Unterwegs mit Michael Bussmann und Gabriele Tröger
Es ist schon eine Weile her, da brach der Sozialismus zusammen. Der Eiserne Vorhang wurde durchlässig und die Tschechoslowakei zum exotischen Reiseziel – zumindest für alle, die aus dem Westen kamen. Vieles war spannend, manches gewöhnungsbedürftig. Wir ließen uns zähen Lendenbraten vor den Latz knallen, ärgerten uns über falsche Rechnungen und zerflossen in Hotelzimmern mit nicht zu drosselnden Heizungen.
Das Land ist längstens ein anderes geworden. Nix mehr wilder Osten. Tschechien ist heute eine selbstbewusste Republik im Herzen Europas mit sichtbarem Wohlstand und einer hervorragenden touristischen Infrastruktur. Die Städte bekamen ein Facelifting. Vormals verwaist-graue Marktplätze wurden zu fröhlich-bunten Treffpunkten. Räudige Palais verwandelten sich in prachtvolle Anwesen. Aus Buckelpisten wurden aalglatte Sträßchen. Bei Verkehrskontrollen braucht man keine Angst mehr vor Schikanen zu haben. In stimmungsvollen Landgasthöfen essen wir heute feine Filetsteaks von glücklichen Rindern. Die Kellner haben zu lächeln gelernt. Und hier und da schenken Mikrobrauereien feinstes Handwerkerbier aus. Für sein flüssiges Gold war das Land ja schon immer bekannt. Ein Jammer nur, dass die urig-rustikalen Bierpinten zunehmend verschwinden. Früher war eben doch nicht alles schlechter …
