noch mehr auf dem Kasten. Über ein windig-kurviges Sträßlein erreicht man gen Norden die traumhaften Aussichtspunkte Miradouro da Ponta do Sossego und Miradouro da Ponta da Madrugada. Beide mit angeschlossenen Grillplätzen – also Wein, Grillwurst und Inselkäse nicht vergessen! Die Ausblicke von dort sind die pure Freude. Wer Glück hat, sieht gar die Fontäne eines Wals.
Noch weiter im Norden taucht kurz vorm Städtchen Nordeste die Abzweigung zum Fischerhafen am Kap Ponta do Arnel auf. Achtung: Die Fahrt hinab auf dem schmalen Asphaltband ist nichts für Weicheier, die Rückfahrt nach oben keine gute Idee mit einem schwach motorisierte Leihwagen. 25 % Gefälle! Doch ein Blick hinab lohnt. Der Leuchtturm über dem Hafen ist ein Postkartenmotiv und bei Sonne umrahmt vom schönsten Atlantikblau.


Reisepraktische Infos

Alle beschriebenen Orte sind vom Küstensträßlein ausgeschildert.
Michael Bussmann und Gabriele Tröger stecken hinter dem sehr besonderen Reiseblog hierdadort.de.

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