Top Ten

Teil 10: Wach­au, Wald- und Wein­vier­tel

oder Ein Wein­fest, bei dem der Trau­ben­saft aus dem Stadt­brun­nen fließt

Portrait Barbara ReiterPortrait Michael WistubaDie Wach­au, etwa 80 Ki­lo­me­ter ent­fernt von Wien, ist eine gar nicht so be­kann­te Ge­gend, zu­min­dest für deut­sche Rei­sen­de. Nicht nur des­halb haben un­se­re zwei Ös­ter­reich-Ex­per­ten Bar­ba­ra Rei­ter und Micha­el Wi­stu­ba eine Lie­bes­er­klä­rung an die Land­schaft im Do­nau­tal ge­schrie­ben. Wer zu­nächst einen schnel­len Über­blick braucht (auch über das an­gren­zen­de Wald- und Wein­vier­tel), kann in ihre Top Ten hin­einschmö­kern – und zum Bei­spiel er­fah­ren, wel­ches Fluss­bad sich wirk­lich lohnt und wo die Skulp­tur einer »re­gi­ons­ty­pi­schen« Nase zu be­stau­nen ist …


Wach­au, Wald- und Wein­vier­tel –
Bar­ba­ra Rei­ters und Micha­el Wi­stu­bas Top Ten

Über­nach­ten: Die »Suite« des Abtes

Vom Mittelalter zur Barockzeit – Erentrudiskapelle und Stiftskirche Göttweig (Foto: Michael Wistuba)
Vom Mit­tel­al­ter zur Ba­rock­zeit – Eren­tru­dis­ka­pel­le und Stifts­kir­che Gött­weig (Foto: Micha­el Wi­stu­ba)
Weit­hin sicht­bar thront das Be­ne­dik­ti­ner­stift Gött­weig auf einer be­wal­de­ten Berg­kup­pe am öst­lichs­ten Punkt der Wach­au, dem be­rühm­ten zum Wel­ter­be zäh­len­den Do­nau­tal. Neben be­schei­de­nen Gäs­te­zim­mern im Exer­zi­ti­en­haus bie­tet das Stift auch eine ex­klu­si­ve Un­ter­kunft an: Beim 120 Qua­drat­me­ter gro­ßen Be­ne­dikt-Ap­par­te­ment han­delt es sich um die frü­he­re Abt­woh­nung, die zu einer ele­gan­ten Suite um­ge­stal­tet ist. Die Räume aus der Ba­rock­zeit haben hohe Stuck­de­cken, Par­kett­bö­den und Flü­gel­tü­ren, sind mit An­ti­qui­tä­ten und Öl­ge­mäl­den aus­ge­stat­tet und ver­fü­gen sogar über eine klei­ne Bi­blio­thek. Ein ge­räu­mi­ges Ba­de­zim­mer mit Du­sche und Ba­de­wan­ne sowie eine kom­plett aus­ge­stat­te­te Küche ge­hö­ren na­tür­lich auch dazu. Die Kos­ten pro Nacht be­tra­gen 175 Euro für zwei Per­so­nen, ins­ge­samt kön­nen bis zu sechs Per­so­nen in der Suite näch­ti­gen. Eine Bu­chung ist von April bis Ok­to­ber mög­lich.
Das Früh­stück, das im Preis in­be­grif­fen ist, ge­nießt man im Stifts­re­stau­rant, des­sen Ter­ras­se einen Traum­blick über die Wach­au bie­tet. Der mor­gend­li­che Spa­zier­gang dort­hin führt über den Stifts­hof, wo man mit einem Rund­um­blick gleich die ganze Ge­schich­te des Klos­ters er­fasst: Da ist an er­höh­ter Stel­le die mit­tel­al­ter­li­che Eren­tru­dis­ka­pel­le, die noch aus der ers­ten Bauepo­che aus dem 11. und 12. Jahr­hun­dert stammt. Ihr ge­gen­über ste­hen die ba­ro­cken Klos­ter­bau­ten mit der Stifts­kir­che, die nach einem ver­hee­ren­den Groß­brand im 18. Jahr­hun­dert neu er­rich­tet wur­den.


