Reiseführer Algarve

Michael Müller

Unterwegs mit Michael Müller

Portrait Michael MüllerFast wäre ich ein »Al­gar­vio« ge­wor­den, ein Ein­hei­mi­scher: Als ich Ende der 70er-Jahre als Rei­se­buch­au­tor ge­ra­de die ers­ten Er­fol­ge hatte, soll­te Por­tu­gal mein Le­bens­mit­tel­punkt wer­den. Ge­mein­sam mit mei­nem Bru­der, einem stu­dier­ten Land­wirt, kauf­te ich ein Stück Wild­nis im ent­völ­ker­ten Hin­ter­land, um Scha­fe zu züch­ten und Rei­se­bü­cher zu schrei­ben.
Zwei Emi­gran­ten – Hu­bert und Micha­el Mül­ler 1983 auf der Fähre nach Vila Real. Es war die nach­re­vo­lu­tio­nä­re Zeit, als viele Idea­lis­ten und Aus­stei­ger ei­ni­ge be­mer­kens­wer­te Pro­jek­te star­te­ten. Lei­der ging ich bald dar­auf in Deutsch­land mei­nes Ver­le­gers ver­lus­tig und sah mich ge­nö­tigt, meine Rei­se­füh­rer vor­erst im Selbst­ver­lag zu ver­trei­ben. Por­tu­gal war ab da eher ein Ort der Re­cher­che und eine Art Ein­sie­de­lei, um in der Ab­ge­schie­den­heit meine Ma­nu­skrip­te zu be­en­den.
Mein Bru­der war von dort aber nicht mehr weg­zu­be­kom­men und baute über die Jahr­zehn­te einen re­spek­ta­blen land­wirt­schaft­li­chen Be­trieb mit Scha­fen, Rind­vie­chern und 80.000 neu­ge­pflanz­ten »Pin­hei­ros« (Pi­ni­en­ker­ne) und Erd­beer­bäu­men (Schnaps) auf. Je­des­mal, wenn ich auf Fa­mi­li­en­be­such dort bin, denke ich etwas weh­mü­tig an die Zeit zu­rück, als die Al­gar­ve noch ein ge­pfleg­tes Pa­ra­dies aus Man­del- und Oran­gen­hai­nen war, in denen die Bau­ern mit ihren zwei­räd­ri­gen Och­sen­kar­ren un­ter­wegs waren.