Top Ten

Teil 28: Lis­sa­bon & Costa de Lis­boa

oder Na­tur­be­las­se­ne Strän­de unter Fels­küs­ten

Portrait Johannes BeckDer Städ­te­füh­rer zu Lis­sa­bon ist einer der Ren­ner un­se­rer Best­sel­ler­lis­te 2017. Doch Jo­han­nes Beck hat noch ein zwei­tes Buch ge­schrie­ben – für alle, die auch die Küs­ten­re­gi­on um Por­tu­gals Me­tro­po­le er­kun­den wol­len. Oder wuss­ten Sie, dass es ein por­tu­gie­si­sches Neu­schwan­stein gibt, auf wel­cher Fels­küs­ten­tour man sogar Sau­rier­spu­ren fin­det und dass in Mafra eine der schöns­ten Bi­blio­the­ken der Welt zu sehen ist? Neben na­tur­be­las­se­nen und ver­steck­ten Strän­den geht es um eine der we­ni­gen sess­haf­ten Fluss-Del­phin­grup­pen Eu­ro­pas und Fla­min­go-Be­ob­ach­tun­gen am Tejo-Delta.


Lis­sa­bon & Costa de Lis­boa – Jo­han­nes Becks Top Ten


Palácio Na­cio­nal da Pena – Por­tu­gals Neu­schwan­stein

Oftmals liegt es im Nebel auf einem Berg bei Sintra – Portugals Neuschwanstein (Foto: Johannes Beck)
Oft­mals liegt es im Nebel auf einem Berg bei Sin­tra – Por­tu­gals Neu­schwan­stein (Foto: Jo­han­nes Beck)
Um die be­deu­tends­te Se­hens­wür­dig­keit der Costa de Lis­boa zu er­rei­chen, muss man hoch hin­aus. Genau ge­sagt auf einen Berg­gip­fel ober­halb der etwa 25 km nord­öst­lich von Lis­sa­bon ge­le­ge­nen Stadt Sin­tra. Hier steht das ehe­ma­li­ge Kö­nigs­schloss Palácio Na­cio­nal da Pena, Por­tu­gals »Neu­schwan­stein«.
Der Ver­gleich bie­tet sich nicht nur auf­grund der ex­po­nier­ten Lage an, auch das Schloss in Sin­tra ent­stand unter maß­geb­li­cher Mit­ar­beit meh­re­rer Deut­scher. So gab Dom Fer­nan­do II., der deut­sche Ge­mahl der por­tu­gie­si­schen Kö­ni­gin Dona Maria II., den Bau des Schlos­ses in Auf­trag. Für die be­ein­dru­cken­de Mi­schung ver­schie­dens­ter Ar­chi­tek­tur­sti­le sorg­te mit Wil­helm Baron von Esch­we­ge eben­falls ein Deut­scher. Neu­schwan­stein kann er dabei al­ler­dings nicht ko­piert haben, denn der Palácio Na­cio­nal da Pena ent­stand schon 1839, knapp 30 Jahre vor sei­nem bay­ri­schen Ge­gen­stück.
1,3 Mil­lio­nen Men­schen be­such­ten im Jahr 2016 den Pa­last, damit ist er eines der meist­be­such­ten Mo­nu­men­te Por­tu­gals. Zu Recht, die ver­spiel­ten Türm­chen, auf­wen­dig de­ko­rier­ten Fens­ter und prunk­vol­len Säle im In­ne­ren be­geis­tern. Auf den Platt­for­men rund um den Pa­last öff­nen sich herr­li­che Bli­cke auf das um­lie­gen­de Ge­bir­ge der Serra de Sin­tra und die At­lan­tik-Küste.
Mein Tipp: Wer den Be­su­cher­mas­sen etwas ent­flie­hen will, soll­te einen Spa­zier­gang im um­lie­gen­den Par­que da Pena un­ter­neh­men (es sei denn der Berg­gip­fel liegt wie oft in dich­tem Nebel). Hier fin­det man kunst­voll ver­zier­te Brun­nen und meh­re­re ver­steck­te Aus­sichts­punk­te. Da die meis­ten Ta­ges­tou­ris­ten schon den Auf­stieg zum Schloss an­stren­gend fin­den, ist hier oft­mals deut­lich we­ni­ger los.


