Top Ten

Teil 27: La­ti­um mit Rom

oder Mo­men­te für die Ewig­keit

Portrait Florian FritzLange war er ver­grif­fen, unser Titel zu La­ti­um, der auch die Ewige Stadt be­schreibt. Zwi­schen­zeit­lich wurde die Alt­auf­la­ge bei Ama­zon für 96 Euro ge­han­delt … Nun hat Neu-Autor Flo­ri­an Fritz einen Neu­start ge­wagt und ein fei­nes Buch ge­schrie­ben. Heute ver­rät der Rei­se­jour­na­list und Fo­to­graf seine la­ti­ni­sche Top Ten, dar­un­ter ein »ul­ti­ma­ti­ves« Klos­ter, die bes­ten Lin­sen, die er je ge­ges­sen hat, ein an­ge­sag­tes Re­gio­nal-Ris­to­ran­te und nichts we­ni­ger als den schöns­ten Son­nen­auf­gang am Bol­se­na­see.


La­ti­um mit Rom – Flo­ri­an Fritz’ Top Ten

Bol­se­na­see

Das grüne Westufer des Bolsenasees ist nach wie vor ein Geheimtipp (Foto: Florian Fritz)
Das grüne We­st­ufer des Bol­se­na­sees ist nach wie vor ein Ge­heim­tipp (Foto: Flo­ri­an Fritz)
Wer La­ti­um mit dem Auto be­reist, für den ist der Bol­se­na­see mit dem gleich­na­mi­gen quir­li­gen Städt­chen am Nord­ost­ufer so­zu­sa­gen das Ein­falls­tor. Hier lässt sich schön baden, es gibt ge­räu­mi­ge Cam­ping­plät­ze, als Ge­heim­tipp eine groß­teils ge­schot­ter­te Stra­ße am grü­nen We­st­ufer mit idyl­li­schen Buch­ten, Fi­scher­boo­ten und Ein­kehr­mög­lich­kei­ten.
Ein be­son­ders ma­le­ri­scher Fleck ist der Ort Ca­po­di­mon­te ganz im Süden auf einem Fel­sen ge­le­gen. Beim Son­nen­auf­gang auf der zen­tra­len Piaz­za glit­zert der See, und am Ho­ri­zont ver­schwim­men Was­ser und Him­mel – ein Mo­ment für die Ewig­keit.


Ci­vi­ta di Ba­gno­re­gio

Civita di Bagnoregio, die Burganlage auf einem zerbröselnden Tuffsteinfelsen (Foto: Florian Fritz)
Ci­vi­ta di Ba­gno­re­gio, die Burg­an­la­ge auf einem zer­brö­seln­den Tuff­stein­fel­sen (Foto: Flo­ri­an Fritz)
12 km öst­lich von Bol­se­na thront ein ur­al­tes Städt­chen wie eine gi­gan­ti­sche Burg­an­la­ge auf einem zer­brö­seln­den Tuff­stein­fel­sen, er­reich­bar nur über eine kühn ge­schwun­ge­ne Fuß­gän­ger­brü­cke.
Was vor Jah­ren fast kom­plett ver­las­sen war, kos­tet neu­er­dings sogar Ein­tritt – und chi­ne­si­sche Will­kom­mens­schil­der lo­cken die Tou­ris­ten in Sou­ve­nir­lä­den … Trotz­dem haben die schma­len Gas­sen und das phan­tas­ti­sche Pan­ora­ma ihren Reiz, und am Abend lässt man sich im ma­le­ri­schen Ris­to­ran­te Alma Ci­vi­ta nie­der.


