Reiseführer Midi-Pyrénées

Annette Meiser

Unterwegs mit Annette Meiser

Portrait Annette MeiserErst we­ni­ge Wo­chen in den Midi-Py­ré­nées le­bend, wur­den wir von einem lie­ben Be­kann­ten mit »Venez man­ger la soupe!« ein­ge­la­den, was frei über­setzt so viel be­deu­tet wie »Kommt auf einen Tel­ler Suppe vor­bei!«.
Mit den Ess­ge­wohn­hei­ten der Re­gi­on noch un­er­fah­ren, schob ich dann vor dem Gehen noch schnell ein be­leg­tes Ba­guette in mich hin­ein, denn mich er­war­te­te ja schließ­lich »nur« eine – wenn auch si­cher le­cke­re – Suppe.
Das hätte ich bes­ser nicht getan, denn was an jenem Mit­tag auf­ge­tischt wurde, war ty­pisch für Land und Leute. Doch diese Er­kennt­nis kam an jenem Tag für mich zu spät. Ich wagte nicht, den herz­li­chen Gast­ge­bern meine ku­li­na­ri­sche häus­li­che Son­der­ein­la­ge ein­zu­ge­ste­hen. Da das Aus­las­sen einer Spei­se einer Be­lei­di­gung gleich­ge­kom­men wäre, aß ich schick­sals­er­ge­ben das ein­fa­che »Sup­pen-Menü«.
Es be­gann mit den Häpp­chen zum Ape­ri­tif. Dann folg­ten eine dick­flüs­si­ge Ge­mü­se­sup­pe, der ob­li­ga­to­ri­sche Vor­spei­sen­tel­ler mit einer di­cken rohen Schin­ken­schei­be, ge­füll­tem En­ten­hals und En­ten­le­ber­pas­te­te. Die Haupt­spei­se bil­de­ten das ka­lo­ri­en­rei­che Stock­fisch­pü­ree sowie ge­bra­te­nes Huhn mit Brat­kar­tof­feln und St­ein­pil­zen, ge­folgt von grü­nem Salat und Käse. Mit einer pompe à l’huile (»Öl­pum­pe«), Es­pres­so und Pflau­men­schnaps wurde das opu­len­te Mahl am Spät­nach­mit­tag be­en­det.
Diese Ein­la­dung ist ein ty­pi­sches Bei­spiel für die un­kom­pli­zier­te und herz­li­che Art der Ein­hei­mi­schen. Stets of­fe­ne Türen und fröh­li­che Ge­sel­lig­keit, schmack­haf­tes und v. a. reich­li­ches Essen, ma­chen diese Re­gi­on so le­bens- und lie­bens­wert.