Lesezeit: 1 minTop Ten

Teil 52: Französische Atlantikküste
Kunst, Kultur und ganz viel Natur

Über 850 km fast unberührte Landschaft liegen an der französischen Atlantikküste zwischen den Flussmündungen von Loire und Gironde. Auf Reisende warten wunderschöne Badestrände, hervorragende Surfspots und geschichtsträchtige Städte, und überall gibt’s Austern, fangfrischen Fisch und spritzigen Wein. Unsere Autorin Veronica Frenzel hat für den Reiseführer Französische Atlantikküste viel Zeit in der Gegend verbracht und alles (aus)probiert, was die Region zu bieten hat. Hier verrät sie ihre zehn Lieblingsorte und was man dort unternehmen kann.

Lächelnde Person mit kurzen dunklen Haaren in schwarzem Shirt, sitzend vor Blumen und hängenden Lampen in einem Café.

 Veronicas Top Ten:

1. Île de Nantes: Labor für kreative Stadtentwicklung

Die Loire-Insel Île de Nantes ist heute ein angesagtes Szeneviertel, in den 1980er-Jahren war sie noch ein Industriestandort. In den ehemaligen Lagerhäusern und Maschinenhallen kann man Künstlern beim Schaffen zugucken, dazwischen moderne Architektur, viel Grün und Kunstwerke entdecken. Von den Cafés und Bars im Hangar à Bananes blickt man auf die Loire. Im ehemaligen Bunker legen DJs jeden Freitag experimentelle Sets auf.

Leuchtende farbige Lichtkreise entlang einer Uferpromenade bei Dämmerung, zwei Personen im Vordergrund am Geländer.
 Kunst auf der Île de Nantes: Beim Hangar à Bananes leuchten nachts 18 Stahlringe in Rot, Weiß, Grün und Blau – Foto: Veronica Frenzel

2. Polder de Sébastopol: Es schnattert, flattert, zirpt

Die gesamte Atlantikküste ist ein Paradies für Vogelbeobachtung. Hotspots sind die Feuchtgebiete mit ihren glitzernden Salzgärten, und besonders ideal ist der Polder Sébastopol auf der Atlantikinsel Noirmoutier. Seit einem Deichbruch ist die Natur dort wieder ganz sich selbst überlassen, rund 210 Vogelarten haben sich angesiedelt, sehr viele Schmetterlinge und sogar ein paar Fischotter. Bester Moment zum Horchen und Erforschen ist bei Hochwasser.

Graslandschaft mit schmalem Wassergraben in der Mitte, links ein sandiger Weg und am Horizont einige Bäume unter blauem Himmel.
Seit einem Deichbruch ist die Natur am Polder Sébastopol sich selbst überlassen – ein Paradies für Vogel und Beobachter – Foto: Veronica Frenzel

3. Île d’Yeu: Traumstrände in der Brandung

Die abgelegenste Atlantikinsel Frankreichs ist wild, ursprünglich und sehr lebendig. Zwischen schroffen Klippen liegen Sandstrände, Wälder, Sümpfe, eine Burgruine und Künstlerateliers. Das Inselhauptstädtchen Port-Joinville versprüht Bohème-Charme. Autos sind tabu. Am besten entdeckt man die Insel per Rad auf schmalen Wegen.

Kleine Sandbucht mit Felsen, grünen Klippen und zwei Personen am Strand unter blauem Himmel.
Zwischen den rauen Klippen der Île d’Yeu liegen Strände mit feinstem Sand – Foto: Veronica Frenzel

4. Les Sables-d’Olonne: Petite Californie

Das Städtchen trägt dank seines entspannten Westküstencharmes den Beinamen „Petite Californie“. Von der schier endlosen Strandpromenade beobachtet man tagsüber die Surfer und am Abend, wie die Sonne ins Meer gleitet, am besten mit einem Drink in der Hand. Und nicht nur am Fischerhafen lässt es sich köstlich speisen. Les Sables-d’Olonne ist außerdem Heimat des Segelmythos Vendée Globe: Die legendäre Einhandregatta startet dort alle vier Jahre.

Drei Personen sitzen auf einer Holzterrasse mit Blick auf einen breiten Sandstrand und das Meer unter blauem Himmel.
Die Strandpromenade von Les Sables-d’Olonne verströmt entspannte Ostküsten-Vibes – Foto: Veronica Frenzel

5. Das Marais Poitevin: Frankreichs „grünes Venedig“

Die Atlantikküste ist ein dünnes Land: Lagunen wurden nach der letzten Eiszeit zu Sümpfen, diese seit dem frühen Mittelalter von Menschen entwässert und landwirtschaftlich genutzt, für Salzgewinnung, Austernzucht und Ackerbau. Im Marais Poitevin, dem zweitgrößten Feuchtgebiet Frankreichs nach der Camargue, zeigt sich die Deichbaukunst besonders eindrucksvoll. Ein Netz aus Kanälen durchzieht das Moor, das deshalb auch „grünes Venedig“ heißt, Venise Verte. Die Baumtunnel und stillen Wasserstraßen erkundet man am besten per Rad oder Kahn.