Palácio Na­cio­nal de Mafra – groß, grö­ßer, Mafra

Wegen dieses gigantomanischen Königspalasts ging Portugal beinahe pleite … (Foto: Johannes Beck)
Wegen die­ses gi­gan­to­ma­ni­schen Kö­nigs­pa­lasts ging Por­tu­gal bei­na­he plei­te … (Foto: Jo­han­nes Beck)
Als König João V. An­fang des 18. Jahr­hun­derts die­sen Kö­nigs­pa­last in Auf­trag gab, konn­te er ihm nicht groß genug wer­den. Um eine Ba­si­li­ka aus wei­ßem Mar­mor ließ er den Kö­nigs­pa­last und ein rie­si­ges Klos­ter­ge­bäu­de grup­pie­ren. Zu die­ser Zeit flos­sen große Reich­tü­mer aus den bra­si­lia­ni­schen Gold­mi­nen ins Land; Bra­si­li­en war eine Ko­lo­nie der See­fah­rer­na­ti­on. Der Bau ge­riet dabei der­ma­ßen gi­gan­to­ma­nisch, dass Por­tu­gal dar­über fast plei­te­ging.
Ein­sam steht man heute vor der über 200 Meter lan­gen Fas­sa­de und staunt über die rie­si­gen Hei­li­gen­stand­bil­der im Ein­gangs­be­reich der Ba­si­li­ka sowie die 4.500 Türen und Fens­ter des Ge­bäu­des. Mit Glück er­wischt man ein Glo­cken­spiel. Dar­un­ter soll­te man sich aber nicht ein Kon­zert ei­ni­ger leise bim­meln­der Glöck­chen vor­stel­len. Auch hier schlug die Groß­manns­sucht des Kö­nigs mit aller Wucht zu: Es wer­den sage und schrei­be 114 Bron­zeg­lo­cken (!) in Kirch­turm­for­mat zum Läu­ten ge­bracht. Zu­sam­men würde die­ses »Glo­cken­spiel« 217 Ton­nen auf die Waage brin­gen.
Mein Tipp: Die Bi­blio­te­ca do Con­ven­to de Mafra gilt mit ihrem Mar­mor-Boden und der Ro­ko­ko-Ar­chi­tek­tur als eine der schöns­ten Bi­blio­the­ken der Welt. Die über 35.000 Bü­cher sind kunst­voll mit Leder und Blatt­gold ge­bun­den, dar­un­ter di­ver­se Prunk­stü­cke wie eine Erst­aus­ga­be der »Lu­sia­den« des por­tu­gie­si­schen Na­tio­nal­dich­ters Camões. Ich werde nie ver­ges­sen, wie mir bei mei­nem ers­ten Be­such sprich­wört­lich die Kinn­la­de hin­un­ter­fiel, denn so eine Bi­blio­thek hatte ich nie­mals zuvor ge­se­hen.


