MM-Autoren

»Metropole des Übermorgens.«

5 Fragen an Robert Zsolnay

Der Michael Müller Verlag bereist die Welt. »Shanghai MM-City« (1. Auflage 2009) ist bereits der 12. Reiseführer, der zu neuen Ufern außerhalb Europas aufbricht. Asienfan und Autor Robert Zsolnay verrät die touristischen Highlights der 18-Millionen-Megacity und weiß, wo man für rund 25 Euro pro Tag essen und übernachten kann. Außerdem erfahren wir etwas über die ruhigen, beschaulichen Plätze, die es auch in der größten Stadt Chinas gibt.


1. Herr Zsolnay, ein Buch über Shanghai zu schreiben, ist eine Herausforderung. Wie kam es eigentlich dazu? Warum gerade eine chinesische Metropole?

Bei meiner ersten Entdeckungstour quer durch China ist mir Shanghai als faszinierendste Stadt dieses Landes aufgefallen. Wer durchs Reich der Mitte reist, spürt den Zauber einer knapp 4000 Jahre alten Hochkultur und wird gleichzeitig vom Sog des rasanten Wandels gepackt, der das Land in den zurückliegenden Jahren drastisch verändert hat und weiter verändert. Shanghai mit seinen rund 18 Millionen Einwohnern ist die größte Stadt Chinas, und es ist eine schöne Stadt. Dort lassen sich die Reize und Widersprüche des Landes wie unter einem Brennglas gebündelt beobachten und erfahren.
In den Tempeln der Stadt drängen sich die Menschen, brennen Räucherstäbchen ab und sprechen ihre Gebete, dahinter erheben sich die futuristischen Fassaden der Wolkenkratzer, in denen sie arbeiten. In Parks sieht man ältere Shanghaier, die sich im Rückwärtsgehen üben – einer angeblich äußerst gesundheitsförderlichen Disziplin. In den trendigen Clubs tanzen die Jüngeren, als gelte es zu beweisen, dass das Nachtleben der Stadt inzwischen auf Augenhöhe mit Tokio, New York und London ist. Shanghai ist eine Metropole des Übermorgen, die an vielen Ecken Tradition atmet.


2. Shanghai hat etwa 18 Millionen Einwohner. Wo und wann merkt man das besonders? Und, gegenteilig gefragt: Gibt es auch ruhige Ecken, das beschauliche Shanghai?

Wenn man in eine der Wolkenkratzer-Bars geht und nach draußen blickt, fühlt man sich wie ein Pilot im Landeanflug auf ein Häusermeer. Dass es sich um eine der Megacitys des Globus handelt, merkt man schon, wenn man vom Flughafen in die Stadt fährt – egal ob mit der Magnetschwebebahn, mit dem Bus oder im Taxi. Der Pudong Airport liegt etwa 40 Kilometer vom Zentrum entfernt, doch bereits nach wenigen Minuten Fahrt türmen sich rechts und links Hochhaus-Gebirge auf. Wenn man dann auf der imposanten Nanpu-Brücke den Huangpu-Fluss quert und der Innenstadt schon sehr nahe ist, ergreifen einen Größe und Kontrastreichtum dieser Metropole mit aller Macht: Auf der einen Seite des Flusses im Stadtteil Pudong thront die futuristische Skyline gigantischer Wolkenkratzer, am anderen Flussufer im Stadtteil Puxi liegt erhaben die Prachtmeile Bund mit ihren Kolonialpalästen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Wer das erste Mal mit der Megacity Bekanntschaft macht, für den ist es besonders wohltuend, sich an einen Ort wie dem Old China Hand Reading Room zurückzuziehen – das Teehaus und Café ist ein wunderbarer Hort der Ruhe, es liegen viele Shanghai-Bildbände aus, in denen man bei einem Tee schmökern und sich mit dieser faszinierenden Stadt vertraut machen kann.


3. Was ist Ihre Top Five für die chinesische Megacity? Was sind Ihrer Meinung nach die touristischen Highlights?

Shanghai hat viele Glanzlichter. Es ist ja so, dass jeder Reisende andere Interessen und Vorlieben hat, aber fast jeder dürfte in der Stadt Spannendes finden. Meine persönlichen Top Five sind das aus dem 17. Jahrhundert stammende Huxinting-Teehaus, wo der alte Zauber Chinas fortlebt, der pagodenförmige Wolkenkratzer Jinmao-Tower, der Moderne und Tradition vortrefflich vereint, das Shanghai Museum mit seiner weltweit einzigartigen Sammlung alter Bronzen aus verschiedenen Kaiser-Dynastien, der Longhua-Tempel samt seiner 40 Meter hohen Pagode, und – nicht zu vergessen – der zauberhafte Yuyuan-Garten. Dieses Prachtstück der Gartenbaukunst besucht man übrigens am besten ganz früh oder eine Stunde bevor es schließt.


4. Man hört immer wieder von der chinesischen Diktatur und Zensur? Haben Sie irgendwelche negativen Erlebnisse in diesem Zusammenhang gemacht? Und wie gefährlich ist die Stadt denn für Europäer?

Man sieht in Shanghai wie in anderen Teilen Chinas viel Polizei auf den Straßen. Ich habe in der Stadt keinerlei negative Erfahrungen gemacht und denke, dass man sich als Besucher aus Europa sicher fühlen kann. Die Einheimischen sind hilfsbereit und – ist die Sprachbarriere erst einmal überwunden – aufgeschlossen. Shanghai hat im Vergleich zum Rest des Landes den Vorzug, dass viele der jüngeren Einheimischen zumindest ein paar Brocken Englisch sprechen. Als Hafenstadt und Ort des internationalen Handels ist Shanghai traditionell wohl diejenige Stadt in China, in der man am leichtesten mit der auf den ersten Blick exotischen Lebensart vertraut wird.


5. In europäischen Städten kennt man sich halbwegs aus, will sagen: Man weiß ungefähr, wie viel Geld man während seiner Reise ausgibt? Was kostet denn in etwa ein Tag für einen Urlauber in Shanghai?

Wer mit knappem Budget reist, kann mit rund 25 Euro am Tag für Essen und Übernachtung auskommen. Auch im Zentrum am geschichtsträchtigen Bund und in der ehemaligen Französischen Konzession kann man billig übernachten und gute, günstige Restaurants finden. Nach oben sind – wie fast überall auf der Welt – keine Grenzen gesetzt.

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