Vulci

Nichts als Landschaft und einige Maremmarinder mit wirklich eindrucksvollen Hörnern (Foto: Florian Fritz)
Nichts als Land­schaft und ei­ni­ge Ma­rem­mar­in­der mit wirk­lich ein­drucks­vol­len Hör­nern (Foto: Flo­ri­an Fritz)
Süd­lich des Bol­se­na­sees, im äu­ßers­ten west­li­chen Zip­fel La­ti­ums, stand einst auf einem Fels­pla­teau eine groß­ar­ti­ge Etrus­ker­stadt. Ihre Grab­an­la­gen sind zum Teil er­hal­ten, und spä­ter bau­ten die Römer auf den Über­res­ten eine neue Ort­schaft auf. Ein Rund­gang führt über das stau­bi­ge Pla­teau, über Pflas­ter­stei­ne und am idyl­li­schen Fluss­bett ent­lang, und in der Mitte von Nir­gend­wo gra­sen weiße Ma­rem­mar­in­der mit ein­drucks­vol­len Hör­nern.
Nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter ent­fernt lie­gen die Ther­men von Vulci mit­ten in der Pampa. Schwe­fel­hal­ti­ges Was­ser er­gießt sich in blen­dendwei­ße Bas­sins, an der stroh­mat­ten­ge­deck­ten Bar gibt es Cock­tails und Pa­ni­ni, Schat­ten bie­ten nur die rie­si­gen Son­nen­schir­me. Das Ver­gnü­gen ist nicht ge­ra­de güns­tig, aber seee­ehr ge­chillt und per­fekt für einen Tag des dolce far nien­te, des süßen Nichts­tuns. Wenn nach dem Ni­cker­chen auf der Liege der Blick schweift, be­geg­net ihm nichts als – Land­schaft …


Monte Ter­mi­nil­lo

Kurz vor dem Gipfel des Hausbergs der Römer (Foto: Florian Fritz)
Kurz vor dem Gip­fel des Haus­bergs der Römer (Foto: Flo­ri­an Fritz)
Eine kur­vi­ge Pass­stra­ße führt auf den Haus­berg der Römer: Der Monte Ter­mi­nil­lo ist som­mers (Wan­dern) wie win­ters (Ski­fah­ren) ein be­lieb­tes Ziel. Auf def­ti­ge Küche trifft man im Ri­fu­gio Se­bas­tia­ni di­rekt an der Stra­ße.
Wer gut zu Fuß ist, wählt den Auf­stieg zum fel­si­gen Gip­fel (eine drei­stün­di­ge Rund­tour) und be­lohnt sich mit der wohl spek­ta­ku­lärs­ten Aus­sicht La­ti­ums auf La­ti­um. Tipp: Früh los­ge­hen, sonst schmilzt man in der Hitze dahin wie Büf­fel­moz­za­rel­la.


Al­to­pi­ano di Ra­sci­no

Eine einsame Hochebene in Latium Nirgendwo, auf der hervorragende Linsen gedeihen (Foto: Florian Fritz)
Eine ein­sa­me Ho­ch­ebe­ne in La­ti­um Nir­gend­wo, auf der her­vor­ra­gen­de Lin­sen ge­dei­hen (Foto: Flo­ri­an Fritz)
Eine ein­sa­me Ho­ch­ebe­ne ganz im Osten La­ti­ums, um­ge­ben von kars­ti­gen Hän­gen, mit ei­ni­gen Ag­ri­tu­ris­mi und einem fisch­rei­chen See.
Schon die Zu­fahr­ten über holp­ri­gen Teer oder gar Schot­ter sind eher aben­teu­er­lich. Oben er­war­ten einen das Spiel von Sonne, Schat­ten und Wind, und im Früh­som­mer herr­li­che, qua­drat­ki­lo­me­ter­gro­ße Blu­men­wie­sen. Hier ge­dei­hen die Lin­sen von Ra­sci­no. Sie sind mit dem Slo­wfood-Sie­gel aus­ge­zeich­net und die al­ler­al­ler­bes­ten Lin­sen, die der Autor je­mals ge­ges­sen hat. Klein, fest, dun­kel­braun, ein­fach köööööst­lich!
Im Su­per­markt er­hält man sie al­ler­dings nicht, son­dern bei den Höfen auf der Ho­ch­ebe­ne oder in den Ge­schäf­ten der klei­nen Orte der Re­gi­on. Ein­fach nach­fra­gen!