Praia do Guin­cho – Wan­der­dü­nen und Wind­sur­fer

Man nennt sie »Die große Wand«, die Strandpromenade zwischen Estoril und Cascais (Foto: Johannes Beck)
Man nennt sie »Die große Wand«, die Strand­pro­me­na­de zwi­schen Esto­ril und Cas­cais (Foto: Jo­han­nes Beck)
Ganz in der Nähe des west­lich von Lis­sa­bon ge­le­ge­nen Ortes Cas­cais er­streckt sich um den Guin­cho-Strand eine Dü­nen­land­schaft. Über Holz­ste­ge kann man die unter Schutz ste­hen­den Wan­der­dü­nen durch­que­ren und sie aus di­rek­ter Nähe be­trach­ten, ohne das sen­si­ble Öko­sys­tem zu zer­stö­ren. Mit etwas Glück sieht man auch ei­ni­ge der hier le­ben­den Tiere wie Hasen, Vi­pern oder Ei­dech­sen.
Der Strand an sich ist eben­falls einen Be­such wert und gilt als eines der bes­ten Wind­surf-Re­vie­re Eu­ro­pas. Auch Ki­tesur­fer wer­den hier oft ge­se­hen. Des einen Freud ist des an­de­ren Leid: Das (Son­nen-)Baden habe ich hier schon mehr­mals wie­der sein las­sen, da der star­ke Wind einem auf dem Ba­de­tuch die Sand­kör­ner nur so um die Ohren flie­gen lässt. Eine prak­ti­sche De­mons­tra­ti­on, warum die Dünen in der Um­ge­bung immer wie­der ihre Po­si­ti­on ver­än­dern und ab und an ganze Teile der Ufer­stra­ße unter sich be­gra­ben …
Ne­ben­an fin­det man meh­re­re Lu­xus­re­stau­rants, die zu den bes­ten der Re­gi­on um Lis­sa­bon ge­hö­ren wie das mit einem Mi­che­lin-Stern aus­ge­zeich­ne­te Re­stau­rant im Hotel For­ta­le­za do Guin­cho (un­ter­ge­bracht in einem ver­las­se­nen Fort) oder die emp­feh­lens­wer­ten Fi­sch­re­stau­rants Porto de Santa Maria und Pan­ora­ma.
Mein Tipp: Von der Ter­ras­se des Cafés Duna da Cres­mi­na am obe­ren Ende der Holz­ste­ge lässt sich die Dü­nen­land­schaft in Ruhe be­trach­ten. Be­son­ders schön finde ich es, wenn sie die un­ter­ge­hen­de Sonne in ein sanf­tes Rot taucht: ein herr­li­ches Far­ben­spiel zu­sam­men mit dem Beige des San­des, dem Grün der Grä­ser und dem Blau des At­lan­tiks.


»Pa­re­dão« – Strand­le­ben schnup­pern zwi­schen Esto­ril und Cas­cais

Schön, schöner, Guincho! Ein Sonnenuntergang in der Dünenlandschaft bei Cascais (Foto: Johannes Beck)
Schön, schö­ner, Guin­cho! Ein Son­nen­un­ter­gang in der Dü­nen­land­schaft bei Cas­cais (Foto: Jo­han­nes Beck)
Die 2,7 km lange Strand­pro­me­na­de zwi­schen den Städ­ten Esto­ril und Cas­cais bie­tet sich wun­der­bar für lange Spa­zier­gän­ge an. Im Volks­mund wird sie ein­fach nur »Pa­re­dão« ge­nannt, »große Wand«.
Das quir­li­ge Leben wäh­rend der Ba­de­sai­son spielt sich vor allem ent­lang der 300 m lan­gen Praia do Ta­ma­riz im Zen­trum der Pro­me­na­de ab. Nicht nur hier kann man sich zum Aus­ru­hen in eines der zahl­rei­chen Cafés set­zen und das bunte Trei­ben be­ob­ach­ten. Das Pu­bli­kum wird dabei von den Rei­chen – oder eher von den »Möch­te-Gern-Rei­chen« – der Linha de Cas­cais ge­nann­ten Re­gi­on im Wes­ten Lis­sa­bons ge­prägt, die hier gerne schau­lau­fen. »Sehen und ge­se­hen wer­den« ist für viele das Motto.
Mein Tipp: Die Strand­pro­me­na­de Rich­tung Osten bis an den End­punkt an der Praia da Aza­ru­jin­ha im Stadt­teil São João do Esto­ril gehen! Rund um die­sen klei­nen, ver­steckt ge­le­ge­nen Strand lie­gen zahl­rei­che Pri­vat­pa­läs­te – für mich eine der schöns­ten Ecken Esto­rils. Gerne setze ich mich auf eine der Stu­fen und schaue zu, wie Welle für Welle in die enge Bucht hin­ein­rollt.