Klima: Retz, der re­gen­ärms­te Ort Ös­ter­reichs

Ungewöhnlich wolkenverhangen – der Himmel über den Bürgerhäusern am Hauptplatz von Retz (Foto: Michael Wistuba)
Un­ge­wöhn­lich wol­ken­ver­han­gen – der Him­mel über den Bür­ger­häu­sern am Haupt­platz von Retz (Foto: Micha­el Wi­stu­ba)
Nie­der­schlags­rei­che Wet­ter­la­gen er­rei­chen Ös­ter­reich üb­li­cher­wei­se aus dem Wes­ten und dem Süden. Sie reg­nen sich in den Alpen und an ihren Rän­dern mit Nie­der­schlags­men­gen bis zu 3000 mm pro Jahr ab. Im Re­gen­schat­ten be­fin­den sich hin­ge­gen die öst­li­chen Lan­des­tei­le, zu denen auch das Wein­vier­tel zählt. Am tro­ckens­ten ist es – bei nur 450 mm Re­gen­men­ge jähr­lich! – in der Stadt Retz, die in­mit­ten einer sanft­wel­li­gen Hügel- und Wein­gar­ten­land­schaft im nord­west­lichs­ten Eck des Wein­vier­tels liegt.
Die lieb­li­che Land­schaft und das re­gen­ar­me Klima, das für eine süd­län­di­sche At­mo­sphä­re sorgt, sind mit ein Grund, warum die tra­di­ti­ons­rei­che We­in­stadt zu einem der be­lieb­tes­ten Orte der Re­gi­on zählt. Dazu kom­men noch ein alt­ehr­wür­di­ger Haupt­platz mit schö­nen Bür­ger­häu­sern, ein rie­si­ges, un­ter­ir­di­sches Kel­ler­la­by­rinth, das als Er­leb­nis­kel­ler be­sucht wer­den kann, mit­tel­al­ter­li­che Stadt­mau­er­res­te, in­ter­es­san­te Mu­se­en und eine tra­di­tio­nel­le Wind­müh­le als Wahr­zei­chen. Und wie könn­te es in der größ­ten Wein­bau­re­gi­on Ös­ter­reichs an­ders sein: rau­schen­de Wein­fes­te, bei denen der ver­go­re­ne Trau­ben­saft sogar aus dem Stadt­brun­nen am Haupt­platz fließt.


Wan­dern: Die Na­tur­kunst­wer­ke im Wald­viert­ler Hoch­land

Der kleine Steinerne Torbogen im Granit-Hochland (Foto: Michael Wistuba)
Der klei­ne St­ei­ner­ne Tor­bo­gen im Gra­nit-Hoch­land (Foto: Micha­el Wi­stu­ba)
Süd­west­lich von Zwettl brei­tet sich eine der ur­sprüng­lichs­ten Fle­cken der Re­gi­on aus: ein stim­mungs­vol­les, be­wal­de­tes Gra­nit-Hoch­land, über­sät von bi­zar­ren Stein­for­ma­tio­nen und haus­ho­hen Gra­nit­blö­cken, die sich bes­tens als Wan­der­zie­le eig­nen. Ab dem klei­nen Dorf Kirch­bach lohnt sich be­son­ders der 11 km lange, be­schil­der­te Rund­wan­der­weg Nr. 11: Er führt gleich zu meh­re­ren se­hens­wer­ten St­ein­ge­bil­den.
Durch einen bild­schö­nen Fich­ten- und Kie­fern­hoch­wald mit wei­chem, fe­dern­dem Boden und Un­men­gen an Hei­del­beer­pflan­zen ge­langt man zum St­ei­ner­nen Tor­bo­gen. Er er­hielt sei­nen Namen wegen der zwei rie­si­gen Gra­nit­blö­cke, die als eine na­tür­li­che St­ein­brü­cke mit­ein­an­der ver­bun­den sind – üb­li­cher­wei­se kommt so etwas nur im Kalk­ge­bir­ge vor. Eine Vier­tel­stun­de spä­ter er­reicht man die so­ge­nann­te Glet­scher­müh­le, ein 12 m hohes tur­mar­ti­ges Fels­ge­bil­de mit mul­den­ar­ti­gen Ver­tie­fun­gen, das aber nicht der Glet­scher, der in diese Re­gi­on nie vor­stieß, son­dern Wind und Wet­ter ge­schaf­fen haben. Kurz dar­auf folgt die St­ei­ner­ne Stube, ein von der Natur ge­bil­de­ter, zim­mer­gro­ßer Un­ter­stand aus Fels­blö­cken. Hö­he­punkt der Runde im wahrs­ten Sinne des Wor­tes ist die 844 m hohe Bur­glei­ten, ein steil ab­fal­len­der Fels­gip­fel, der eine fa­bel­haf­te Aus­sicht bie­tet. Diese mach­ten sich schon Burg­her­ren im 12. Jahr­hun­dert zu­nut­ze, von ihrer An­la­ge sind aber nur noch we­ni­ge Mau­er­res­te vor­han­den.
Vi­el­leicht hat sie ein­mal so aus­ge­se­hen wie die nur 10 km ent­fern­te Burg Rap­pot­ten­stein, die seit der­sel­ben Zeit na­he­zu un­ver­än­dert auf einem ge­wal­ti­gen Fels­block thront. In stünd­li­chen Füh­run­gen kann sie von Mai bis Sep­tem­ber täg­lich außer Mon­tag be­sich­tigt wer­den.


