Lesezeit: 1 minTop Ten

Teil 53: Valencia
Architektur, Kunst und viel mediterranes Flair

Der Mix aus mittelalterlicher und moderner Architektur, spannende Museen, Kunst an jeder Ecke, hochkarätige Restaurants und viel mediterranes Flair machen Valencia zu einem äußerst beliebten Reiseziel. In unserem neu erschienenen Städteführer Valencia nimmt Sie die seit vielen Jahren in Spanien lebende Reisebuchautorin Nicole Biarnés mit auf eine Entdeckungsreise durch die Mittelmeermetrople. Sie führt zu den Ursprüngen der faszinierenden Stadt, in Valencias mittelelalterliche Blütezeit, als es durch die Seidenproduktion zu Wohlstand gelangte, zeigt moderne Projekte wie den im Flussbett des Turia angelegten Grüngürtel oder die futuristischen Bauten der Ciudad de las Artes y las Ciencias und verrät, wo es die beste Paella gibt.

Portrait Nicole Biarnes
Autorin Nicole Biarnés

Nicoles Top Ten:

1. Lonja de la Seda: die prachtvolle Seidenbörse

Die Lonja de la Seda ist eines der beeindruckendsten gotischen Bauwerke Europas. Der Orangenhain auf dem Innenhof, die eleganten, in sich gedrehten Säulen der Sala de Contratación und die üppig dekorierte Fassade zeugen vom großen Reichtum der Seidenhändler und zeigen, wie einflussreich diese Gilde im 15. Jh. war. Die Entwicklung einer florierenden Seidenproduktion und der Handel mit den feinen Tuchen verhalfen Valencia einst zu Wohlstand und Einfluss.

Gotische Halle mit hohen Steinpfeilern, Spitzbogenfenstern, Kronleuchtern und dunklem Holztor.
In der Säulenhalle der Seidenhandelsbörse – Foto: Nicole Biarnés

2. Das Wassergericht: eine jahrhundertealte Institution

Seit dem Mittelalter tritt jeden Donnerstag pünktlich um 12 Uhr das sog. Wassergericht (Tribunal de las Aguas) vor dem Aposteltor der Kathedrale zusammen. Das aus gewählten Vertretern erfahrener Landwirte bestehende Tribunal regelt bis heute alle die Bewässerungskanäle Valencias betreffenden Angelegenheiten. Die von den Richtern gefällten Urteile sind rechtlich bindend. Bei den auf Valencianisch abgehaltenen Anhörungen trifft man nicht nur auf Besucher, die das Spektakel miterleben wollen, sondern auch auf Einheimische und Schulklassen, die hier eine gelebte Tradition kennen- und schätzen lernen.

Priester im schwarzen Gewand und mit Mütze spricht vor sitzenden Männern in schwarzen Roben vor einer gotischen Steinwand.
Das Wassergericht – Tribunal de las Aguas – Foto: Nicole Biarnés

3. Centro de Arte Hortensia Herrero: beeindruckende private Kunstsammlung

Oberhalb der freigelegten Mauerreste aus römischer Zeit zeigt der komplett restaurierte und zu einer modernen Kunstgalerie umgebaute Palacio de Valeriola die umfangreiche Sammlung der Kunstmäzenin Hortensia Herrero. Die hier ausgestellten Werke namhafter spanischer und internationaler Künstler wie Roy Liechtenstein, Antoni Tàpies, Eduardo Chillida, Jaume Plensa oder Joan Miró begeistern inzwischen Besucher aus aller Welt. Absolut faszinierend sind die bewegten Bilderwelten aus der Feder von teamlab, einem aus Japan stammenden, digitalen Künstlerkollektiv.

Gewölbter Innenraum mit metallischen Buchstaben-Skulpturen an den Wänden und einer Glastür zum begrünten Innenhof.
Beeindruckende Kunstgalerie CAHH: »Tempesta« von Jaume Plensa – Foto: Nicole Biarnés

4. Ciudad de las Artes y las Ciencias: Wissenschaft, Kunst und Architektur

Stadt der Kunst und der Wissenschaften heißt das futuristische Gebäudeensemble, das am Rande des Grüngürtels Jardín del Turia in den 80er-Jahren errichtet wurde. Kurz vor dem Hafen, der Stelle, an der der Fluss Turia einst ins Mittelmeer mündete, erheben sich die strahlend weißen Bauwerke aus der Feder Santiago Calatravas. Das Oceanográfico, ein Komplex aus mehreren, untereinander verbundenen Aquarien, entwarf Félix Candela Outeriño. Lohnenswert ist vor allem der Besuch des Museo de las Ciencias mit seinen interaktiven Ausstellungen zur Erkundung des Weltraums.

Moderne futuristische Architektur mit großer silberner Kuppel, Glasfassaden und Wasserbecken unter blauem Himmel.
L’Hemisfèric in der Ciudad de las Artes y las Ciencias – Foto: Nicole Biarnés

5. Museo Arqueológico de la Almoina: archäologische Schatztruhe

Absolut beeindruckend ist das moderne Museum, das zu den Anfängen Valencias aus der Römerzeit führt. Unter der Plaza Décimo Junio Bruto, benannt nach dem Gründer der ersten römischen Siedlung, die im 2. Jh. v. Chr. an dieser Stelle errichtet wurde, kann man über alte Römerstraßen wandeln und die Überreste des Forums, einer Therme und mehrerer Wohnhäuser und Werkstätten bewundern, die bei den archäologischen Ausgrabungsarbeiten in den 80er-Jahren zutage gefördert wurden. Das 2007 eröffnete Museum liegt zwar unter der Erde, erhält aber dank der ausgeklügelten Konstruktion des Glasdachs, das gleichzeitig den Boden des Wasserbeckens auf dem Platz bildet, natürliches Tageslicht.