Cabo da Roca – Wan­de­rung ent­lang der Fels­küs­te nach Azen­has do Mar

Die 12 Kilometer lange Felsküstenwanderung nördlich des Cabo da Roca bietet eine herrliche Abwechslung zu den gut besuchten Altstadtvierteln von Lissabon (Foto: Johannes Beck)
Die 12 Ki­lo­me­ter lange Fels­küs­ten­wan­de­rung nörd­lich des Cabo da Roca bie­tet eine herr­li­che Ab­wechs­lung zu den gut be­such­ten Alt­stadt­vier­teln von Lis­sa­bon (Foto: Jo­han­nes Beck)
Eine zer­klüf­te­te Fels­land­schaft, wilde Strän­de und ein herr­li­ches Mee­res­pan­ora­ma er­war­ten den Wan­de­rer ent­lang der Küste nörd­lich des Cabo da Roca, west­lichs­ter Punkts des eu­ro­päi­schen Fest­lands. Ent­lang der 12 km lan­gen Stre­cke gibt es Mil­lio­nen Jahre alte Sau­rier­spu­ren und ein wie ein Schwal­ben­nest in die Fel­sen ge­bau­tes Dorf zu ent­de­cken. Für mich sind die Wan­de­run­gen an die­ser rauen, ein­sa­men Fels­küs­te eine herr­li­che Ab­wechs­lung zu den gut be­such­ten Alt­stadt­vier­teln von Lis­sa­bon.
Mit der Praia da Ursa (nur durch eine klei­ne Klet­ter­par­tie er­reich­bar) und der Praia da Adra­ga (bes­ser zu­gäng­lich) lie­gen au­ßer­dem zwei der ro­man­tischs­ten Strän­de der Costa da Lis­boa an der Wan­der­rou­te. In dem weit sicht­ba­ren, auf­fäl­lig aus dem At­lan­tik ra­gen­den Fel­sen vor der Praia da Ursa wol­len viele die Gestalt einer Bärin er­ken­nen. Der lo­ka­len Le­gen­de nach soll sich eine Bärin am Ende der Eis­zeit ge­wei­gert haben, dem Be­fehl der Göt­ter zu fol­gen und nach Nor­den zu zie­hen. Zur Stra­fe seien sie und ihre Jun­gen in einen Fel­sen ver­wan­delt wor­den.
Mein Tipp: Eine Mit­tags­pau­se im Re­stau­rant an der Praia da Adra­ga. Bei Mee­res­blick wird dort zu fai­ren Prei­sen auf Holz­koh­le­grill zu­be­rei­te­ter Fisch ser­viert. Frisch und sehr le­cker.


