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Teil 18: Dra­cu­la in der Stei­er­mark.

Über Bram Sto­kers Be­such in Ös­ter­reich.

Es klingt na­he­zu nied­lich, wenn man sich vor­stellt, dass der wil­des­te Blut­sau­ger aller Zei­ten – Dra­cu­la him­self – bei­na­he im Ost­stei­ri­schen um­ge­gan­gen wäre. Heute steht die al­pen­vor­län­di­sche Hü­gel­land­schaft für das grüne Herz Ös­ter­reichs, das mit einem mil­den Klima, einem spe­zi­el­len Kür­bis­kern­öl, dem wich­tigs­ten Ap­fel­an­bau­ge­biet des Lan­des und, nicht zu­letzt, einem er­fri­schen­den Ur­laubs­er­leb­nis punk­tet. Andre­as Hal­ler, Autor un­se­res »Stei­er­mark«-Rei­se­füh­rers (1. Auf­la­ge 2014), blickt hin­ter die Fas­sa­den des Allzu-Ober­fläch­li­chen.


Portrait Andreas HallerUn­ab­hän­gig davon, ob es sie gibt oder nicht: die Ost­stei­er­mark ist das Reich der Vam­pi­re. Dass die licht­scheu­en Blut­sau­ger sich hier be­son­ders hei­misch füh­len, ver­wun­dert an­ge­sichts der Schlös­ser und Bur­gen im ost­stei­ri­schen Hü­gel­land kaum. Be­son­ders die her­un­ter­ge­kom­me­nen, zu­wei­len schwer und ziem­lich mas­sig wir­ken­den Denk­mä­ler mit ihren ab­blät­tern­den Fas­sa­den ab­seits der aus­ge­tre­ten Pfade könn­ten in dunk­len Ver­lie­sen so manch un­heim­li­che Über­ra­schung ber­gen. Hinzu kommt die düs­te­re Epo­che der frü­hen Neu­zeit: Pest­epi­de­mi­en, Ver­wüs­tun­gen durch die Tür­ken und He­xen­jag­den er­ge­ben ein Flui­dum, das ro­man­ti­sche Schau­er­ge­schich­ten höchst plau­si­bel er­schei­nen lässt. Daher über­rascht es auch wenig, dass eng­li­sche Li­te­ra­ten im 19. Jahr­hun­dert auf der Suche nach In­spi­ra­ti­on für ihre Got­hic No­vels im Ost­stei­ri­schen fün­dig wur­den. Das be­rühm­tes­te Epos über Vam­pi­re aller Zei­ten, der 1897 pu­bli­zier­te Dra­cu­la-Roman des iri­schen Au­tors Bram Sto­ker, soll­te nicht nur in der Stei­er­mark spie­len – es ist sogar von einem in der Stei­er­mark han­deln­den Vam­pir­ro­man stark be­ein­flusst. Erst als Bram Sto­ker auf den his­to­ri­schen Gra­fen Dra­cu­la stieß, ver­leg­te er die Ro­man­hand­lung wei­ter nach Osten und ließ seine Prot­ago­nis­ten in Trans­sil­va­ni­en auf­tre­ten.


She­rid­an Le Fanus Stei­er­mark­sche Vam­pir­ge­schich­te

Wahrlich ein gutes Setting für Vampirromane, die Riegersburg bei Feldbach (Foto: Andreas Haller)
Wahr­lich ein gutes Set­ting für Vam­pir­ro­ma­ne, die Rie­gers­burg bei Feld­bach (Foto: Andre­as Hal­ler)
Das erste tat­säch­lich in der Stei­er­mark ver­or­te­te Werk aus der Gat­tung der »un­heim­li­chen Li­te­ra­tur« stammt von She­rid­an Le Fanu und trägt den Titel »Car­mil­la«. Die 1872 und damit 25 Jahre vor »Dra­cu­la« er­schie­ne­ne No­vel­le han­delt von einer Vam­pi­rin, die es aus­schließ­lich auf Frau­en ab­ge­se­hen hat. Die Idee zu die­ser Gru­sel­ge­schich­te geht wie­der­um auf einen Rei­se­be­richt des bri­ti­schen See­fah­rers und For­schers Basil Hall von 1836 zu­rück, »Schloss Hain­feld oder ein Win­ter in der Stei­er­mark«.
Noch in­ter­es­san­ter wird es, wenn man die fik­tio­na­li­sier­ten Orte in »Car­mil­la« ge­nau­er an­sieht. Die Haupt­hel­din ist ein jun­ges Mäd­chen na­mens Laura und wohnt in einem Schloss »30 Mei­len von Graz« ent­fernt. Mög­li­cher­wei­se war eben jenes er­wähn­te Schloss Hain­feld vor den Toren der Stadt Feld­bach ge­meint. Zumal She­rid­an Le Fanu auch von der nur un­weit von Feld­bach ge­le­ge­nen Rie­gers­burg und der eben­falls nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter von Feld­bach ent­fern­ten – und heute nicht mehr er­hal­te­nen – Burg Glei­chen­berg er­zählt. Wei­te­res Indiz ist der Fa­mi­li­en­na­me der Vam­pi­rin (»Karn­stein«): Er klingt ganz ähn­lich wie der Mäd­chen­na­me der Be­sit­ze­rin des Schlos­ses Hain­feld (»Crans­toun«). Sie, die spä­te­re Grä­fin von Purg­stall, hatte einst den Wis­sen­schaft­ler Basil Hall zu sich in die Ost­stei­er­mark ein­ge­la­den.


Wei­te­re skur­ri­le und ganz hand­fes­te His­to­ri­en und na­tür­lich jede Menge rei­se­prak­ti­sche Tipps fin­den Sie im Rei­se­füh­rer »Stei­er­mark« von Andre­as Hal­ler.