Top Ten

Teil 23: Ecua­dor

oder Vul­ka­ne, Tier­be­ob­ach­tun­gen und eine ko­lo­nia­le Alt­stadt

Portrait Volker FeserWuss­ten Sie, dass zwei der ers­ten UNESCO-Wel­ter­be­stät­ten in Ecua­dor lagen – und wes­halb die We­st­rou­te der Ga­la­pa­gos­in­seln einem Jules-Verne-Er­leb­nis gleich­kommt? Ken­nen Sie die Vor­zü­ge von Wild­life-Be­ob­ach­tun­gen mit einem mo­to­ri­sier­ten Kanu, und was hat es ei­gent­lich mit der Teu­fels­na­se auf sich? Vol­ker Feser hat eine Top Ten ge­schrie­ben, die sich ab­wechs­lungs­rei­chen Orten und ecua­do­ria­ni­schen Wahr­zei­chen wie Ko­li­bris, Kakao und Pa­na­ma­hut wid­met. Pa­na­ma­hut? Stammt der nicht aus – Pa­na­ma?


Ecua­dor – Vol­ker Fe­sers Top Ten

Der Pa­na­ma­hut: Ecua­dors Ero­be­rung der Welt

Arbeiterinnen beim Flechten eines Exportschlagers (Foto: Alois Speck)
Ar­bei­te­rin­nen beim Flech­ten eines Ex­port­schla­gers (Foto: Alois Speck)
Die Her­kunft des »Som­bre­ro de Pa­namá« lässt sich bis 4000 v. Chr. zu­rück­ver­fol­gen. Pro­mi­nent wurde er aber erst im Jahre 1848: Vom ka­li­for­ni­schen Gold­rausch ge­blen­de­te Eu­ro­pä­er ent­deck­ten die Kopf­be­de­ckung auf ihrer durch die Lan­den­ge von Pa­na­ma nach San Fran­cis­co füh­ren­den Route. Daher auch sein Name. Irr­tüm­li­cher­wei­se, denn der Hut stammt ein­zig aus Ecua­dor. Das Stroh des pal­men­ar­ti­gen Schei­ben­blu­men­ge­wäch­ses Car­lu­do­vica pal­ma­ta ge­deiht fast aus­schließ­lich im tro­pi­schen Hin­ter­land der ecua­do­ria­ni­schen Pa­zi­fik­küs­te. Echte Pa­trio­ten be­zeich­nen ihn als »Som­bre­ro de Ji­pi­ja­pa«, nach einem un­schein­ba­ren Städt­chen in der Pro­vinz Man­abí, wäh­rend des 19. Jahr­hun­derts ein Zen­trum der Ka­kao­ba­ro­ne. 1855 mach­te die ele­gan­te, ul­tra­leich­te Kopf­be­de­ckung auf der Welt­aus­stel­lung in Paris Fu­ro­re. 1906 ver­half ihr US-Prä­si­dent Roo­se­velt bei einer In­spek­ti­on des Pa­na­ma­ka­nal­baus zu le­gen­dä­rem Ruhm.
Die Her­stel­lung ist sehr mü­he­voll. Erst wer­den die lang­fa­se­ri­gen Blät­ter mit der Ma­che­te ge­schnit­ten, mit Käm­men ge­strie­gelt und in bro­deln­dem Was­ser ge­schmei­dig ge­kocht. Da­nach wer­den die Fa­sern fä­cher­ar­tig aus­ein­an­der­ge­schla­gen, in einer Schwe­fel­kam­mer ge­räu­chert und mehr­fach an der Sonne ge­trock­net. Das Flech­ten in Hand­ar­beit nimmt dann je nach Fa­ser­dich­te, Ver­kno­tung und An­zahl der »Vu­el­tas« – der kon­zen­tri­schen Krei­se – zwei bis sechs Mo­na­te in An­spruch. Ge­floch­ten wird in und um Mon­te­cris­ti, in Pile und an­de­ren Küs­ten­or­ten als auch im Anden-Hoch­land bei Cu­en­ca.
Die feins­ten Hüte – »su­per­fi­no« bis »ul­tra­fi­no« – wie­gen rund 100 Gramm, sind 100 Pro­zent was­ser­dicht und kön­nen durch einen Ehe­ring ge­zo­gen wer­den, ohne aus­zu­fran­sen. Der hier­bei oft un­ter­schied­lich bis in­fla­tio­när aus­ge­leg­te Fein­heits­grad wird in grado por pul­ga­da (= Grad des Flecht­hand­werks pro Qua­drat­zoll) be­stimmt. Hüte über 35 Grad kön­nen Spit­zen­prei­se von über 1000 Dol­lar er­zie­len, 15 bis 18 Grad-Hüte sind schon um 80 Dol­lar zu haben. Jeder Hut wird in einer Schach­tel aus Bal­sa­holz ein­ge­rollt. Nach dem Trans­port wird er zu­hau­se ein­fach wie­der auf­ge­klappt, ohne dabei seine ur­sprüng­li­che Form zu ver­lie­ren. Kei­nes­falls ein­roll­bar ist je­doch der nur grob ge­floch­te­ne »Som­bre­ro Cu­en­ca« um die 20 Dol­lar …


