Abseits der Routen

Teil 28: Ostseeküste – von Lübeck bis Kiel

oder Ein Baum mit eigener Postadresse

Moment mal, wieso sollte ein Baum eine eigene Postadresse haben? Ganz einfach. Weil es sich hierbei um die älteste Kontaktbörse Deutschlands handelt. Die mehr als fünfhundertjährige Eiche bei Eutin hat sich einen so guten Ruf erworben, dass selbst aus Asien und Amerika immer wieder Liebesbriefe eintrudeln … Dieter Katz, der die Ostseeküste - von Lübeck bis Kiel zum siebten Mal (!) ausführlich erkundet hat, bereist auch immer wieder das Hinterland, um genau solche Geschichten herauszufinden.  

Partner oder Partnerin gesucht? Und das ganz analog, ohne Social Media oder Singlebörse im Netz? Dann lohnt sich unbedingt ein Besuch bei der Bräutigamseiche bei Eutin. Doch auch wenn Sie in festen Händen sind, empfiehlt sich ein Abstecher in den Dodauer Forst, in dem nur 50 Meter neben einem Waldparkplatz diese über 500 Jahre alte Eiche steht. Sie gilt als Baum der Liebe und ist seit 100 Jahren ein Anlaufpunkt für einsame Herzen.

Im Astloch herrscht kein Postgeheimnis

Wegen des sagenumwobenen Rufes der Eiche begannen immer mehr Menschen, hier Briefe in ein Astloch zu stecken, das sich auf gut drei Metern Höhe befindet. Oder aber, sie schrieben einfach an den Baum – in der Hoffnung, dass sich ein interessierter Leser oder eine nicht minder interessierte Leserin des Schreibens annimmt. Wegen des Ansturms musste bereits 1927 die Post eine Leiter anstellen. Gleichzeitig bekam der Baum eine offizielle Postadresse: 

Bräutigamseiche

Dodauer Forst

23701 Eutin (heutige Postleitzahl)   

Hier geht’s zur ältesten Kontaktbörse Deutschlands … (Foto: Dieter Katz)
Hier geht’s zur ältesten Kontaktbörse Deutschlands … (Foto: Dieter Katz)

Seither steckt der Briefträger als Postillon d’Amour fast täglich (Liebes-)Briefe in ein erstaunlich geräumiges Astloch des gut 25 Meter hohen Baumes. Damit ist der mächtige Baum, der mittlerweile einen Stammumfang von fünf Metern hat, gewissermaßen die älteste Kontaktbörse Deutschlands. Er ist sogar weltweit der einzige Baum mit dieser Funktion, weshalb die Leute von überallher schreiben, selbs t aus Süd- und Osteuropa, Asien oder Amerika. Einige Menschen wollen einfach nur wissen, ob es diesen geheimnisvollen Baum überhaupt gibt, andere suchen eine Brieffreundschaft. Meistens geht es hier aber tatsächlich um die große Liebe. Das Astloch der Bräutigamseiche dient dabei sozusagen als toter Briefkasten. Nachweislich hat der Baum auf diese Weise schon viele Ehen zusammengeführt; er wird seinem Namen damit mehr als gerecht.Sie dürfen übrigens gerne die breite Leiter erklimmen und bei Bedarf einen Brief aus dem Astloch herausnehmen und lesen, denn das Postgeheimnis gilt hier nicht. Sollten Sie nicht antworten wollen, dann legen Sie den Brief einfach wieder zurück.  

Ein Astloch als frei zugänglicher Briefkasten (Foto: Dieter Katz)
Ein Astloch als frei zugänglicher Briefkasten (Foto: Dieter Katz)

Seither steckt der Briefträger als Postillon d’Amour fast täglich (Liebes-)Briefe in ein erstaunlich geräumiges Astloch des gut 25 Meter hohen Baumes. Damit ist der mächtige Baum, der mittlerweile einen Stammumfang von fünf Metern hat, gewissermaßen die älteste Kontaktbörse Deutschlands. Er ist sogar weltweit der einzige Baum mit dieser Funktion, weshalb die Leute von überallher schreiben, selbst aus Süd- und Osteuropa, Asien oder Amerika. Einige Menschen wollen einfach nur wissen, ob es diesen geheimnisvollen Baum überhaupt gibt, andere suchen eine Brieffreundschaft. Meistens geht es hier aber tatsächlich um die große Liebe. Das Astloch der Bräutigamseiche dient dabei sozusagen als toter Briefkasten. Nachweislich hat der Baum auf diese Weise schon viele Ehen zusammengeführt; er wird seinem Namen damit mehr als gerecht.Sie dürfen übrigens gerne die breite Leiter erklimmen und bei Bedarf einen Brief aus dem Astloch herausnehmen und lesen, denn das Postgeheimnis gilt hier nicht. Sollten Sie nicht antworten wollen, dann legen Sie den Brief einfach wieder zurück.