Ein­kau­fen: Bum­mel­ver­gnü­gen in der Krem­ser Land­stra­ße

Schöner Bummeln – die Einkaufsmeile von Krems an der Donau (Foto: Michael Wistuba)
Schö­ner Bum­meln – die Ein­kaufs­mei­le von Krems an der Donau (Foto: Micha­el Wi­stu­ba)
Die Obere und die an­schlie­ßen­de Un­te­re Land­stra­ße sind die Haupt­ach­se des alten Stadt­kerns von Krems an der Donau – und zu­gleich die schöns­te und längs­te Ein­kaufs- und Bum­mel­mei­le der Re­gi­on. Zu bei­den Sei­ten flan­kiert von her­aus­ge­putz­ten, denk­mal­ge­schütz­ten Bür­ger- und Han­dels­häu­sern aus der Re­nais­sance- und Ba­rock­zeit, sor­gen rund 180 Ge­schäf­te für ein be­son­de­res Ein­kaufs­ver­gnü­gen, zahl­rei­che Café-Kon­di­to­rei­en und Re­stau­rants laden zum ku­li­na­ri­schen Zwi­schen­stopp ein.
Das west­li­che Ende der Land­stra­ße be­grenzt das mo­nu­men­ta­le St­ei­ner Tor, das letz­te von einst vier Stadt­to­ren. Un­weit davon, an der Obe­ren Land­stra­ße 36 lockt die Tra­di­ti­ons­de­stil­le­rie Hel­ler­schmid zu einer Kost­pro­be von der »b’sof­fe­nen Ma­ril­le«, eine in Schnaps und Likör ein­ge­leg­te Apri­ko­se, die in der Wach­au wächst. Der Dürn­stei­ner Bä­cker Schmidl, Er­fin­der des Wach­au­er La­berls, des ul­ti­ma­ti­ven Heu­ri­gen­ge­bäcks, hat eine ent­zü­ckend auf Nost­al­gie ge­trimm­te Fi­lia­le in der Obe­ren Land­stra­ße 8. Neben Ab­le­gern in­ter­na­tio­na­ler Ket­ten gibt es auch noch Mo­de­ge­schäf­te ein­hei­mi­scher Be­trei­ber, dar­un­ter spor­tiv (Obere Land­str. 34), St­ein­ecker (Nr. 7) und Leo­nar­do (Nr. 4). Im Hut­sa­lon Ma­ri­an­ne, eben­falls in Nr. 4 wer­den Kopf­be­de­ckun­gen noch hand­ge­fer­tigt, etwa der »Ori­gi­nal Krem­ser Hut« aus schwar­zem Filz. Gut sor­tiert ist auch die Buch­hand­lung Schmidl (Obere Land­str. 5), in ihrem »Wach­au-Schau­fens­ter« liegt auch stets – sehr zur Freu­de der Au­to­ren – das ent­spre­chen­de Buch aus dem Micha­el Mül­ler Ver­lag …