Archäologische Ausgrabungsstätte unter Glasdach mit Steinmauern und dunkel verkleideten Ausstellungselementen.
Archäologisches Museum Almoina – Foto: Nicole Biarnés

6. L’Etno und Museo de Prehistoria de Valencia: Museen zu Geschichte und Kultur der Stadt

Gleich zwei tolle Museen befinden sich in dem Komplex des Centro Cultural La Beneficencia. Auf der einen Seite kann man durch das Etno, ein Museum, das sich der valencianischen Kultur und Geschichte widmet, und auf der gegenüberliegenden Seite durch das Museo de la Prehistoria de Valencia, ein Museum der Vor- und Frühgeschichte, wandeln. Während L’Etno zeigt, wie sich Valencia über die Jahrhunderte veränderte, lassen sich im Museo de Prehistoria archäologische Schätze wie der Krieger von Mogente oder eine Nachbildung der Dama de Elche bestaunen.

Kleine bronzene Reiterfigur auf weißem Sockel vor unscharfem Hintergrund.
Iberische Kunst: der kleine Krieger von Mogente – Foto: Nicole Biarnés

7. Mercado Central: schlendern und genießen

Zu den schönsten der im valencianischen Jugendstil errichteten Bauten zählt die zentrale Markthalle der Stadt. Die Anfang des 20. Jh. entstandene Eisenkonstruktion mit farbigen Kacheln, blumigen Ornamenten und bunten Glasfenstern entwickelte sich bald zu einem beliebten Treffpunkt, an dem die Menschen nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Austauschen von Neuigkeiten zusammenkommen. Heute gesellen sich zu den Einheimischen immer mehr Besucher der Stadt. Wer die lokalen Köstlichkeiten gleich vor Ort genießen will, kann leckere Tapas zu erschwinglichen Preisen in der kleinen Bar des Sternekochs Ricard Camarena probieren.

Historische Kirche mit roter Ziegeldachfront, dekorierter Kuppel und filigranem Turmaufsatz vor bewölktem Himmel.
Mercado Central – die bunte Markthalle Vanlencias – Foto: Nicole Biarnés

8. Iglesia de San Nicolás de Bari y San Pedro Mártir: die »Sixtinische Kapelle Valencias«

Ein echter Schatz ist die kleine Kirche San Nicolás de Bari y San Pedro Mártir. Durch eine versteckt liegende Seitengasse der Calle Caballeros gelangt man in das Gotteshaus. Bei den 2012 begonnenen Restaurierungsarbeiten wurden dank innovativer Techniken ganz unglaubliche Fresken freigelegt. Jahrzehntelang unter einer dunklen Staubschicht verborgen, kamen die farbenprächtigen Deckengemälde wieder zum Vorschein und trugen der kleinen Kirche den Beinamen »Sixtische Kapelle Valencias« ein.

Prunkvoller Barockkirchenraum mit vergoldetem Hochaltar, Freskengewölbe, Seitenfenstern und hölzernen Kirchenbänken.
Farbgewaltig – die Iglesia de San Nicolás nach der Restaurierung – Foto: Nicole Biarnés

9. Plaza del Tossal: Herz des Carmen-Viertels

Das Herz des Barrio del Carmen schlägt an der kleinen dreieckigen Plaza del Tossal. Besonders an den Wochenenden treffen sich Einheimische und Touristen hier, um ein Gläschen Wein oder Bier auf den Terrassen der Bars zu trinken und eine milde Sommernacht zu genießen. Im Café Sant Jaume verbinden sich moderne Kaffee- und Cocktailkultur harmonisch mit dem Ambiente einer historischen Apotheke aus dem 19. Jh. Unterhalb des belebten Platzes kann man in der Galeria del Tossal sogar die Überreste einer mächtigen Stadtmauer aus der Zeit der maurischen Besiedlung bestaunen.

Holzvertäilte Bar mit geschnitzter Theke, hinterleuchteten Regalen voller Spirituosenflaschen, Gläsern und Kaffeemaschine.
Café Sant Jaume im Barrio del Carmen – Foto: Alex Segre / Adobe Stock

10. Paella essen in der Albufera: Lagunenlandschaft und Reisanbaugebiet

Der beste Ort, um eine echte valencianische Paella zu probieren, ist dort, wo der Reis Valencias angebaut wird: in der Lagune Albufera vor den Toren der Stadt. Doch der Ausflug lohnt nicht nur zum Paella-Essen. Valencianische Familien lieben es, am Wochenende eine Bootstour auf der Lagune zu unternehmen und mit einem kleinen Picknick zu verbinden. Auch für Touristen sehr zu empfehlen!

Mann im blauen Hemd erntet Reis im schlammigen Feld und bindet geschnittene Halme zusammen.
Traditionelle Reisernte in der Albufera – Foto: Nicole Biarnés

Passend dazu