Praia da Ri­bei­ra d’Ilhas – Welt-Sur­fre­ser­ve in Eri­ce­ira

Das Paradies für Wellenreiter liegt in der Brandung der Praia da Ribeira d’Ilhas (Foto: Johannes Beck)
Das Pa­ra­dies für Wel­len­rei­ter liegt in der Bran­dung der Praia da Ri­bei­ra d’Ilhas (Foto: Jo­han­nes Beck)
In der Bran­dung des Ri­bei­ra d’Ilhas-Stran­des nörd­lich des Ba­de­or­tes Eri­ce­ira kämpf­ten die Wel­len­rei­ter schon 1977 um den Sieg, beim ers­ten Surf­wett­be­werb Por­tu­gals. Spä­tes­tens mit den Er­fol­gen des bes­ten por­tu­gie­si­schen Wel­len­rei­ters Tiago Pires wurde des­sen Hei­mat Eri­ce­ira zum Wel­len­rei­ter-Mekka Por­tu­gals.
2011 hat die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on »Save the Waves Co­ali­ti­on« den Küs­ten­ab­schnitt rund um die Praia da Ri­bei­ra d’Ilhas als welt­wei­tes »Surf-Erbe« ein­ge­stuft. Schließ­lich zählt er zu den bes­ten Sur­fre­vie­ren Eu­ro­pas. Zuvor hat­ten nur Ma­li­bu in Ka­li­for­ni­en (USA) und die Manly Beach in Aus­tra­li­en diese Aus­zeich­nung be­kom­men, die wich­ti­ge Surf­strän­de schüt­zen soll.
Wer aus dem Zen­trum von Eri­ce­ira kommt (man kann die 2,5 km gut zu Fuß oder mit dem Fahr­rad zu­rück­le­gen), soll­te eine Pause an der Aus­sichts­platt­form ober­halb des Stran­des ein­le­gen. Der Blick auf die schö­ne Fels­küs­te ist be­son­ders bei Son­nen­un­ter­gang sehr ro­man­tisch.
Mein Tipp: Wer es noch nicht selbst aus­pro­biert hat – Wel­len­rei­ten ist nicht ganz so leicht, wie es bei den Pro­fis an der Ri­bei­ra d’Ilhas aus­sieht. Am bes­ten fängt man an einem we­ni­ger an­spruchs­vol­len Spot an und lässt sich von einem Fach­mann aus­bil­den. Zum Bei­spiel vom Syl­ter Frit­hjof Gauss, dem ers­ten deut­schen Long­board­meis­ter, der hier die Surf­schu­le Três Ondas führt.


Se­tú­bal und Se­sim­bra – raus aufs Was­ser und Del­phi­ne er­le­ben!

Mit einem Handy wird’s nix, doch mit dem Teleobjektiv kann man sie sehr gut einfangen, die Fluss-Delphine von Setúbal (Foto: Johannes Beck)
Mit einem Handy wird’s nix, doch mit dem Te­le­ob­jek­tiv kann man sie sehr gut ein­fan­gen, die Fluss-Del­phi­ne von Se­tú­bal (Foto: Jo­han­nes Beck)
Vor der etwa 50 km von Lis­sa­bon ge­le­ge­nen Ha­fen­stadt Se­tú­bal ist eine ganz be­son­de­re Grup­pe Mee­res­säu­ger zu Hause. Im aus­ge­dehn­ten Mün­dungs­ge­biet des Sado lebt eine der we­ni­gen sess­haf­ten Fluss-Del­phin­grup­pen Eu­ro­pas. Die etwa 30 Tiere sind in­zwi­schen gut ge­schützt. Das ist vor allem auch dem Ein­satz der Bio­lo­gen von Ver­ti­gem Azul zu ver­dan­ken: Sie or­ga­ni­sie­ren mehr­stün­di­ge Boots­fahr­ten mit dem Ka­ta­ma­ran »O Espe­rança« zu den Del­phi­nen. Das ge­räu­mi­ge Boot liegt ruhig im Was­ser, Platz ist auch für klei­ne­re Kin­der.
Etwas wei­ter west­lich, vor der Stadt Se­sim­bra, kann man eben­falls Del­phi­ne be­ob­ach­ten, al­ler­dings sind dies »nor­ma­le« Ver­tre­ter ihrer Spe­zi­es, die wan­dernd durch den At­lan­tik zie­hen und nicht sess­haft sind. Dafür hatte ich hier schon das Glück große Grup­pen mit über hun­dert Tie­ren zu sehen. In der Sai­son wer­den Fahr­ten re­gel­mä­ßig z. B. von Ver­ten­te Na­tu­ral or­ga­ni­siert. Dabei geht es mit Schlauch­boo­ten teil­wei­se recht weit auf das of­fe­ne Meer hin­aus, wo es auch schon mal etwas rup­pi­ge Wel­len geben kann. Wer halb­wegs see­fest ist, hat den­noch sei­nen Spaß daran.
Mein Tipp: Ein Fern­glas mit­neh­men, um die Del­phi­ne zu be­ob­ach­ten! Für Fotos emp­fiehlt sich ein Te­le­ob­jek­tiv. Für gute Auf­nah­men mit dem Smart­pho­ne kommt man nur sel­ten nahe genug an die flin­ken Tiere heran.