Baden: Das idyl­li­sche Strand­bad am Kamp

Nichts weniger als Österreichs schönstes Flussbad (Foto: Michael Wistuba)
Nichts we­ni­ger als Ös­ter­reichs schöns­tes Fluss­bad (Foto: Micha­el Wi­stu­ba)
Wird es im Som­mer drü­ckend heiß, hilft am bes­ten der Sprung ins kühle Nass eines Flus­ses, und einer der schöns­ten Orte Ös­ter­reichs, um genau das zu tun, ist das Strand­bad von Plank am Kamp, 13 km nörd­lich der We­in­stadt Lan­gen­lois. Von der Kamp­tal­stra­ße aus sieht man schon das höl­zer­ne, rot-weiß ge­streif­te Ba­de­haus auf sei­nem stei­ner­nen So­ckel, das vor rund 100 Jah­ren er­rich­tet wurde. Mit sei­nen bei­den L-för­mi­gen Trak­ten – sie be­her­ber­gen Um­klei­de­ka­bi­nen, Du­schen und das Bad­ki­osk – um­schließt es eine Lie­ge­wie­se, große alte Bäume bie­ten Schat­ten.
Eine stein­ge­mau­er­te Trep­pe führt zum Ufer des Kamp hinab, der hier von einer Fels­wand ein­ge­zwängt, eine idea­le Schwimm­tie­fe bie­tet. Über eine Lei­ter taucht man in das bis zu 23° C warme Was­ser ein, das recht ge­mäch­lich da­hin­plät­schert. Seine rost­brau­ne Farbe darf einen nicht ab­schre­cken, sie stammt vom hohen Ei­sen­ge­halt und macht es be­son­ders sam­tig. Um die ma­le­ri­sche Sze­ne­rie zu ver­voll­stän­di­gen, thront ein rot-wei­ßer sechs­ecki­ger Holz­pa­vil­lon in son­ni­ger Lage über dem Fluss­ufer. Er wurde erst vor rund zehn Jah­ren er­rich­tet und er­in­nert daran, dass das Jahr­hun­dert­hoch­was­ser des Kamp im Au­gust 2002 das Fluss­bad ver­wüs­tet hat. Viele flei­ßi­ge Hände setz­ten es da­nach wie­der in­stand, und ja, es wurde schö­ner als je zuvor.
Das Strand­bad ist von Mitte Juni bis Ende Au­gust täg­lich von 10 bis 20 Uhr ge­öff­net, der Ein­tritt kos­tet 2 €.


Essen und Trin­ken: Der Perzy, Ös­ter­reichs nörd­lichs­tes Gast­haus

Das Obere Wald­vier­tel ist Ös­ter­reichs nörd­lichs­te Re­gi­on. Ganz oben links buch­tet es sich noch­mals ein wenig in Rich­tung Süd­böh­men aus, und da mit­ten­drin liegt der Perzy ein Gast­haus wie aus dem Bil­der­buch, am Rand des Rot­ta­ler Forsts, vorne raus Fel­der, Wie­sen und Fisch­tei­che, ein paar ver­spreng­te Häu­ser. Die In­nen­ein­rich­tung ist noch aus den 1920ern: eine ge­räu­mi­ge Schank, wo Schrem­ser Bier ge­zapft wird, rus­ti­ka­le Ti­sche und Stüh­le, rund­um eine höl­zer­ne Wand­ver­tä­fe­lung. Aus der Küche kommt so­li­de Haus­manns­kost, be­leg­te Brote zur Jause (ca. 3,50 €), Milch­rahm­sup­pe (3,50 €), »hand­ge­wut­zel­te« Mohn­nu­deln (4 €). Weit­hin be­kannt ist der Perzy aber für den ofen­fri­schen Schweins­bra­ten mit Wald­viert­ler Erd­äp­fel­knö­del und Sau­er­kraut (10,90 €).
1828 gab es hier in Rot­tal 22 erst­mals eine Schank­wirt­schaft, Bier und Schnaps kamen da­mals aus Süd­böh­men, ab 1948 war die nur 1 km ent­fern­te Gren­ze dann für über 40 Jahre dicht. So knapp am Ei­ser­nen Vor­hang wurde beim Perzy nicht viel mo­der­ni­siert, ein Glück, so blieb die his­to­ri­sche Aus­stat­tung er­hal­ten. Heute ge­hört das Wirts­haus zum nahen Golf­club Haug­schlag, was ihm das Fort­be­ste­hen si­chert. Aber nicht nur Golf­spie­ler sind hier zu Gast, der Perzy lockt Aus­flüg­ler aus wei­ter Ferne an, wes­halb man un­be­dingt re­ser­vie­ren soll­te!
Ge­öff­net ist zur Golf­sai­son von April bis Ok­to­ber und zwar: Don­ners­tag und Frei­tag ab 17 Uhr sowie Sams­tag und Sonn­tag ab 11.30 Uhr. Rot­tal 22, 3874 Lit­schau, Tel. +43/2865-8433.


