Wuss­ten Sie, dass …?

Teil 12: Die erste Dok­to­rin der Phi­lo­so­phie in Deutsch­land.

Ein klei­ner Aus­flug zu einer selbst­be­wuss­ten Frau des 18. Jahr­hun­derts.

Portrait Matthias KrönerLud­wig Sch­lö­zer hatte einen Traum. Wenn die Ideen der Auf­klä­rung rich­tig waren, muss­te es doch mög­lich sein, auch Frau­en zu hö­he­rer Bil­dung zu be­fä­hi­gen. Als Ver­suchs­ob­jekt dien­te ihm seine Toch­ter Do­ro­thea. Sie lern­te Platt­deutsch, meh­re­re Fremd­spra­chen, Ma­the­ma­tik und Na­tur­wis­sen­schaft sowie die Fer­tig­kei­ten einer künf­ti­gen Haus­frau. Dann be­glei­te­te sie ihren Vater auf einer Stu­di­en­rei­se nach Rom. 1787 war es so­weit: 17-jäh­rig ging Do­ro­thea Sch­lö­zer als ers­ter weib­li­cher »Dok­tor der Phi­lo­so­phie« in Deutsch­land in die Ge­schich­te ein. Frei­lich be­stand sie in der aka­de­mi­schen Män­ner­welt mit »rite«, der schlech­tes­ten Be­wer­tung. Am Fest­akt durf­te sie als un­ver­hei­ra­te­te Frau nicht teil­neh­men …


Die Er­fin­de­rin des deut­schen Dop­pel­na­mens

Nicht nur ums Holstentor ranken sich Geschichten (© Berit Koepke)
Nicht nur ums Hols­ten­tor ran­ken sich Ge­schich­ten (© Berit Ko­ep­ke)
Doch im Zeit­al­ter der Auf­klä­rung ge­riet Frau Dok­tor zum Ta­ges­ge­spräch, ihr Por­trät wurde auf Jahr­märk­ten ver­hö­kert. Das alles hin­der­te sie nicht daran, 1792 in Lü­beck eine gute Par­tie zu hei­ra­ten: den 15 Jahre äl­te­ren Pa­tri­zi­er und spä­te­ren Bür­ger­meis­ter Rodde, mit dem sie eine Patch­work­fa­mi­lie grün­de­te (sie soll­ten drei ge­mein­sa­me Kin­der haben, drei brach­te er in die Ehe ein). Mit dem Emi­gran­ten Charles de Vil­lers, einem fran­zö­si­schen Of­fi­zier und Phi­lo­so­phen, legte sich die eman­zi­pier­te Frau einen Lieb­ha­ber zu und lebte fort­an in einer Drei­ecks­be­zie­hung. Au­ßer­dem darf die ge­lehr­te Dame als Er­fin­de­rin des deut­schen Dop­pel­na­mens gel­ten – sie un­ter­zeich­ne­te aus­schließ­lich mit Rodde-Sch­lö­zer. Eine be­son­de­re Ehre wurde ihr zu­teil, als sie – wie­der als erste Frau – an einer Sit­zung des Pa­ri­ser Na­tio­nal­in­sti­tuts teil­neh­men durf­te.


Fi­nan­zi­el­ler und see­li­scher Zu­sam­men­bruch der Fa­mi­lie

Lübeck – die vielleicht schönste 200.000-Einwohnerstadt der Welt (© Matthias Kröner)
Lü­beck – die viel­leicht schöns­te 200.000-Ein­woh­ner­stadt der Welt (© Mat­thi­as Krö­ner)
Ab 1810 ging es mit der Fa­mi­lie steil berg­ab. Ihr Mann er­litt einen fi­nan­zi­el­len und see­li­schen Zu­sam­men­bruch; sie zogen nach Göt­tin­gen, Do­ro­theas Ge­burts­stadt, um. In den Fol­ge­jah­ren star­ben zwei ihrer Kin­der, das drit­te zeig­te An­zei­chen einer Schwind­sucht. Wäh­rend eines Er­ho­lungs­auf­ent­halts in Süd­frank­reich erlag Dr. Do­ro­thea Rodde-Sch­lö­zer in Avi­gnon 1825 einer Lun­gen­ent­zün­dung.




Wuss­ten Sie, dass …

  • das Hols­ten­tor im 19. Jahr­hun­dert bei­na­he ab­ge­ris­sen wor­den wäre? (Seite 61)
  • die Car­le­bachs eine ähn­lich be­weg­te Fa­mi­li­en­ge­schich­te wie die Manns zu er­zäh­len haben? (Seite 83)
  • die Stif­tung eines In­dus­tri­el­len der Stadt an die 100 Mio. Euro brach­te? (Seite 104)
  • Ed­vard Munch in Lü­beck den Grund­stein für seine in­ter­na­tio­na­le Kar­rie­re legte? (Seite 110)
  • der No­bel­preis­ro­man »Bud­den­brooks« erst zwei Jahre nach der Erst­aus­ga­be ein Welter­folg wurde? (Seite 136)
  • der größ­te Fäl­scher­skan­dal der Nach­kriegs­zeit in St. Ma­ri­en statt­fand? (Seite 140)
  • Mar­zi­pan als Po­tenz­mit­tel ver­ord­net wurde? (Seite 29)
  • die Ma­ri­en­kir­che die zweit­höchs­te Dop­pel­turm­fas­sa­de der Welt hat? (Seite 137)
  • der äl­tes­te Leucht­turm Deutsch­lands in Tra­ve­mün­de steht? (Seite 171)
  • und die frü­hes­te nach Deutsch­land ge­lang­te ägyp­ti­sche Mumie in Lü­beck liegt? (Seite 71)


Ant­wor­ten und jede Menge rei­se­prak­ti­sche Tipps fin­den Sie im Rei­se­füh­rer »Lü­beck MM-City« von Mat­thi­as Krö­ner.