Reiseführer Moskau MM-City

Anika Zeller

Unterwegs mit Anika Zeller

Portrait Anika ZellerJah­re­lang habe ich diese Rie­sen­stadt zu Fuß er­kun­det – jetzt leihe ich mir ein Fahr­rad aus und rolle am Ufer der Mo­skwa ent­lang. Un­fass­bar. Und wun­der­bar! Die neuen Rad­we­ge und Leih­sta­tio­nen sind aber nur das jüngs­te Bei­spiel dafür, wie ra­sant die Stadt ihr Ge­sicht ver­än­dert. Als ich vor 17 Jah­ren zum ers­ten Mal in Mos­kau war, da stan­den am Stra­ßen­rand noch klei­ne, gelbe Tank­wa­gen, die rus­si­schen Kwas ver­kauf­ten. Die klapp­ri­gen Busse fie­len fast aus­ein­an­der. Und die Ver­käu­fe­rin­nen an den Kas­sen scho­ben auf einem Aba­kus höl­zer­ne Ku­geln hin und her. In den Jah­ren da­nach wan­del­te sich die Stadt, ohne Luft zu holen. Erst kamen die Star­bucks-Imi­ta­te, dann die Schnell­zü­ge zum Flug­ha­fen, immer neue Glastür­me, Lu­xus­bou­ti­quen und viele, viele Bau­stel­len. Für mich ist das Tempo der Stadt kaum greif­bar. In Ham­burg wur­den kürz­lich nach 16 Jah­ren mal wie­der zwei neue U-Bahn-Sta­tio­nen er­öff­net – in Mos­kau kom­men min­des­tens fünf dazu, und das in jedem Jahr. Ve­rän­dert hat sich aber nicht nur die Stadt selbst. Ve­rän­dert haben sich auch die po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen. Putin hat die Krim an­nek­tiert, er un­ter­stützt die Se­pa­ra­tis­ten in der Ost­ukrai­ne und for­ciert damit Krieg in Eu­ro­pa. Das macht trau­rig und wü­tend, auch jetzt noch, ein Jahr nach Aus­bruch der neuen Eis­zeit. Für Tou­ris­ten ist die Krise in Mos­kau kaum spür­bar. Ein bit­te­rer Bei­ge­schmack bleibt.