Ave­ni­da der Vul­ka­ne: Wo Hum­boldt Ame­ri­ka wie­der­ent­deck­te

Der Cotopaxi ist der höchste freistehende Vulkankegel des Planeten (Foto: Alois Speck)
Der Co­to­pa­xi ist der höchs­te frei­ste­hen­de Vul­kan­ke­gel des Pla­ne­ten (Foto: Alois Speck)
Auf einer Fahrt ent­lang der Pan­ame­ri­ca­na (E35) rei­hen sich links und rechts eines 500 km lan­gen Hoch­be­ckens die Gip­fel der öst­li­chen und west­li­chen Anden-Kor­dil­le­re.
Bil­der­buch­schön ist der ak­ti­ve Co­to­pa­xi. Auf Quichua, der Spra­che des eins­ti­gen In­ka­rei­ches, be­deu­tet er »Sanf­ter Na­cken des Mon­des« und ist mit 5.897 m der höchs­te frei­ste­hen­de Vul­kan­ke­gel der Erde. Auf der Schwemm­land­ebe­ne zu sei­nen Füßen gra­sen Wild­pfer­de und Al­pa­kas. Tipp: Von Quito aus er­reicht man den Na­tio­nal­park auch über die Hum­boldt’sche »Ruta de los Vol­ca­nes« und den Pita Can­yon in holp­ri­gen zwei St­un­den, vor­aus­ge­setzt das Miet­au­to hat ein wenig Bo­den­frei­heit, Ein­lass täg­lich bis 15 Uhr. Wer tief genug in die Ta­sche greift, kann in einer nahen Ha­zi­en­da aus der Ko­lo­nial­epo­che über­nach­ten, in einem Him­mel­bett zwi­schen me­ter­di­cken Lehm­wän­den, blu­men­um­rank­ten Ar­ka­den, schat­ten­spen­den­den Arau­ka­ri­en, grob ge­pflas­ter­ten Brun­nen-In­nen­hö­fen, Bims­stein­kreu­zen und But­zen­schei­ben.
Am höchs­ten ist der Chim­bo­ra­zo mit 6.267 m. Auf­grund der äqua­to­ria­len Erd­ku­ge­laus­beu­lung galt er lange als das »Dach der Welt«. Sein Gip­fel ist wei­ter vom Erd­mit­tel­punkt ent­fernt als der des 8.848 m hohen Mount Eve­rest. Alex­an­der von Hum­boldt er­reich­te 1802 eine Höhe von 5.900 m und mach­te erst kehrt, als ihn Schwin­del und hef­ti­ges Na­sen­blu­ten be­fie­len. Sein Hö­hen­welt­re­kord hielt 80 Jahre. Als er fast 90-jäh­rig für ein letz­tes Bild­nis in sei­ner Hei­mat Ber­lin po­sier­te, be­stand er dar­auf, dass der schnee­be­deck­te Chim­bo­ra­zo als Hin­ter­grund ge­malt würde. Heute führt eine Pan­ora­ma­stra­ße auf den Pára­mo (= Ve­ge­ta­ti­ons­form in den Hö­hen­la­gen von süd­ame­ri­ka­ni­schen Ge­bir­gen) bis zur Car­rell-Schutz­hüt­te auf 4.800 m. Her­den wil­der Vi­cuñas, die ele­gan­tes­ten unter den vier Lama-Arten, sieht man hier. Agen­tu­ren in Ri­ob­am­ba or­ga­ni­sie­ren ra­san­te Moun­tain-Bike-Ab­fahr­ten. Hö­hen­ak­kli­ma­ti­sier­te wan­dern in 25 Mi­nu­ten zur zwei­ten Whym­per-Schutz­hüt­te auf 5.000 m, be­nannt nach dem be­rühm­ten bri­ti­schen Berg­stei­ger, der den Chim­bo­ra­zo 1880 als Ers­ter be­zwang.