Su­bi­aco, Klos­ter San Be­nedet­to

Das in eine senkrechte Felswand gebaute Kloster sollte man jenseits der Touristenbusse ansteuern (Foto: Florian Fritz)
Das in eine senk­rech­te Fels­wand ge­bau­te Klos­ter soll­te man jen­seits der Tou­ris­ten­bus­se an­steu­ern (Foto: Flo­ri­an Fritz)
Das ul­ti­ma­ti­ve Klos­ter, so­zu­sa­gen. Der Stamm­sitz des Hei­li­gen Be­ne­dikt ist in atem­be­rau­ben­der Lage an eine senk­rech­te Fels­wand ge­mör­telt. So­bald man ein­tritt, ent­deckt man nichts als Fres­ken: in Ober­kir­che, Un­ter­kir­che, in der Ka­pel­le des Hei­li­gen – far­ben­fro­he Wand­bil­der aus Jahr­hun­der­ten, wohin auch das Auge blickt.
Unten, im Klos­ter­gar­ten, wird spa­nisch ge­spro­chen, da ibe­ri­sche Be­ne­dik­ti­ner­mön­che das Klos­ter be­wirt­schaf­ten. Ein be­sinn­li­cher Ort, aber in der Sai­son am bes­ten ganz früh oder am Abend her­kom­men, denn nur jen­seits der Tou­ris­ten­bus­se ist die­ser ein­ma­li­ge Platz zu er­spü­ren.


Sper­lon­ga

Eine Stadt, die fast schon apulisch wirkt – Sperlonga an der Riviera di Ulisse (Foto: Florian Fritz)
Eine Stadt, die fast schon apu­lisch wirkt – Sper­lon­ga an der Ri­vie­ra di Ulis­se (Foto: Flo­ri­an Fritz)
Die weiße Stadt auf einem Fel­sen an der Ri­vie­ra di Ulis­se wirkt fast schon apu­lisch. Drum herum nix als Ba­de­strän­de, teils in fel­si­gen Buch­ten, teils weit ge­schwun­gen mit Blick bis zum Fels­klotz des Monte Cir­ceo im Wes­ten. In der Nähe die Höhle des rö­mi­schen Kai­sers Ti­be­ri­us, die der Herr­scher als Do­mi­zil be­vor­zug­te, um sei­ner ge­stren­gen Mama Livia in Rom nicht allzu nahe sein zu müs­sen.
Und im Zen­trum des le­ben­di­gen Ortes, der seine bes­ten St­un­den am Abend hat, lässt sich nicht nur präch­tig in engen Gas­sen und Win­keln Ver­ste­cken spie­len, son­dern auch wun­der­bar spei­sen, zum Bei­spiel im an­ge­sag­ten Ric­cio­la Sa­ra­ce­na. Ein lich­ter Raum, ei­ni­ge Ti­sche drau­ßen in der schma­len Gasse, die Küche ki­lo­me­tro zero, will sagen, mit re­gio­na­len Zu­ta­ten, ein ro­sa­far­be­ner Him­mel, mil­der Abend­wind – alle In­gre­di­en­zen für einen per­fek­ten ro­man­ti­schen Abend sind hier bei­sam­men.


Ninfa

Die verwunschenen Gärten von Ninfa bieten ein ganz besonderes Reiseerlebnis (Foto: Florian Fritz)
Die ver­wun­sche­nen Gär­ten von Ninfa bie­ten ein ganz be­son­de­res Rei­se­er­leb­nis (Foto: Flo­ri­an Fritz)
Ro­man­ti­sche Gär­ten in den Rui­nen einer mit­tel­al­ter­li­chen Stadt, die einst ein Dut­zend Kir­chen ihr Eigen nann­te: das sind die Zu­ta­ten, die Ita­lie­ner lie­ben. Ent­spre­chend gut­be­sucht sind sie, die Gär­ten von Ninfa, die nur zu be­stimm­ten Tagen im Jahr offen haben und zwin­gend on­line re­ser­viert wer­den müs­sen.
Doch selbst das An­ste­hen in der Schlan­ge hat was, wenn sich alle freu­en und ge­dul­dig war­ten (so ganz an­ders als da­heim im Su­per­markt), bis einen die Füh­rung zwi­schen blü­hen­den Bäu­men, vor­bei an über­wu­cher­ten Mau­er­res­ten und ent­lang träge flie­ßen­der Bach­läu­fe lotst … Und drum herum gibt es auch al­ler­hand zu sehen: die alten Ber­gor­te Norma und Ser­mo­ne­ta und das aus­ge­dehn­te Hoch­pla­teau der Rui­nen­stadt Norba, be­lieb­ter Start­ort der la­ti­ni­schen Gleit­flie­ger­sze­ne.