Tejo-Bin­nen­meer – Fla­min­gos und viele an­de­re Vögel

Im Naturschutzgebiet des Tejo-Delta sieht man Zugvögel aus nächster Nähe (Foto: Johannes Beck)
Im Na­tur­schutz­ge­biet des Tejo-Delta sieht man Zug­vö­gel aus nächs­ter Nähe (Foto: Jo­han­nes Beck)
Am Delta des Tejo, di­rekt ge­gen­über der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt, liegt eines der wich­tigs­ten Na­tur­schutz­ge­bie­te Eu­ro­pas: für Zug­vö­gel.
Seit 1976 ste­hen das prak­tisch men­schen­lee­re Ost­ufer des Tejo-Bin­nen­meers Mar da Palha und zahl­rei­che vor­ge­la­ger­te In­seln unter Na­tur­schutz und bil­den die 15.000 Hekt­ar große »Re­ser­va Na­tu­ral do Es­tuá­rio do Tejo«. Die loh­nends­te Be­suchs­zeit sind die Mo­na­te Sep­tem­ber bis April: Im Ja­nu­ar hal­ten sich in den weit­läu­fi­gen Sumpf­ge­bie­ten über 100.000 Vögel auf. Im Herbst und im Früh­jahr konn­te ich auf allen Be­su­chen Fla­min­gos be­ob­ach­ten, das ganze Jahr über teil­wei­se au­ßer­dem dut­zen­de Stör­che.
Die bes­ten Chan­cen im Tejo-Delta und sei­nem Na­tur­schutz­ge­biet Vögel zu be­ob­ach­ten, hat man an drei La­gu­nen, die zu einem »EVOA – Espa­ço de Vi­si­ta­ção e Ob­ser­va­ção de Aves« ge­nann­ten Ob­ser­va­ti­ons­ge­biet aus­ge­baut wur­den. In spe­zi­ell ein­ge­rich­te­ten Un­ter­stän­den las­sen sich hier die Vögel un­auf­fäl­lig in aller Ruhe be­ob­ach­ten und be­stim­men. Dabei kann man ihrem viel­stim­mi­gen Ge­zwit­scher lau­schen.
Mein Tipp: Vor­her an­ru­fen, um zu er­fra­gen, wann die Füh­run­gen be­gin­nen! Sie sind auf die Ge­zei­ten ab­ge­stimmt und fin­den bei Flut statt. Wäh­rend der Ebbe ver­las­sen da­ge­gen viele Vögel die La­gu­nen, um auf Nah­rungs­su­che zu gehen.