Ko­li­bris: Fast & Fu­rious unter dem Fe­der­kleid

Edelmetallisch glänzend und nur in der Neuen Welt beheimatet – die Kolibris (Foto: Alois Speck)
Edel­me­tal­lisch glän­zend und nur in der Neuen Welt be­hei­ma­tet – die Ko­li­bris (Foto: Alois Speck)
Auf Quichua hei­ßen sie »Quin­de«. Ihre Flü­gel schla­gen bis zu 80 Mal pro Se­kun­de und ihr Herz bis zu 1000 Mal pro Mi­nu­te. Edel­me­tal­lisch glän­zend fegen sie durch den Dschun­gel, die Groß­stadt, übern Strand, an die Schnee­gren­ze und vor allem durch die sub­tro­pi­schen Ber­gne­bel­wäl­der.
Mit 132 Arten be­sitzt Ecua­dor die größ­te Viel­falt der nur in der Neuen Welt be­hei­ma­te­ten »Blü­ten­ste­cher«. So haben Syl­phen-Ko­li­bris wun­der­vol­le lange Schwei­fe oder ten­nis­schlä­ger­för­mi­ge Dop­pel­schwän­ze, wäh­rend der Rie­sen­gnom den Um­fang einer aus­ge­wach­se­nen Dros­sel er­reicht – und hum­mel­gro­ße Bie­nen­el­fen und Wald­stern-Ko­li­bris ge­ra­de mal zwei Gramm wie­gen, die al­ler­kleins­ten unter den 1.660 Vo­gel­ar­ten Ecua­dors.
Neben ver­ti­ka­len Hub­schrau­ber­starts kön­nen Ko­li­bris als ein­zi­ge Vögel auch rück­wärts flie­gen. Auf dem Erd­bo­den lan­den, ist so ziem­lich das ein­zi­ge, was sie nie­mals tun wür­den. Spek­ta­ku­lär sind ihre ra­ke­ten­glei­chen Pi­rou­et­ten bei Re­vier­kämp­fen, wenn sie wie jäh­zor­ni­ge Luft­geis­ter Brust auf Brust auf­ein­an­der­pral­len. Nur beim Nekt­ar-Sau­gen ste­hen sie im Sch­wirr­flug an­däch­tig vor den Blü­ten, den über­lan­gen Schna­bel tief in den Kelch ge­steckt.
Üb­ri­gens: Die nim­mer­sat­ten Ko­li­bris flie­gen täg­lich bis zu 1000 Blü­ten an. Dabei sau­gen sie das Viel­fa­che ihres Ei­gen­ge­wichts auf. Wenn der Mensch dies auch täte, bräuch­te er im täg­li­chen Ver­gleich etwa 150 Kilo Nah­rung oder 1000 bis zum Rand ge­füll­te Bier­krü­ge.


Kakao: Vom in­dia­ni­schen Heil­ge­tränk zur Mas­sen­wa­re

Ein Kakaobauer und die Früchte seiner Arbeit (Foto: Volker Feser)
Ein Ka­kao­bau­er und die Früch­te sei­ner Ar­beit (Foto: Vol­ker Feser)
Nur 5 Pro­zent des glo­bal an­ge­bau­ten »Cacao« gilt als »fino« und »aromá­ti­co«, als »fine fla­vor« und »aroma cocoa«. Von die­sen 5 Pro­zent stam­men fast 70 Pro­zent aus Ecua­dor, vor­nehm­lich aus den Küs­ten­pro­vin­zen Los Ríos und Gua­yas. Ka­kao­bäu­me wuch­sen hier schon vor 3000 Jah­ren, und die Edelsor­te Ar­ri­ba ist seit Ko­lo­ni­al­zei­ten in Ecua­dor hei­misch. Anno da­zu­mal waren Ka­kao­boh­nen sogar Zah­lungs­mit­tel, und von 1890 bis 1920 rühr­te 80 Pro­zent des Staats­bud­gets aus deren Ernte, als Ecua­dor fast die Hälf­te der welt­wei­ten Nach­fra­ge deck­te.
Den höchs­ten Pro-Kopf-Ver­brauch an zar­tes­ter Ta­fel­scho­ko­la­de aus ecua­do­ria­ni­schem Roh­ka­kao ver­zeich­net Deutsch­land mit zehn Kilo jähr­lich, ge­folgt von Bel­gi­en, der Schweiz, Nor­we­gen, Groß­bri­tan­ni­en, USA, Russ­land und Japan. Die größ­ten Ka­kao­pro­du­zen­ten sind der­zeit die El­fen­bein­küs­te, Ghana und In­do­ne­si­en. Ecua­dor steht etwas ab­ge­schla­gen an sechs­ter Stel­le. Einen Ex­port­boom er­lebt dafür die hei­mi­sche Er­zeu­gung dunk­ler Bio-Scho­ko­la­de. Vor­rei­ter war die Firma Pa­ca­ri im Jahre 2002, dann auch Ré­pu­bli­ca del Cacao und viele an­de­re – er­hält­lich sind die Ta­feln in Su­per­ma­xi-Su­per­märk­ten!
Re­zept für zwei Per­so­nen: 25 Gramm Ka­kao­pa­ste (barra de cacao) in ganz wenig Was­ser auf­lö­sen, dazu zwei Tas­sen heiße Voll­milch, ein Hüt­chen Zimt (ca­ne­la) und eine Ge­würz­nel­ke, auf Spa­nisch ein »Duft­na­gel« (clavo de olor). Alles auf­ko­chen und eine win­zi­ge Prise Salz kurz vor dem Ser­vie­ren da­zu­ge­ben!


