Lesezeit: 1 minTop Ten

Teil 54: Mosel
Zwischen Riesling und römischen Spuren

Das Moseltal ist eine der schönsten Flusslandschaften Deutschlands und als Urlaubsziel beliebter denn je. Längst passé ist das vergilbte Image von Moselfusel und Schunkelfahrten: Qualität und Nachhaltigkeit stehen bei vielen Moselwinzern inzwischen ganz oben auf der Agenda, und zahlreiche Rad- und Wanderwege erschließen die Region für Aktivurlauber und Familien. Die vielen Naturerlebnisse hat Autorin Peggy Leiverkus auf ihren Recherchen zum neuen Reiseführer über die Mosel besonders genossen – ebenso wie ihre Reisebegleiterin Lotti, die jeden Wanderweg aus Bodennähe genauestens geprüft hat. Ihre persönlichen Highlights hat uns Peggy bei einem Gläschen Mosel-Spritz verraten.

Porträt einer lächelnden Person mit Brille, Schal und kariertem Mantel vor herbstlich gefärbten Blättern.
Autorin Peggy Leiverkus

Peggys Top Ten:

1. Europa grenzenlos: Schengen

Reisefreiheit, offene Grenzen, ein vereintes Europa – all das verbinden wir mit dem Namen Schengen. Dabei wirkt der kleine Winzerort am Dreiländereck, wo das Schengener Abkommen unterzeichnet wurde, eher unscheinbar. Nachspüren kann man diesem wichtigen Kapitel der europäischen Geschichte im 2025 neu eröffneten Europäischen Museum. Interaktive Stationen widmen sich dem grenzüberschreitenden Personenverkehr, und am Moselufer kann die MS Princesse Marie-Astrid besichtigt werden. An Bord unterzeichneten am 14. Juni 1985 Vertreter der Benelux-Länder, Frankreichs und Deutschlands das erste Schengener Abkommen und ebneten damit den Weg für den Abbau der Grenzkontrollen in Europa. Ein bewegendes Ausflugsziel!

Weiße Passagierfähre am Kai mit goldener Aufschrift „PRINZESSIN MARIE-ASTRID EUROPA“ und offenem Eingang.
Auf der MS Princesse Marie-Astrid wurde 1985 das erste Schengener Abkommen unterzeichnet – Foto: Peggy Leiverkus

2. Lieblingsplatz am Moselufer: Ehnen

Nicht weniger als 242 km legt die Mosel zwischen Schengen und Koblenz zurück, doch nur selten hat man sie ganz für sich allein. Ein Ort, an dem man den Fluss in Ruhe genießen kann, ist Ehnen (lux. Éinen) am Luxemburger Ufer. Das mittelalterlich geprägte Dorf mit seiner eigentümlich kreisrunden Kirche strahlt eine Intimität aus, die man in vielen Moselorten vermisst. An der grün gestalteten Promenade lässt sich der Abend wunderbar auf einer Liegebank ausklingen. Gegenüber ist das Ufer naturbelassen, die Bahngleise verschwinden hinter Bäumen – und für einen Moment scheint die Mosel ganz mir allein zu gehören.

Fluss mit Frachtschiff, Uferhäusern und steilen grünen Weinbergen, im Vordergrund Kettenpfosten am Uferweg.
Die Moselpromenade in Ehnen – Foto: Peggy Leiverkus

3. Der Stoff, aus dem die Porta Nigra ist: römisches Bergwerk „Putzlöcher“

Nördlich von Trier, zwischen Kordel und Butzweiler, liegt verborgen im Wald ein römisches Bergwerk, das später als Steinbruch diente. In den Sandsteinfelsen wurden neun kreisrunde, teils bis zu 20 m tiefe »Putzlöcher« getrieben.

Rundes Metallgitter in einer Steinfläche mit Farnen im Schacht, unten zwei Wanderstiefel.
Ein »Putzloch« – der Schacht wurde zur Gewinnung von Mineralien ins Gestein getrieben – Foto: Peggy Leiverkus

Durch spätere Abbrucharbeiten sind einige Schächte angeschnitten, sodass Werkzeugspuren und Aufbau des Bergwerks gut sichtbar werden. Abgebaut wurden Azurit und Malachit, die man zu Kupfer und Bronze verarbeitete oder als Farbpigmente nutzte. Später lieferte der Steinbruch Baumaterial, u. a. für die Porta Nigra in Trier. Noch heute erkennt man Abbruchstellen, Schrotgräben und die Inschrift MARCI – ein spannendes Relikt der römischen Epoche jenseits ausgetretener Wege.