Skulp­tur: Die ide­al­ty­pi­sche Wach­au­er Nase

Zunächst kritisch beschnuppert, dann eine Touristenattraktion – die Wachauer Nase der Künstlergruppe gelitin (Foto: Michael Wistuba)
Zu­nächst kri­tisch be­schnup­pert, dann eine Tou­ris­ten­at­trak­ti­on – die Wach­au­er Nase der Künst­ler­grup­pe ge­li­tin (Foto: Micha­el Wi­stu­ba)
Fährt man im Her­zen der Wel­ter­be­re­gi­on Wach­au mit der Roll­fäh­re vom Wein­ort Wei­ßen­kir­chen ans an­de­re Do­nau­ufer, liegt dort, gleich neben der Fähr­sta­ti­on St. Lo­renz, eine vier Meter hohe und zehn Meter lange Nase aus fein ge­ar­bei­te­tem Beton. Es sieht aus, als wäre hier ein Riese be­gra­ben, des­sen Riech­kol­ben aus der Wiese ragt. Die Na­sen­lö­cher sind groß genug, damit man auf­recht hin­durch­ge­hen kann; wer sich traut, kra­xelt über den Na­sen­rü­cken auf die Spit­ze.
Für ihre Na­sen­skulp­tur hat die Wie­ner Künst­ler­grup­pe ge­li­tin 70 Wach­au­er Nasen ver­mes­sen und in Gips ge­gos­sen, um dar­aus eine »re­gi­ons­ty­pi­sche« Nase zu kre­ieren. Die Skulp­tur wurde an­schlie­ßend tief im Boden ver­an­kert, um dem hier häu­fig auf­tre­ten­den Do­nau­hoch­was­ser zu trot­zen. Dass die Na­sen­lö­cher dabei in den Flu­ten ver­sin­ken und auf­grund des ab­ge­la­ger­ten Do­nau­schlamms zu stin­ken be­gin­nen, ist von der Künst­ler­grup­pe ge­wollt. Eben­so, dass der Nase ein­mal in Form von klei­nen Grä­sern und Bü­schen Na­sen­haa­re wach­sen wer­den. Dazu passt auch, dass ge­li­tin bei der Er­öff­nungs­fei­er im Juli 2014 in einer Per­for­mance einen rie­si­gen Na­sen­po­pel, der aus ek­li­ger Sub­stanz be­stand, aus der Höhle zogen.
Er­war­tungs­ge­mäß sorg­te die Wach­au­er Nase zu Be­ginn für große Auf­re­gung – von »Ab­nor­mem Kunst­ge­schmack« und »Wer­te­ver­fall« war die Rede … Eben­so er­war­tungs­ge­mäß ist sie mitt­ler­wei­le Tou­ris­ten­at­trak­ti­on und ein neues Wahr­zei­chen der Wach­au ge­wor­den.