Tren Cru­ce­ro: Auf Schie­nen von den Anden zum Pa­zi­fik

Konfliktreiche Zugstrecke an der Teufelsnase (Foto: Silvia Pesántez)
Kon­flikt­rei­che Zug­stre­cke an der Teu­fels­na­se (Foto: Sil­via Pesán­tez)
Ob­wohl man tief in die Ta­sche grei­fen muss, lohnt sich diese Zug­rei­se. Man schau­kelt mit 35 St­un­den­ki­lo­me­tern durch das land­schaft­li­che wie kul­tur­ge­schicht­li­che Kalei­do­skop Ecua­dors. In un­ter­schied­lich ge­styl­ten Sa­lon­wag­gons geht es auf einem Vier-Tage-Trip von Quito ent­lang der Ave­ni­da der Vul­ka­ne über die Teu­fels­na­se – gleich mehr dazu! – und durch Ba­na­nen-, Kakao- und Zu­cker­rohr­plan­ta­gen nach Durán bei Gua­yaquil. Eine alte Dampf­lok wird für zwei kurze Stre­cken­ab­schnit­te ein­ge­setzt. Shut­tle-Busse sor­gen für Ab­ste­cher zu den Se­hens­wür­dig­kei­ten im Um­land. Ge­schla­fen und ge­speist wird in Land­gast­häu­sern und Ha­zi­en­das. Den Ka­kao­li­kör gibt es an Bord.
Ein ar­chi­tek­to­ni­sches Opus sei­ner Zeit ist der Ab­schnitt an der »Nariz del Dia­blo«, der Teu­fels­na­se, wo der Zug durch Vor- und Zu­rück­sto­ßen im Zick­zack in die Schlucht des Río Chan­chán hin­ab­glei­tet. 1908 er­füll­te sich für Prä­si­dent Eloy Al­fa­ro der Traum von der Ver­bin­dung zwi­schen Costa und Sier­ra. Doch ge­ra­de die­ser Stre­cken­ab­schnitt wurde zum Alp­traum. Bei den Spren­gun­gen kamen un­zäh­li­ge Gleis­bau­er ums Leben. Zudem galt der gi­gan­ti­sche Fels­zin­ken als kon­flikt­rei­ches Sym­bol zwi­schen li­be­ra­ler Küste und feu­da­lem Hoch­land, zwi­schen Kakao und Ka­tho­li­zis­mus. Die Reise vom Hafen in Gua­yaquil bis ins von Guts­her­ren re­gier­te Hoch­land re­du­zier­te sich – von ehe­mals zwei bis drei Wo­chen – auf zwei bis drei Tage: schlecht für die Feu­dal­her­ren, die in ihrer ab­ge­schie­de­nen Lage eine Art »Skla­ven­hal­ter­schaft« aus­leb­ten. So wurde Al­fa­ro 1912, zwei Jahre vor der Er­öff­nung der Zug­stre­cke, auch wegen sei­nes un­be­ding­ten Fort­schritts­glau­bens in Quito er­mor­det.
Die »Nariz del Dia­blo« kann auch ganz in­di­vi­du­ell mit einem lo­ka­len Zug für schlap­pe 32 Dol­lar be­fah­ren wer­den. Zudem be­ein­druckt die kühne Tras­sen­füh­rung selbst ohne Bahn­ti­cket. Bes­ter Train­spot­ting-Aus­sichts­punkt, um den im Steil­wand­tal kle­ben­den und kehrt­wen­den­den Zug aus der Vo­gel­schau zu ver­fol­gen, ist die in­di­ge­ne Ge­mein­de Pis­ti­shi Tolte (auch Cón­dor Puñu­na), ca. 30 km süd­lich von Alau­sí.
Tren Cru­ce­ro $1735-2322, Kin­der unter 12 Jahre $1560; Teu­fels­na­sen-Zug Alau­sí-Sib­am­be-Alau­sí $32, www.tren­ecua­dor.com. Neue Prei­se 2018!