Weiße Landhausfassade mit blauen Fensterläden am Ufer eines grünen Flusses, umgeben von Bäumen und Spiegelungen im Wasser.
Stille Wasserstraßen, wie hier bei Coulon, durchziehen das Moor Marais Poitevi – Foto: Veronica Frenzel

6. La Rochelle: Junge Szene in altem Gemäuer

Zwischen mittelalterlichen Türmen und Renaissance-Herrenhäusern haben sich Cafés, Bars und Ladengalerien eingerichtet. Am Alten Hafen wird flaniert und beobachtet, im einstigen Fischerviertel Saint-Nicolas klönen die Jungen und Kreativen. Und dank einem der größten Sporthäfen Europas weht über allem eine maritime Brise.

Zwei sitzende Personen am Hafen vor Segelbooten, Kaikante und zwei historischen Türmen unter bewölktem Himmel.
Die Kaimauer am alten Hafen ist ein beliebter Treffpunkt in La Rochelle – Foto: Veronica Frenzel

7. Saint-Martin-de-Ré: Hafenidylle im Weltkulturerbe-Gemäuer

Hinter den sternförmigen Mauern, erbaut vom französischen Festungsbaumeister Vauban, liegen enge Gassen und ein Bilderbuch-Hafen mit gemütlichen Cafés und exzellenten Restaurants. Den besten Blick auf das Ensemble hat man vom Turm der Kirchenruine Saint-Martin, extraschön zum Sonnenuntergang.

Blick über ein Küstendorf mit roten Ziegeldächern, Ruinen einer Steinkirche im Vordergrund und Meer im Hintergrund.
Von der Ruine der Église Saint-Martin überblickt man das Gassengewirr zwischen Hafen und Festungsmauer – Foto: Veronica Frenzel

8. Brouage: Befestigtes Dorf zwischen alten Salzgärten

Wuchtig erheben sich die Mauern in der flachen Marschlandschaft. Dahinter erstreckt sich ein Schachbrett aus kopfsteingepflasterten Straßen und steinernen Häusern. Das Dorf war einmal die französische Salzkapitale. Beim Spaziergang über die Festungsmauern überblickt man die Siedlung und die alten Salzmarschen, in denen heute Austern gezüchtet werden. Durch die Polderlandschaft führen urige Radwege, man passiert Bauernhöfe und Vogelbeobachtungsposten.

Steinerner Turm mit Efeu links, davor Wiese und Weg, dahinter Feuchtgebiet unter blauem Himmel mit Wolken.
Hinter den wuchtigen Wehrmauern von Brouage liegen die alten Salinen der einstigen Salzkapitale – Foto: Veronica Frenzel

9. Royan: Picasso und Oscar Niemeyer

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zog Picasso sich mit Familie und Geliebter in den Badeort der Belle Époque zurück. Die eleganten Strandhäuser aus der Jahrhundertwende wurden 1945 fast alle von Bomben zerstört. Beim Wiederaufbau folgte man Oscar Niemeyer und Le Corbusier: Geometrische Betonstrukturen, Bullaugen, Schiebefenster und unverputzte Außentreppen prägen heute das Stadtbild.

Außenterrasse eines Cafés mit vielen Gästen vor der Bar „BAR DU MARCHE“ unter Bäumen und weißen Sonnenschirmen.
Das Café in der geschwungenen Markthalle aus den 1950er-Jahren ist ideal für eine Kaffeepause – Foto: Veronica Frenzel

10. Saintes: Zeitreise durch Antike und Mittelalter

Ein Besuch in Saintes ist wie eine Zeitreise: Das Amphitheater und das einstige Stadttor Arc de Germanicus führen in die Antike, die Abbaye aux Dames, die Cathédrale Saint-Pierre und die Église Saint-Eutrope ins Mittelalter. Proviant holt man sich zum Beispiel in der Markthalle Saint-Pierre. Auf der dazugehörigen Terrasse über der gemächlich fließenden Charente kann man die regionalen Köstlichkeiten direkt verkosten und dabei zu DJ-Klängen schwingen.

Ruinen eines römischen Amphitheaters mit Freilichtbühne, grasbewachsenen Mauern und vier Personen im Vorraum; im Hintergrund ein Kirchturm.
Hinterm römischen Amphitheater von Saintes erhebt sich die romanische Kirche Saint-Eutrope – Foto: Veronica Frenzel

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