Mit Kin­dern: Elf Ver­ste­cke für Wild­kat­zen

Auf den Spuren der Wildkatze im Nationalpark Thayatal (Foto: Michael Wistuba)
Auf den Spu­ren der Wild­kat­ze im Na­tio­nal­park Tha­ya­tal (Foto: Micha­el Wi­stu­ba)
Der Na­tio­nal­park Tha­ya­tal di­rekt an der ös­ter­rei­chisch-tsche­chi­schen Gren­ze bie­tet ein fas­zi­nie­ren­des Durch­bruch­stal mit einer ar­ten­rei­chen Tier- und Pflan­zen­welt. 2007 konn­te in sei­nen na­tur­na­hen Wäl­dern die in Ös­ter­reich als aus­ge­stor­ben gel­ten­de Wild­kat­ze erst­mals wie­der ge­sich­tet wer­den. Auf dem Wild­kat­zen­wan­der­weg kann man sich auf die Spu­ren die­ses scheu­en Tie­res be­ge­ben, das man in na­tu­ra ei­gent­lich nie zu Ge­sicht be­kommt. Statt­des­sen gilt es, die im Ge­büsch, auf Bäu­men oder in Wur­zel­stö­cken ver­steck­ten ei­ser­nen Wild­kat­zen­sil­hou­et­ten auf­zu­spü­ren. Was manch­mal gar nicht so ein­fach ist, wes­halb Hin­weis­ta­feln beim Auf­fin­den der ins­ge­samt elf Ver­ste­cke hel­fen.
Der Wild­kat­zen­wan­der­weg star­tet am Na­tio­nal­park­haus Har­degg und endet nach rund 2 km auf einer Wiese am Tha­yau­fer, die sich nach etwa 90-mi­nü­ti­ger Geh­zeit gut als Rast­platz und Spiel­wie­se eig­net. Dort ist auch ein Schleich­par­cours ein­ge­rich­tet, wo Kin­der ver­su­chen kön­nen, sich wie eine Wild­kat­ze zu be­we­gen.
Klei­ner Tipp: Wer vor 15.30 Uhr wie­der beim Na­tio­nal­park­haus ein­trifft, kann bei der Schau­füt­te­rung von Frie­da und Carlo zu­se­hen, die in einem gro­ßen Ge­he­ge ge­hal­ten wer­den. So könn­te man als Hö­he­punkt des Tages auch noch »echte« Wild­kat­zen be­ob­ach­ten …


Alte Mau­ern: Zwei Su­per­la­ti­ve im Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter Zwettl

Der frühgotische Kreuzgang des superlativen Zisterzienserstifts Zwettl (Foto: Michael Wistuba)
Der früh­go­ti­sche Kreuz­gang des su­per­la­ti­ven Zis­ter­zi­en­ser­stifts Zwettl (Foto: Micha­el Wi­stu­ba)
Das Zis­ter­zi­en­ser­stift Zwettl liegt 3 km au­ßer­halb der gleich­na­mi­gen Stadt in der Mitte des Wald­vier­tels. 1138 wurde es hier in tie­fer Wald­ein­sam­keit am Ufer des Kampf­lus­ses ge­grün­det. Die ers­ten Klos­ter­bau­ten waren bis ins frühe 13. Jahr­hun­dert fer­tig ge­stellt und haben sich bis heute er­hal­ten. Im Rah­men einer Au­dio­gui­de­tour, die von mit­tel­al­ter­li­cher Lau­ten­mu­sik un­ter­malt wird, kön­nen sie be­sich­tigt wer­den.
Diese führt zu­nächst zum Kam­pu­fer hin­un­ter und von dort in die äl­tes­ten, im Un­ter­ge­schoss ge­le­ge­nen Räume. Sie stam­men aus der Mitte des 12. Jahr­hun­derts, etwa das Dor­mi­to­ri­um, der Schlaf­saal der Mön­che, der sogar über eine Toi­let­ten­an­la­ge mit na­tür­li­cher »Was­ser­spü­lung« ver­füg­te. Die­ses Ne­ces­sa­ri­um (der Name kommt vom la­tei­ni­schen »ne­ces­se est« für »es ist not­wen­dig«) war ein über dem Kamp ge­le­ge­ner und nach unten of­fe­ner Raum, von dem die Mön­che ihre Not­durft in den Fluss plump­sen lie­ßen. Die­ses simp­le Sys­tem wurde in vie­len Klös­tern an­ge­wandt, be­stau­nen kann man es nur noch hier, wes­halb es – ein klein wenig lo­riothaft – als »äl­tes­te er­hal­te­ne La­tri­nen­la­ge Mit­tel­eu­ro­pas« be­zeich­net wird.
Da­nach steigt man hin­auf in den ein­drucks­vol­len Kreuz­gang, der bis 1240 ent­stand. Er ist eines der ers­ten Werke der Früh­go­tik in Ös­ter­reich. An den Ost­flü­gel des Kreuz­gangs schließt der Ka­pi­tel­saal an, der Ver­samm­lungs­raum der Klos­ter­brü­der. Eine ein­zi­ge Gra­nitsäu­le in der Mitte trägt sein Ge­wöl­be. Er wurde vor 1180 er­baut, und auch er kann mit einem Su­per­la­tiv glän­zen, han­delt es sich schließ­lich um das äl­tes­te noch er­hal­te­ne Ka­pi­tel­haus des ge­sam­ten Zis­ter­zi­en­ser­or­dens.
Die Au­dio­gui­de­füh­run­gen kön­nen für 10,50 € von Palm­sonn­tag bis Ende Ok­to­ber täg­lich zwi­schen 10 und 17 Uhr un­ter­nom­men wer­den.