Quito Co­lo­ni­al: UNESCO-zer­ti­fi­zier­te Alt­stadt

Eine der zwölf ersten Welterbestätten, die Altstadt von Quito (Foto: Volker Feser)
Eine der zwölf ers­ten Wel­ter­be­stät­ten, die Alt­stadt von Quito (Foto: Vol­ker Feser)
Die ko­lo­nia­le Alt­stadt von Quito wurde 1978 von der UNESCO zum ers­ten Welt­kul­tur­er­be der Mensch­heit de­kla­riert – zu­sam­men mit den Ga­la­pa­gos­in­seln (Na­tur­er­be) und zehn wei­te­ren, welt­weit ver­streu­ten Stät­ten. Zen­tra­ler An­lauf­punkt der Haupt­stadt ist die Plaza Gran­de mit Prä­si­den­ten­pa­last und Ka­the­dra­le (Bau­be­ginn 1566). Einen Kat­zen­sprung davon ent­fernt liegt die Je­sui­ten­kir­che La Com­pañia de Jesú (1636-1798): Sie ist mit ihrem or­na­men­tal-ara­bes­ken Schiff die Ikone des his­pa­no-ame­ri­ka­ni­schen Ba­rock, na­he­zu zwei Ton­nen Blatt­gold sind da ver­ewigt … Die pracht­vol­le Kan­zel ist ein Werk des In­dí­ge­na Juan Bau­tis­ta Me­na­cho, die Front­fas­sa­de mit sa­lo­mo­ni­schen Säu­len stammt vom Bam­ber­ger Mis­sio­nar Leo­nard Deu­bler. Eine Stra­ße wei­ter steht die mo­nu­men­ta­le, im Jahre 1536 vom flä­mi­schen Pater Ricke be­gon­ne­ne Fran­zis­ka­ner­kir­che mit Gol­dal­tar und einer dar­über tän­zeln­den, welt­weit ein­zi­gen ge­flü­gel­ten Jung­frau – un­be­fleckt ver­steht sich!
La Ronda im an­da­lu­si­schen Stil ist die äl­tes­te Gasse Ecua­dors. Gera­ni­en schmü­cken die schmie­de­ei­ser­nen Ba­lus­tra­den. In einer noch ge­fühls­be­ton­te­ren Epo­che wur­den unter die­sen Bal­ko­nen herz­zer­rei­ßen­de Se­re­na­den-Ständ­chen vor­ge­tra­gen, wäh­rend Se­ño­ri­tas mit ihren Schnupf­tü­chern en­gels­gleich her­ab­wink­ten.
Ein ko­lo­nia­les i-Tüp­fel­chen ist das Bo­he­me-Vier­tel Guá­pu­lo, von der Alt­stadt in einer Vier­tel­stun­de per Taxi er­reich­bar. Zu Fuß geht es auf dem stei­len Ca­mi­no de Orel­la­na hin­un­ter zur Wall­fahrts­kir­che, wo der gleich­na­mi­ge Ero­be­rer und Ama­zo­nas-Ent­de­cker sei­nen letz­ten Segen auf dem Weg ins »Land des Zim­tes« er­hielt. Po­li­tisch mo­ti­vier­te Van­da­len steh­len immer wie­der gerne den Degen von sei­nem Mo­nu­ment.