Ponza

Ponza ist eine malerische Insel vor Festlandlatium, auf der Autos herzlich wenig verloren haben (Foto: Florian Fritz)
Ponza ist eine ma­le­ri­sche Insel vor Fest­land­la­ti­um, auf der Autos herz­lich wenig ver­lo­ren haben (Foto: Flo­ri­an Fritz)
Nur mit dem Schiff geht es auf die ma­le­ri­sche Insel, und das Auto soll­te man tun­lichst auf dem Fest­land las­sen. Denn es gibt eh nur eine Stra­ße, und die wird im Mi­nu­ten­takt von In­sel­ta­xis be­fah­ren. Der Haupt­ort bie­tet ver­win­kel­te Gas­sen, einen far­ben­fro­hen Hafen und hun­der­te von mehr oder we­ni­ger ge­pfleg­ten Kat­zen, die, sagen wir es mal so, al­ler­or­ten ihre Ge­schäf­te ver­rich­ten – also: mind your steps!
Über das Tou­ris­mus­bü­ro kann man die erst vor ei­ni­gen Jah­ren wie­der­ent­deck­ten rö­mi­schen Zis­ter­nen be­sich­ti­gen, Ba­de­buch­ten gibt es zu­hauf, auch ei­ni­ge schö­ne, pan­ora­ma­rei­che Wan­de­run­gen, und ein ex­qui­si­tes Lokal ist A Casa di Ass­un­ta, wo die gleich­na­mi­ge Mamma hoch über dem Ort eine phan­tas­ti­sche lo­ka­le Küche fa­bri­ziert. Wer abends einen Platz auf der Ter­ras­se be­kom­men hat (un­be­dingt re­ser­vie­ren!), ist tat­säch­lich im sieb­ten Him­mel an­ge­kom­men.


Ostia An­ti­ca

Ostia Antica. Das antike Amphitheater ist nur ein kleiner Ausschnitt der alten Hafenstadt (Foto: Florian Fritz)
Ostia An­ti­ca. Das an­ti­ke Am­phi­thea­ter ist nur ein klei­ner Aus­schnitt der alten Ha­fen­stadt (Foto: Flo­ri­an Fritz)
Ei­gent­lich an der geo­gra­phi­schen Schnitt­stel­le zu Rom, aber in rö­mi­scher Zeit eine ei­ge­ne Ha­fen­stadt und des­halb hier der Schluss- und Hö­he­punkt der la­ti­ni­schen Top Ten.
Wäh­rend drum herum der stin­ken­de, lär­men­de rö­mi­sche Stadt­ver­kehr tobt, fin­det auf dem weit­läu­fi­gen Ge­län­de der Ha­fen­stadt jeder seine ganz per­sön­li­che Lieb­lings­rui­ne. Ob Am­phi­thea­ter, Ther­men, Schmie­de, Bä­cke­rei oder was es sonst noch alles ge­ge­ben haben mag: end­lo­se ge­pflas­ter­te Stra­ßen füh­ren hin­durch zwi­schen gi­gan­ti­schen Schirm­aka­zi­en, und je län­ger die Schat­ten wer­den, desto ge­heim­nis­vol­ler wirkt die Rui­nen­stadt – eine Er­kennt­nis, die sich auf das ganze viel­fäl­ti­ge, far­ben­präch­ti­ge, an vie­len Ecken un­er­forsch­te und daher un­be­dingt be­rei­sen­swer­te La­ti­um über­tra­gen lässt.