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Teil 23: Die Fla­min­gos von Por­tu­gal.

Vo­gel­kund­ler, auf­ge­passt! Zwi­schen Sep­tem­ber und April hal­ten sich im Fluss­mün­dungs­ge­biet des Tejo die ein­zi­gen zwei Fla­min­go-Ko­lo­ni­en Eu­ro­pas auf. Auf einer von 15 Wan­de­run­gen führt unser Lis­sa­bon-Autor Jo­han­nes Beck zu jenen Tie­ren mit dem lus­ti­gen Gang und den lan­gen, ge­bo­ge­nen Häl­sen und ver­rät gute Stel­len, wo sich eine Be­ob­ach­tung lohnt.


Portrait Johannes BeckDas Na­tur­schutz­ge­biet des Tejo-Del­tas er­streckt sich am öst­li­chen Ende des Tejo-Bin­nen­mee­res Mar da Palha auf über 14.560 ha in di­rek­ter Nach­bar­schaft der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt. Zahl­rei­che Zug­vö­gel nut­zen die­ses größ­te Fluss­mün­dungs­ge­biet Por­tu­gals als wich­ti­ge Zwi­schen­sta­ti­on auf dem Weg von (Nord-)Eu­ro­pa nach Afri­ka. Die beste Be­suchs­zeit sind daher die Mo­na­te von Sep­tem­ber bis April.


Bis zu 120.000 Zug­vö­gel im Tejo-Delta

Die Flamingos in der französischen Camargue, eine von zwei europäischen Flamingo-Kolonien (Foto: Ralf Nestmeyer)
Die Fla­min­gos in der fran­zö­si­schen Ca­mar­gue, eine von zwei eu­ro­päi­schen Fla­min­go-Ko­lo­ni­en (Foto: Ralf Nest­mey­er)
Im Ja­nu­ar hal­ten sich in den weit­läu­fi­gen Sumpf­ge­bie­ten bis zu 120.000 Vögel auf. Im Herbst und im Früh­jahr kann man sogar Fla­min­gos be­ob­ach­ten, die von den bei­den ein­zi­gen eu­ro­päi­schen Fla­min­go-Ko­lo­ni­en in der fran­zö­si­schen Ca­mar­gue und der an­da­lu­si­schen La­gu­na Fu­en­te de Pie­dra hier­her ge­flo­gen kom­men. Da ver­wun­dert es nicht, dass das Tejo-Delta als öko­lo­gisch be­deu­tends­tes Feucht­ge­biet Por­tu­gals be­reits 1976 zum Na­tur­schutz­ge­biet er­klärt wurde.

Der Blick von Lissabon auf das Tejo-Binnenmeer (Foto: Johannes Beck)
Der Blick von Lis­sa­bon auf das Tejo-Bin­nen­meer (Foto: Jo­han­nes Beck)
Sogar aus dem deut­schen Wat­ten­meer zie­hen die so­ge­nann­ten Sä­bel­schnäb­ler zwi­schen No­vem­ber und Fe­bru­ar ans Tejo-Delta – zeit­wei­se be­fin­den sich hier bis zu 50 Pro­zent der in ganz We­st­eu­ro­pa vor­kom­men­den Ex­em­pla­re! Die etwa tau­ben­gro­ßen Vögel ge­hö­ren mit ihren sä­bel­för­mi­gen Schnä­beln, dem schwarz-wei­ßen Kopf sowie ihren hohen Bei­nen zu den auf­fäl­ligs­ten Arten im Fluss­mün­dungs­ge­biet. Mit dem Schna­bel durch­pflü­gen sie wäh­rend der Ebbe das schlam­mi­ge Flach­was­ser und fil­tern Kreb­se, Wür­mer und In­sek­ten aus dem Schlick. Das auch bei Flut nur we­ni­ge Meter tiefe Was­ser nut­zen zahl­rei­che Fi­sche wie See­bar­sche, See­zun­gen oder Ra­ben­fi­sche als Laich­platz. Au­ßer­dem sind Rei­her, Strand­läu­fer und Mäu­se­fal­ken zu be­ob­ach­ten.


Zu den Sa­li­nen und Fla­min­gos von Al­co­che­te

Der Eingang zum Naturschutzgebiet bei den Salzsalinen (Foto: Johannes Beck)
Der Ein­gang zum Na­tur­schutz­ge­biet bei den Salz­sa­li­nen (Foto: Jo­han­nes Beck)
Sehr gut las­sen sich die Vögel wäh­rend der Rund­wan­de­rung »Zu den Sa­li­nen und Fla­min­gos von Al­co­che­te« be­trach­ten. Diese Tour ge­hört zu den 15 Wan­de­run­gen in und um Lis­sa­bon, die im Rei­se­füh­rer »Lis­sa­bon & Um­ge­bung« (7. Auf­la­ge 2015) be­schrie­ben sind. Die leicht zu be­ge­hen­de Rund­wan­de­rung führt vom se­hens­wer­ten Zen­trum der Kle­in­stadt Al­co­che­te (aus Lis­sa­bon in einer hal­ben St­un­de per Bus er­reich­bar) zu den weit­läu­fi­gen Sa­li­nen. Sie be­fin­den sich neben Eu­ro­pas längs­ter Brü­cke, der Ponte Vasco da Gama.
Die Sa­li­nen wer­den über Ka­nä­le re­gel­mä­ßig mit Salz­was­ser aus dem Tejo-Delta ver­sorgt. Zu­rück bleibt Meer­salz. Frü­her war die­ses Salz ein wich­ti­ger lo­ka­ler Wirt­schafts­zweig. Heute wer­den die Sa­li­nen in ers­ter Linie aus Na­tur­schutz­grün­den be­trie­ben, da sie vie­len Vö­geln als Nah­rungs­quel­le die­nen.

Typisch portugiesisch, die Altstadt von Alcochete (Foto: Johannes Beck)
Ty­pisch por­tu­gie­sisch, die Alt­stadt von Al­co­che­te (Foto: Jo­han­nes Beck)
Hier bei Al­co­che­te hal­ten sich häu­fig ro­sa­ro­te Fla­min­gos auf, die man auf­grund ihres lus­ti­gen Gangs und ihrer lan­gen, ge­bo­ge­nen Hälse leicht iden­ti­fi­zie­ren kann. Da sie etwas scheu sind, be­kommt man einen guten Blick nur mit Feld­ste­cher oder Te­le­ob­jek­tiv. Am bes­ten be­sucht man eine der Sa­li­nen am We­strand von Al­co­che­te, die west­lich des idyl­li­schen Stran­des Praia dos Mo­in­hos lie­gen.
Wer möch­te, kann statt einer in­di­vi­du­el­len Wan­de­rung auch or­ga­ni­sier­te Tou­ren mit Or­ni­tho­lo­gen oder Boots­fahr­ten durch das Tejo-Delta un­ter­neh­men.


Wei­te­re In­for­ma­tio­nen

Ein emp­feh­lens­wer­ter Or­ni­tho­lo­ge ist João Jara – Tel. 00351/913299990; www.birds.pt.

Die Boots­fahr­ten durch das Tejo-Delta sind buch­bar über die Stadt­ver­wal­tung Al­co­che­te: Tel. 00351/212348655; www.cm-al­co­che­te.pt.