Gua­yaquil: Wo sich die Exo­tik mit der Ewig­keit ver­bün­det

Die vielleicht schönste Gasse Ecuadors im Gründerviertel von Guayaquil (Foto: Alois Speck)
Die viel­leicht schöns­te Gasse Ecua­dors im Grün­der­vier­tel von Gua­yaquil (Foto: Alois Speck)
Der 1826 von kei­nem Ge­rin­ge­ren als dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Un­ab­hän­gig­keits­kämp­fer Simón Bolívar ein­ge­weih­te Fried­hof Ce­men­te­rio Pa­tri­mo­ni­al muss­te der schöns­te von ganz Latein­ame­ri­ka sein! Es gibt 400 denk­mal­ge­schütz­te Gr­ab­ma­le und Mar­mor­gruf­ten. Heer­scha­ren von En­geln im neo­klas­si­zis­ti­schen Stil trau­ern zwi­schen Oran­gen-, Mango-, Gua­ven-, Lor­beer- und Brot­frucht­bäu­men. Streu­nen­de Kat­zen sind zu sehen, Vögel zwit­schern, und die steil in den Car­men-Hügel ge­steck­ten, vom Di­ckicht über­wu­cher­ten Kreu­ze hät­ten Hitch­cock in­spi­riert, wenn er denn da ge­we­sen wäre … Über den Haupt­ein­gang »Pu­er­ta 3« trifft man auf eine von Fla­schen­pal­men ge­säum­te Pro­me­na­de mit Über­sichts­plan und von 9-13 Uhr auf lo­ka­le Fried­hofs­füh­rer; Ein­lass 7-18 Uhr.
Schön ist auch die ge­pflas­ter­te Holz­ba­lus­tra­den- und Lam­mel­len­fens­ter­gas­se Numa Pom­pil­lo Llona im Grün­der­vier­tel Las Peñas. Die­ses kun­ter­bun­te, über lange Trep­pen­stu­fen zu er­rei­chen­de Vier­tel schmiegt sich ele­gant an den Santa Ana-Hügel. Zu Füßen fließt der Río Gua­yas, das mäch­tigs­te Was­ser­ein­zugs­sys­tem der ame­ri­ka­ni­schen Pa­zi­fik­küs­te, mit schi­cker Ufer­pro­me­na­de und der vis-a-vis ge­le­ge­nen Insel San­tay, ein Bon­bon für Rad­fah­rer.
Das Stadt­zen­trum ist laut und irre, schwül, schweiß­trei­bend und zäh wie Ka­kao­satz, aber auch still, süß­lich und lu­kul­lisch wie der 120 Jahre alte Par­que Se­mi­na­rio, wo nach­mit­tags Dut­zen­de von fet­ten Le­gua­nen von den Bäu­men stei­gen, um sich mit Sa­la­tres­ten aus den um­lie­gen­den Ho­tels füt­tern zu las­sen.


Gu­amo­te: Ein Markt wie aus dem Mit­tel­al­ter

Kinderporträt mit Tracht kurz vor dem Markt in Guamote (Foto: Marco Cepeda)
Kin­der­por­trät mit Tracht kurz vor dem Markt in Gu­amo­te (Foto: Marco Ce­pe­da)
Hier wird Be­su­chern nix vor­ge­gau­kelt, wenn Tau­sen­de von ein­hei­mi­schen Bau­ern unter Filz­hü­ten und knall­ro­ten Pon­chos in das Städt­chen strö­men. Da­zwi­schen Hüh­ner, Scha­fe, Esel und Lamas, rie­si­ge Woll- und nied­li­che Meer­schwein­chen, Mais-, Rüben- und Kar­tof­fel­ber­ge, Al­fal­fa-Bal­len und Qui­noa-Säcke, Ma­che­ten, Wei­de­kör­be und Kak­tus­sei­le, Blech­ka­nis­ter, Plas­tik­ei­mer und Pötte aus Au­to­rei­fen, selbst­ge­bas­tel­te Zahn­pro­the­sen und mit be­reits ab­ge­nag­ten Zie­gen­kie­fer­kno­chen über­sä­te Es­sen­st­re­sen. Auf dem Nach­hau­se­weg schlep­pen Maul­tie­re und Pick-ups den er­stan­de­nen Ein­kauf und des­sen sturz­be­trun­ke­ne Be­sit­zer zu­rück in die um­lie­gen­den Dör­fer.
Der Markt fin­det immer nur don­ners­tags statt. Je frü­her man am Mor­gen ein­trifft, desto bes­ser! Eine Über­nach­tung bie­tet sich in den ge­nos­sen­schaft­li­chen Pen­sio­nen »Inti Sisa« und »Chuza Longa Home« an. Gu­amo­te liegt 50 Fahr­mi­nu­ten süd­lich von Ri­ob­am­ba.