Eine Sage und eine zweifelsfrei verbürgte Kupplerin 

Doch wie kam die knorrige Eiche zu ihrem Namen? Der Sage nach wurde die Eiche vor Jahrhunderten von einem keltischen Fürstensohn aus Dankbarkeit gepflanzt. Feinde hatten ihn im Forst gefesselt zurückgelassen, doch ein Christenmädchen, das ihn liebte, befreite ihn aus seiner hilflosen Lage. Möglicherweise wurde diese Sage von christlichen Missionaren erfunden, um den »heidnischen« Glauben umzudeuten, der mit alten Eichen verbunden war. Noch heute wird alljährlich an Pfingstmontag unter der Eiche ein Gottesdienst gefeiert, begleitet vom Bläsercorps der Jägerschaft Malente. Und es gibt sogar einen weiteren interessanten Brauch: Wenn ein Mädchen bei Vollmond ohne zu reden und zu lachen dreimal um den Baum geht und dabei an ihren Angebeteten denkt, so wird sie diesen innerhalb von Jahresfrist heiraten. Sie können es ja mal ausprobieren …Zweifelsfrei verbürgt ist der Name »Bräutigamseiche« allerdings erst seit 1891. Damals fanden die Tochter des hiesigen Oberförsters und ein Leipziger Schokoladen-Fabrikantensohn mit Hilfe der alten Eiche zusammen. Und das kam so: Als sich die zwei verliebten, war der gestrenge Oberforstmeister zunächst strikt gegen diese Romanze, weshalb das Paar heimlich seine Liebesbotschaften in dem Astloch des alten Baumes verbarg. Das dauerte über ein Jahr lang an, bis die starke Liebe der beiden den Widerstrand des Försters brach – und die Eltern endlich der Verbindung zustimmten. Natürlich fand die Hochzeit unter der uralten Kupplerin statt, wie ein zeitgenössisches Foto belegt. Kurgäste aus dem nahen Malente hörten von dieser »glücklichen Romanze« und verbreiteten das Geschehen an der Eiche, die bald darauf im Volksmund »Bräutigamseiche« genannt wurde. Seitdem werden viele Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte nach einer neuen Partnerschaft mit diesem Baum verbunden.  

Seit 1927 steht an der Bräutigamseiche eine Leiter (Foto: Dieter Katz)
Seit 1927 steht an der Bräutigamseiche eine Leiter (Foto: Dieter Katz)

Die Liaison, die nur sechs Jahre hielt

Auch der Eiche selbst wollte man in Sachen »Liebe« offenbar etwas Gutes tun und so verheiratete man im Jahr 2009 die alte Eiche symbolisch mit der 300 Jahre jüngeren, sogenannten »Himmelgeister Kastanie« bei Düsseldorf. Doch diese Liaison hielt leider nur sechs Jahre, dann musste die als Solitärbaum in den Rheinauen stehende Rosskastanie wegen eines Pilzbefalls gefällt werden. Die Bräutigamseiche jedoch steht wie gewohnt nahezu unerschütterlich als prächtiges Naturdenkmal im Dodauer Forst.

Reisepraktische Infos 

Anfahrt: An der B 76 Eutin Richtung Plön etwa 3 km hinter Eutin beim Obsthof Münster (mit Hofladen und Obstbrennerei) rechts ab in den Dodauer Forst. Nach einigen Metern kommt rechts ein Waldparkplatz. Ein Hinweisschild mit der Aufschrift »Bräutigamseiche« führt zu dem halblinks im Wald stehenden Baum.Das schöne gewundene Sträßlein führt übrigens nach 3,5 km zu einem zweiten versteckten Naturdenkmal, nämlich zu dem knapp 2 Milliarden (!) Jahre alten Wandhoff-Riesenfindling bei Bad Malente. Dieser südschwedische Exilant thront in einem Findlingsgarten hinter dem Dorf Kreuzfeld am Zufahrtsweg zu einem Kieswerk (dort wurde er 1983 gefunden).  

Der uralte Riesenfindling im wenige Kilometer entfernten Dorf Kreuzfeld (Foto: Dieter Katz)
Der uralte Riesenfindling im wenige Kilometer entfernten Dorf Kreuzfeld (Foto: Dieter Katz)

Passend dazu