Reiseführer München MM-City

Achim Wigand

Unterwegs mit Achim Wigand

Portrait Achim WigandZwei Drit­tel Weich­kä­se, ein Drit­tel But­ter, ein Kaf­fee­löf­fel Pa­pri­ka­pul­ver, eine Kin­der­hand Schnitt­lauch, Pfef­fer, Salz und eine Prise Zu­cker, schließ­lich noch einen Schuss Bier: Das alles mit einer Gabel zu einer nicht ganz glat­ten Masse ver­kne­ten. Mit der an­de­ren Hand ei­ni­ge Fleisch­pflan­zerl rol­len und den Kar­tof­fel­sa­lat wen­den. Alles in einen Korb ge­packt, ka­rier­te Tisch­de­cke drauf – ich gehe in den Bier­gar­ten!
Und dann, not­wen­dig leicht bier­se­lig unter hohen Kas­ta­ni­en, weiß ich wie­der, warum ich hier­her ge­zo­gen bin: Diese Mi­schung aus Lais­sez-faire und Gschaft­lhu­be­rei, Protz und »Dö­sis­mia­wurscht«, Me­tro­po­le und Pro­vin­zia­li­tät – das gibt es nur hier in Mün­chen. Über der drit­ten Maß Au­gus­ti­ner ver­schwimmt der Ärger über das Miet­preis­ni­veau nah bei den Ster­nen, die aus­pufft­rö­ten­den Wich­tig­tu­er im Fer­ra­ri mit Um­land­kenn­zei­chen und die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung unter der Schaum­kro­ne des Zu­fäl­li­gen. Um halb elf ist der Obatz­de weg, die zu­fäl­li­ge Tisch­be­kannt­schaft aus Korea in den Grund­sit­ten un­se­res Volks­stamms un­ter­wie­sen, und Schank­schluss ist auch, des­halb radln wir noch ein paar Meter zu den Schot­ter­flä­chen der re­na­tu­rier­ten Isar und sehen die Glüh­würm­chen der letz­ten Grill­feu­er ver­lö­schen.
»… und dann dach­te ich über eine an­de­re Stadt nach. Aber es fiel mir keine ein«, sagt der ewig me­lan­cho­li­sche Kri­mi­kom­mis­sar Tabor Süden an einem schlech­ten Tag – wel­che soll­te das auch sein?