Wuss­ten Sie, dass …?

Teil 19: Die Raf­fi­ne­ri­en der Pfalz.

Ein klei­ner Aus­flug zur Erd­öl­ge­win­nung zwi­schen idyl­li­schen Wein­ber­gen.

Zwei von fünf Deut­schen ver­brach­ten 2013 ihren Ur­laub im ei­ge­nen Land. Vi­el­leicht einer der Grün­de, wes­halb sich unser Pfalz-Rei­se­füh­rer (3. Auf­la­ge 2014) zu einem klei­nen Deutsch­land-Best­sel­ler ent­wi­ckelt hat. Ein zwei­ter Grund be­steht mög­li­cher­wei­se darin, dass un­se­re Bü­cher immer ein wenig mehr sein wol­len als nur: Rei­se­füh­rer. Oder wuss­ten Sie, dass in der Pfalz – seit 1955 – Erdöl ge­för­dert wird?


Portrait Ansgar Schmitz-VeltinPortrait Stefanie Schmitz-VeltinWenn man die Wein­ber­ge der Süd­pfalz durch­streift, er­scheint einem vie­les sehr idyl­lisch: viel grü­nes oder bun­tes Wein­laub, hin und wie­der hohe Baum­rei­hen, von He­cken ge­säum­te Bäche und am Ende man­cher Wein­zei­le steht ein Ro­sen­stock. Da­zwi­schen tau­chen die klei­ne­ren, aber auch grö­ße­ren Dör­fer auf. Von ei­ni­gen Stel­len aus ist von den Dör­fern nichts als der Kirch­turm zu sehen. Der Rest ver­schwin­det hin­ter den sie um­ge­ben­den Hü­geln. Doch hin und wie­der bleibt der Blick an einem teil­wei­se ros­ti­gen Zaun und dem da­hin­ter lie­gen­den »Ding« hän­gen. Auf ca. 30 x 30 m gro­ßen, um­zäun­ten Par­zel­len ste­hen selt­sa­me und eher wenig idyl­li­sche Ge­rät­schaf­ten, deren Gestalt an Pfer­de­köp­fe er­in­nert.


Das größ­te Erd­öl­vor­kom­men Süd­deutsch­lands

Eine der berühmten Pferdekopfpumpen für Süddeutschlands größtes Erdölfeld (Foto: Stefanie Schmitz-Veltin)
Eine der be­rühm­ten Pfer­de­kopf­pum­pen für Süd­deutsch­lands größ­tes Erd­öl­feld (Foto: Ste­fa­nie Schmitz-Vel­tin)
Die Er­klä­rung über­rascht: Hier wer­den die Wein­ber­ge in­dus­tri­ell ge­nutzt. Die als »Pfer­de­kopf­pum­pen« be­zeich­ne­ten Ma­schi­nen die­nen der Erd­öl­för­de­rung. In der geo­lo­gisch viel­fäl­ti­gen Gr­aben­struk­tur des Ober­rhein­gra­bens gibt es an ei­ni­gen Stel­len – bis heute – Erd­öl­vor­kom­men. 50 km wei­ter süd­lich, im el­säs­si­schen Pe­schel­bronn, wur­den be­reits im 18. und 19. Jahr­hun­dert Öl­san­de ab­ge­baut. Auch im süd­pfäl­zi­schen Frank­wei­ler war das Vor­kom­men von »schwar­zem Gold« be­kannt; es trat in den Kel­lern aus.

So mach­te man sich auf die Suche nach mehr Öl – und dem er­hoff­ten Wohl­stand. Doch die Suche ver­lief lange er­folg­los. Die ge­fun­de­nen Öl­men­gen waren zu ge­ring, um einer För­de­rung wür­dig zu sein. Erst 1955 wurde in durch­schnitt­lich 1.200 m Tiefe das Lan­dau­er Öl­feld ent­deckt: ein gro­ßes, aus acht Schol­len be­ste­hen­des Erd­öl­feld in ter­tiä­ren Mer­gel- und Sand­stein­schich­ten.

Abendidylle pur. An den Weinbergen der Pfalz (Foto: Stefanie Schmitz-Veltin)
Aben­didyl­le pur. An den Wein­ber­gen der Pfalz (Foto: Ste­fa­nie Schmitz-Vel­tin)
Seit­her wird das Öl in­dus­tri­ell ge­för­dert. Im Laufe der Jahre wur­den 200 Boh­run­gen ge­tä­tigt und 4,4 Mio. t Erdöl ge­won­nen. Der­zeit lie­fern die knapp 70 Pfer­de­kopf­pum­pen jähr­lich um die 20.000 l Öl. Der wert­vol­le Roh­stoff wird in die nahe ge­le­ge­ne Raf­fi­ne­rie Karls­ru­he ge­bracht und dort wei­ter­ver­ar­bei­tet. Zu­ge­ge­ben, der An­teil an der deut­schen Erd­öl­pro­duk­ti­on liegt unter einem Pro­zent, aber den­noch ist das Lan­dau­er Erd­öl­vor­kom­men das größ­te Süd­deutsch­lands.