Mit Moos bewachsene Steinwand mit eingeritztem Schriftzug „NANO“.
Der römische Steinbruch gehörte einem Marcus (Marci = des Marcus) – Foto: Peggy Leiverkus

4. Römer, Römer, Römer: Rheinisches Landesmuseum Trier

Jedes Mal, wenn ich in Trier bin, zieht es mich ins Rheinische Landesmuseum – obwohl ich die Dauerausstellung längst auswendig kenne. Hier versammeln sich fantastische Funde aus dem römischen Trier und seiner Umgebung, etwa der Trierer Goldschatz mit über 2.600 römischen Goldmünzen und ein knapp sieben Meter langes Faksimile der Tabula Peutingeriana. Die mittelalterliche Abschrift einer römischen Weltkarte zeigt auch die Mosel mit Koblenz und Trier. Mein Highlight ist die Gräberstraße mit aufwendigen antiken Grabmälern, darunter das berühmte Weinschiff aus Neumagen, die in der multimedialen Inszenierung »Im Reich der Schatten« zum Leben erweckt werden.

Steinskulptur eines schiffsförmigen Boots mit mehreren Köpfen und zwei Drachenköpfen in einer Ausstellung.
Der aufwendige Grabstein in Form eines Weinschiffes wurde in Neumagen-Dhron entdeckt – Foto: Peggy Leiverkus

5. Tief durchatmen unter Tage: Schaubergwerk Fell

In einem idyllischen Tal hinter dem Ort Fell befanden sich bis ins 20. Jh. über 50 kleine Schieferminen. Heute wird Dachschiefer aus Spanien importiert oder künstlich hergestellt, der heimische Abbau wurde eingestellt. Die Minen Barbara und Hoffnung jedoch wurden zu einem Schaubergwerk umgebaut. Während einer Führung erkunden Gäste Stollen und große unterirdische Hallen mit Original-Geräten und faszinierenden Moosen. Überraschend: Selbst 70 m unter der Erde ist die Luft frisch und angenehm – eine Besonderheit des Schiefers, der Luft und Feuchtigkeit durchlässt. Das macht den Besuch auch für Menschen reizvoll, die schnell unter Engegefühlen leiden.

Frau mit gelbem Helm hält einen Dackel im pinken Geschirr vor einem dunklen Höhleneingang.
Auch Dackel dürfen in die Mine Barbara einfahren – Foto: Peggy Leiverkus

6. Sundowner mit Panoramablick: Burg Landshut

Eine Einkehr auf Burg Landshut lohnt sich schon wegen der Aussicht. Die Burgruine erhebt sich auf einem Felssporn hoch über Bernkastel-Kues. Ihre geschwungene Silhouette vor dem Moselpanorama inspirierte schon die Romantiker, etwa den englischen Maler William Turner. Hinter historischen Mauern empfängt das Burg-Restaurant seine Gäste überraschend modern – am schönsten sitzt man direkt an der Panoramascheibe mit Blick auf die Mosel und Weinberge. Ich empfehle einen Mosel-Spritz als Sundowner, wenn das Tal langsam im Abendlicht versinkt. Der perfekte Ausklang eines erlebnisreichen Urlaubstages.

Restauranttisch mit Burger, Pommes, Fischgericht, Getränken und Ausblick auf einen Fluss und ein Talort.
Traumhaft: Dinner vor Moselpanorama – Foto: Peggy Leiverkus

7. Fahrt mit der Moselweinbahn: über spektakuläre Brücken

Wer gern mit dem Zug unterwegs ist, sollte sich eine Fahrt mit der Moselweinbahn gönnen. Die RB 85 verbindet auf einer Nebenstrecke die Orte Bullay und Traben-Trarbach. Eine Tour dauert knapp 20 Minuten und beginnt mit einem technischen Unikat: der doppelstöckigen Stahlbrücke von 1877, die oben von Zügen, unten von Autos befahren wird. Anschließend geht es durch den 500 m langen Prinzenkopftunnel und über das imposante Pündericher Hangviadukt mit seinen 92 Bögen. Bis Traben-Trarbach verlaufen die Gleise dann direkt am Moselufer.