Kanu-Kicks: Im Ein­baum durch den Dschun­gel

Wildlife-Beobachtungen mit Paddelantrieb (Foto: Volker Feser)
Wild­life-Be­ob­ach­tun­gen mit Pad­del­an­trieb (Foto: Vol­ker Feser)
Affen, Aras, Ana­kon­das und Amei­sen­bä­ren. Tu­ka­ne, Ta­pi­re, Ta­ran­teln und to­xi­sche Baum­stei­ger­frö­sche. Für Wild­life-Be­ob­ach­tun­gen im Ama­zo­nas-Re­gen­wald sind Kanu-Aus­flü­ge – mo­to­ri­siert oder mit Pad­del­an­trieb – un­ent­behr­lich! An den über­wu­cher­ten Ufer­bö­schun­gen der La­gu­nen und Was­ser­läu­fe ab­seits vom Río Napo und Río Agua­ri­co las­sen sich (durs­ti­ge) Tiere oft leich­ter als im dunk­len Wald auf­spü­ren. Wan­der­pfa­de er­gän­zen die Kanu-Trips.
Nach dem nicht immer er­folg­rei­chen Fauna-Spot­ten liegt man wie­der gerne mit einem Sun­dow­ner in der Hän­ge­mat­te. Etwas we­ni­ger kom­fort­los sind ex­pe­di­ti­ons­ar­ti­ge Ka­nu­wan­de­run­gen, wenn es sich auf einem end­los mä­an­dern­den Ne­ben­flüss­chen, unter dem Bal­da­chin der Ur­waldrie­sen, ta­ge­lang mit Zelt und Schlaf­sack da­hin­pad­deln lässt. Mit­un­ter muss einem auf Sand­bän­ken oder Baum­stäm­men auf­ge­lau­fe­nen Kanu auf die Sprün­ge ge­hol­fen wer­den. Dies be­deu­tet, dass dann die männ­li­chen Pas­sa­gie­re ins hüft­tie­fe Brack­was­ser stei­gen und ver­eint schie­ben – ein durch und durch tie­risch ama­zo­ni­sches Aben­teu­er!
Cuy­abe­no Re­ser­vat: 6.000 qkm, 14 La­gu­nen, 165 Säu­ge­tier-, 493 Vogel-, 96 Am­phi­bi­en-, 91 Rep­ti­li­en­ar­ten. Ro­man­ti­sche Bret­ter-Bam­bus-Lod­ges zie­len auf ein schma­le­res Bud­get ab, z. B. Siona Lodge, drei Näch­te ab $320, www.sio­na­lodge.com; Nicky Lodge ab $290, www.ni­ckyama­zon­lodge.com. Die Tapir Lodge hat einen mit den Baum­kro­nen wett­ei­fern­den Wohn­turm, drei bis vier Näch­te $600/$750, www.ta­pir­lodge.com.
Ya­suní Na­tio­nal­park: Mit 9.800 qkm der größ­te des Lan­des, aber weite Be­rei­che blei­ben Tou­ris­ten vor­ent­hal­ten bzw. sind Streit­ob­jekt zwi­schen den an­säs­si­gen Hua­ora­ni-In­dia­nern und den Erd­öl­fir­men. Hoch­prei­si­ges am Rande und au­ßer­halb des Parks, allen voran Napo Wild­life Cen­ter, Sacha Lodge und Sani Lodge. Als ein­zi­ge liegt mit­ten­drin die rus­ti­ka­le Shi­ri­pu­no Lodge, von Coca aus eine Ta­gesan­rei­se, vier Näch­te ab $710, 8-tä­gi­ges Wild­life-Aben­teu­er in­klu­si­ve Fal­len­stel­len ab $1650, www.shiri­pu­no­lodge.com.
Zelt-Ka­nu­tou­ren in die Rand­ge­bie­te des Yas­uni Na­tio­nal­parks un­ter­nimmt auch Luis Chan­cu­sig aus der Kich­wa-Ge­mein­de Ahua­no am Río Napo, ab $120 pro Tag per Teil­neh­mer, www.ahuan­or­una.com.