Skur­ril: Das Non­se­um im »ver­ruck­ten« Dorf

Eine von vielen Skurrilitäten im verruckten Dorf … (Foto: Michael Wistuba)
Eine von vie­len Skur­ri­li­tä­ten im ver­ruck­ten Dorf … (Foto: Micha­el Wi­stu­ba)
Schon bei der Ort­sein­fahrt merkt man, dass in Herrn­baum­gar­ten, einem klei­nen Wein­bau­ort in der hü­ge­li­gen Land­schaft des nord­öst­li­chen Wein­vier­tels, der (schrä­ge) Humor zu Hause ist. Ort­sta­feln in sechs ver­schie­de­nen Spra­chen – von Is­län­disch bis Chi­ne­sisch – ver­kün­den, wo man sich be­fin­det: Wel­co­me in Mas­ter’s Tree Gar­den. In ähn­li­cher Ton­art geht es wei­ter, man trifft auf ein »Denk­mal für den Vogel Strauß«, das selbst­re­dend kopf­über im Sand­bo­den steckt, vor dem Ge­mein­de­amt steht eine Te­le­fon­zel­le für Han­dy­ge­sprä­che und vor dem Schrei­ber­haus die »Letz­te Ru­he­stät­te für den Wa­ckel­stein«.
In ge­ball­ter La­dung fin­det sich der skur­ri­le Humor im »Non­se­um« in der Orts­mit­te, wo der »Ver­ein zur Ver­wer­tung von Ge­dan­ken­über­schüs­sen« seit 1994 voll­kom­men nutz­lo­se All­tags­er­fin­dun­gen prä­sen­tiert, u. a. einen FKK-Kof­fer, einen Ze­bra­strei­fen zum Aus­rol­len, ein­ge­leg­te Glüh­bir­nen, eine Sit­zungs­bril­le, einen schall­dicht ver­pack­ten We­cker oder his­to­ri­sche Knopf­lö­cher, etwa jenes von Na­po­le­on.
Auf­grund des gro­ßen Er­fol­ges wurde ein Zubau nötig, der seit 2012 er­öff­net ist. Heute sind in bei­den Ge­bäu­den ins­ge­samt »487,3 Er­fin­dun­gen, die wir auch nicht brau­chen« zu sehen. Sie lo­cken jähr­lich rund 11.000 Be­su­cher an, unter ihnen auch Jour­na­lis­ten aus aller Welt: Die Wa­shing­ton Post, Le Fi­ga­ro und ein Fern­seh­team aus Süd­ko­rea waren schon da. 2015 hatte Non­se­um-Lei­ter Fritz Gall sogar einen Auf­tritt bei Ste­fan Raab in TV Total, wo er eine Aus­wahl der Ex­po­na­te vor­stell­te.
Das Non­se­um ist von Palm­sonn­tag bis Al­ler­hei­li­gen an Don­ners­ta­gen und Frei­ta­gen von 13 bis 18 Uhr ge­öff­net, sams­tags, sonn­tags und fei­er­tags ist ab 10 Uhr offen. Der Ein­tritt be­trägt 8,50 €.