Costa da Ca­pa­ri­ca – das idea­le Strand-Re­stau­rant

Der weitgehend naturbelassene und ausladende Sandstrand von Costa da Caparica (Foto: Johannes Beck)
Der weit­ge­hend na­tur­be­las­se­ne und aus­la­den­de Sand­strand von Costa da Ca­pa­ri­ca (Foto: Jo­han­nes Beck)
Rum­mel, Durch­ein­an­der und eine ver­bau­te In­nen­stadt prä­gen den Ba­de­ort Costa da Ca­pa­ri­ca. Ei­gent­lich nicht mein Fall. Doch wenn man etwas aus dem Zen­trum hin­aus­fährt, fin­det man nur 1,5 km nörd­lich der In­nen­stadt mit der Praia de São João da Ca­pa­ri­ca einen herr­li­chen, weit­ge­hend na­tur­be­las­se­nen Sand­strand. Hier liegt mit dem Le­blon auch eines der bes­ten Strand-Re­stau­rants. Die Kom­bi­na­ti­on von schö­ner Lage mit Strand­blick, auf­wän­di­ger De­ko­ra­ti­on und Fein­schme­cker-Küche be­geis­tert.
Auf der son­ni­gen Ter­ras­se oder im schat­ti­gen In­ne­ren kann man sich fri­schen Fisch ser­vie­ren las­sen. Al­lein beim Ge­dan­ken an das le­cke­re Lachssteak mit Süß­kar­tof­fel­brei (lombo de sal­mão) kommt mir der Ap­pe­tit. Dazu sind zahl­rei­che Sa­la­te, ve­ge­ta­ri­sche Spei­sen und un­ge­wöhn­lich viele Ham­bur­ger-Va­ria­tio­nen im An­ge­bot. Für die Kin­der gibt es spe­zi­el­le Ge­rich­te, ver­mut­lich wer­den sie aber die meis­te Zeit so­wie­so im Sand vor der Ter­ras­se toben.
Mein Tipp: Vor oder nach dem Essen der Küste noch etwa 1 km nach Nor­den bis an den über­nächs­ten Strand Praia da Cova do Vapor fol­gen! Er bie­tet eine ei­gen­wil­li­ge Mi­schung aus klei­nen, bunt zu­sam­men­ge­wür­fel­ten Häu­sern und ist nach der nahe ge­le­ge­nen Fi­scher­sied­lung Cova do Vapor be­nannt. Hier fah­ren rie­si­ge Con­tai­ner­frach­ter und Kreuz­fahrt­schif­fe in den Lis­sa­bon­ner Hafen ein und aus. Ich kenne kei­nen an­de­ren Ort, an dem man die Mün­dung des Tejo in den At­lan­tik so haut­nah spü­ren und er­le­ben kann.


Burg Pal­me­la – Cafés und Hotel mit per­fek­ter Aus­sicht

Die einstige Ritterordensburg Palmela befindet sich in luftigen 232 Höhenmetern (Foto: Johannes Beck)
Die eins­ti­ge Rit­ter­or­dens­burg Pal­me­la be­fin­det sich in luf­ti­gen 232 Hö­hen­me­tern (Foto: Jo­han­nes Beck)
Um zu wis­sen, ob in Lis­sa­bon gute Sicht herrscht oder nicht, mache ich gerne den »Ca­ste­lo de Pal­me­la-Test«: Ich bli­cke Rich­tung Süden, um zu sehen wie gut man die Burg von Pal­me­la in 26 km Luft­li­nie er­bli­cken kann.
Sie ist durch ihre ex­po­nier­te Lage auf einem Hügel 232 m über dem Meer von fast über­all zu er­ken­nen. Nach der Ero­be­rung von den Mau­ren im 13. Jahr­hun­dert be­fand sie sich bis zum 19. Jahr­hun­dert im Be­sitz des Rit­ter­or­dens von San­tia­go. 1945 rich­te­te die por­tu­gie­si­sche Re­gie­rung im ehe­ma­li­gen Klos­ter­bau ein staat­li­ches Pousa­da-Hotel ein. In­zwi­schen ge­hört die Pousa­da der pri­va­ten Hotel-Grup­pe Pestana, aber die fan­tas­ti­sche Aus­sicht und der Charme der alten Ge­mäu­er be­geis­tern wei­ter­hin.
Man muss aber nicht gleich hier über­nach­ten, um die Aus­sicht zu ge­nie­ßen. Auf dem frei zu­gäng­li­chen Burg­ge­län­de be­fin­det sich die rus­ti­ka­le Burg­ta­ver­ne Bobo da Corte mit preis­wer­ten Wei­nen und Tapas und einer gro­ßer Ter­ras­se.
Mein Tipp: Etwas un­ter­halb der Burg lie­gen wei­te­re emp­feh­lens­wer­te Aus­sicht­sca­fés mit Son­nen­ter­ras­sen. An der Burg­zu­fahrt stößt man auf das Culto Café im Lounge-Stil. Nach einer an­stren­gen­den Re­cher­che­tour einer mei­ner Lieb­lings­or­te, um bei herr­li­chem Blick Rich­tung Lis­sa­bon den Tag mit einem küh­len Ge­tränk und le­cke­ren Frisch­kä­se­tört­chen (cheese­ca­ke) aus­klin­gen zu las­sen.