Ga­la­pa­gos­in­seln: Arche Noah im Pa­zi­fik

Die Mondlandschaft auf den Galapagosinseln (Foto: Volker Feser)
Die Mond­land­schaft auf den Ga­la­pa­gos­in­seln (Foto: Vol­ker Feser)
Eine extra Top Ten wäre für die­ses Pa­zi­fik-Ar­chi­pel an­ge­bracht. Ein mehr­tä­gi­ger »Cru­ce­ro« – eine Kreuz­fahrt auf einer in­ti­men Yacht mit sanf­tem Ex­pe­di­ti­ons­cha­rak­ter – ist das A und O, um die atem­rau­bends­ten Be­su­cher­stand­or­te an­zu­steu­ern. Meist wer­den ent­we­der Spots auf den öst­li­chen oder den west­li­chen In­seln an­ge­lau­fen. Beide Ufer­sei­ten haben ihre High­lights. Die Ost­rou­te ist fa­cet­ten­rei­cher in Sa­chen Fauna und Sze­ne­rie und stellt eine Art Me­lan­ge des ge­sam­ten Ar­chi­pels dar. Die We­st­rou­te ist un­wirt­li­cher und ge­heim­nis­vol­ler, vul­ka­nisch aktiv und ent­ste­hungs­ge­schicht­lich pa­cken­der, ein Jules-Verne-Er­leb­nis!
Auf der Ost­rou­te liegt Españo­la, wo der blen­dend weiße Koral­len­staub­strand in der Gard­ner Bay ver­zau­bert, und sich an den stei­ni­gen Klip­pen der Punta Suá­rez die Al­ba­tros­se, Nazca- und Blau­fußtöl­pel in hals­bre­che­ri­schen Start- und Lan­de­ma­nö­vern üben, da­ne­ben aalen rot-grün ge­spren­kel­te Meer­ech­sen in der son­nen­durch­flu­te­ten Gischt. Ein ka­ko­pho­ni­sches Spek­ta­kel ist Ge­no­ve­sa. Hier brü­ten eine Vier­tel­mil­li­on Vögel. Bar­to­lo­mé und San­tia­go glän­zen mit »au­ßer­ir­di­schen« Kra­ter­land­schaf­ten. Ein ur­zeit­li­ches Kunst­werk ist auch der schein­bar auf dem Was­ser schwim­men­de »Chi­ne­se Hat« (wirk­lich, der sieht ge­nau­so aus!). Auf South Pla­zas bei­ßen ge­frä­ßi­ge Land­le­gua­ne mit­ten in kopf­kis­sen­gro­ße Kak­tus­pols­ter vol­ler St­achel­spie­ße. Flo­rea­na be­sticht mit den vor­ge­la­ger­ten Schnor­chel-Fel­sen Cham­pi­on, En­der­by und der »Teu­fels­kro­ne«. Im Chato Re­ser­vat auf Santa Cruz kön­nen frei le­ben­de Rie­sen­schild­krö­ten aus nächs­ter Nähe be­ob­ach­tet wer­den, wie sie sich in Schlamm­tüm­peln suh­len oder ihre Zieh­har­mo­ni­ka-Hälse nach Laub re­cken.
Zur We­st­rou­te ge­hört die von bis zu 1.700 m hohen Schild­vul­kan­ke­geln über­rag­te Insel Isa­be­la, mit 4.600 qkm die weit­aus größ­te. Bei einer Um­fah­rung geht es durch den Bolívar-Kanal, eine fisch­rei­che Meer­enge, die Isa­be­la von ihrer Nach­ba­rin Fer­nan­di­na trennt. Del­fi­ne, Ro­chen, Orcas und viel­leicht ein Wal­hai tau­chen vor dem Bug auf. Flug­un­fä­hi­ge Kor­mo­ra­ne und Pin­gui­ne bil­den Ko­lo­ni­en an den Ufern. Hun­dert­schaf­ten von Blau­fußtöl­peln schie­ßen wie Marsch­flug­kör­per aufs Was­ser zu, um sich aus der Luft an­ge­peil­te Fi­sche aus einem Schwarm zu schnap­pen. An der Punta Mo­re­no und Punta Espi­no­za tum­meln sich die größ­ten und schwär­zes­ten Meer­ech­sen des In­sel­rei­ches. Einer der auf­re­gends­ten Schnor­chel-Spots liegt vor dem nord­west­li­chen Isa­be­la-Zip­fel Punta Vi­cen­te Roca zu Füßen eines 610 m hohen Vul­kans na­mens Ecua­dor.
Ein Pro­gramm mit einer in­di­vi­du­ell zu­ge­schnit­te­nen Ga­la­pa­gos-Route or­ga­ni­siert sehr ge­konnt die Crew von Salsa Rei­sen, www.sal­sa­rei­sen.com.