Lesezeit: 1 minReportage

Die kleinen Freuden in Oslo
Günstig unterwegs: viel Stadt für wenig Geld

Norwegens Hauptstadt zählt zu den spannendsten, aber auch zu den teuersten Städten Europas. Dabei bietet Oslo seinen Gästen auch Erlebnisse, für die man nicht tief in die Tasche greifen muss. Oslo-Expertin Lisa Arnold hat drei Tipps für lohnende Alternativen zum klassischen Urlaubsprogramm: Freiluftkunst, Weltmeisterkaffee und Fjordinsel-Erkundungen per Nahverkehr. Noch mehr Tipps gibt’s in der Neuauflage ihres Oslo-Reiseführers ...

Bronzene Tigerstatue auf einem Platz vor historischem Gebäude, Passanten und Straßencafé im Hintergrund.
Der Dichter Bjørnson nannte Oslo die »Tigerstadt« – Foto: Lisa Arnold

Kunstgenuss ohne Eintrittskarte

Oslo hat sich im vergangenen Jahrzehnt als Kunststadt neu positioniert. Das 2022 eröffnete Nationalmuseum beherbergt die größte Kunstsammlung der Nordischen Länder. Direkt am Wasser steht seit 2021 das Munch-Museum, und auf Tjuvholmen zeigt das Astrup Fearnley Museum zeitgenössische Kunst mit Fjordblick. Doch das Besondere an Oslo: Man muss gar nicht ins Museum, um große Kunst zu erleben.

Bronzeskulptur eines springenden Pferdes mit Reiter auf einem Platz am Wasser, umgeben von modernen Gebäuden.
»into the future« von Tore Bjørn Skjølsvik - eins von vielen Kunstwerken im öffentlichen Raum – Foto: Lisa Arnold

Mit KORO unterhält Norwegen eine eigene staatliche Stelle, die Kunst im öffentlichen Raum kuratiert. Derzeit gibt es landesweit rund 8000 Werke an über tausend Standorten zu entdecken. In Oslo sieht man das Ergebnis auf Schritt und Tritt: Ein 6 m hoher Bronzetiger bewacht den Bahnhofsvorplatz, Paul McCarthys knallroter Santa steht provokant in einem Kreisverkehr, und im Schlosspark überrascht ein von Schulkindern gestalteter Skulpturenpark. Der Vigeland-Park in Frogner mit seinen über 200 Skulpturen ist rund um die Uhr zugänglich, ebenso der Ekebergparken mit Werken von Dalí, Hirst und Abramović – und das alles bei freiem Eintritt.

Bronzestatue zweier Kinder am Teichrand vor Springbrunnen und herbstlichen Bäumen im Park.
Im Sommer wird im Park Studenterlunden gerne geplanscht – Foto: Lisa Arnold

Kaffee trinken mit den Weltmeistern

Ein durchschnittlicher Norweger trinkt 1315 Tassen Kaffee pro Jahr, und damit gehört die Nation zu den Weltmeistern. Dass Oslo zur internationalen Hochburg für Spezialitätenkaffee geworden ist, verwundert also kaum. Im Viertel Grünerløkka gibt es mehrere Mikroröstereien, deren Erzeugnisse sich durch besonders leichte Röstungen auszeichnen. Wenn so die Aromen der Bohnen voll zur Geltung kommen, ist das ein guter Grund, den herkömmlichen Filterkaffee einmal auszulassen und stattdessen einen von Hand aufgegossenen V60-Kaffee, einen aus der AeroPress oder einen sorgfältig zubereiteten Espresso zu probieren.

Grün gestrichene Eckbäckerei W. B. SAMSON mit offener Eingangstür, Außenplätzen und Gästen an Tischen
Café-Kultur wird gelebt – Foto: Lisa Arnold

Der Pionier der Szene ist Tim Wendelboe, ehemaliger Barista-Weltmeister und Gründer der gleichnamigen Rösterei, die 2027 ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Sein minimalistisches Lokal in Grünerløkka serviert kein Gebäck, sondern nur Kaffee – auch in Form von Verkostungen. Im gleichen Viertel liegt auch Supreme Roastworks, wo im Sommer handgebrühter Eiskaffee mit fruchtigen Beerennoten überrascht. Und Fuglen Coffee Roasters verbindet Retrodesign mit eigener Röstung; das Konzept hat es bis nach Tokio geschafft. Eine Tasse kostet zwischen 50 und 70 Kronen – ein Bruchteil eines Restaurantbesuchs, aber ein Erlebnis auf hohem Niveau.

Inselhüpfen mit dem Wasser-Linienbus

Der 120 km lange Oslofjord umfasst Tausende Inseln, Schären und Felsen, doch nur wenige liegen direkt vor der Hauptstadt. Man erreicht diese „Osloøyene“ mit normalen Nahverkehrsfähren: einfach die Ruter-App öffnen, Tagesticket lösen und am Anleger Aker Brygge auf die elektrische Fähre steigen. Die Linie B1 fährt ganzjährig zu fünf Inseln; im Sommer erschließt die B2 ein sechstes Eiland. Die meisten Touristen nehmen die Fähre zur Museumshalbinsel Bygdøy, doch wer mit der B1 fährt, erlebt Oslo von seiner maritimen, ländlichen Seite.

Menschen warten auf einer Holzfähre am Pier mit Schildern „Lindøya Nakkholmen Bleikøya“, „Hovedøya“ und „Gressholmen Langøyene“.
Reif für die Insel? Die Fähren gehören zum Ruter-Nahverkehrsnetz – Foto: Lisa Arnold

Den Auftakt macht Hovetøya, keine fünf Minuten vom Festland entfernt. 1147 gründeten hier Zisterzienser aus England ein Kloster „am Ende der Welt“, doch davon ist nur noch eine Ruine übrig. Daneben zeugen Kanonenstellungen und Pulverhäuser von der militärischen Vergangenheit als Außenposten der Festung Akershus. Auf Gressholmen, der „Grasinsel“, befand sich 1927 Norwegens erster Flughafen. Heute gibt es dort Badestellen und einen der ältesten Leuchttürme im Fjord. Und Lindøya, die schönste der Hütteninseln, überrascht mit bunten Holzhäuschen und einem Schwimmstadion.

Luftaufnahme einer bewaldeten Insel mit Yachthafen, vielen Bootsstegen, Segel- und Motorbooten sowie einer Fähre im Wasser.
Hovedøya aus der Luft - Oslos grüne Klosterinsel ist per Fähre in kurzer Zeit erreichbar – Foto: Lisa Arnold

In einer knappen Stunde ist man die gesamte Runde einmal abgefahren, die neben dem Fjordpanorama auch einen fabelhaften Blick auf die Festung Akershus bietet. Oder man packt ein Lunchpaket (und natürlich Kaffee) ein und bleibt länger: Im Sommer fahren die Fähren alle halbe Stunde bis fast Mitternacht.

Luftaufnahme eines Fjords mit Yachthafen, Inseln, bewaldeten Ufern und einem Ausflugsschiff im Vordergrund.
Die Inseln im Fjord sind leicht zu erreichen – Foto: Lisa Arnold

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