MM-Autoren

»Das schönste Stiefkind der Ägäis.«

5 Fragen an Ulli Grundner und Peter Einhorn

Ein Projekt, ein Wagnis. Wie zu Beginn von Michael Müllers verlegerischer Tätigkeit sollte wieder einmal Neuland betreten werden. Limnos, ein Eiland am Rande der hellenischen Inselwelt, wollte von zwei leidenschaftlichen Autoren beschrieben werden. Ulli Grundner und Peter Einhorn haben sich unseren Fragen zu Limnos gestellt, wo man ein Griechenland wie vor 50 Jahren erleben kann.


1. Die wichtigste Frage zuerst: Weshalb sollte man Limnos einmal in seinem Leben besuchen?

Das Besondere an Limnos lässt sich ganz leicht erfahren, wenn man die Insel wieder verlässt und sich tausendprozentig sicher ist, sehr bald zurückzukehren. Man könnte an dieser Stelle abgedroschene Formulierungen, wie »typisches, unverfälschtes Griechenland« oder »unberührte« Insel bemühen, würde jedoch dem eigentlichen Gefühl, das Limnos bei jedem einfühlsamen Reisenden hinterlässt, nicht gerecht werden.
Und genau das ist der Punkt: Man muss sich Zeit nehmen – schon bei der Anreise – und sich auf die Insel und seine Bewohner einlassen. Nur dann wird einem ein Teil jenes Zaubers zugänglich, den diese Insel ausmacht.
Seien es die historischen Besonderheiten und Ruinen, die weit vor die Epoche eines Homer zurückreichen, seien es die wunderschönen Naturreservate und endlosen Strände, die zum Relaxen so gut geeignet sind. Oder seien es die Menschen, die, tief in der Tradition verwurzelt, auch in Zeiten der gegenwärtigen Krise versuchen, in Einklang mit ihrer Insel leben.


2. Wie kam es zu diesem Buchprojekt – und haben Sie nicht die Sorge, dass eine größere Menge an Urlaubern den Geheimtipp-Charakter der Insel schmälern könnte?

Vor einigen Jahren haben wir bei einer unserer Reisen in die griechische Inselwelt einen Zwischenstopp auf Limnos gemacht. Schon bei der Überfahrt erzählte uns ein griechischer Mitreisender, dass er keine guten Erinnerungen mit Limnos verbinden würde: Die Insel war einer der größten Militärstützpunkte in der Ägäis, viele Griechen hatten hier ihren Präsenzdienst abgeleistet.
Wir fanden die Insel im Zuge einer eintägigen Rundfahrt per Mietwagen landschaftlich wunderschön – vom einstigen militärisch-grauen Alltag war nichts mehr zu spüren. Wir waren von den einsamen Sandstränden, den freundlichen Bewohnern der ursprünglich gebliebenen Siedlungen und den historischen Kostbarkeiten angetan – und beschlossen sofort, mehr über die Insel herauszufinden …
Was den Geheimtippcharakter von Limnos betrifft, sind wir optimistisch, dass sich dieser noch länger erhalten wird. Die verfallenden Gebäude zweier großer Hotelressorts zeigen, dass sich Limnos offensichtlich nicht für den Massentourismus eignet. Die Lage des Eilandes am Rande der griechischen Inselwelt und die mangelnde Unterstützung seitens der Athener Zentralregierung bringen es mit sich, dass die Insel nicht nur bei den teilweise komplizierten Verkehrsanbindungen als eines der schönsten Stiefkinder der Ägäis bezeichnet werden muss.


3. Es gibt sehr wenig bis überhaupt keine Literatur zu Limnos. Wie haben Sie es geschafft, diesen »weißen Flecken« zu recherchieren und zu beschreiben?

Die Recherche zu diesem Reiseführer ist in erster Linie an persönliche Kontakte gebunden, die wir uns im Laufe unserer Besuche auf Limnos aufgebaut haben. Viele der von uns angesprochenen Bewohner waren sehr interessiert an dem Projekt, Freundschaften entstanden. Die geographischen Gegebenheiten der Insel haben wir allesamt in eigener Recherche zu Fuß erwandert.
Dabei haben wir natürlich auch alle reisepraktischen Tipps, die in den Müller-Büchern stehen, berücksichtigt.


4. Griechenland hat in den letzten Jahren an Attraktivität verloren, zumindest für deutsche Urlauber. »Schuld« daran waren die vielen Demonstrationen, die gegen Angela Merkel und die europäische Finanzpolitik gerichtet waren. Wie schätzen Sie die Zukunft von Hellas ein und ist es seit der Wirtschaftskrise einfacher oder schwieriger, sich in Griechenland als Reisender zu bewegen?

Die Gastfreundlichkeit ist wie eh und je spürbar, von Distanz oder gar feindseliger Einstellung keine Rede. Generell ist jedoch eine gedrückte Stimmung in der Bevölkerung zu merken. Die Reformen der griechischen Regierung werden oftmals als unüberlegt und ungerecht empfunden. Bei einigen Beamten, die einen eher nebensächlich behandeln, muss man wissen, dass ihr Arbeitsplatz stark gefährdet ist. Ihr niedriger Ausbildungsgrad macht es ihnen nicht leicht, eine neue Stelle zu finden.
Dem Reisenden dieser Tage werden – auf Limnos – Preiserhöhungen nur beim Einkauf von Lebensmitteln und importierten Gütern auffallen. In der Gastronomie und Beherbergung kann man seit vier Jahren von gleichbleibenden und sogar ermäßigten Preisen ausgehen.


5. Der Verlag war vorsichtig, was die Auflagenhöhe angeht. Gerade mal 2.000 Exemplare wurden von »Limnos« gedruckt. Wie hoch bewerten Sie die Chance, dass sich Ihr Buch dauerhaft gut verkaufen wird?

Wir bemerken ein zunehmendes Interesse deutschsprachiger Touristen an Limnos. Vermieter haben uns verraten, dass ihre Buchungen zunahmen, auch Mietwagen werden häufiger geordert. Und ein Tavernenwirt in den Bergen erzählte uns von seinen jüngsten MM-Geheimtipp-Kunden …
Es ist daher anzunehmen, dass trotz vielzitierter »Griechenlandkrise« eine steigende Nachfrage nach unserem Reiseführer zu erwarten ist, eben weil Limnos ein Geheimtipp ist und hoffentlich noch viele Jahre bleiben wird.

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