Tipp: Wer in Cochem residiert, nimmt dort die Regionalbahn und steigt in Bullay um. So erlebt man zusätzlich den Kaiser-Wilhelm-Tunnel, der mit rund 4 km Länge bis 1988 Deutschlands längster Eisenbahntunnel war.

Eisenbahnbrücke über einen Fluss, davor herbstliche Blätter, im Hintergrund bewaldete Hügel und ein Dorf.
1877 ein Meisterwerk der Ingenieurskunst: die Doppelstockbrücke in Bullay – Foto: Peggy Leiverkus

8. Der steilste Weinberg Europas: Calmont

Der berühmteste Berg an der Mosel erhebt sich in der engen Schleife zwischen Bremm und Ediger-Eller. Mit über 68 Prozent Hangneigung gehört der Calmont zu den steilsten Weinlagen der Welt. Sein Name leitet sich vermutlich von den lateinischen Wörtern calidus (warm) und mons (Berg) ab – und tatsächlich heizt sich der Südhang stark auf, eine ideale Voraussetzung für Spitzenrieslinge. Zum 380 m hohen Gipfel führt ein spektakulärer Klettersteig mit Leitern und Stiegen. Am Gipfelkreuz werden Wanderer mit einem überwältigenden Panoramablick über die Moselschleife und bei schönem Wetter mit einem Glas Wein belohnt.

Lachende Frau mit Brille und rotem Musterpullover steigt eine steile Metallleiter im Grünen hinauf.
Über Leitern Richtung Gipfelkreuz – Foto: Peggy Leiverkus

9. Wandern auf dem Traumpfad: Bergschluchtenpfad Ehrenburg

Eine der schönsten Wanderungen an der Mosel ist für mich der »Traumpfad Bergschluchtenpfad Ehrenburg« zwischen Brodenbach und Alken. Oh ja, ordentlich Wadenschmalz ist gefragt, denn es gibt kaum Wegabschnitte, die nicht entweder bergauf oder bergab führen. Dafür ist die Strecke äußerst abwechslungsreich. Der erste Teil führt weg von der Mosel, durch schöne Buchenwälder und das verwunschene Brodenbachtal.

Mehrstufiger Wasserfall zwischen moosbedeckten Felsen im Wald, mit aufgeschichteten Steinen am Ufer.
Im Brodenbachtal – Foto: Peggy Leiverkus

Ein unterhaltsamer Zwischenstopp ist die Ehrenburg, wo sich an Wochenenden mittelalterliche Gaukler tummeln. Weiter geht es über Streuobstwiesen und offene Flächen hinauf nach Nörtershausen. Ab hier wird man immer wieder mit fantastischen Ausblicken über das Moseltal und hinüber in die Eifel belohnt. Das letzte Stück verläuft am Moselhang und durch das tief eingeschnittene Nickelsbachtal zurück nach Brodenbach. Am Ende des Tages ist man platt, aber erfüllt.

Von hinten gehende Wanderin mit lila Rucksack und kleinem braunem Hund auf einem Feldweg in hügeliger Landschaft.
Wandergenuss hoch über der Mosel – Foto: Peggy Leiverkus

10. Weinprobe in Ehrenbreitstein: Weingut Göhlen

Zugegeben, hier wird kein Moselwein angebaut, denn das Weingut Göhlen liegt im Hinterland der Festung Ehrenbreitstein im idyllischen Mühlental, und die Reben wachsen hinter dem Haus auf dem kesselartigen »Ehrenbreitsteiner Kreuzberg«. Macht aber nichts, denn von Koblenz ist es nur ein Katzensprung auf die andere Rheinseite, und bei Familie Göhlen ist es einfach schön. Neben Riesling werden auch besondere Trauben wie Rotling (süffig!), Bacchus (prickelt schön), Portugieser (mild und etwas holzig) und, ganz jung und lokal, Ehrenbreitsteiner (uiuiui, kräftig!) angebaut. Fast täglich wird um 17 Uhr zur offenen Weinprobe auf der urig bewachsenen Terrasse geladen. Es kann spät werden!

Weinflasche mit Etikett „MITTELRHEIN“, daneben halb gefülltes Weinglas auf gemusterter Tischdecke.
Süffig und nicht überall zu haben: der Rotling bei Familie Göhlen – Foto: Peggy Leiverkus

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