Abseits der Routen

Teil 35: Kykladen

oder Experimentierfreudige Winzer

Wer die Kykladen so oft bereist hat wie Eberhard Fohrer, sucht immer wieder nach besonderen Orten, die abseits der Routen liegen. Deshalb geht es heute um vier Weingüter, die sich auf vier Inseln niedergelassen haben, die nicht gerade für den Anbau von Rebstöcken bekannt sind: Griechischer Wein mal anders! Einer der Winzer liefert inzwischen an einen Sternekoch …  

Wer die weit verstreute Inselwelt der Kykladen bereist, denkt meist an sonnige Strände, türkisblaues Meer und lauschige Tavernen – aber nicht unbedingt an Weinanbau. Den verortet man eher am Festland, auf der Fünf-Finger-Halbinsel Peloponnes und auf der großen Insel Kreta.Doch in den letzten Jahren haben sich immer mehr experimentierfreudige Winzer aufgemacht, das Weinpotential der überaus sonnigen, aber wasserarmen Ägäisinseln zu erschließen. Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht von der Vulkaninsel Santoríni mit ihren allseits bekannten »Kraterweinen«, sondern von Inseln, die früher nur für den Eigenbedarf ohne große Ansprüche produzierten. Oft liegen die neuen Weingüter versteckt – umso reizvoller ist ein Besuch.

Das Weingut in der rauen Wildnis

Tínos, die »heilige« Insel der Orthodoxie, ist vor allem bekannt für ihren Marmor, doch im Inselinneren um Falatádos und Voláx erstreckt sich um den markanten Berg Exómbourgo auch eine raue Wildnis aus Granitfelsen. Inmitten dieser faszinierenden Landschaft liegt das Weingut T-Oinos, wo der Franzose Stéphane Derenoncourt mit seinem Team seit 2016 Spitzenweine anbaut (Tel. 22830-41120).Die Ernte geht zum Großteil in den Export, vor allem an den michelingekrönten Koch und Publizisten Alain Ducasse, der 30 Restaurants in acht Ländern betreibt. Mit Voranmeldung per Mail können die Weine vor Ort verkostet werden, der Preis ist allerdings hoch, die Qualität ist es auch. Zu erreichen ist das Weingut nur über eine Erdpiste.  

In der steinigen Berglandschaft von Tínos erwartet man keine Kellerei der Spitzenklasse (Foto: Eberhard Fohrer)
In der steinigen Berglandschaft von Tínos erwartet man keine Kellerei der Spitzenklasse (Foto: Eberhard Fohrer)

Abseits von Partyexzessen und Discotrubel

Wir reisen weiter auf die Nachbarinsel Mýkonos – weltberühmt für Partyexzesse und Discotrubel. Doch es gibt auch das ganz andere Mýkonos: Ein paar kleine Schilder im abgelegenen Nordosten – das ist alles, was auf die einzige Weinkellerei der Insel namens Mykonos Vioma hinweist. Um sie zu erreichen, muss man die Straße zum Fokós-Strand nehmen und nach rechts der Ausschilderung folgen (Tel. 22890-71883).  

Die Weinkellerei Vioma liegt abseits vom Touristenlärm (Foto: Eberhard Fohrer)
Die Weinkellerei Vioma liegt abseits vom Touristenlärm (Foto: Eberhard Fohrer)

1994 hat Familie Asimomytis das Weingut gegründet, mittlerweile werden auf über 4 Hektar Weine aus organischem Anbau produziert – weiße und rote, dazu süße Dessertweine, die man ab ca. 15 Euro pro Flasche erwerben kann. Ein Besuch ist täglich von 12 bis 18 Uhr möglich und sollte möglichst vorher angemeldet sein, auf der schattigen Terrasse werden Weinproben und Snacks serviert, auch Führungen werden angeboten. Kinder haben Freude an den Hühnern, Ziegen und Eseln, die z. T. frei herumlaufen.

Auf einen Schluck bei Vioma (Foto: Eberhard Fohrer)
Auf einen Schluck bei Vioma (Foto: Eberhard Fohrer)

Ganz ähnlich sieht es auf der Partyinsel Íos aus. Der Großteil der Besucher bevorzugt zwar Tequila Slammer, Guinness und »Sex on the Beach« – aber besuchen Sie einmal die Íos Winery, die vor einigen Jahren im Hinterland des hafennahen Strandes Yialós gegründet wurde. Die Eigentümer sind zwei Brüder, die sich freundlich um ihre Gäste kümmern und bei der Verkostung gerne alle Fragen zur Produktion der Weine beantworten, die es in fünf Varianten gibt (Tel. 6973-667627, E-Mail: ioswinery@gmail.com).  

Rot oder weiß – das ist hier die Frage (Foto: Martin Bredebusch)
Rot oder weiß – das ist hier die Frage (Foto: Martin Bredebusch)

Der Wein der Vorfahren im Windschatten

Last but not least wartet die Weinkellerei von Síkinos auf Ihren Besuch. Die kleine Insel liegt versteckt im Windschatten von Íos, fast nur Insider verschlägt es hierher, gute Schiffsverbindungen gibt es nur im Sommer. In idyllischer Lage wurde mit Hilfe von EU-Fördermitteln auf dem Weg vom Hauptort zum römischen Grabmal Episkopí eine moderne »Winery« erbaut und 2018 eröffnet. Bei einem kühlen Glas Wein (ab ca. 5 Euro) und einer kleine Platte mit Mezédes genießt man den traumhaften Blick über die terrassierten Hänge bis hinunter zum Meer, wunderschön vor allem zum Sonnenuntergang. Georgios Manalis hat sich hier den Traum erfüllt, mit neuer Technologie Wein zu produzieren wie seine Vorfahren – für die weißen, roten und Roséweine nutzt er sogar teilweise die alten Rebsorten von Síkinos. Die Anlage wird vollständig mit Solarstrom bedient, etwa 10.000 Liter Wein können derzeit produziert werden. Der Bus nach Episkopí hält an der Winery, man kann aber auch zu Fuß gehen, von der Chóra sind es etwa 3 Kilometer (Weingut Tel. 6932-272854, Bewirtschaftung 6996-670910).  

Auf der Terrasse bei Manalis den Sonnenuntergang genießen (Foto: Martin Bredebusch)
Auf der Terrasse bei Manalis den Sonnenuntergang genießen (Foto: Martin Bredebusch)

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